Ist das Saarland provinziell?

20. Juli 2010 | Ein Kommentar

Dr. Ralph Melcher ist Vorstand der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz. Unter ihrem Dach vereint die SSK die wichtigsten Museen des Saarlandes. Doch die Stiftung und ihr Chef haben ein Problem.

Schon im letzen Jahr wurde angesichts der Ausschreibung für einen vierten Pavillon des Saarlandmuseums heftig gestritten, ob es dabei mit rechten Dingen zuging, weil der Siegerentwurf nicht den Vorgaben der Wettbewerbsausschreibung entsprach. Bürger und Stadtverwaltung waren mit dem ausgesuchten Entwurf nicht einverstanden, weil man Angst hatte, dass der Anbau nicht in das Stadtbild und zum Museum passen könnte. Gerade erst hatten sich die Wogen geglättet. Nun gibt es einen Bericht der saarländischen Rechnungshofes, der das Finanzgebahren der Stiftung unter die Lupe nahm und gleich mehrere Dinge beanstandete.

Die Prüfer werfen dem promovierten Kunsthistoriker Melcher laut der Saarbrücker Zeitung vor, auf Dienstreisen in Begleitung seiner Ehefrau Steuergelder verschwendet zu haben. So soll Melcher ins Luxushotels abgestiegen sein und in den teuersten Restaurants diniert haben. Dabei soll er unter anderem in einem Restaurant 594 Euro ausgegeben haben, darunter waren zwei Flaschen Wein für jeweils 120 Euro. Bei Reisen nach Marbella, Venedig, London, Berlin, Paris und Wolfsburg soll Melcher schon mal bis zu 465 Euro pro Nacht bezahlt haben. Insgesamt habe Melcher zwischen im untersuchten Zeitraum zwischen 2006 und 2008 119 Belege (rund 20.500 Euro) aus der gehobenen Kategorie abgerechnet haben, darunter auch Einladungen an den ehemaligen Bildungsminister und jetzigen Fraktionsvorsitzenden der CDU-Landtagsfraktion Schreiner und die Bildungsministerin Kramp-Karrenbauer.

Als problematisch gilt auch eine Gehalterhöhung im Jahr 2007 um großzügige 3000 Euro. Melcher erhielt bei seiner Anstellung am 1. Januar 2004 das 1,4 fache der Vergütungsgruppe I des Bundesangestelltentarifvertrages. Dies bedeutete damals nach Recherchen der SZ rund 6000 Euro monatlich. Doch schon ein Jahr vor Ablauf seines Vertrages wurde mit Wirkung zum 1. Janur 2008 ein Änderungsvertrag „auf Grund seines außerordentlichen Engagements für die Stiftung“ unterzeichnet. Melcher bekam das 1,85-fache der Entgeltgruppe 15, Stufe 5 des Tarifvertrages der Länder. Dies dürfte einem Gehalt von etwa 9500 Euro entsprechen. Schon seit August 2006 wurde Melcher eine zusätzliche Sonderzahlung von monatlich 1250 Euro gewährt. Die Extra-Finanzspritze wurde, so der Rechnungshof, mit „über die normalen Dienstaufgaben hinaus gehendem zusätzlichem Arbeitsaufwand im Rahmen des Bauvorhabens Vierter Pavillon“ begründet.

Unter dem Strich wird Melchers Gehalt auf 10 700 Euro geschätzt. Damit gehöre der Stiftungschef nach Feststellungen der Prüfer im bundesweiten Vergleich zu den Top-Verdienern der Museumsszene. Der Rechnungshof startete eine Umfrage in den Bundesländern mit vergleichbaren Einrichtungen. Resultat: „Nach dem derzeitigen Kenntnisstand erhält kein einziger Leiter der in den bundesweiten Vergleich einbezogenen 21 Einrichtungen ein mit den Bezügen des SSK-Vorstandes vergleichbares Gehalt.“ Die Forderung des Rechnungshofes ist eine Reduzierung des Gehalts auf etwa 6700 Euro.

Das damit eingesparte Geld soll, so ein Vorschlag der Prüfer, in die Stelle eines gleichberechtigten und gleichbezahlten kaufmännischen Leiters neben dem kunstwissenschaftlichen Vorstand investiert werden. Diese Doppelspitze könnte unter dem Strich „kostenneutral“ realisiert werden, denn die Stelle des derzeitigen Verwaltungsleiters solle dann wegfallen. Keine schlechte Idee und bei vergleichbaren Einrichtungen längst Gang und Gäbe.

Doch der Rechnungshof beanstandet noch mehr. Wegen des Baus des vierten Ausstellungspavillons auf dem Gelände des Saarlandmuseums war ein Weiterbetrieb des Restaurants im Saarlandmuseum nicht mehr möglich. Deshalb wurde der bis zum August 2013 laufende Pachtvertrag vorzeitig im Sommer 2009 aufgelöst. Der Pächter erhielt dafür eine Entschädigungszahlung von 310.000 Euro von der Stiftung. Aus Sicht des Rechnungshofs ist die Summe um mindestens 100.000 Euro zu hoch. Der Stiftungsvorstand habe es versäumt, den Pächter rechtzeitig zu informieren. Das im August 2003 laufende Pachtverhältnis war ursprünglich auf fünf Jahre festgelegt, doch der Pächter zog eine vorzeitige Option auf Verlängerung, obwohl ihm bekannt gewesen sein müsse, dass eine Weiternutzung nicht möglich sei. Der Gastronom wollte eine Abfindung von 539.000 Euro und habe letztlich nach Verhandlungen 310.000 Euro erhalten. Das sei zu hoch, so der Landesrechnungshof, man hätte es im Zweifelsfalle auf einen Rechtsstreit ankommen lassen sollen, so die Prüfer.

Inzwischen rumort es im Saarland. SPD-Generalsekretär Reinhold Jost fordert umfassende Aufklärung von der Landesregierung und eine Suspendierung Melchers. Die LINKE ist entsetzt ob der dekadenten Völlerei auf Steuerzahlers Kosten. Staatskanzleichef und Minister für Kultur Karl Rauber (CDU) verspricht baldige Aufklärung, schont seinen Stiftungsvorstand aber bisher. Den Chef des Völklinger Weltkulturerbes Meinrad Maria Grewenig packt anscheinend die Angst und er schimpft, dass man so mit Führungskräften nicht umgehen könne: “Das wirft kein gutes Licht auf das Saarland.” Grewenig warnt vor “Provinzniveau” im Lande.

Und Melcher? Der gibt sich zerknirscht und fürchtet um seine Karriere. In einem Gespräch mit der Saarbrücker Zeitung betonte er, sicher zu sein, keine juristische Verfehlung begangen zu haben und verspricht, den Schaden wieder gut zu machen. Rund 30.000 Euro müsste Melcher dann zurückzahlen. Er sieht sich im recht, habe sein Spesenkonto nie überzogen und es gab nie Beanstandungen des Kuratoriums. Kein Wunder. Die ehrenamtlichen Kuratoren haben die Belege nie wirklich gesehen. Melcher gab diese an den ihm unterstellten Verwaltungsleiter weiter und der hatte keine Beanstandungen.

Der Fall wirft zwei Fragen auf. Warum haben die Kontrollinstanzen versagt? Ganz einfach: Weil es keine gab. Der dem Stiftungsvorstand Melcher unterstellte Verwaltungsleiter wird seinen Vorgesetzten kaum anschwärzen oder ihn wegen seiner Spesenpraxis rügen. Das Kuratorium der Stiftung und das zuständige Ministerium haben sich nie für die Spesenpraxis interessiert. Ein leicht zu lösendes Problem, in dem man die Zuständigkeit für die Kontrolle des Stiftungsvorstandes in das Ministerium verlagert und einen gleichberechtigten kaufmännischen Leiter neben Melcher installiert.

Viel interessanter ist aber die Frage: Wie viel Geld darf der Chef eines Museums für Reisen und Restaurantbesuche ausgeben? Ein Museumsdirektor muss viel reisen. Er muss Kontakte pflegen, muss sich mit Sammlern und Leihgebern treffen, wichtige Ausstellungen und Kongresse besuchen, das Land und seine Museen repräsentieren. Dazu gehört auch, dass der Museumsdirektor natürlich nicht in einer Jugendherberge schläft und Gönner und Kollegen zum Imbiss einlädt. Wer über Millionenwerte verhandelt, sollte sich tatsächlich im entsprechenden Umfeld bewegen dürfen. Dies muss aber transparent geschehen und nach dem Motto: So viel wie nötig, so wenig wie möglich. Doch Melcher hat überzogen. Zu viele Belege, zu viel Geld für ihn und seine Frau mit zu hohen Kosten. Wie will man dem Steuerzahler vermitteln, dass der Museumschef und seine Frau auf Kosten der Steuerzahler für knapp 600 Euro speist?

Wahrscheinlich hat Melcher juristisch nichts falsch gemacht, auch wenn die Staatsanwaltschaft vom Anfangsverdacht der Untreue ausgeht und ermittelt. Ein bisschen mehr Fingerspitzengefühl hätte aber gut getan. Vielleicht wäre ein Spesenkonto speziell für die Repräsentationspflichten nicht verkehrt und eine Lösung.

Melcher verdient ausgezeichnet und muss viel leisten. Anders als sein Vorgänger Güse ist er nicht mehr nur für das Saarlandmuseum zuständig. Dort muss er sich um das Tagesgeschäft und den Bau des neuen Ausstellungspavillons kümmern. Außerdem musste Melcher die zuvor von einem zweiköpfigen ehrenamtlichen Stiftungsvorstand geführten Personal- und Finanzgeschäfte übernehmen. Vielleicht war auch das ein Fehler. Man hat Melcher zu viel aufgebürdet und ihn dann alleine gelassen. Nicht das Melcher ein Opfer der Umstände wäre, doch das sollte man ihm das zu Gute halten. Sollte Melcher bleiben, wird es sich in Zukunft vielleicht wieder mehr um die kunstwissenschaftliche Arbeit kümmern. Denn da gibt es genug Verbesserungsmöglichkeiten. Schöne und innovative Ausstellungen sind harte Arbeit – nur leider selten in teuren Restaurants. Wie Melcher bei all den anderen Aufgaben noch Zeit als Kuratoren haben sollte, bleibt ein Rätsel.

Ein kleiner Hinweis: Alle Kommentare, die die sofortige Auflösung des Saarlandes fordern, werden von mir als Saarländer natürlich gelöscht! :-) Und: natürlich ist das Saarland nicht provinziell, sondern ein kleiner, schöner und mondäner Landstrich im Herzen Europas!

Liebesgeschichten in Hannover

18. Juli 2010 | Kein Kommentar

Die Liebe gehört zu den zentralen Themen der Kunst – kein Wunder, ist sie doch zentrales Thema des Lebens. Dreht sich nicht alles um Liebe, Sehnsucht und Verlangen? Das Sprengel Museum in Hannover zeigt noch bis zum 15. August 2010 die Ausstellung “Liebesgeschichten – Sehnsucht, Hingabe und Erfüllung in Werken von Munch und Nolde bis Picasso.” Die Ausstellung ist ein Streifzug durch die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts und es fällt sofort auf: Die Liebe war eines der bestimmenden Themen dieser Zeit und doch haben sich die Künstler der Liebe sehr unterschiedlich genähert. Tatsächlich stehen oftmals Liebesgeschichten hinter den Bildern.

In Munchs Werk ist die Liebe meist eng verknüpft mit Tod, Krankheit, Trauer. Liebe schien für Munch keine große Erfüllung zu sein, sein Leben war geprägt von eher problematischen Beziehungen zu Frauen. Munch hatte sich 1899 in Tula Larssen verliebt, eine junge Dame aus besserem Hause. Trotz seiner Aversion gegen die Ehe willigte Munch sogar ein, Tulla zu heiraten, doch für ihn war dies nur Fassade, um die Ehre des Fräuleins zu wahren. Die Beziehung war für beide aufreibend und endete im Streit. Larrsen schoss dem Maler bei einem Streit 1902 in die Hand. Es verwundert also nicht, wenn er einen im gleichen Jahr entstandenen weiblichen Halbakt mit dem Zusatz “Das Biest” verknüpfte.

Pablo Picasso, Homme et femme (Mann und Frau), Vallauris, 1962
Weiße und farbige Kreiden, Bleistift und Wachsstifte, farbige Lavierungen (Grundierung)
Foto: © Sprengel Museum Hannover/ Michael Herling/ Aline Gwose”

Ganz anders ist Pablo Picassos Umgang mit dem Thema. Sein Werk ist durchzogen von Liebe, Erotik und Sexualität. Kein anderer Künstler hat sich so intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt, bei keinem anderen ist das künstlerische Werk so sehr Spiegel der eigenen Liebesangelegenheiten. Picasso erzählt Geschichten von Verlangen und Begierde, von Liebe und Lust. Seine Bilder sind immer auch Spiegel der persönlichen Liebesgeschichten: Abgesang auf eine endende Liebe, Vorbote für eine neue Liebe, Auseinandersetzung mit der eigenen Sexualität, Verlangen nach dem anderen Geschlecht.

Während für die Brücke-Künstler Liebe Teil eines utopischen Lebensentwurfes frei von bürgerlichen Zwängen war, war für Künstler wie Otto Dix, Christian Schad oder George Grosz Liebe und Sexualität vor allem Spiegel der gesellschaftlichen Verhältnisse der 20er und 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Die Künstler aus dem Kreis der Surrealisten konfrontieren uns mit Träumen von der Liebe, begierigen Fantasien aber auch Albträumen. Die Künstler der Nachkriegsgenerationen führen dem Betrachter dann existenzielle Fragen der Liebe vor Augen.

Die Ausstellung mit 190 Werken macht deutlich, wie sehr sich die Künstler mit der Liebe beschäftigt haben und in welcher Bandbreite es behandelt wurde. Meist sind Kunst, Liebe und Biografie der Künstler eng verwoben, die Sicht der Künstler sehr persönlich. Anders als die Maler vor ihnen malen die Künstler zu Beginn des 20. Jahrhunderts nicht mehr idealisierte Schönheiten oder porträtierten Damen des Hofes, sie malen ihre Geliebten, ihre Frauen, ihre Angebeteten oder Mätressen.

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen. Weitere Informationen unter: www.sprengel-museum.de.

In eigener Sache: Flattr

9. Juni 2010 | 5 Kommentare

So, die Arbeiten an meinem Buch gehen dem Ende entgegen, ich habe also wieder mehr Zeit, mich dem Blog zu widmen, den ich in letzter Zeit sträflich vernachlässigt habe. Ihr dürft also künftig wieder häufiger neue Artikel lesen.

Eine kleine Neuerung findet sich rechts in der Sidebar. Dort ist ein kleiner bunter Button von Flattr, den man allerdings nur sieht, wenn man den Artikel als Einzelartikel liest und nicht, wenn man die Indexseite sieht. Der Grund: Der Blinki-blinki-bunt-bunt-Button sieht nicht so schön aus und zerstört das Design der Seite. Flattr ist ein relativ neuer Micro-Paymentdienst oder in verständlichem Deutsch: ein Dienst, mit dem man kleinere Beträge für Artikel zahlen kann, wenn sie gefallen. Eine kleine Kaffeekasse also. Das Prinzip funktioniert ganz einfach: Man meldet sich bei Flattr an und legt einen Betrag fest, den man monatlich für Online-Inhalte ausgeben will. Dann klickt man immer dort, wo einem etwas gut gefällt, auf den Button. Am Ende des Monats wird die vorher festgelegte Gesamtsumme auf die angeklickten Artikel verteilt. Wer also zwei Euro pro Monat für Online-Inhalte ausgeben will und zehn mal geklickt hat, schenkt jedem Autor zwanzig Cent, klickt er zwanzig Mal auf einen Flattr-Button, bekommt jeder Autor bzw. jeder Klick wenn Artikel eines Autors mehrfach angeklickt werden, zehn Cent. Ganz schön ist auch die Idee des Gebens and Nehmens, denn man kann nur etwas bekommen, wenn man auch selbst etwas verteilt. Weitere Informationen gibt es bei Flattr.

Eine schöne Idee, die erst am Anfang steht, aber sich hoffentlich durchsetzt und so Qualität im Netz belohnt.

Gerhard Richter ./. Christoph Schlingensief

2. Juni 2010 | 3 Kommentare

Gerhard Richter ist sauer. Der Maler ärgert sich über die Einladung von Susanne Gaensheimer an Christoph Schlingensief, den deutschen Pavillon bei der nächsten Biennale in Venedig im Jahr 2011 zu bespielen. „Das ist ein Skandal. Die nehmen einen Performer, dabei haben wir tausende Künstler“ und er sieht darin einen “Niedergang der Malerei”. Das hört sich ein bisschen so an, als seien Performance-Künslter keine Künstler und zeugt von einer gewissen Ignoranz oder Arroganz. Aber gut.

Dass sich die für mich über jeden Zweifel erhabene Direktorin des Museums für Moderne Kunst in Frankfurt für einen Performancekünstler entschieden hat, kann man ihr kaum vorwerfen, schon gar nicht, wenn man sich die Architektur des Pavillons anschaut, in dem es kaum möglich ist, Malerei wirklich angemessen zu präsentieren. Aber musste es Schlingensief sein? Mich nervt dieses Krawallige bei Schlingensief, das Spektakel, das er veranstaltet und ich glaube, das sind auch die Bedenken von Richter. Könnte es die Sorge sein, dass der Deutsche Pavillon zum “Event” verkommt? Auch wenn Schlingensief neben seiner Theater-, Opern- und Filmarbeit als Aktionskünstler agiert, so würde ich ihn doch nicht als Bildenden Künstler verorten und deshalb auch nicht zur Biennale schicken.

Die Kuratorin hat sich zur Kritik von Richter in einem offenen Brief geäußert und weist diese zurück: „Ich schätze Gerhard Richter als einen der bedeutendsten lebenden Künstler des 20. Jahrhunderts. Er hat in der Malerei neue Maßstäbe gesetzt und Perspektiven grundlegend erweitert. Mit Christoph Schlingensief habe ich mich für den Deutschen Pavillon ganz bewusst für einen Künstler entschieden, der nicht nur inhaltlich sondern auch formal Eindeutigkeiten hinterfragt und Grenzen überschreitet. Im Zusammenhang mit dem Deutschen Pavillon verstehe ich seine Arbeit durchaus auch als einen Beitrag zur Diskussion über die Entgrenzung der Künste und natürlich auch zur Frage der gesellschaftlichen Relevanz von Kunst. In diesem Sinne freue ich mich auf eine konstruktive und auch kritische Diskussion.“

Gut, schlimmer als Liam Gillicks IKEA-Küche kann es auch nicht mehr werden.

Louise Bourgeois gestorben

1. Juni 2010 | Kein Kommentar

Die französische Künstlerin Louise Bourgeois ist gestern im Alter von 98 Jahren in New York an den Folgen eines Herzinfarkts gestorben.

Mehr dazu bei ZEIT und FAZ

Ausstellungskataloge gratis

27. Mai 2010 | Ein Kommentar

Ich konnte es erst gar nicht glauben: Die Kunsthalle Wien bietet ihre Ausstellungskataloge und “Texte zur Kunst” kostenlos zum Herunterladen an. Da bleibt mir die Spucke weg. So viel Nettigkeit ist in Zeiten knapper Kassen selten. Aber seien wir mal ehrlich: Warum machen das nicht mehr Museen? Finanziert wurden sie meist ohnehin aus öffentlichen Mitteln und die meisten Ausstellungskataloge sind keine Raritäten und werden nach ein paar Monaten auf Ramschtischen für einen Bruchteil des ursprünglichen Preises verhökert.

Gefunden bei Jörn Borcherts Kulturellen Welten.

Picasso im Metropolitan Museum

11. Mai 2010 | Kein Kommentar

Die Sammlerin Gertrude Stein hat einmal in Bezug auf das fortschrittliche Museum of Modern Art gesagt, ein Museum könne nur modern oder ein Museum sein. Das war für sie auch der Anlass ihre beiden Picasso-Werke an das eher konservative Metropolitan Museum zu geben. Das hat in den letzten 60 Jahren aus diesen beiden Werken eine Picasso-Sammlung von über 500 Werken zusammengehortet. Nur 36 Werke hat man gekauft, die anderen erhielt das Museum geschenkt oder als Dauerleihgabe. Zwar hat das MoMA die bedeutendere Picasso-Sammlung, doch das Metropolitan Museum muss sich nicht verstecken. Insbesondere das Frühwerk und die Druckgrafiken des spanischen Malers sind hier gut vertreten.

Nun hat das Museum in New York sein Depot geöffnet und aus den Schätzen eine Retrospektive mit 300 Gemälden, Skulpturen, Zeichnungen, Keramiken und Grafiken zusammengestellt. Bei so viel geballter Werkschau hat man sich gar nicht erst die Mühe gemacht, nach einer Themenstellung für kunsthistorische Ergüsse zu suchen, sondern lässt die Werke chronologisch gehängt für sich sprechen. Das beginnt mit einem Selbstporträt des 20-jährigen Malers und geht bis zu “Stehender Akt und sitzender Musketier” des 87-jährigen Picasso. Leider merkt man der Sammlung an, dass sie überwiegend aus Schenkungen besteht und somit keine klare Sammlungspolitik erkennen lässt. Die Ausstellung wirkt wie eine Retrospektive, der man die besten Stücke genommen hat. Das ist angesichts der immensen Vorbereitungen mit acht Kuratoren, mehreren Restauratoren und Picasso-Forschern eigentlich ein bisschen wenig. Sehenswert ist die Schau aber trotzdem, denn viele Arbeiten waren bisher nur selten zu sehen. Auch die neuen Erkenntnisse bei einigen Bildern, die durchleuchtet wurden, sind spannend, weil sie zeigen, welche Geheimnisse in und unter den sichtbaren Bildern liegen und Picassos Malweise offenbaren.

Richtig spannend wird die Ausstellung erst, wenn man rüber in das MoMA wandert, wo zeitgleich die Ausstellung “Picasso – Themen und Variationen” stattfindet. Deren Erkentnisse sind zwar auch nicht neu, doch es macht Spaß, durch die Ausstellung zu laufen und Picassos Formenvielfalt zu bewundern. Besucht man auch noch die Dauerausstellung mit den Picasso-Highlights, hat man eine einmalige Chance, einen wirklich vollständigen Überblick über Picassos Schaffen zu gewinnen. Diese Möglichkeit hat man nicht jeden Tag.

Street Art auf arte

26. März 2010 | Kein Kommentar

Gestern (Donnerstag, 25. März 2010) lief am späteren Abend um 22:00 Uhr auf arte der Dokumentarfilm “Street Art”. Die Macher haben in die 58 Minuten alles rein gepackt, was mit Street Art zu tun hat. Welche Spielarten gibt es neben den Grafitti noch? Was treibt die Künstler um? Wie gehen sie mit Erfolg und Kommerzialisierung um? Anne Bürger und Benjamin Cantu haben dem Phänomen Street Art in den Metropolen dieser Welt nachgespürt.

Wer sich dafür interessiert und die Sendung verpasst hat, kann die Wiederholung am Montag um 11:20 Uhr schauen oder das Video on Demand auf der Webseite von arte ansehen: http://plus7.arte.tv/de/1697660,CmC=3112246.html.

Goya in Zwickau

25. März 2010 | Kein Kommentar

Der spanische Künstler Francisco José de Goya y Lucientes (1746-1828) gilt bis heute als Wegbereiter der modernen Kunst in Europa, war Vorbild für Künstler wie Picasso und hat das Zeitalter der Aufklärung entscheidend mitgeprägt. In dem sozial, religiös und kulturell zerrissenen Spanien des ausgehenden 18. Jahrhunderts wagte der königliche Hofmaler Goya eine Gratwanderung zwischen klassischer Auftragskunst für den spanischen Adel und das Bürgertum sowie Sozial- und Gesellschaftskritik, die er oftmals in karikaturhaften Bildern “versteckte”. Seine kritischen Arbeiten finden sich vor allem in vier Serien von Aquatintaradierungen wieder, die in einer Sonderausstellung der Kunstsammlungen Zwickau vollständig gezeigt werden.

CAPRICHOS, Blatt 10, El Amor y la muerte, Die Liebe und der Tod
21,5 x 15 cm, Radierung, Aquatinta poliert, Grabstichel, Harris 45/III
Morat-Institut für Kunst und Kunstwissenschaft Freiburg i.Br.

“Los Caprichos” (“Einfälle”), der aus 80 Blättern bestehende Zyklus, entstand in den Jahren 1797-1799 und zeichnet das Bild einer dekadenten, sich am Abgrund befindenden Gesellschaft nach. “Los Desastres de la Guerra” (“Die Schrecken des Krieges”), 80-teilig, thematisieren die menschlichen Grausamkeiten und die verheerende Hungersnot während der napoleonischen Herrschaft und des spanisch-französischen Krieges (1808-1813). Diese bislang noch nie da gewesene Brutalität und Direktheit in der Darstellung hat bis in die heutige Zeit hinein zahlreiche Künstler bewegt und inspiriert. “La Tauromaquia” (“Die Kunst des Stierkampfs”), zwischen 1814 und 1816 entstanden, erscheint im Vergleich zu den anderen Radierserien beinahe harmlos. Erst auf den zweiten Blick wird die hohe technische Qualität der 33 Blätter deutlich, die, mit der Fotografie vergleichbar, sekundenschnelle Momente festzuhalten scheinen und die Spannung eines spanischen Stierkampfes meisterhaft wiedergibt. “Los Proverbios” (“Sprichwörter”) oder auch “Los Disparates” (“Torheiten”) ist die wohl rätselhafteste Serie innerhalb des druckgraphischen Werkes. Die 22 Blätter markieren das Spätwerk Goyas und sind vermutlich in den Jahren von 1815 bis 1824 entstanden. Eigentümlich fliegende Hexenwesen oder in die Luft gewirbelte Gestalten sind darin häufig wiederkehrende Motive, welche die Nähe zu Goyas bedeutenden “Pinturas negras”(”Schwarze Gemälde”), heute im Prado (Madrid) ausgestellt, aufzeigen.

Die insgesamt 253 druckgraphischen Blätter (es werden auch die zusätzlichen Blätter zu den einzelnen Serien gezeigt) stammen aus dem umfangreichen Bestand des Morat-Instituts für Kunst und Kunstwissenschaft in Freiburg im Breisgau und gelten sowohl hinsichtlich ihres Umfangs als auch ihrer Qualität als einzigartig. Ein wirklicher Leckerbissen, den das Museum da präsentiert und für Kunstinteressierte ein Muss.

Zur Ausstellung ist ein reich bebildeter Katalog zum Preis von 20 Euro erschienen: Francisco de Goya – Radierungen. Die Sammlung des Morat-Instituts, Edition Braus, 168 Seiten. Die Ausstellung läuft noch bis zum 02. Mai 2010. weitere Informationen: www.kunstsammlungen-zwickau.de

Kunst für ein warmes Plätzchen

25. Februar 2010 | Kein Kommentar

Stuttgart hat eine neue Kunstattraktion. Der südkoreanische Künstler Byung Chul Kim hat im Rahmen des Stuttgarter Stadtteilprojekts Diskret_Ost im Juli 2009 das Performance-Hotel eröffnet. Die Besonderheit: Gäste dürfen kostenlos übernachten, wenn sie eine Performance darbieten. Was die Gäste machen möchten, bleibt ihnen selbst überlassen. Malerei, Skulptur, Tanzperformance, Gesang, Theater oder Lesung – alles ist erlaubt. Etliche Künstler und Künstlerinnen haben sich schon am, im und um das Haus ausgetobt. Auch Kochen, Grillen oder die Vorbereitung des Frühstücks gehen bei dem Hotelbesitzer als Performance durch – wenn es denn gut gemacht ist.

Außenansicht des Hotels
Foto: Performance Hotel

Wer nicht künstlerisch tätig werden will, darf natürlich auch bezahlen. Die Preise halten sich im Rahmen. Wer Isomatte und Schlafsack mitbringt, zahlt lediglich drei Euro, auf einem Feldbett kann man für zehn Euro nächtigen und für 13 Euro schläft man auf einer richtigen Matratze. Natürlich sieht es Kim aber am liebsten, wenn die Hotelgäste mit künstlerischen Darbietungen zahlen.

Das Hotel liegt im östlichen Teil Stuttgarts in der Gablerstraße und ist einem ehemaligen Winzerhaus aus dem 19. Jahrhundert untergebracht. Eine Villa Kunterbunt, zwei Stockwerke hoch, die Fassade tapeziert bis unters Dach mit Kunst und Plakaten. Vor dem Haus ein Pappschild im Barockrahmen mit den Preisen. Besonderen Fünf-Sterne-Luxus bietet das Bad in Altrosa mit dem Fernseher. Außerdem gibt es eine WG-Küche mit Esstisch, zwei Schlafräume und zwei Performance-Räume. Den Wellnessbereich finden die Gäste im Garten hinter dem Haus. Hier steht eine Badewanne unter freiem (Sternen-)Himmel.

Auch wenn er nichts einnimmt, Angst vor dem Monatsende muss “Hoteldirektor” Kim nicht haben. Sein Hotel ist ein Projekt der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste, die für alle Kosten aufkommt. Die Stadt hatte den Studenten das Haus im vergangenen Juli für zunächst ein Jahr übergeben. Diese renovierten das Haus und statteten es mit Möbeln aus. Eigentlich sollten hier Ateliers entstehen, doch dann kam Kim auf die Idee mit dem Performance-Hotel. Er selbst musste hier ein paar Nächte verbringen, weil er keine Wohnung hatte und dachte sich, dass hier eigentlich jeder Künstler umsonst übernachten sollte. Nun wird jeder Gast zum Künstler, wenn er denn möchte.

Eine wirklich schöne Idee als Protest gegen die Kommerzialisierung des öffentlichen Raumes und so herrlich kreativ. Mehr davon!

Weitere Informationen unter: performancehotel.wordpress.com und distriktost.wordpress.com.

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