Museumstexte für alle!

Ich muss zugeben, dass ich viel zu selten kulturhistorische Ausstellungen besuche, was vor allem daran liegt, dass meine Tage mit Kunstmuseen voll sind. Die folgende Beobachtung ist also nicht ganz repräsentativ. Ich war gestern im Reiss-Engelhorn-Museum in Mannheim in der Medici-Ausstellung. Wenig Neues, eine recht gute, aber nicht überragende Ausstellung, deren Besuch sich aber für einen Überblick lohnt. Interessant ist aber etwas anderes: Es gibt in Deutschland tatsächlich noch Museen, die sich die Mühe machen, eigene Texte für Kinder an die Exponate in einer Sonderausstellung zu hängen. Wow! Das habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Interessanterweise lasen selbst die meisten Erwachsenen anscheinend auch die Kindertexte und teilweise wohl sogar lieber als die für sie gedachten, weil die Texte fir die “Kleinen” spannender und leichter verständlich geschrieben waren und Hintergrundinfos enthielten. Ich hab mich köstlich amüsiert…

Kunst mit minimalen Mitteln

Yoko Ono war 1964 eine der ersten Performance-Künstlerinnen. Doch ihr Schaffen stand stets im Schatten ihrer Ehe mit John Lennon. Zu ihrem achtzigsten Geburtstag zeigt die Frankfurter Schirn eine Retrospektive.

Auf dem Boden der Carnegie Hall sitzt eine junge Japanerin in einem schwarzen Kleid. Besucher flanieren an ihr vorbei, greifen zu einer Schere und schneiden ein Stück aus ihrer Kleidung heraus, bis die Künstlerin nackt ist. Während der Prozedur sieht man ihr das Unbehagen an, sie quält sich, die Demütigung steht der jungen Künstlerin in das Gesicht geschrieben. Ein starkes Bild: Es geht um die Darstellung von Ausgeliefertsein, um Gewalt und die Überschreitung intimer Grenzen. Die junge Frau war Yoko Ono und die Kunstaktion „Cut Piece“ wurde zu einem Meilenstein der Performancekunst. Weiterlesen

Der Kritiker Jerry Saltz über den Untergang der Galerieausstellung

Der amerikanische Kritiker Jerry Saltz hat einen wunderbaren Beitrag über die New Yorker Galerienszene geschrieben, die sich auch auf Deutschland übertragen lässt. Besonders gefallen hat mir dieser Absatz:

So wie die Ausstellungen nicht mehr richtig in Schwung kommen, so hat heute auch die Kritik einen schweren Stand – außer sie betritt selbst die Arena und inszeniert sich als Spektakel. (Glauben Sie mir, ich weiß, wovon ich rede.) Dazu kommt noch, dass man einer ganzen Generation akademisch ausgebildeter Kritiker beigebracht hat, unverständlich zu formulieren und sich jeder Meinung und negativer Kritik zu enthalten.

Er hat so recht, der Gute, die meisten KollegInnen KritikerInnen sind heute zu Berichterstattern verkommen, die möglichst blumig daherschwurbeln…

Unbedingt ganz lesen unter: Tod der Galerieausstellung

Rohe Kunst auf rohen Wänden

Der Erfolg der Ausstellung „Urban Art 21“ im Jahr 2011 war groß – so groß, dass der Direktor des Weltkulturerbes Völklinger Hütte, Meinrad Maria Grewenig, auf die Idee kam, eine Biennale ins Leben zu rufen, die alle zwei Jahre die großen Künstler der Urban-Art-Szene an einem Ort versammelt und eine kleine Bestandsaufnahme bieten soll.

Kunst in einer stillgelegten Eisenhütte? Kann das funktionieren? Ja – und wie. Einst war die Möllerhalle ein lauter und staubiger Ort, an dem die Rohstoffe zur Verhüttung gelagert wurden. Nun präsentiert Kurator Frank Krämer auf den staubigen, rostroten Betonwänden 50 Werke von 36 Urban-Art-Künstlern aus der ganzen Welt. Einen besseren Ort hätte man sich kaum aussuchen können.

Die Urban Art ist die vielleicht letzte große Kunstbewegung unserer Zeit. Entwickelt hat sie sich aus dem Graffiti. Viele der Künstler fühlten sich vom Formenvokabular der Szene eingeengt und bedauerten, dass ihre Werke oftmals nicht lange sichtbar blieben, weil verärgerte Hausbesitzer die Bilder an ihren Wänden überpinselten. Man begann auf klassischen Leinwänden zu malen, auch wenn das urbane Leben in den Großstadthäuserschluchten die Inspiration blieb. Längst hat man aber Museen und Galerien erobert. Inzwischen zahlen Sammler für die Werke einiger Künstler auch mal Hunderttausende Euro.

Speedy Graphito: La cabane, 2010

Speedy Graphito: La cabane, 2010
Foto:Völklinger Hütte

Die Ausstellung verdeutlicht, dass es zwei große Strömungen gibt. Die einen Künstler bleiben dem klassischen Graffiti nahe, haben aber eine eigene Formensprache entwickelt, wie etwa der Saarländer Reso, der sein „Tag“ – den klassischen Namenszug der Sprayer – als Bildinhalt verwendet, aber extrem fragmentiert und verschachtelt. Zu diesen Künstlern zählen auch Speedy Graphito oder die Sprayerlegende Cope2, deren Arbeiten ein bisschen so aussehen, als hätte man diverse Schmierereien einer New Yorker Häuserwand auf eine Leinwand kopiert. Viele der Künstler arbeiten mit dem klassischen Style-Writing. Zu den besten Arbeiten gehört in der Schau eine Leinwand des Saarländers Raks, der mit einer Mischung aus Style-Writing und Konstruktionszeichnung ein visuelles Highlight bietet.
Viele der abstrakten Künstler arbeiten mit gestischer oder geometrischer Abstraktion, oder, wie der in Berlin lebende Däne Morten Andersen, mit einer Kombination aus beidem. Zu den gestischen Abstrakten gehört Tanc, der mit Tinte, Acrylfarbe und Sprühlack die Leinwand traktiert, bis sie mit Farbe nahezu bedeckt ist. Der Schweizer Smash137 arbeitet ähnlich, bleibt aber dem Figurativen näher. Auch Remi Rough arbeitet mit Gestik und Bewegung, seine in der Ausstellung hängende Arbeit strahlt etwas fast Gewalttätiges aus.

Die andere Richtung der Urban-Art-Künstler hat sich der Gegenständlichkeit verschrieben. Oft arbeiten sie mit der Stenciltechnik und nutzen Schablonen. Zu den Stars in diesem Segment gehören Künstler wie Banksy oder der Franzose Jef Aérosol. Die beiden gezeigten Werke verbinden eigene Ästhetik mit Kunst- und Gesellschaftskritik. Anders sind die beiden Leinwände von Indie184. Ihre quietschbunten Arbeiten erinnern an eine Mischung aus Punk und Pop-Art. Wunderbar melancholisch ist das Porträt „Are you the artist?“ von El Bocho aus wabernden Farbschlieren.

Eine der stärksten Arbeiten ist die Installation des Portugiesen Vhils. Der hat alte Türen und Fenster zu einer Wand zusammengebastelt und anschließend mit dem Laser die obersten Lackschichten entfernt. So entsteht ein Graffiti der anderen Art. Statt Farbe aufzutragen, entfernt er sie und hinterlässt so seinen persönlichen „Abdruck“.

Die Ausstellung bietet einen grandiosen Überblick über die Urban-Art-Szene und hat im Weltkulturerbe Völklinger Hütte einen würdigen Platz gefunden. Es bleibt zu hoffen, dass dieses zarte Pflänzchen weiter wachsen wird.

Wilder Ritt durch die aktuelle Kunst

Die Bundeskunsthalle in Bonn zeigt Werke der Bundeskunstsammlung

Wer sich über das aktuelle Kunstschaffen in Deutschland ein umfassendes Bild machen möchte, für den ist die Bundeskunsthalle in Bonn ein lohnendes Ziel. Zum vierten Mal seit 1995 zeigt die Bundeskunsthalle in Bonn unter dem Titel „Nur hier“ 100 Werke jüngerer Künstler von Malerei, über Skulptur, Fotografie und Video bis zu Installationen. Wie immer gibt es vieles zu sehen und einiges zu entdecken, wie etwa Jörg Herolds Fotografien, die er mit Wasserfarben und Beize bearbeitet hat, Thomas Kilppers Linolschnitte oder die raumfüllende Installation von Diego Hernandez. Es ist ein wilder Ritt durch die deutsche Kunstszene der letzten Jahre.

Die Arbeiten stammen aus der „Sammlung zeitgenössischer Kunst der Bundesrepublik Deutschland“ oder kurz: aus der Bundeskunstsammlung. Der damalige Präsident des deutschen Künstlerbundes Georg Meistermann hatte Bundeskanzler Willi Brandt 1970 davon überzeugt, deutsche Kunst anzukaufen und damit das deutsche Kunstgeschehen zu dokumentieren und zu archivieren. Heute umfasst die Sammlung etwa 1500 Werke von 1949 bis in die Gegenwart. Den Begriff „deutsche Kunst“ fasst man bis heute weit. Die Angekauften müssen keinen deutschen Pass haben, aber ihren Arbeitsschwerpunkt im Land haben und Teil der deutschen Kunstszene sein. Man hat Arbeiten aller bedeutenden Künstler der letzten sechzig Jahre angekauft, darunter etablierte wie Martin Kippenberger, Jörg Immendorf, Gerhard Richter und Joseph Beuys, aber auch neue Stars wie Neo Rauch und Daniel Richter und viele (noch) wenig bekannte. Weiterlesen

Fiktive Welten im Farbenrausch

Das Museum Frieder Burda in Baden-Baden zeigt in einer Retrospektive Werke des chilenischen Surrealisten Roberto Matta.

Betritt man das Erdgeschoss des Museums Frieder Burda wird man von einer fast sakralen Atmosphäre empfangen. Der Ausstellungssaal ist ein lang gestreckter, hoher Raum an dessen gläserner Stirnseite ein riesiges Bild frei zu schweben scheint. „Les Plaisirs de la Présence“ (1984) ist eines der späten Hauptwerke von Roberto Antonio Sebástian Matta Echaurren. Es ist eine Explosion aus Farben und Linien, die Mattas ganze Lebensfreude verrät. Weiterlesen

Rationale Kunst von kühler Schönheit

Das Museum Pfalzgalerie in Kaiserslautern zeigt in der Ausstellung „Good Vibrations – Kunst und Physik“ kinetische und optische Kunstwerke aus seiner Sammlung.

„Das war wohl der Erfinder des 3D-Fernsehens“, kräht der 11-jährige Jonas vergnügt und versucht das sich scheinbar in den Raum wölbende Bild zu erhaschen. Er steht vor einem Werk des Pfälzer Künstlers Ludwig Wilding, der zu den bedeutendsten Vertretern der Op Art zählte. Ausgehend von der Linie als Grundelement schuf Wilding durch die Überlagerung von Bildebenen den Eindruck von Bewegung und Raum. Auch der im vergangenen Jahr verstorbene Saarländer Leo Erb widmete sich visuellen Phänomenen. In der Ausstellung ist von ihm ein kinetisches Objekt zu sehen, in dem sich eine farbige, verschachtelte Leiste in einem Hohlspiegel dreht. Betrachtet man das Spiegelbild, so scheint sich die Leiste in den Raum auszudehnen, fällt dann zusammen und dehnt sich erneut aus. Weiterlesen

Erotische Farbspiele auf Leinwand und Beton

Kiddy Citny ist ein Phänomen. Den Namen des Berliner Künstlers kennen nicht viele Menschen außerhalb der Kunstwelt, doch seine Werke schon. In den 1980er Jahren bemalte Citny mit anderen Künstlern ein hundert Meter langes Teilstück der Berliner Mauer. Der gebürtige Stuttgarter wollte aus dem grauen Band um Berlin ein farbenfrohes Fries machen und die Stadt mit Kunst umschließen. Seine herzförmigen Köpfe zwischen zwei gekrönten Häuptern wurden zum Symbol der Hoffnung für die Überwindung der Teilung. Warme Farben in Zeiten des kalten Krieges. Über Fotos und Postkarten fanden die Werke ihren Weg in die Welt. In Wim Wenders Film „Himmel über Berlin“ waren sie im Hintergrund zu sehen und wurden weltbekannt. Nach dem Fall der Mauer wurden 1990 45 Mauersegmente als „kulturell wertvoll“ deklariert und versteigert. Heute stehen Citnys Werke auf dem Leipziger Platz in Berlin, vor der UNO und im MoMA in New York.

Die figurativen, quietschbunten Arbeiten der 1980er Jahre mit Weltkugeln, Herzköpfen und gekrönten Häuptern wirken auf den ersten Blick eher gefällig, offenbaren nach genauerem Studium aber eine Bildwelt voller Zeichen, Symbole und Andeutungen. Inzwischen sind Kiddy Citnys Arbeiten reifer geworden und seine Bildwelt vielschichtiger, auch wenn sich die Bildthemen wiederholen. Die figurativen Bilder sind einer abstrakteren Formensprache gewichen. Der expressiven Farbigkeit ist der Berliner treu geblieben, auch wenn er 2010 für ein Filmprojekt einige Monate in Schwarzweiß schwelgte. Weiterlesen

Rein Wolfs wird neuer Intendant der Bundeskunsthalle

Seit einigen Tagen ist es entschieden: Der Niederländer Rein Wolfs wird ab März 2013 neuer künstlerischer Leiter der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland. Keine schlechte Wahl. Wolfs ist derzeit künstlerischer Leiter der Kunsthalle Fridericianum in Kassel und verfügt über große Erfahrung als Museums- und Ausstellungsmacher und ist kein reiner Museumsdirektor, sondern Kurator mit Leib und Seele und ein kluger Denker.

Wolfs war 1996 Gründungsdirektor des Migros Museums für Gegenwartskunst in Zürich und von 2002 bis 2007 Ausstellungsdirektor des Museums Boijmans van Beuningen in Rotterdam. Außerdem kuratierte er 2003 den niederländischen Pavillon bei der Biennale von Venedig. Seit 2008 ist er Leiter der Kunsthalle Fridericianum.

Wolfs hat sich auch schon zur Zukunft der Bundeskunsthalle geäußert: Er will weniger Blockbuster einkaufen und mehr selbst machen – das klingt schon mal gut.

Zeit ist Geld

Auf dem Weg zum ICE noch schnell ein paar E-Mails auf dem Smartphone schreiben und weil es kalt ist, gibt es einen „Coffee-to-go“ und ein bisschen Fast Food gegen den Hunger – so sieht unser alltäglicher Wahnsinn aus. Unser Leben besteht inzwischen vor allem aus Zeitmanagement. Wir sind Getriebene unseres Kalenders. Zeitabläufe zuhause und im Büro müssen immer effektiver gestaltet werden, immer mehr Dinge müssen immer schneller erledigt werden.

Anhand von 250 Exponaten zeigt die Ausstellung „Tempo, Tempo! Im Wettlauf mit der Zeit“ im Museum für Kommunikation in Frankfurt am Main, wie sehr uns das Phänomen „Zeit“ im Griff hat. Mit der Verbreitung der Uhr und des Kalenders in der frühen Neuzeit begann der Wettlauf mit der Zeit. Am Anfang war es vor allem die Post- und Personenbeförderung, die schneller funktionieren sollte. Man baute ein Netz aus Poststationen, wo die Pferde ausgewechselt wurden. So hatte man stets ausgeruhte Tiere zur Verfügung und musste nicht mehr rasten. Das Aufkommen der Eisenbahn führte zu einer Beschleunigungsrevolution. Im 20. Jahrhundert setzte schließlich der Siegeszug des Autos und des Flugzeugs ein und wir können seither im Eiltempo rund um die Welt reisen. Weiterlesen

Schatzkiste der Menschheit

Der Arzt und Naturforscher Sir Hans Sloane war ein manischer Sammler. Er hatte im Laufe seines Lebens eine ansehnliche Sammlung naturwissenschaftlicher und kultureller Objekte zusammengetragen und dem Vereinigten Königreich vermacht. Das englische Parlament beschloss daraufhin im Jahr 1753, ein Nationalmuseum zu gründen, um die Stücke der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Man wollte aber mehr, das neue „British Museum“ sollte das Wissen der Welt zu sammeln und zugänglich zu machen. In den Jahrhunderten nach der Gründung sandte man Archäologen und Naturforscher in alle Welt aus. Die Gelehrten schlugen sich durch den Dschungel zu den Tempeln der Inka und der Maya, grub in der Türkei und Griechenland nach antiken Stätten, suchten Pharaonengräber und erwarben in Asien Kunstschätze. Nicht immer ging es dabei ganz legal zu, wie etwa bei den Akropolisfriesen, die Lord Elgin außer Landes schmuggelte. Viele Staaten fordern inzwischen Schätze aus dem Museum zurück. Doch dazu schweigt die Ausstellung leider.

Ausstellungsansicht Foto: David Ertl

Ausstellungsansicht
Foto: David Ertl

© Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland

Aus den bescheidenen Anfängen wurde bis heute eine der größten Sammlungen der Welt. Über sieben Millionen Objekte aus allen Epochen von den Anfängen der Menschheitsgeschichte bis in die aktuelle Zeit beherbergt das Haus heute. Aus dieser immensen Auswahl durfte sich die Bundeskunsthalle in Bonn nun 250 Exponate aussuchen und präsentiert sie auf 2000 Quadratmetern. Unterteilt nach Kontinenten zeigt die Ausstellung einen repräsentativen Querschnitt der Kunstschätze. Man hat in den großen Saal der Bundeskunsthalle einen Baukörper eingezogen und präsentiert dort in sechs Kabinetten die klassischen Abteilungen des British Museums: Afrika, der Mittlere und Nahe Osten, Asien, Amerika, Europa und Ozeanien. Jede Abteilung ist von außen zugänglich und hat eine Verbindung zu dem zentralen zartblau-leuchtenden Innenhof. Man kann im Grunde beginnen wo man möchte, auch wenn es sich empfiehlt, in Afrika zu starten, wo einst die Wiege der Menschheit stand. Dort findet sich auch der größte Schatz, der hier gezeigt wird. Es ist ein unscheinbares, zwei Millionen Jahre altes Steinwerkzeug aus Tansania. Nur bei genauem Hinsehen erkennt man, dass eine Seite abgeflacht wurde und Menschen hier frühe Spuren hinterließen. Weiter geht es über ägyptische Preziosen wie Mumien und Sarkophage, die einst den Ruhm des Museums begründeten. In der Nahost-Abteilung findet sich ein Brief in Keilschrift auf einer Steintafel. Ein Amurru-Herrscher beklagt sich darin bei dem Pharao über einen ägyptischen Gesandten, der ein Goldgeschenk mitgehen ließ. Man kann nur erahnen, wie mühsam der Schriftverkehr zu jener Zeit war.

In den nächsten Kabinetten kann man Kunst aus Afrika bestaunen, antike Statuen aus Griechenland, eine frühe Banknote aus der Ming-Dynastie, Kunsthandwerk aus Japan, einen steinernen Maya-Gott und eine Goldmaske aus Kolumbien, Buddha-Statuen aus Südostasien und Schachfiguren aus Walrossbein aus dem mittelalterlichen Europa. So breitet die Bundeskunsthalle einen bunten Flickenteppich an kulturellen Hinterlassenschaften aus aller Welt vor uns aus. Leider gibt es keinen roten Faden und das alles wirkt manchmal arg beliebig zusammengewürfelt, aber es ist schließlich keine thematische Ausstellung, sondern eine, die das British Museum feiern will. So verrät die Ausstellung eher etwas über den Menschen in Allgemeinen, über seinen Drang, die Welt zu begreifen, zu verstehen und zu gestalten. Man kann zwei Millionen Jahre Menschheitsgeschichte nicht in 250 Exponaten abhandeln, das will die Ausstellung aber auch nicht und so wirkt es ein wenig wie ein Werbespektakel für das englische Museum. Nötig hat das British Museum diese Werbemaßnahmen allerdings nicht, mit 6 Millionen Besuchern pro Jahr gehört es zu den meistfrequentierten der Welt. Die Bundeskunsthalle kann da mit nur 600.000 Besuchern nicht ganz mithalten.