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Ordnung ist das halbe Leben

Mia Unverzagt zeigt im Saarländischen Künstlerhaus eine große Werkgruppe

Die Szenerie in der Galerie des Saarländischen Künstlerhauses mutet schon merkwürdig an. Am Eingang stehen rosa Pantoffeln für die Besucher bereit. So beschuht geht es dann in die Ausstellungsräume, an deren Wänden kühle Fotos von Damen hängen, die in einer Wäscherei zu arbeiten scheinen. Dazwischen zwei Installationen von einem Arbeitszimmer und einer kleinen Werkstatt, die aus den 1950er-Jahren zu stammen scheinen.

Das Gesamtkunstwerk hat die ehemalige HBKsaar-Studentin Mia Unverzagt ersonnen. In der Werkgruppe „Messen – Wiegen – Ordnen“ geht sie spielerisch gesellschaftlichen Ordnungsmustern nach und untersucht deren Wirkung auf uns. Die Fotos stammen von einem Experiment, in dem die Bremer Künstlerin Menschen eingeladen hat, sich aus einem Berg von Hauskleidern und Gegenständen aus den 1940er- bis 1970er-Jahren etwas auszusuchen, was sie gerne tragen würden. Dann sollten die Versuchspersonen die ausgewählten Dinge messen, wiegen und ordnen. Unverzagt begleitete dies mit der Kamera.
Hat man die Intention erkannt, wirken die beiden Installationen dazu dann plötzlich nicht mehr zusammenhanglos, denn Schreibtisch und Regal des Arbeitszimmers sind voller Unterlagen und Bücher zum genauen Messen und Wiegen. Bilder und Schautafeln an der Wand stammen aus der Nachkriegszeit und sind voller Vorschriften und Anleitungen. Das reicht bis zur Anweisung, wie Fingernägel lackiert werden sollten. Die „Werkstatt“ ist ein kleines Chaos aus Tischen voller Mess- und Wiege-Werkzeuge.

Die Ausstellung wirkt ein bisschen spröde und verkopft, das ist keine leichte Kost. Doch wer sich darauf einlässt, kommt schnell ins Grübeln. Mit einer bildhaften und sehr subtilen Botschaft vermittelt uns Unverzagt nicht ohne Ironie, wie sehr sich die Nachkriegsgesellschaft in alte Werte wie Recht und Ordnung flüchtete, um den Alltag zu strukturieren und die Zeit des Nationalsozialismus zu verdrängen.

Im Studio zeigt der Kieler Künstler Volker Tiemann seine humorvollen und oft hintergründigen Objekte, Zeichnungen und Skulpturen. Im „Studio blau“ präsentiert Max Grau eine umfassende Videoinstallation.

Stelldichein der Urban Art

Die Galerie Zimmerling & Jungfleisch in Saarbrücken zeigt in der dritten Ausstellung einen Überblick über die Urban Art

Patrick Jungfleisch legt ein hohes Tempo vor. Gerade einmal vier Monate gibt es die Galerie Zimmerling & Jungfleisch und die dritte Ausstellung mit Meisterwerken der Urban Art läuft bereits. Mit „Urban Selection“ lässt die Galerie die Muskeln spielen und zeigt einen Überblick über ihre besten Künstler.

Jungfleisch ist besser bekannt als Reso und die großformatigen Tags des Urban-Art-Künstlers begrüßen die Ausstellungsbesucher gleich beim Betreten der Galerie. Die Arbeiten aus dem Jahr 2014 zeigen Resos sanfte Weiterentwicklung in den letzten Jahren. Immer noch arbeitet er mit den Buchstaben seines Künstlernamens und immer noch dreht, kippt und transformiert er die Buchstaben im virtuellen Bildraum bis zur Unkenntlichkeit. Doch die Bilder sind dynamischer, kleinteiliger, wirken energiegeladener als frühere Werke und damit auch emotionaler.

Mit Jef Aérosol ist einer der Stars der Urban-Art-Szene in der Ausstellung vertreten. Die beiden Bilder aus der Crowd-Serie gehören zwar nicht zu den besten Arbeiten des Franzosen, sind aber mit ihrer Bildsprache schon fast Ikonen der Postmoderne. Die Schau stiehlt ihm allerdings ein weiterer Altmeister. Jean Faucheur ist mit drei Arbeiten vertreten, die zu den besten in der Ausstellung gehören. Zwei der Bilder zeigen im Hintergrund eine Person. Ein Mal ist die in groben Blöcken gepixelt, ein anderes Mal verschwommen abgebildet. Beide Male ist die Figur mit punktuell aufgesprühter Farbe verdeckt, die dann mit langen Farbnasen einen Vorhang zieht. Dazwischen hängt ein weiteres Bild, das ebenfalls einen solchen Schleier zeigt. Aufgrund der raffinierten Hängung fragt man sich als Betrachter unweigerlich, was Faucheur da versteckt haben könnte und geht auf die Suche. Der fehlende Titel hilft nicht weiter.

Fast schon langweilig wirken da die Bilder von Sen2, die eine Mischung aus Abstraktion und Figuration sind und wie surreale Fragmente aus Comic und Werbung daherkommen. Auch Remi Roughs Visionen aus gestischem Action Painting und zartem Suprematismus Kandinskys können nicht ganz überzeugen. Ein ganz anderes Kaliber ist da Hendrik Beikirch, der mit dem fantastischen „Revalgade“ ein großformatiges Porträt zeigt, das auch schon in der Eröffnungsausstellung der Galerie im Dezember zu sehen war. Ganz anders aber nicht weniger spannend ist auch die Arbeit von Pro176, der Buchstaben und architektonische Elemente zu farbfrohen Landschaften verbindet, die über die Leinwand wabern. Mit dabei sind außerdem Cone The Weird und Vise, der eine Metall-Skulptur zeigt.

Urban Selection, bis 27. März 2015, Galerie Zimmerling & Jungfleisch

Rohrkrepierer deluxe

17 Jahre lang war die „art frankfurt“ ein fester Termin im Kunstmessenkalender. Immerhin rund 2000 Künstler wurden von 150 Galerien präsentiert. 2005 war dann Schluss – es kamen einfach zu wenige besucher, die kaufkräftige Sammlerklientel fehlte fast völlig. Michael Neff verkleinerte die Messe radikal und nannte sie fortan „Fine Art Fair Frankfurt“. Aber nach zwei Ausgaben war auch damit Schluss.

In diesem Jahr sollte die Mainmetropole nun wieder eine Kunstmesse bekommen. Groß angekündigt wurde das Projekt im vergangenen Oktober – recht spät. Ob es wohl daran lag, dass statt der angepeilten 150 bis 200 Ausstellern nur 60 kommen wollten oder war die Jury zu streng? Der eigenen Anspruch war hoch. Direktoren der Messe sind Wolf Krey von der Kunstmesse München und Galerist Eric Beuerle de Castro, als Beirat ließen sich Ottmar Hörl, Klaus Gallwitz, Hans Ottomeyer und Jean-Christophe Ammann anwerben – durchaus klangvolle Namen, die ein hohes Niveau versprachen.

Ich hatte vor, die Messe zu besuchen, um mir einen persönlichen Eindruck zu machen, musste dann aber kurzfristig umdisponieren, weil mir ein anderer Termin dazwischen kam. Versprochen wurde von den Machern eine „holistische, also ganzheitliche Messe“ und „ein Gegenkonzept zu spezialisierten oder regionalen Messen“. Als ich allerdings den Katalog der Messe in Händen hielt (siehe hier), war ich entsetzt. Angeboten wurde vom 30. Januar bis 3. Februar 2015 auf der ohnehin schon kleinen Messe ein buntes Sammelsurium aus Antiquitäten, Asiatika, Teppichen, Oldtimern, zeitgenössischer Kunst und Klassischer Moderne. Von einem Konzept keine Spur, statt dessen Mittelmaß satt. Die Veranstalter wollen sich eigentlich drei Jahre Zeit geben, um ein Konzept zu etablieren, ich bin allerdings gespannt, ob es überhaupt noch zu einer Ausgabe im Jahr 2016 kommen wird. Ich bin gespannt, bezweifle aber, dass so eine klare Zielgruppe angesprochen wird.

Nun könnte man sagen, dass es unfair ist, so zu urteilen, wenn man die Messe nicht live gesehen hat, doch auch die KollegInnen sehen das wohl so. Sandra Dannicke mutmaßt beispielsweise in der Frankfurter Rundschau, die Macher hätten einfach die Halle vollkriegen müssen und kritisiert das fehlende Konzept ebenfalls. Auch der Messe-Medienpartner FAZ äußert Zweifel… Der Rest der Presse schweigt sehr laut. Getreu dem Motto „De mortuis nil nisi bene“ wollte man wohl lieber gar nichts sagen als etwas Schlechtes.

Tunnel des Grauens

Die japanische Künstlerin Shiharu Shiota begeistert in der Stadtgalerie Saarbrücken mit raumfüllenden Installationen

Gruselig. Aufregend. Unglaublich. Ehrfürchtig raunen Besucher der Stadtgalerie derlei, während sie durch die Ausstellungsräume flanieren. Der erste Ausstellungssaal ist in ein Halbdunkel gehüllt. Von den Ausmaßen des Raumes ist nicht viel geblieben. Als ob hier eine riesige Spinne ihr Werk vollbracht hat, ist der Raum mit einem dichten Gespinst aus schwarz-grau schimmernden Wollfäden gefüllt. Nur der entstandene schmale Tunnel lässt den Besuchern Platz, um hindurchzukommen. Unweigerlich wird man von dem Gang eingesaugt und gelangt in einen zweiten Raum, der zu einer Schreckenskammer wird. Eingewebt in das Gespinst sind hier sieben weiße Kleider. Eines scheint ein Brautkleid zu sein, aber auch Kinderkleidchen hängen hier. Aber wo sind ihre Besitzer? Was geschah mit den Menschen? Unweigerlich setzt das Kopfkino ein.

Chiharu Shiota: Seven Dresses, Stadtgalerie Saarbrücken, 2015, Foto: Bülent Gündüz

Chiharu Shiota: Seven Dresses, Stadtgalerie Saarbrücken, 2015, Foto: Bülent Gündüz

Diese atemberaubende Installation stammt Shiharu Shiota. In einer enormen Fleißarbeit hat die in Berlin lebende Japanerin mit Helfern in zehn Tagen und mit einigen Kilometern Wolle dieses kleine Wunder vollbracht. Und gleich noch ein zweites. Im Saal darüber hat sie ein ähnliches Netz gesponnen. Hier tritt man am Ende des Tunnels in helles Licht und steht vor einigen großformatigen Arbeiten auf Papier, auf das die Künstlerin mit dem Körper rote Farbe gebracht hat. Fast wirkt es, als hätte sich hier ein Mensch im Todeskampf in seinem Blut gewunden. Auch hier sind nur die Spuren menschlichen Lebens geblieben.

Wie großartig die Arbeiten von Shiota wirklich sind, sieht man im dritten Ausstellungssaal. Neben einigen wunderbaren Grafiken und einer starken Videoarbeit sind hier kleinere Werke zu sehen, in denen die Künstlerin die großen Installationen auf ein kleineres Maß reduziert hat. Shiota hat hier mit schwarzen Leisten kleine Kästen gebaut, in denen sie Fundstücke mit schwarzen Garngespinsten einhüllt. Auch wenn diese handwerklich perfekt sind, verlieren die kleinen Werke ihren ganz besonderen Zauber und wirken wie ein müder Abklatsch der raumfüllenden Installationen. Der Angriff auf die Nerven fehlt. Nicht mal die in einem der Gespinste eingewebten Kinderschuhe gruseln wirklich. Aber auch eine Installationskünstlerin muss von etwas leben und Werke verkaufen. Deshalb wohl diese kleinen Arbeiten.

Shiota ist inzwischen eine weltweit gefeierte Künstlerin, die mit ihren Installationen immer wieder Aufsehen erregt. Die besondere Qualität liegt bei ihr auch darin, dass sie sich nie zu wiederholen scheint und daher nie langweilig wird. Ihren größten Triumph wird sie wohl in diesem Sommer feiern, wenn sie den Pavillon ihres Heimatlandes bei der Biennale in Venedig bespielen darf. Man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass es eine der aufregendsten Ausstellungen der Biennale werden wird.

Chiharu Shiota, „Seven Dresses“, bis 5. April 2015, Stadtgalerie Saarbrücken

Blick in die Galerie Zimmerling und Jungfleisch

Neue Galerie in Saarbrücken

Aus einer Bierlaune heraus kamen die Freunde Patrick Jungfleisch und Dirk Zimmerling im vergangenen Jahr auf die Idee, eine Galerie zu gründen. Rasch erkannten die beiden, dass sie ein ideales Team für ein solches Unterfangen wären und begannen mit der Umsetzung. Zimmerling bringt als Unternehmer und Vertriebsleiter das nötige kaufmännische Verständnis mit, Jungfleisch organisiert als Urban-Art-Künstler Reso schon seit vielen Jahren Ausstellungen. Er besitzt ausgezeichnete Kontakte und das nötige Fachwissen.

Der programmatische Schwerpunkt der Galerie war aufgrund von Resos Arbeit war schnell umrissen und der potentielle Markt nicht uninteressant. Die vom Leben im urbanen Raum inspirierte Kunstrichtung der Urban Art gewinnt seit Jahren weltweit zunehmend an Bedeutung. Immer mehr Museen und Sammler interessieren sich für die Kunst, die ihren Ursprung in Graffiti und Street Art hat.

Mit „Portraits & Profiles“ präsentiert die neue Galerie gleich drei bedeutende Künstler in durchdachter Hängung. Hohe Decken, viel Tageslicht und der Charme industrieller Architektur in der alten Buswerkstatt hinter dem Hauptbahnhof sind hervorragend geeignet, Kunst zu präsentieren.

Blick in die Galerie Zimmerling & Jungfleisch

Blick in die Galerie Zimmerling & Jungfleisch, Foto: Galerie Zimmerling & Jungfleisch, Saarbrücken

Am Eingang wird man von großformatigen Schwarzweißporträts empfangen. Sie stammen von Hendrik Beikirch, der mit Sprühlack, Acrylfarbe und Tinte anrührende Porträts einfacher Menschen fertigt. Dabei bleibt er mit der Nutzung von Sprühlacken nahe am Graffiti. Seine Gemälde sind ein Musterbeispiel dafür, wie wunderbar klassische Materialien die gesprühte Farbe ergänzen und dabei helfen, die Charaktere der Dargestellten auf die Leinwand zu bannen. Bildinhalt und Material gehen einen vielfältigen Dialog ein. Die zerfließenden Farbnasen konterkarieren die Perfektion der fotorealistischen Abbildung ideal. Die realistische Darstellung erlaubt einen detaillierten Blick auf die Menschen, die Farbnasen unterstreichen die raue Lebenswirklichkeit der vom Leben Gezeichneten.

Im großen Raum der Galerie hängen Werke des französischen Altmeisters Jef Aerosol, der mit seinen Schablonen-Grafitti zweifellos zu den stärksten Urban-Art-Künstlern gehört. Die gezeigten Porträts von Stars sind allerdings leider nicht seine besten Werke. Als Kontrast zu den realistischen Porträts von Beikirch und Aerosol zeigt die Galerie Werke von Sozyone. Der Belgier malt Porträts aus schwarz umrandeten, amorphen Farbflächen, die sich wie Puzzleteilchen zu maskenhaften Gesichtern zusammensetzen. Die dekonstruierten Fratzen wirken bedrohlich und erinnert an die fiesen Bösewichte aus den Marvel-Comics.
Schon die Eröffnungsausstellung ist ein Paukenschlag. Es bleibt abzuwarten, ob die Galerie weiter auf diesem hohen Niveau arbeiten kann, doch die Vorschau für das kommende Jahr ist viel versprechend: Jean Faucheur, John „CRASH“ Matos, Remi Rough LXone und Sen2 sind nur die ganz großen Namen. So dürfte die Galerie bald in der ersten Liga für Urban Art in Europa spielen. Schon jetzt ist das Haus aber ein Gewinn für die Kunstszene der Großregion.

„Portraits & Profiles“, bis 10. Januar 2015, Galerie Zimmerling & Jungfleisch

Das Museum als Abenteuerspielplatz

Als das Musée d‘Art Moderne Grand-Duc Jean 2006 seine Pforten öffnete, versprach man einen lebendigen Ort für zeitgenössische Kunst. Ein großes Versprechen, denn zeitgenössische Kunst gilt gemeinhin als spröde, schwer verständlich und intellektuell überbefrachtet und die Ausstellungshäuser können nur selten mit großen Namen punkten. Viele Museen für aktuelle Kunst müssen um Besucher kämpfen und oftmals herrscht gähnende Leere. Nicht so im Mudam, das mit einer großen Portion kuratorischem Geschick Entdeckungen ermöglicht und die Besucher immer wieder begeistert.

Derzeit zeigt das Museum im Erdgeschoss großformatige Arbeiten des hierzulande weitgehend unbekannten Künstlers Rui Moreira. Seine in kräftigen Farben gehaltenen Gouaches sind inhaltlich wie formal sehr komplex, aber wunderschön anzuschauen und voller kultureller Anspielungen, die es zu enträtseln gilt. Mit oftmals kleinen abstrakten und geometrischen Strukturen schafft der Portugiese riesige Werke auf Papier. Beeinflusst sind seine Bilder von seinen Reisen nach Afrika, Indien oder in den Norden Portugals. Viele Landschaftsbilder erinnern in der Ausführung an japanische Holzschnitte.

Im anderen Flügel des Erdgeschosses läuft derzeit die Ausstellung Art & Me. „Kunst & ich“ ist so etwas wie ein Abenteuerspielplatz für Kinder und Erwachsene und lädt zum Entdecken ein. Die Ausstellungsräume erinnern an eine Mischung aus Wohn- und Kinderzimmer. Da ist Kunst fröhlich gemischt mit Design, man kann sich selbst als Künstler ausprobieren und in Büchern schmökern, die in einem durch den Raum gewundenen Regalsystem verteilt sind. Leider wirkt das alles ein bisschen wie ein überfüllter Kramladen, in dem die Kunst untergeht. So findet man einige Arbeiten kaum oder übersieht sie leicht, wie etwa die acht Kladden des Saarbrücker Liquid Penguin Ensemble. Während eines Sommerprojekts im Museum haben 628 Besucher ihre Lieblingswörter in einen „Wortcontainer“ geworfen und erklärt, weshalb diese Wörter für sie so wertvoll sind. Die Künstler haben daraus eine Klangenzyklopädie zum Anhören gebastelt. Ein echter Ohrenschmaus zum Schmunzeln.

Rui Moreira, La Nuit (Les Télépathes), 2011 Gouache, gel pen and colored pencils on paper 191 x 184,5 cm Private collection, France © Rui Moreira, photo: Laura Castro Caldas

Rui Moreira, La Nuit (Les Télépathes), 2011
Gouache, Buntstifte auf Papier
191 x 184,5 cm, Privatsammlung, Frankreich
© Rui Moreira, Foto: Laura Castro Caldas

Wie immer präsentiert das Museum einen Teil seiner Sammlung im Obergeschoss. Unter dem Titel „Solides Fragiles“ zeigen die Kuratoren derzeit minimalistische Kunst und zeigen auf, wie Künstler mit minimalen Mitteln zur Neuentdeckung des Raumes einladen oder mit ihren Werken die Umgebung verändern oder definieren, wie etwa Fred Sandback, der Fäden durch den Raum spannt.

Im Zentrum des Hauses steht die Videokünstlerin Sylvie Blocher. In der Grand Hall fordert die Französin das Publikum zur Mitwirkung auf. Die Besucher können sich nach Voranmeldung mit einer Flugmaschine in zwölf Meter Höhe ziehen lassen und die „Welt neu zu entdecken“. Viele staunen, manche weinen, andere genießen einfach das Gefühl des Fliegens. Das zeichnet die Künstlerin auf und wird daraus bis Februar 2015 einen Film machen. Schon jetzt sind einzelne Sequenzen auf vier Bildschirmen im Keller zu sehen.

Auch die beiden Galerien im Untergeschoss darf die vielseitige Künstlerin mit Videoarbeiten bespielen. In „Alamo“ zeigt sie anschaulich, dass die amerikanische Geschichte von Weißen geschrieben wurde. Der offiziellen Geschichtsschreibung der Schlacht um Alamo im texanischen Unabhängigkeitskrieg setzt sie Fassungen eines hispanischen, eines afroamerikanischen und eines indianischen Erzählers entgegen und entlarvt so die einseitige Darstellung, die eine Beteiligung anderer ethnischer Gruppen verschweigt. Nicht ohne Hintergedanken ist auch die Videoarbeit „Change the Scenario“, in der sich der afroamerikanischen Albino Shaun Ross ein Mal mit weißer und ein weiteres Mal mit schwarzer Farbe einschmiert. Es ist ein Spiel mit Stereotypen, das Blocher perfekt beherrscht ohne dabei allzu offensichtlich zu werden.

Joan Miró, Personnages et oiseaux dans la nuit, 1974

Qualität oder Quantität?

Als das Centre Pompidou 2010 in Metz eröffnet wurde, pilgerten die Besucher in Scharen in das neue Museum. Mit der Ausstellung „Meisterwerke?“ präsentierte die Dependance des Pariser Museums Schätze aus der Sammlung. Doch seither sinken die Besucherzahlen des Museums kontinuierlich. Selbst gelungene Ausstellungen wie die mit den Wandbildern Sol LeWitts, die Ausstellung „1917″, „Paparazzi“ oder „Der Blick von oben“ konnten diesen Trend nicht aufhalten.

Die Politik war enttäuscht, weil bei Politikern nicht Qualität, sondern Quantität zählt, und so setzte sich eine Runde aus lothringischen Regionalpolitikern und Kulturministerin Aurélie Filipetti gegen CPM-Direktor Laurent Le Bon durch und änderte das Konzept des Hauses. Seit März und noch bis 2016 zeigt das Haus nun in einer Dauerausstellung im großen Ausstellungssaal „Phares“, „Leuchttürme“. Als Trostpflaster gab es noch 500 000 Euro für die neue Schau und das Museum soll weitere 4,6 Mio. Euro aus dem Regional-Pakt Lothringen bekommen. Eventuell soll die Ausstellung auch über 2016 hinaus bestehen bleiben und nur ein Teil der Werke ausgetauscht werden, so wie es die Louvre-Dependance in Lens tut.

Joan Miró, Personnages et oiseaux dans la nuit, 1974

Die neue Dauerausstellung zeigt vor allem monumentale Werke aus dem Fundus des Centre Pompidou, die nicht so oft gezeigt werden. Da ist schon am Eingang mit „Personnages et oiseaux dans la nuit“ aus dem Jahr 1974 von Joan Miró oder Beuys Filzklavier von 1966. Grandios ist auch Picassos Bühnenvorhang für das Ballett Mercury (1924) oder Légers „Komposition mit zwei Papageien“ aus den 1930er-Jahren. Zu den Höhepunkten gehört auch Robert Delaunays vier Holzreliefs, die er 1937 für die Wände des Eisenbahnpavillons der Pariser Weltausstellung gefertigt hatte und die nun die große Wand im Saal einnehmen.

So schlendert man durch die wichtigsten Kunstströmungen des 20. Jahrhunderts und fragt sich doch, was das alles soll. Ohne Zweifel sind das Meisterwerke, die es lohnt, sich anzuschauen, doch der Wow-Effekt bleibt aus. Kunsthistorisch ist das nicht mehr als heiße Luft und die Ausstellung nicht mehr als eine lose Anordnung von Kunstwerken. Das ist schade und es darf bezweifelt werden, dass man damit tatsächlich einen Besucheransturm auslöst. Direktor Laurent Le Bon sah das wohl ähnlich und gab vor kurzem seinen Wechsel an das Musée Picasso bekannt. Dort wird er es allerdings auch nicht leichter haben, denn das Museum muss einen Großteil seiner Einnahmen selbst erwirtschaften. Vom Millionen-Etat in Metz kann er dort nur träumen.

bis 2016, Centre Pomipou Metz

Ekici_ Marcus_Floating_Ourselves

Schmerzhafte Begegnungen in der Wanne

Wer am Freitag Abend an der Stadtgalerie vorbeikam, erlebte im Innenhof eine gespenstische Szenerie. Eine Frau und ein Mann schleppten wortlos Eimer mit Splitt und kippten ihn in eine Badewanne. Irgendwann bestiegen sie diese und rieben sich und den anderen mit den Steinchen ein. Man sah ihnen immer wieder den Schmerz und die Anstrengungen an. Plötzlich erhoben sich die beiden, gingen zu einer zweiten Wanne und begannen sich zu waschen. Auch hier kam es zu einem Miteinander. Man schrubbte sich gegenseitig, besann sich immer wieder auf sich selbst, tauchte in das Wasser ein und keuchend wieder auf. Irgendwann stieg das Paar aus der Wanne heraus und verschwand.

Die Szene entpuppte sich als grandiose Live-Performance der deutsch-türkischen Künstlerin Nezaket Ekici und des Israelis Shahar Marcus und zweifellos ist dies die bisher eindrücklichste Aufführung des Duos. Das eigentliche Medium der Künstler ist ihr Körper mit dem sie in Beziehung zueinander treten, Energien aufbauen und sich entladen lassen und so miteinander kommunizieren. Insbesondere Ekici geht dabei immer wieder sichtbar an ihre Grenzen. Kein Wunder, ist die Deutsch-Türkin doch ehemalige Meisterschülerin von Marina Abramović. Aber anders als der ehemaligen Mentorin geht es Ekici und Marcus in den gemeinsamen Arbeiten nicht um die Erfahrung und den Ausdruck von Leid, sondern um die Darstellung von emotionalen, physischen und psychischen Ereignissen in der Beziehung zu anderen und die Auseinandersetzung mit elementaren Fragen in Begegnungen zweier Menschen.

Seit 2012 arbeiten die beiden immer wieder zusammen. In ihrer Videoperformance „Salt Dinner“ treiben die beiden im Toten Meer an einem Tisch mit allerlei Speisen. Sie essen davon und reichen sich gegenseitig Häppchen. Es ist ein ermüdender Prozess, den Salz und Sonne fast unerträglich werden lassen und eine ironische Metapher für religiöse Rituale und den allgegenwärtigen Tod mitten im Leben.

In der Performance „Floating Ourselves“ begegnen sich die beiden Künstler auf einer mit unzähligen Gläsern gedeckten Tafel. Sie fixieren sich mit ernstem Blick und bewegen sich dann langsam vorwärts. Bei jedem Schritt leeren sie ein Glas Wasser und stecken es in Taschen an den weißen Kostümen. Schließlich stehen sie sich gegenüber und bewegen sich mit einem Ruck aufeinander zu. Einige Gläser gehen zu Bruch. Es sind starke Bilder für eine Begegnung zwischen zwei Menschen.

Weniger gelungen ist die Videoperformance „Fossil“, die auf der Halde Lydia und in den Homburger Schlossberghöhlen entstand. Etwas zu bemüht versuchen Ekici und Marcus, das Thema „Mensch und Montanindustrie“ aufzunehmen. Dabei geht die zwischenmenschliche Interaktion leider verloren und das erzählerische Element wird zu stark.

Ein ausdrückliches Lob verdient die Ausstellungspräsentation, die sich nicht darauf beschränkt, die Videos zu zeigen, sondern auch „Accessoires“ aus den Performances zu integrieren, wie etwa den gedeckten Tisch aus „Floating Ourselves“.

Bis 11. Januar 2015, Stadtgalerie Saarbrücken

Dienstag bis Freitag, 12 bis 18 Uhr
Samstag, Sonntag, Feiertage: 11 bis 18 Uhr

Svenja Maass, Rechtshaender, 2013

Meisterhaftes Spiel mit der Irritation

Svenja Maaß hat eine Vorliebe für Tiere. Flauschige Schafe bevölkern ihre Bilder, neugierige Erdmännchen, kopulierende Frösche, niedliche Hunde, schläfrige Kängurus und gelangweilte Affen. Hinzu gesellen sich Würste, Wolken, Kerzen, Pilze und was sonst noch zu einer guten Geschichte gehört. Die Hintergründe sind mal geometrisch abstrakt, dann wieder gestisch oder einfarbig und manchmal eine Kombination daraus.

Die in Hamburg lebende Bielefelderin erzählt in den Bildern surrealistische Geschichten. Maaß’ Bilder sprühen vor Humor und Witz. Sie bedient sich dabei eines ikonographischen Fundus, der keine Grenzen zu kennen scheint. Meist hat sie vor Beginn der Arbeit nur eine vage Idee, was sie erzählen will und beginnt dann zu malen. Sie komponiert frei, Ideen und Gedankenblitze formen während des Malaktes im Kopf der Malerin eine Geschichte, die sie in den Bildern verewigt. Das Schöne daran ist, wie herrlich zusammenhanglos die Bildelemente wirken. Dem Betrachter wird so keine Geschichte aufgezwungen und er sich die Handlung selbst zusammenspinnen kann. Auch die Titel sind keine große Hilfe, sie verwirren mehr, als sie erklären.

Schon länger malt Maaß in ihrem ganz eigenen Stil. Doch ihre frühen Arbeiten wirken konzeptionell sehr durchdacht. Das wirkt manchmal statisch und allzu karikaturistisch und wurde der Malerin schnell zu langweilig. Sie begann freier zu malen. Außerdem verbannte sie Menschen weitgehend aus den Bildern, weil sich Menschen nur schwer ohne Assoziationen auf Herkunft, Zeit oder sozialen Status malen lassen, und entschied sich für Tiere mit denen der Betrachter meist bestimmte Charaktereigenschaften verknüpft. Um die Figuren weiter zu verrätseln, sind sie oftmals zu Chimären mit einzelnen menschlichen Gliedmaßen mutiert. Immer wieder kommt es zu Auslassungen, Spiegelungen, Verschleierungen und Andeutungen, manchmal spiegelt Maaß die Protagonisten, dann hüllt sie etwas in Textilien ein, die kaum mehr erahnen lassen, was darunter versteckt ist. Immer fehlt etwas, ist etwas zu viel oder passt nicht. Es ist ein meisterhaftes Spiel mit Irritationen.

Während die großen Werke fantastische Reisen durch Raum, Traum und Zeit sind, nimmt Maaß in ihren kleinformatigen Werken oftmals Fragmente aus den großen Werken auf und bezieht sich immer wieder auf die Großformate. Auch die kleinen Bilder korrespondieren häufig miteinander. So entsteht in den Ausstellungsräumen ein riesiger Kosmos. Als Hintergrund wählt sie bei den kleineren Arbeiten meist grauen Karton oder Aluminiumplatten, auf denen oftmals nur Kopf und vordere Gliedmaßen ausgeführt sind. So wirken die Protagonisten wie ausgeschnitten. Manchmal malt sie auch nur Alltagsgegenstände, die wie Zufallsfunde wirken.

Svenja Maaß, „Gegenfüßler“, Saarländisches Künstlerhaus, bis 9. November 2014

Spiel der Formen

Gabriela von Habsburg stellt im Haus der Unternehmensverbände in Saarbrücken aus

Gabriela von Habsburg ist eine zierliche Person. Müsste man raten, welche Kunst sie begeistert, man würde wohl auf Malerei tippen. Doch weit gefehlt: Wenn die Künstlerin im Atelier steht, dann krempelt sie die Ärmel hoch, nimmt Schweißgerät und Winkelschleifer zur Hand und bearbeitet dicke Stahlplatten.

„Von Habsburg“ ist kein zufälliger Künstlername: Sie ist die Enkelin des letzten österreichischen Kaisers und entstammt dem Hause Habsburg-Lothringen. Geboren wurde die Künstlerin in Luxemburg, aufgewachsen ist sie in Bayern. Nach einem Philosophie-Studium lernte sie Ende der 1970er-Jahre an der Akademie der Bildenden Künste in München unter Robert Jacobsen und Eduardo Paolozzi. Von den beiden übernahm sie die Liebe zur Bildhauerei und noch heute erinnern ihre Arbeiten an die Formensprache Jacobsens.

Zwischen 2001 und 2009 war von Habsburg Professorin an der Kunstakademie in Tiflis und ist seit 2014 Inhaberin eines Lehrstuhls an der Visual Art and Design School in der georgischen Hauptstadt. Längst ist Tiflis zu einer zweiten Heimat geworden. Wenn sie von Georgien erzählt, gerät sie ins Schwärmen über das Land, seine Bewohner und die aufstrebende Kunstszene.

Neben der Großplastik vor dem georgischen Parlament stammt auch das Denkmal an das Paneuropäische Picknick vom 19. August 1989 bei Sopron von der Künstlerin. Damals war 661 DDR-Bürgern die Flucht in den Westen gelungen – der Anfang vom Ende der DDR. Die Monumentalarbeit ist ein 10 Meter hoher stilisierter Stacheldraht, der aus der Erde zu ragen scheint.

In Saarbrücken zeigt die Galerie m. beck aus Homburg nun Habsburgs kleinformatige Edelstahl-Plastiken und eine mittelgroße aus rostendem Stahl. Die Arbeiten sind stark reduziert auf die geometrischen Grundformen von Dreieck, Kreis, Rechteck und Linie, die von Habsburg in immer neuen Varianten verbindet. Die Formen ragen in den Raum, durchschneiden einander, öffnen und schließen sich und spielen mit Licht und Schatten. Polierte Oberflächen spiegeln Raum und Objekt und korrespondieren mit der Umgebung. Was auf den ersten Blick eintönig und einfach wirkt, entwickelt sich schnell zum visuellen Abenteuer.

In den Werken geht es nicht so sehr um mythisch aufgeladene Aussagen, wie die Titel vielleicht suggerieren, sondern um eine Herausforderung an den Betrachter, die Formen und den Raum genau zu erfassen. Leider lässt das die Ausstellung nicht so ganz zu, denn dazu müsste man die Objekte umrunden können, das ist aber in den Bürofluren des Hauses der Unternehmensverbände nicht möglich. Es ist aber auch gar nicht wirklich nötig, denn ein vorsichtiges Berühren der Kunstwerke ist ausdrücklich erwünscht. So kann man die Lage der Objekte verändern und selbst immer neue Blickwinkel ausprobieren. Die Plastiken werden zu Spielzeugen, die nicht nur visuell erforscht werden wollen. Immer wieder müssen die Arbeiten ausbalanciert und ein Punkt gefunden werden, bei dem die spitzen Objekte stehen bleiben.

Im oberen Stockwerk zeigt die Künstlerin Lithografien. Es sind kleine Gedankenexperimente, die oftmals Vorstudien zu den dreidimensionalen Objekten im Erdgeschoss sind. Der ästhetische Reiz ist aber so hoch, dass sie durchaus als eigenständige Werke gelten dürfen. Schön wäre eine direkte Gegenüberstellung von Vorstudie und Objekt gewesen, dies ließ sich aufgrund der Platzverhältnisse leider nicht realisieren.

Architektur in der Kunst

Es ist ein provokanter Ausstellungstitel. „Schöner Wohnen“ klingt nach Wohnungsdekoration und kein Künstler möchte seine Werke als bloße Dekorationsobjekte missbraucht wissen. Der zweite Teil des Ausstellungstitels, „Architektur in der Kunst“, wird dann deutlicher: Die Ausstellung im Alten Schloss in Dillingen zeigt 26 Werke von sechs Künstlern, die sich in höchst unterschiedlichen Positionen mit Architektur befassen und sie in den Mittelpunkt ihrer Arbeit stellen. Dabei wird die Architektur zur Projektionsfläche des Künstlers und Innen und Außen verschwimmen.

Im ersten Ausstellungsraum präsentiert der Kunstverein drei sehr unterschiedliche Malstile und Sichtweisen auf die Kunst. Sador Weinsclucker malt verlassene Orte: Fabrikgebäude, Lagerräume und urbane Plätze. Nur wenig Licht fällt auf die bedrückenden Szenerien und beleuchtet Spuren menschlicher Existenz. Schwarz und Brauntöne lassen eine düstere Atmosphäre entstehen und erinnern sofort an Rembrandt. Gegenüber hängen die Arbeiten Martin Borowskis, der in kalten Farbtönen Details von Fahrstühlen gemalt hat, diese durch die extreme Nähe aber aus ihrem funktionalen Zusammenhang gelöst und in abstrakte Linien- und Flächenkompositionen überführt hat. Anders als Weinsclucker, dessen Bilder tief emotional sind, fokussiert Borowski den Blick auf die nackte Architektur und will so den Betrachter zum Sehen, Erkennen und Deuten herausfordern.

Während Borwoski und Weinsclucker real Existierendes mit malerischen Mitteln verdichten, konstruiert der in Berlin lebende Schweizer Thomas Huber futuristische Räume. Mal ist es eine linear-geometrische Abstraktion, deren Bildraum erst im Auge des Betrachters entsteht, dann stapelt er in kalten Grautönen Kisten in einer beliebigen Stadtlandschaft übereinander und spielt mit dem Auge des Betrachters, in dem er schriftliche Botschaften im Bild versteckt. Der Titel „Das Hotel“ streut zusätzliche Zweifel am Gesehenen.

Im zweiten Raum der Ausstellung lässt Yury Kharchenkos abstrakte Serie „House of Spirits“ architektonische Elemente nur erahnen, die Bilder sind auf den ersten Blick Zufallsprodukte aus verlaufener Farbe. Dann lassen sich Strukturen erahnen und aus dem Farbdunst schälen sich Formen und vage Räume in einem an ein Haus erinnerndes Gehäuse. Gegenüber hängen die aufregend schönen Papierarbeiten der Saarländerin Mane Hellenthal. Den Hintergrund bildet stets eine surreale Landschaft aus Farbverläufen und -flecken, in deren menschenleerem Dickicht ein moderner Bau thront. Durch diese Entrückung wird die Architektur neu wahrnehmbar.

Im letzten Raum zeigt der Kunstverein Gemälde von Ulrik Møller, dessen Werke unscharf sind und so im Ungefähren bleiben. Mal ist es der Kühlturm eines Kraftwerks, der bedrohlich zu rauchen scheint, dann eine leere Dorfstraße oder eine Landschaft mit Ort. Als Betrachter weiß man nie genau, was da passiert und wittert Unheil. Sichtbare Realität und Fantasie des Betrachters verschmelzen. Ob man damit schöner wohnt, sei dahingestellt, aber großartige Kunst ist das, was die Künstler präsentieren, auf jeden Fall.

Bis 13. Juli 2014, Kunstverein Dillingen im Alten Schloss