Jetzt wollte ich schon die ganze Zeit Marc Lüders anpreisen und nun macht es die aktuelle Ausgabe der Kunstzeitschrift art. Ich ziehe nach: Der Besuch einer Ausstellung mit Lüders Bildern lohnt sich ungemein. Er ist einer der wenigen Künstler, die es auch in Zeiten medialer Übersättigung noch schaffen, den Betrachter zu einem zweiten und dritten Blick zu zwingen und so etwas wie Erstaunen auszulösen.
Lüders ist so etwas wie ein fotografierender Maler (oder malender Fotograf?). Seine Hintergründe sind Fotografien, real existierende Industriebrachen, Landschaften, Randzonen urbanen Lebens, U-Bahn-Schächte und Kirchen. In diese Landschaften malt Lüders meist Menschen, manchmal auch Objekte. Das Großartige an Lüders Werken ist die komplette Verschmelzung von Fotografie und Malerei. Die verschiedenen Ebenen werden zu einer Einheit.
Die Personen in den Bildern sind sehr real. Sie wirken seltsam deplaziert, verloren, einsam und oft teilnahmslos, als wären sie im falschen Film. Die Menschen hat Lüders ebenfalls irgendwo in Städten fotografiert und überträgt sie dann malerisch in das neue Bild. Ihre Verlorenheit steigert sich noch durch die Mimik. Ein Lachen sucht man vergeblich. Statt dessen tragen sie Sonnenbrillen, der Blick schweift in die Ferne oder auf den Boden. Die Objekte wirken meist wie Raumschiffe von Aliens, erschreckend real, weil sie scheinbar in der Fotografie einen Schatten werfen. Sie bestehen meist nur aus wenigen Pinselstrichen und nehmen Farben des Fotots auf.
Wer mehr von Marc Lüders sehen möchte, sollte seine Webseite unter http://www.marclueders.de/ besuchen. Ausstellungen sind derzeit im Kunstverein Dortmund zu sehen und ab 23. Januar im Brno House of Art in Brno (Brünn). Galeriekontakt: Galerie Levy, Hamburg.