Entwurf Louvre von Jean Nouvel
Entwurf für das Louvre von Jean Nouvel

Das Öl wird auf absehbare Zeit knapp im Nahen Osten. Die Zeichen der Zeit haben die Scheichs der Vereinigten Arabischen Emirate längst erkannt. Wie wild bauen sie und versuchen, die Region für den Tourismus fit zu machen. Überall entstehen Luxushotels, riesige Ferienparks, Skihallen in der Wüste, Unterwasserhotels, künstliche Inseln mit Villen für Superreiche, das höchste Gebäude der Welt – der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Nun haben sich die Scheichs ein neues Ziel gesetzt. Auf einer Sandinsel im Persischen Golf soll neues touristisches Highlight entstehen. Neben einem Yachthafen, eienr Stadt, zwei Stränden, Luxushotels und einem “Reservat” für Ökotouristen soll hier eine der größten Museumsmeilen der Welt entstehen. Mittelpunkt der Komplexes sollen eine Dependance des Louvre und des Guggenheim-Museums werden. Wie immer, wenn die Araber bauen, gilt auch hier das Prinzip “Klotzen statt Kleckern”. Als Architekten für den weltgrößten Museumskomplex konnten die Emire Jean Nouvel (Louvre), Frank O. Gehry (Guggenheim-Museum), Zaha Hadid (Theater) und Tadeo Ando (Maritimes Museum) gewinnen. Rund eine Millarde Dollar soll das Projekt verschlingen.

Das Guggenheim hat ja bereits Übung im Export seiner Marke und wird gerne als Mac Donalds der Kunst verspottet. Neu für das New Yorker Museum ist, dass hier das größte Guggenheim überhaupt entstehen soll und damit alle bisherigen Museen der Marke in den Schatten gestellt werden. Doch das nun der alteehrwürdige Louvre einen Ableger außerhalb Frankreichs erhalten soll, geht vielen zu weit. Ihre Kritik: Die Sammlung des Louvre müsse zusammenghalten werden, das “geistige Tagebuch” europäischer Kunst dürfe nicht so auseinandergerissen werden. Wichtige Meisterwerke seien für lange Zeit (mindestens zehn bis zwanzig Jahre) außerhalb des Landes. Rund 500 Werke will das pariser Museum ausleihen, gleichzeitig soll eine Agentur die araber mein Aufbau einer eigenen Sammlung beraten. In Frankreich formiert sich der Widerstand. Bedeutende Musuemsleute haben ein Manifest verfasst und fast 6500 Unterschriften gesammelt.

Dahinter steckt aber auch die Angst, dass zukünftig Leihgaben teuer werden könnten und nur das Geld den Zuschlag für Werke aus großen Sammlungen bestimmen könnte. So würden kunsthistorische Zusammenhänge und wissenschaftliche Sichtweisen nicht mehr möglich. Man darf davon ausgehen, dass in Abu Dhabi nur das zu sehen sein wird, was Besucher anzieht, ob man Akte zu sehen bekommen wird, dürfte ohnehin fraglich sein, auch christliche Bilderthemen dürften ausgespart werden. Schon ist von zensur die Rede. Dürfen wichtige Bildthemen der europäischen Kunstgeschichte tatsächlich von der arabsiche Welt ausgeklammert werden? Müssen wir zukünftig nach Abi Dhabi reisen, wenn wir europäische Meisterwerke sehen wollen? Können dann nur noch Reiche ins Museum? Museen als Disneyland für Reiche?

Ein bisschen Schade ist der starre Blick nach Westen auf jeden Fall. Ich würde den Emiraten ein bisschen mehr Lokalpatriotismus wünschen. Wäre es nicht schöner und sinnvoller ein Museum für arabische Kunst zu bauen, um westlichen Touristen die unglaublich reiche, arabische Kunst näher zu bringen? Es wäre eine gute Gelegenheit, der Kunst aus diesem Teil der Welt den ihr gebührenden Respekt zu zollen und den Bekanntheitsgrad arabischer Künstler zu erhöhen. Wie wäre es gleich mit zwei Museen, eines für die klassische Kunst und eines für moderne und zeitgenössische Arbeiten? Das wäre dann auch ein einzigartiger Museenkomplex, den es so noch nicht gibt.

Die Petition im Oringinalwortlaut: www.latribunedelart.com, Informationen gibt es auf der Projekt-Webseite: www.saadiyat.ae