Cranach im Exil

25. Februar 2007 | Kein Kommentar

  Cranach, Lucretia, 1533  
  Lucas Cranach, Lucretia, 1533, Öl auf Holz, Gemäldegalerie Berlin  

1540 musste Kardinal Albrecht von Brandenburg von Halle nach Aschaffenburg fliehen. Er wurde ein Opfer der Reformation, allerdings war er auch derjenige, der über den Dominikaner Johann Tetzel das Geschäft mit dem Ablasshandel betrieb, das zum Anschlag der 95 Thesen durch Martin Luther führte. Der Rest ist bekannt. Albrecht darf durchaus als einer der wichtigsten Köpfe der beginnenden Neuzeit gelten. Durch sein Wirken bekamen Humanismus und Renaissance Auftrieb. Albrecht rief den Humanisten von Hutten an seinen Hof und korrespondierte mit Erasmus von Rotterdam.

In Aschaffenburg kann man jetzt bis zum 3. Juni 2007 sehen, wohin das Geld aus den Geschäften des Bischofs floss. Albrecht war ein prunksüchtiger Kirchenfürst, für den Kunst vor allem Propagandamitel war. Er liess neben Lucas Cranach d.Ä., Albrecht Dürer und Matthias Grünewald für sich arbeiten. Der Dom in Halle quoll über vor Kunstschätzen und Reliquien in kostbaren Reliquiaren. Die Ausgestaltung des Domes, die er Cranach übertrug, war die größte Auftragsarbeit dieseits der Alpen.

Die Ausstellung “Cranach im Exil” zeigt die Kunstschätze, die der Kardinal aus Halle auf seiner Flucht mit nach Aschaffenburg brachte. Der musste nämlich vor den Reformatoren flüchten und packte dabei im Dom alles ein, was nicht niet- und nagelfest war.

Albrecht von Brandenburg war einer der Hauptauftraggeber für Lucas Cranach (1472-1553). Die Gemälde, Handschriften, Goldschmiedearbeiten, Grafiken und Flugschriften stellen aber nicht nur einen einzigartigen Kunstschatz dar, sie sind auch ein Zeitzeugnis für den ersten Medienkrieg der Geschichte. Cranach war nicht nur Maler für den Kardinal, er war auch Freund Luthers und belieferte beide Seiten mit visueller Munition für ihren Kampf.

Die Ausstellung bietet eine umfassende Darstellung und Behandlung des gesamten Aschaffenburger Kunstbestandes. In 150 Exponaten, davon 70 Tafelgemälden, vermittelt sie ein lebendiges Bild des Reformationszeitalters. Im Mittelpunkt steht der erstmals wieder in seiner ganzen Pracht gezeigte Magdalenen-Altar aus Halle. Über 200 Jahre an verschiedenen Orten verstreut, erstrahlt er nach grundlegender Restaurierung im alten Glanz. Weitere Höhepunkte sind Albrechts prachtvolles Grabdenkmal aus der Nürnberger Werkstatt Vischer, der sagenumwobene Margarethenschrein oder Grünewalds faszinierende Beweinung Christi, deren Rätsel dank neuester Forschungen gelöst werden konnte.

Die Ausstellung gliedert sich in drei Abschnitte, die auf wichtigste Aschaffenburger Räume verteilt sind. In Schloss Johannisburg ist das Kapitel “Cranach im Dialog” untergebracht, das Cranachs Wirken zwischen den Fronten beleuchtet und erkennen lässt, wie wichtig der Maler für die beiden Strömungen des Christentums in Deutschland war, wie sehr er die Bildsprache von Katholizismus und Protestantismus prägte.

In der Kunsthalle Jesuitenkirche ist das Kapitel “Cranach im Exil” untergebracht, hier befinden sich die bedeutendsten Arbeiten, die der Maler für Albrecht anfertigte und die dieser mit nach Aschaffenburg brachte. Im Stift St. Peter und Alexander wird dann Albrechts Exil unter die Lupe genommen, seine Wirken, sein Leben und seine Vorliebe für die Kunst.

Die Ausstellung ist eine wunderbare Möglichkeit, Cranachs Werk zu entdecken und gleichzeitig auch noch im historischen Kontext zu sehen. Sehtipp!

Mehr unter: www.cranach-im-exil.de

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