Eine Hütte wie ein Palast

26. September 2007 | Kein Kommentar

Vor wenigen Tagen feierte das Jüdische Museum Berlin seinen sechsten Geburtstag. Noch heute steht man staunend vor dem Bau von Daniel Libeskind, diesem zuckenden Blitz mit seinem dekonstruktivistischen Inneren, ein wahrhaft angemessener Bau für ein jüdisches Museum in Deutschland. Schon früh war absehbar, dass das neue Museum ein voller Erfolg werden würde. Schon vor der Eröffnung wurde der leere Museumbau für Besucher freigegeben – und die kamen zu Hunderttausenden. Mittlerweile gehört das Jüdische Museum zu Berlins meist besuchten Museen und das ohne dass das Haus irgendwelche Supermegaausstellungen veranstaltet. 715.000 Besucher kamen alleine im letzten Jahr.

Der Glashof, Foto: Jüdisches Museum Berlin/ Jens Ziehe

Foto: Jüdisches Museum Berlin/ Jens Ziehe

Neben dem Aufsehen erregenden Bau liegt ein dreiflügeliger Altbau aus dem 18. Jahrhundert, das ehemalige preussische Kammergericht. Es wurde bisher herabgewürdigt zum Eingangsgebäude für das eigentliche Museum. Doch jetzt braucht das Museum Platz. Den vom Altbau umschlossenen Ehrenhof durfte Architekt Libeskind deshalb jetzt für acht Millionen Euro überdachen.

Der Glashof, Foto: Jüdisches Museum Berlin/ Jens Ziehe

Foto: Jüdisches Museum Berlin/ Jens Ziehe

Entstanden ist ein wahrer Prachtbau. Libeskind verglaste den Hof komplett. Sein Entwurf orientiert sich an den Sukkhas, den Laubhütten, mit denen gläubige Juden beim Laubhüttenfest dem Auszug aus Ägypten gedenken. Vier Bündel aus jeweils drei Stahlträgern, ineinander geschraubt, gedreht und geknickt, tragen ein Geäst aus horizontalen weißen Stahlträgern, die ein Glasdach und eine Glasfront halten. Und tatsächlich erinnert das Stahlgeflecht an ein Gewirr aus Bäumen und Baumkronen. Die asymmetrisch gefaltete Glasfront erinnert an einen textilen Vorhang.

Der Glashof, Foto: Jüdisches Museum Berlin/ Jens Ziehe

Foto: Jüdisches Museum Berlin/ Jens Ziehe

Der Glashof, Foto: Jüdisches Museum Berlin/ Jens Ziehe

Foto: Jüdisches Museum Berlin/ Jens Ziehe

Die Idee wirkt, ist inhaltsvoll ohne allzu bedeutungsschwer zu sein. Der Glaskörper strahlt Leichtigkeit aus, wirkt festlich und lichtdurchflutet. Der Raum ist wohltuend klar im Gegensatz zum architektonischen Extrem des Neubaus. Das Museum darf stolz sein auf seinen neuen Altbau. Am Dienstag wurde der neue Raum feierlich eröffnet.

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