Max Uhlig zum Siebzigsten

5. November 2007 | Kein Kommentar

Max Uhlig hat etwas geschafft, was nur wenigen Künstlern gelang. Er erreichte als Grafiker seinen Druchbruch. Als DDR-Künstler war er auch schon zu Zeiten des kalten Krieges durch Überblicksausstellungen zur Kunst der DDR in der westlichen Welt bekannt geworden. Erst in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts stellte Uhlig auch Gemälde vor. Bis heute ist er allerdings vor allem als Grafiker bekannt.

Dass Uhlig anfangs “nur” Grafiker war, war in der DDR allerdings nichts Ungewöhnliches, denn dort hatte die Druckgrafik eine wichtigere Bedeutung als bei uns. Die “demokratischste aller Kunstformen” erlaubt unbegrenzte Originale zu erschwinglichen Preisen. Und wie passend, wenn auch ein Klischee: unendliche Schattierungen von Grau in einem grauen, tristen Staat. Aber nicht nur das: Die Grafik erlaubte es, sich den formal-ästhetischen Anforderungen der sozialistischen Kulturpolitik zu widersetzen, die die Scheußlichkeiten des sozialistischen Realismus verlangte.

Uhligs Arbeiten sind außergewöhnlich, sein Werk pendelt zwischen Abstraktion und Figuration. Die Bildmotive sind zusammengesetzt aus Strichen, vertikalen und horizontalen Linien, die sich zu Menschen, Pflanzen und Landschaften zusammensetzen. Besonders interessant sind seine Porträts. Diese Wesen, zusammengesetzt aus Blut und Schweiß, so jedenfalls wirkt es, sind aus Schmerzen geborene, leidende Wesen, die ihre Seele nach außen tragen.

Die Linien, verleihen den Bildern trotz der Ruhe, die von den Personen ausgeht, etwas Aufgewühltes, Nervöses. Mal verdichten sich die Linien, dann wieder sind sie weiter gestreut, mal eng beieinander, mal weit auseinander, mal kürzer und mal länger. So kreiert Uhlig die äußere Form, aus denen die Figuren vor dem Auge des Betrachters entstehen. Interessant ist, dass Uhlig diese Linienspiele sehr unterschiedlich betreibt. So ist ein “Selbstbild” von 1971 aus ganz feinen Linien zusammengesetzt, die sich zu einem Porträt verweben. Jahre später sind es dann grobe Striche, die nur in den markantesten Punkten des Gesichts zu kumulieren scheinen. Auge, Nase, Ohren und Kinn sind schemenhaft erkennbar und doch ist es unzweifelhaft ein Kopf, ja, man erkennt Uhlig sogar auf den ersten Blick. So bleibt Uhlig seinem Stil treu und doch wirkt jedes Bild anders, muss neu entdeckt werden und verleiht jedem Porträtierten ein einzigartiges Aussehen.

Deutlich undeutlich auch seine Figurengruppen: Wartende, zusammengesetzt aus vertikalen und horizontalen Linien. Und auch wenn die Figuren unbestimmt und anonym wirken, ist klar, worauf das Bild abzielt. Menschen, die auf ihre Ausreise warten, Menschen, die auf bessere Zeiten warten – ein Land im Wartestand, kaschiert durch banale Titel.  Diese eindringliche und unverwechselbare Bildsprache ist einzigartig und etwas ganz Besonderes. Wahrscheinlich verdankt er ihr auch seine Eigenständigkeit innerhalb des Systems der DDR.

Max Uhlig feierte im Juni seinen siebzigsten Geburtstag. Mehrere Galerien würdigen den Künstler daher in Ausstellungen. Die Heck-Art-Galerie – Kunst für Chemnitz e. V. zeigt ab 20.12.2007 Arbeiten von Max Uhlig. Auch die Galerie Klose in Essen wird ab 09.11.2007 Uhlig in einer “Geburtstagsausstellung” ehren. Die Büchergilde Frankfurt zeigt noch bis zum 10.11.2007 Lithografien, Radierungen und Zeichnungen von Uhlig. Die Galerie Grahn in Tabarz (Thüringen) zeigt vom 02.12.2007 bis zum 01.03.2007 ebenfalls Arbeiten von Uhlig.

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