Cranach im Städel

9. Dezember 2007 | Kein Kommentar

Ansicht der Cranach-Ausstellung, Städel Museum, Frankfurt 2007

Ausstellungsansicht, Städel Museum, Frankfurt, 2007

Ich werde häufig gefragt, warum ich den Blog “Avantgarde” nenne, obwohl ich ja nicht nur über die klassische Avantgarde der Moderne schreibe. Das liegt daran, dass dieser Blog Avantgarde sein will, vor allem aber, dass der Begriff “Avantgarde” zeitlich mehr als dehnbar ist. Viele Künstler der klassischen Moderne suchten ihre Vorbilder schon bei den Meistern in Mittelalter und nutzen Stil, Maltechniken und Bildsujets der so genannten “alten Meister”. Man darf viele Meister des Mittelalters und der beginnenden Neuzeit also durchaus als Avantgarde sehen.

Einer dieser Avantgardisten ist Lucas Cranach der Ältere (1472-1553), dem das Städelmuseum in Frankfurt eine Ausstellung widmet. Wie kaum ein anderer prägte Cranach neben Dürer und Holbein die Bildwelt seiner Jahre und nachhaltig auch die Bildwelt späterer Jahrhunderte. Seine Landschaftsdarstellungen waren wegweisend, religiöse Themen hauchte er neues Leben ein und seine Porträts prägen bis heute unsere Vorstellung von jener Zeit. Wer kennt nicht seine Porträts von Martin Luther, Katharina von Bora oder Philipp Melanchton.

Im Gedächtnis sind aber auch seine erotischen Darstellungen, die er meist geschickt mit religiösen Themen verknüpfte und die bis ins 20. Jahrhudnert Künstler wie Picasso und Giacometti inspirierten. Seine Werke strahlen Erotik aus, spiegeln Sinnenfreude wider und sind mit einem Augenzwinkern gemalt. Eines der schönsten Beispiele ist sicher Venus und Amor als Honigdieb. Lust und Leid sind eng verknüpft, denn der kindliche Armor, der versucht vom Honig zu naschen, wird von den Bienen gestochen, während die nackte Venus daneben ungerührt posiert.

Wunderbar auch seine Akte, wie die Venus oder die Lucreatia. Perfekt versteht es Cranach, die Schönheit der Frau zu idealisieren. Grazile Nackte mit einem Nichts von Schleier schauen dem Besucher entgegen. Wunderbar leicht leuchtet das helle Inkarnat vor dem dunkle Hintergrund geradezu, Cranach betont die feinen eleganten Formen der Damen, mit dem durchsichtigen Schleier “verstellt er uns die Sicht” auf das Geschlecht der Damen und idealisiert sie so. Sie wird von einer nackten Frau zum Abbild der Schönheit.

Auch seine Landschaftsdarstellungen waren neu. Das Bildthema ist nicht mehr Bild beherrschend, die Landschaft im Hintergrund rückt gleichwertig neben das Sujet. Sie verstärkt das Thema oft sogar noch. Cranach entdeckte die heimatliche Landschaft für sich und stellte sie immer wieder in den Bildern dar. Bei der “Ruhe auf der Flucht” (1520/25) rastet die Heilige Familie umgeben von Engeln auf einer Blumenwiese im sommerlichen Wald. Die Umgebung, in leuchtenden Farben gemalt, prägt die Stimmung des Bildes.

Venus und Armor als Honigdieb, Städel Museum

Lucas Cranach, Venus und Armor als Honigdieb, Städel Museum, Frankfurt

Cranach war schon zu Lebzeiten ein erfolgreicher Maler, der auch wirtschaftlich äußerst erfolgreich agierte. Und er erreichte auch, gleichzietig bei den erzkonservativen Katholiken wie auch bei den protestantischen Reformatoren Anerkennugn zu finden und für sie malen zu dürfen. Dabei malte er in einer regelrechten Imagekampagne Luther und dessen Themen immer wieder und entwickelt eine fast schon genuin protestantische Bildsprache, die Luthers Lehre propagierte.

Gleichzeitig arbeitete er aber auch für den Gegenspieler von Luther, den Kardinal Albrecht von Brandenburger. Für ihn malt er Madonnenbilder, liefert Entwürfe für Kirchenausstattungen und porträtiert die Kirchenoberen. Seine Porträts sind nie nur detailgenaue Abbilder der Porträtierten, sondern bilden auch charakterliche Züge ab. Die Porträtierten fühlten sich gut getroffen und empfahlen ihn weiter.

Er wird sogar Hofmaler am Wittenbergischen Hof des Kurfürsten Friedrich des Weisen und seiner beiden Nachfolger. Neben Haus und Werkstatt besass er eine Apotheke, eine Weinschenke und eine Druckerei. Unter seinem Markenzeichen, dem Schlangensignet, wird seine Werkstatt zum Marktführer für Altäre und Wandmalereien im östlichen Teil des Reiches. Cranach beschäftigt sogar Mitarbeiter, die seinen Stil kopieren und seine Arbeiten in unterschiedlichen Variationen kopieren. Auch seine beiden Söhne arbeiten dort und erarbeiten sich erst spät einen eigenen Stil.

Das Städelmuseum hat in Zusammenarbeit mit der Royal Academy of Arts eine grandiose Ausstellung mit über 100 Meisterweken zusammengetragen. Eine wunderbare Ausstellung, die man nicht verpassen sollte! Bis 17. Febaruar 208 im Städelmuseum, danach in der Royal Academy of Arts in london. Hier geht es zur Sonderseite der Ausstellung >>>

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