Kunst im 20. Jahrhundert
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Mondrian in Köln

Das nennt man dann wohl gegenseitige Befruchtung. Da haben zwei Museen hervorragende Sammlungen und sie tauschen einfach mal fleissig für eine Austellung. Das Gemeentemuseum in Den Haag besitzt eine ausgezeichnete Mondrian-Sammlung und schickt sie nach Köln ins Museum Ludwig und das Kölner Museum verleiht seine Picasso-Sammlung dafür nach Den Haag.

Bis zum 30. März 2008 präsentiert das Museum Ludwig eine der weltweit größten und bedeutendsten Mondrian- Sammlungen. Mit rund 70 Gemälden und Papierarbeiten wird die Werkentwicklung Mondrians nachgezeichnet von seinen frühen impressionistischen Werken in der Manier der Haager Schule, über seine Begegnung mit dem analytischen Kubismus von Braque und Picasso, die seinen Weg in die Abstraktion lenkte, über die Gründung von De Stijl 1917 bis zum Neoplastizismus.

Selbstverständlich werden auch die zu den Ikonen der klassischen Moderne zählenden Kompositionen aus roten, gelben und blauen Rechtecken in einem System aus schwarz-weißen rechtwinkligen Konstruktionen gezeigt. Diese haben sich zu einem regelrechten Markenzeichen des Künstlers entwickelt.

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht der künstlerische Prozess den Mondrian auf dem Weg zur Abstraktion durchlief. Mondrian selbst schrieb bereits 1914: „Die Leute halten meine Werke grundsätzlich für ziemlich unbestimmt. Ich entwerfe Felder aus Linien und Farben auf einer Oberfläche, um eine universale Schönheit plastisch zum Ausdruck zu bringen. … Die Natur (oder das Sichtbare) regen mich an …, aber ich will mich der Wahrheit so weit wie möglich nähern; dafür abstrahiere ich soweit bis ich zum Wesen der Dinge vordringe … Ich bin sicher, indem man vermeidet, alles eindeutig auszudrücken, gelangt man zum Ausdruck des Endgültigen schlechthin: der (allumfassenden) Wahrheit.“

Besonders schön ist die Ausstellung da, wo die Abwendung vom Abbild hin zur Abstraktion sichtbar wird. Das ist vor allem in dem Raum sichtbar, wo aus dem einsamen Baum auf dem Feld ein Gewirr aus Linien wird und schließlich eine geometrische Komposition. An einer Wand sind die Akte und Porträts versammelt, die über Anklänge von Kubismus zu abstrakten Flächen werden. Die Ausstellung beginnt mit den frühen expressionistisch anmutenden Arbeiten und führt über flächige Abstrahierungen in knalligen Farben hin zu den abstrakten Kompositionen bis zu den bekannten geometrischen Arbieten, die Piet Mondrian so bekannt machten. Die Ausstellung, klein aber fein, zeigt perfekt auf, warum Mondrian dort anlangte und wie stringend die Entwicklung des Niederländers war. Eine wirklich sehenswerte Ausstellung, die gut ausgeleuchtet ist, allerdings spärlich erklärt – um nich tzu sagen ga rnicht. Wer Erklärungen haben will, sollte sich den Ausstellungsführer für einen Euro leisten oder gleich zum Audioguide greifen. Allerdings sprechen die Bilder auch für sich.

Parallel zur Präsentation der Mondrian Ausstellung in Köln schickt das Museum Ludwig seine Picasso-Sammlung nach Den Haag. Es handelt sich hierbei um die weltweit drittgrößte Kollektion des Künstlers Pablo Picassos, die einen Überblick über alle Schaffensphasen und Techniken gibt. Bis zum 30. März 2008 wird sie im Gemeentemuseum in Den Haag dem niederländischen Publikum offen stehen.

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