Nur wenige Menschen, ja nur wenige Kunstbegeisterte, kennen den Namen Robert Indiana. Dabei ist eines seiner Werke fast jedem bekannt. Es sind die vier Buchstaben L, O, V und E. Diese Buchstaben hat Indiana zu einem Quadrat aufeinandergestapelt und in leuchtenden Farben rot, blau und grün bemalt, mal als Skulptur, dann wieder auf Leinwand verewigt. “Love” – das steht für das Zeitgefühl der 1960er Jahre wie kaum etwas anderes, es ist Logo Jener zeit und Symbol für das Lebensgefühl der 68er. Und das Werk brachte dem Künstler nicht nur Ruhm, sondren auch ein Vermögen ein. Überall prangt bis heute das LOVE, als Skulptur, Plakatdruck, auf tassen und Wandteppichen und esgibt in den USA sogar eine Briefmarke mit dem Symbol.

Ausstellungsansicht “Numbers, Robert Indiana, Foto: Museum Wiesbaden, VG Bild-Kunst 2008
Das Museum Wiesbaden zeigt bis zum 18. Mai 2008 die Ausstellung “Robert Indiana – the American Painter of Signs” und der Titel hätte nicht besser gewählt sein können. Robert Indiana (*1928 als Robert Clark im Bundesstaat Indiana geboren) ist vor allem amerikanischer Maler und er ist der Maler der Symbole und Zeichen. Neben dem typographischen LOVE ist es vor allem die Serie “Numbers”, die sein Werk bestimmt. Ob als zeichenhafte Gemälde oder als zwei Meter hohe Skulpturen, Indiana versammelt die Ziffern von null bis neun und stellt sie immer wieder neu zusammen und gruppiert sie. Zum ersten Mal vereint eine Ausstellung in Europa die komplette Serie der Ziffern als skulpturales Ensemble.
Aber die unbekanntesten Arbeiten sind seine wichtigsten und interessantesten, weil man diese eben kaum kennt und weil doch nichts so sehr für die Pop Art steht. In der Serie “The American Dream” kombiniert der Pop Art-Künstler Symbole und Sprache zu plakativen und hintersinnigen Botschaften. Sie nehmen Ästhetik und Sprache aus Werbung und Konsum auf und verarbeiten diese zu zeichenhaften Äußerungen. Die plakativen Zeichenbilder sind die radikalsten Äußerungen der Pop Art. Ihre Einfachheit hat dazu geführt, dass sie heute als Synonym für die Pop Art stehen.

Robert Indiana, MS America, Foto: Museum Wiesbaden, VG Bild-Kunst 2008
Anklänge nimmt Indiana bei Hard-Edge, Minimalismus und Colour-Field-Painting, genauso wie der Werbegrafik der 50er und 60er Jahre. Indiana ist mit Warhol und Elsworth Kelly befreundet. Dass seine Kunst als essentiell amerikanisch gewertet wird, liegt vor allem an den Symbolen, die er dem Konsm, der Werbung und den Medien entnimmt. Es ist aber auch das daraus entstandene biografische Element, dass sich in seiner Kunst wiederspiegelt. Apekte aus Politik und Religon , eine intensive Auseinadersetzung mit Politik und Kommerz sind Essenz seiner Arbeiten. Sex und Erotik spielen in dieser Zeit eine wichtige Rolle, der Vietnamkrieg beschäftigt Menschen und Medien und der American Dream, eine auf ökonomischen Wohlstand ausgerichtete Gesellschaft ist verheißungsvolles aber auch kritisiertes Konzept der amerikanischen Gesellschaft.
Indiana ist vielseitig interessiert und malt nicht nur. Er interessiert sich für Literatur und Theater und arbeite mit Warhol auch am Film “Eat” (1964). In Deutschland ist Indiana bisher in den Sammlungen der Museen kaum vertreten. Nur Krefeld, Essen und das Museum Ludwig in Köln besitzen Werke des Amerikaners. Erstmals wird sein Werk von Museen umfangreich präsentiert. Nach Kleve sind die Arbeiten jetzt im Museum Wiesbaden zu sehen. Indiana selbst, inzwischen 80 Jahre alt, soll hoch erfreut gewesen sein und mit großem Engagement mitgewirkt haben. Seit 1978 lebt und arbeitet er auf Vinalheaven, einer Insel vor der Küste von Maine.
Zur Ausstellung ist ein Katalog (20 Euro) erschienen, sowie ein Ausstellungsführer (10 Euro). Beide Exemplare zusammen gibt es zum Sonderpreis von 25 Euro. Mehr auf den Webseiten des Museums.