Besuch im Arp-Museum

30. Januar 2008 | 3 Kommentare

So, ich habe mir extra Zeit genommen, um das neue Arp-Museum in Remagen-Rolandseck ausführlich zu erkunden. Bewusst bin ich nicht schon vorher dort gewesen. Das Museum wurde im September eröffnet und war schon lange vorher in den Schlagzeilen. Darauf möchte ich hier jetzt allerdings nicht eingehen. Also zum Museum.

Der Eingang des Museums liegt im alten Bahnhof von Rolandseck, einem klassizistischen Bau, der mit viel Liebe zum Detail und schönen Materialien modernisiert wurde, ohne dass er seinen Charakter verloren hat. Der Eingang liegt ebenerdig quasi im Keller. Der Bahnhof bietet Ausstellungsräume, Veranstaltungssäle, einen Kunstladen, ein Bistro und die Garderobe. Schon links und rechts der wuchtigen Eingangsglastür wird klar, wem das Museum gewidmet ist. Dort stehen Skulpturen von Arp. Durch einen Tunnel geht es unter den Gleisen hindurch in eine große, zweigeteilte Halle, in dem ein großer Ausstellungsraum zur Verfügung steht, der sich für zeitgenössische Kunst gut nutzenlässt.

Duch einen langen Gang mit Glasfront geht es zum Aufzug. Ein erster Höhepunkt. Mit dem Lift geht es durch eine konisch zulaufende Röhre aus dem Dunkel der Erde ans Licht. Wer aus dem Aufzug tritt landet auf einer Plattform auf der man auch nach draußen treten kann und einen herrlichen Blick auf den Rhein und den zu Füßen liegenden Bahnhof hat. Über eine Art Steg mit gläsernen Wänden geht es zum Museumsneubau von Richard Meier.

Der Bau ist aus architektonischer Sicht wirklich ein Meisterwerk. Es dominieren Stahl und Glas, ein dunkler Holzboden und viel Weiß lassen das Interieur edel wirken. Die Räumen sind angenehm luftig, geben viele Blicke nach unten und nach oben frei. Die drei Stockwerke sind über eine Aufzug oder ein große Freitreppe erreichbar. Warum der Fahrstuhl im zweiten und nicht im ersten oder dritten Stock hält, bleibt ein Geheimnis.

Fantastisch ist der Blick durch die Glasfront auf den Rhein: Der Blick nach hinten geht auf eine Wiese und den Wald. Immer wieder wird der Blick frei auf die Umgebung und das Außen in das Innen integriert. Es wird klar, was der Architekt bezweckte. Die Besucher, die ich beobachtet habe, waren durchweg begeistert von der Architektur und haben das Haus neugierig erkundet.

So weit so gut. Aber: Im Grunde sind die Fensterfronten komplett unsinnig. Zum einen gilt auch hier der berühmte Satz: Jedes Fenster ist ein Bild weniger, weil der Platz zur Hängung von Werken fehlt. Problematischer ist aber noch, das man riesige Fensterfronten hat, die man dann wieder mit Rollos abdunkeln muss, weil das Tageslicht und vor allem die Sonne die empfindlichen Kunstwerke beschädigen könnte. Sinn macht das also nicht wirklich. Gelöst wurde das teilweise durch Lamellen vor dem Glas und dadurch, dass in einigem Abstand immer wieder Wände vor dem Fenstern stehen, die eine Hängung von Bildern ermöglichen und das Licht abhalten. Klug, aber nicht wirklich zweckmäßig und manchem Leihgeber sicher auch nicht wirklich ausreichend.

Das dunkele Holzparkett wirkt zwar edel, aber zu schwer. Außerdem ist es nur wenige Monate nach der Eröffnung an einigen Stellen schon total abgenutzt, was nicht eben schön wirkt, ein helleres Parkett wäre zweckmäßiger. Zu den Ausstellungen: Das Museum will Weltrang erreichen, zumindest aber in Deutschlands erster Liga mitspielen. Ich prophezeie, dass das schwer werden wird.

Vieles wird vor allem von zwei Faktoren abhängen: Das museum muss es schaffen, aus den Negativschlagzeilen herauszukommen und Transparenz an den Tag legen. Lieber weniger Objekte und diese dann unbestreitbare Originale, als zweifelhafte posthume Nachgüsse – außer wenn es dem Thema der Ausstellung zweckdienlich ist, dann aber eine deutliche Kennzeichnung. Außerdem muss es das Museum schaffen, neben dem Hauptthema “Arp” Ausstellungen zu präsentieren, die die Menschen auf Dauer anziehen und begeistern. Das wird schwer, aber nicht unmöglich.

Dass man Richard Meier für den Bau des neuen Museums gewinnen konnte, war zwar ein kluger Schachzug, der auch Besucher anlocken dürfte, aber das wird nicht reichen. Mit Arp alleine wird man das Hau nicht “bespielen” können und Besucher anlocken. Momentan ist eine mehr halbherzige Ausstellung mit Werken von Anselm Kiefer zu sehen und ein paar zeitgenössische Werke. Das halte ich allerdings für einen Fehler, ich würde mich mehr auf die Zeit Arps konzentrieren und seine Mitstreiter oder auf Künstler, die sich in seiner Tradition sehen. So entgeht das Museum dem Eindruck der Beliebigkeit.

Und noch was: die Präsentation ist zu dürftig, der Besucher erfährt viel zu wenig über das Leben und Arbeiten Arps, seinen Antrieb und seine Ideen. Da sollte sich das Museum noch etwas einfallen lassen. Und ich finde es grausam, wenn ich nach den Titeln der Bilder suchen muss und dann ein Konvolut von Titelschildern finde und knobeln darf, welches Schild zu welchem Werk gehört. Erstens ist das bei Arp nicht einfach, zweitens gehören bei Arp die Titel der Werke untrennbar zum Werk und bilden einen Kern der Aussage!

Da gibt es Wände mit sieben oder acht Werken und die Schilder hängen nicht beim Werk sondern oft links und rechts in zwei Gruppen mit drei oder vier Titelnennungen. Oder im letzen Saal des Neubaus, wo mehrere Skulpturen auf Podesten stehen. Die Titel sind jedoch nicht, wie man es vermuten sollte, am Podest angebracht, sondern irgendwo an Säulen in der Umgebung. So animiert man die Besucher zwar eher dazu, sich die Skulpturen von allen Seiten zu betrachten und die Objekte immer wieder neu zu sehen, statt davor stehen zu bleiben. Aber das könnte man sicher auch anders lösen.

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