Die Stiftung Opelvillen in Rüsselsheim präsentiert bis 20. März 2008 die Ausstellung “Henry Moore und die Landschaft”. Zum ersten Mal setzt sich eine Ausstellung in Deutschland mit diesem Thema auseinander. Die Ausstellung beleuchtet anhand von Zeichnungen und Skulpturen aus den Jahren 1955 bis 1982 Moores Vorstellungen von Mensch und Natur, Figur und Landschaft.

Two Piece Reclining Figure No.2, Zweiteilig liegende Figur Nr. 2, 1960
LH 458, Länge 259 cm
The Henry Moore Foundation
Foto: Opelvillen/ Frank Möllenberg
Ohne Zweifel ist Moore einer der einflussreichsten Bildhauer des letzten Jahrhunderts. Wie kein Zweiter hat er die Nachkriegsmoderne in Europa geprägt. Seine Skulpturen sind Ikonen der Landschaftskunst. Moore war der erste Künstler, der Werke für den öffentlichen Raum konzipierte, Skulpturen, die für den Standort unter freiem Himmel geschaffen wurden. Nach dem zweiten Weltkrieg arbeiteten viele Künster daran, die traumatischen Erlebnisse hinter sich zu lassen und zu verarbeiten. Abstrakter Expressionismus, Minimalismus und Konzeptkunst waren vorherrschende Richtungen. Für die Künstler stand der Mensch und seine Zukunft im Mittelpunkt, nicht die Natur. Moore löste sich Anfang der 50er Jahre von diesen Ideen und verfolgte eigene Visionen. Während sich die Künstlerkollegen vom Abbild abwendeten, war Moore an der Natur, ihren Formen und Strukturen interessiert. Moore sah den Menschen in enger Wechselwirkung mit der Natur. Den deutlichen Wendepunkt markiert die “Liegende”, die Moore 1957 für das UNSECO-Hauptquartier in Paris schuf.
Ende der 50er Jahre begann Moore, die Figuren immer stärker zu fragmentieren. Die das Werk umgebende Landschaft scheint so mit der Skulptur zu einer Einheit zu verschmelzen und eine eigene Harmonie entwickeln. Wetter, Licht und wechselnde Perspektiven machen das Kunstwerk zu einer vielschichtigen visuellen Erfahrung. Viele seiner Skulpturen wirken, als seien sie Felsformationen, die von der Natur geschaffen wurden und nur zufällig an Figuren erinnern. Seine Arbeiten sind voller Kraft und Vitalität, zeitlos und aktuell zugleich.

Wandvitrine mit Maquetten aus den Jahren 1959 bis 1977
Benutzt er Anfangs noch Skizzen als Vorstudien, arbeitete er später mit so genannten Marquetten, kleinen Bildhauermodellen. Zeichnung und Grafik nutzte Moore fortan für kreative Streifzüge. Er zeichnete vor allem die Natur, Hügel und Felder in seiner Umgebung, aber auch Eisberge, vulkanische Eruptionen und Stürme auf See.
Die Ausstellung vereint 32 Skulpturen und 60 Arbeiten auf Papier. Zum Teil waren die Objekte noch nie außerhalb Englands zu sehen. Der Einblick in die Arbeit Moores lohnt sich, auch wenn nur wenige bedeutende Werke dabei sind. Es muss nicht immer ein riesiges Konvolut von Originalen sein, um die Ideen und Arbeiten eines Künstlers zu verstehen. Eine wirklich gelungene Ausstellung. Klein, aber fein!