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Japanisches in Hannover

Die Kestnergesellschaft in Hannover zeigt in zwei Ausstellungen einen Querschnitt aus der japanischen Kunst, die uns oft immer noch fremd erscheint. Die Kestnergesellschaft hat drei Künstler vereint, die gegensätzlicher nicht sein könnten und die doch vieles eint.

Nobuyoshi Araki (*1940), den viele besser als „den Fotografen mit den nackten und gefesselten Modellen“ kennen werden, trifft in „araki meets hokusai“ auf die traditionellen japanischen Holzschnitte von Katsushika Hokusai (1760-1849).

Nobuyoshi Araki, Courtesy Jablonka Galerie, Köln/Berlin

Katsushika Hokusai, Die große Welle
Privatsammlung, Courtesy Michael Thun © Katsushika Hokusai

Arakis verstörende Fotos zeigen Wunsch und Wirklichkeit des Fotografen, voll von offen zur Schau gestellter Sexualität und Erotik, die gelegentlich ins Pornografische abzurutschen drohen. Hokusai hingegen malte betörend schöne, filigrane Werke, in denen Begehren und Erotik gelegentlich aber auch offen gezeigt werden. im Gegensatz zur eher prüden Malerei Europas im 18. und 19. Jahrhunderts gehen die Werke sehr weit.

Dritte im Bunde, aber mit einer eigenen Ausstellung bedacht, ist die japanische Künstlerin Kumi Machida (*1970), die zur neuen Generation von japanischen Künstlern gehört. Machida studierte in Tokio Nihonga-Malerei (japanische Malerei) und zählt zur Neo-Nihonga-Gruppe, die traditionelle Elemente der japanischen Kunst im Kontext der heutigen Zeit weiterentwickelt. Aber Machida integriert nicht einfach zeitgenössische Elemente in klassische Formprinzipien. Kompromisslos reduziert sie die Formsprache und abstrahiert.

Kumi Machida, Relation, 2006
Sumi-Tinte (blau, braun), mineralische und andere Pigmente
auf Kumohada-Leinenpapier, 181.5×343 cm
Courtesy Nishimura Gallery, Tokyo , © Kumi Machida
Foto: Ichiro Otani

Bildgegenstand sind fast immer menschliche Beziehungen, dabei geht sie von alltäglichen Details und Situationen aus, die zu überraschenden Bildfindungen führen und auch über kulturelle Schranken hinweg lesbar bleiben. Die linearen Pinselzeichnungen erinnern an Comics und sind eine gekonnte Mischung aus klassischer Maltradition und Kalligrafie mit verstörenden Bildwelten, die so gar nicht zur klassischen Kunst passen wollen.

Zur Ausstellung ist ein schöner Katalog im Kehrer Verlag (38 Euro) erschienen.

Anmerkung: da sowohl einige der Fotografien Arakis als auch Bilder von Hokusai nah an der Grenze zur Pornografie sind, habe ich hier Werke ausgewählt, die diese Grenzen einhalten, aber einen Vergleich natürlich erschweren. Ich bitte um Verständnis.

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