Wer derart exzessiv arbeitet wie Alfred Hrdlicka, der arbeitet stets auch an einer Grenze. Hrdlicka hat diese Grenze mehrfach überschritten. Ein Schlaganfall, Rückenbeschwerden, der Tod der ersten Frau, das Trauma als sich die Geliebte umbringt – all das führte immer wieder zu Brüchen in seinem Leben und in seinem Arbeiten.
Hrldicka wird 1928 in Wien geboren. Seine Kindheit ist geprägt von der politschen Arbeit des Vaters, der als Kommunist und Gewerksschaftsfunktionär für bessere Bedingungen der Arbeiter kämpfte. Der kleine Alfred verteilt zusammen mit seinem Vater Flugblätter. Alfred erlebt Hausdruchsuchungen, Prügel durch die Polizei bis sein Vater von den Nationalsozialisten verhaftet wird und Zwangsarbeit leisten muss. Auch der Krieg ist für den Jungen furchtbar, sein älterer Bruder fällt. Er selbst entzieht sich dem Kriegsdienst und lebt mit dem Vater bis zum Ende des Krieges in der Illegalität.
Hrdlicka machte eine Ausbildung zum Zahntechniker, danach studierte er von 1946 bis 1952 Malerei an der Akademie der Bildenden Künste Wien bei Gütersloh und Dobrowsky. Von 1953 bis 1957 nimmt er ein Studium der Bildhauerei an der gleichen Akademie bei Fritz Wotruba auf. 1964 erlangte er internationale Bekanntheit, als er gemeinsam mit Herbert Boeckl Österreich auf der 32. Biennale in Venedig vertrat.
Hrdlickas Werk ist geprägt von der Auseinandersetzung mit Leid, Tod, Angst und Schmerz. Immer ist dabei auch ein politischer Anspruch erkennbar. Hrdlicka prangert die bestehenden Machtverhältnisse an, kämpft für die Unterdrückten und bessere Lebensverhältnisse der Menschen. Auch Krieg, Gewalt und Faschismus sind für den bekennenden Atheisten und Marxisten Hrdlicka wichtige Themen.
Hrdlicka arbeitet mit allen klassischen Medien. Zeichnung, Grafik, Malerei und Bildhauerei sind für ihn gleichwertig, auch wenn er der Bildhauerei einen besonderen Platz einräumt. Seit seinen gesundheitlichen Problemen kann er allerdings nur noch zeichnen, die Arbeit mit Hammer und Meissel ist zu anstrengend.
Sein Stil ist unverkennbar. Er arbeitet figurativ, aber stark expressiv. Bewusst setzte sich Hrdlicka von der abstrakten Bildwelt seiner Künstlerkollegen ab. Wie er selbst sind auch seine Figuren psychischen und pysischen Extremsituationen ausgesetzt. Besonders eindringlich sind seine Denkmäler. Fragmente geschundener Körper, gequält, sich windend, zerrissen, gequält, verängstigt und geschändet. Und so umstitten seine Monumentalskulpturen (insbesondere in seinem Heimatland) auch sein mögen, seine kleineren Arbeiten überzeugen und sind von großer Intensität. Genauso wie die Zeichnungen und und Radierungen, die wahrhaftig genial sind. Auch diese haben immer politische Bezugspunkte. Immer schwingen Witz und Ironie mit, oft geprägt von sexuellen Andeutungen und Zweideutigkeiten.
Hrdlicka feierte am 27. Februar 2008 seinen achtzigsten Geburtstag. Zu diesem Jubiläum präsentieren gleich mehrere Museen und Galerien Ausstellungen:
- Religion, Fleisch und Macht – das Religiöse im Leben des Alfred Hridlicka, bis 10. Mai 2008, Dommuseum Wien
- Alfred Hrdlicka – Bildhauer | Maler | Zeichner, bis 19. September 2008, Kunsthalle Würth, Schwäbisch Hall
- Alfred Hrdlicka zum 80. Geburtstag, 2206. – 31.08.2008, Galerie Bose, Wittlich
Immer wieder zeigt die Wiener Galerie Hilger Ausstellungen zu Hrdlicka.