Kaum ein Künstler hat einen derart steilen Aufstieg und Fall erlebt wie Bernard Buffet. Einst galt er als legitimer Nachfolger von Picasso. Seine Werke erreichten ein ähnliches Preisniveau wie die von Picasso, er wurde gelobt und hofiert, Sammler und Museen rissen sich um seine Werke. Heute liegen die Werke in Depots und die Preise sind im freien Fall. Buffet ist out. Das versucht das Museum für Moderne Kunst in Frankfurt zu ändern.
Buffet wurde 1928 in Paris geboren. Im Alter von nur 15 Jahren wurde er an der École des Beaux-Arts in Paris aufgenommen. Die Freunde Maurice Utrillo und Georges Rouault stellten ihn Ende der 40er Jahre dem Kunsthändler Maurice Girandin vor. Der war von Buffet begeistert und unterstützte ihn. Der Maler wurde Mitglied des Pariser Herbstsalon und der “L’ homme témoin”, einer Künstlergruppe, die sich gegen die abstrakte Kunst wandte. Als er als Zwanzigjähriger 1948 den “Prix de la Critique” erhielt, war er in aller Munde.
Bernard Buffet, Die Passion Christi: Kreuzigung, 1951, Galerie Maurice Garnier
Es folgten Jahre enormer Popularität, bis in die sechziger Jahre war Buffet ein gefeierter Maler. Genauso wie Buffet geliebt wurde, wurde er anschließend von der Kritik verrissen. Sein Stil sei überholt, langweilig, anachronistisch und repetitiv, so urteilten Kritker und Kuratoren. Er wurde zum “Kaufhausmaler” heruntergeschrieben. Ganz unschuldig war Buffet dran nicht.
Sein Frühwerk in den vierziger und fünziger Jahren war geprägt von jenem Stil, der ihn später berühmt machte. Buffet malte stark expressionistisch, sein Pinselstrich war rechtwinkelig und scharfkantig, die Farbpalette stark zurückgenommen. Es herrschen Grau- und Brauntöne vor, durch zusätzlichen Kreideauftrag werden die Bilder matt und staubig. Viele Werke wirken kalt. Die Menschen haben oft überlange Körper und Extremitäten und wirken ausgemergelt. Die gemalte Objekte scheinen in ihren Formen gefangen. So verweigern sie sich jeder Abstraktion. Typische Sujets jener Jahre waren Interieurs, Stillleben und Passionsszenen Christi.
Seinen Ruhm verdankte Buffet vor allem dem Umstand, dass er das existenzialistische Zeitgefühl jener Jahre traf. Für viele Menschen waren Buffets Bilder die Verkörperung ihrer Gefühle, der Entbehrungen und Nöte des Krieges und der Nachkriegsjahre. Buffet galt in diesen Jahren als größtes französisches Malertalent überhaupt. Dabei sind seine Bilder nicht wirklich emotional, psychologisierend oder illustrierend. Sie sind konsequent betriebene Figuration am Rande des Realismus. Die treibt Buffet bis zum Äußersten, bis zur Skelettierung des Bildgegenstandes, von dem nicht mehr viel bleibt.
Mitte der fünziger Jahre erweitert Buffet seine Farb- und Themenpalette. Buffet wendet sich dem Geschmack des breiten Publikums zu und verliert so seine Eigenständigkeit und Unabhängigkeit. Seine Bilder werden Massengeschmack und Reproduktionsware – oder einfach ausgedrückt: Kitsch. Man könnte es sogar noch schlimmer ausdrücken: sie waren dekorativ. Autos und Designobjekte gehörten zu den beliebtesten Sujets aus dieser Zeit. Auch die furchtbaren Landschaftsbilder und Stadtansichten aus den Siebzigern zählen zu den schlechteren Arbeiten.
Leider führte dies dazu, dass Buffets Gesamtwerk nicht nur undifferenziert in Ungnade fiel, sondern von Kritikern und Kuratoren aus dem öffentlichen Diskurs verbannt wurde. Dabei hat Buffet ein beeindruckendes Werk hinterlassen: 8000 Bilder und 1000 Radierungen und Lithografien umfassen sein Werk. Seine Bedeutung für die Kunst der Gegenwart wurde bisher kaum beleuchtet.
Bernard Buffet, Selbstporträt 4, Courtesy Galerie Maurice Garnier, 1981
Erst 2002 erinnerten das Pariser Centre Pompidou und die Frankfurter Schirn Kunsthalle mit der Ausstellung “Cher peintre…” an Buffet und liessen ihn gemeinsam mit Francis Picabia die Rolle eines Ahnherren der figurativen Malerei der zeitgenössischen Kunst einnehmen.
Es wird Zeit für eine Neubewertung. Allein der massenhafte Ausstoss von Bildern – es sollen 125 pro Jahr gewesen sein – ist noch kein Anzeichen mangelnder Qualität, Picasso malte bis ins hohe Alter ähnlich eifrig. Für Warhol war Buffet Vorbild, ihm ist es zu verdanken, dass er wenigstens ansatzweise im Gedächtnis blieb. Warhol wurde nicht müde zu betonen, dass er Buffet als legitimen Vorreiter der Pop-Art sehe. Buffet nahm sich 1999 in seinem Haus in Tourtour das Leben. Vergessen von er Öffentlichkeit und schwer erkrankt an Parkinson, hatte den Maler wohl der Mut verlassen.
Das MMK in Frankfurt geht das Wagnis ein, Buffet auszustellen. Direktor Udo Kittelmann und das MMK sind bekannt für solche “Experimente”, weil man in Frankfurt versucht, darzustellen, wie wir Kunst sehen. Was ist “gute Kunst” und was nicht? Zu welchem Zeitpunkt ist welche Kunst gut und wie sehen wir Kunst?
Ich bin froh, dass es diese Ausstellung gibt und Buffet zurück ins Leben geholt wird. Nicht alles was der Maler schuf, war wirklich gut oder schön oder Kunst, aber vieles davon. Das sollte man nicht vergessen.
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Buffet ist – wie schon Picasso richtig bemerkte – eine absolute Null! Da wird auch Herr Kittelmann nichts mehr dran ändern können.
Bernard Buffet eine Null? Kann ich nicht nachvollziehen!