Gleich zwei neue Museen haben im Mai ihre Pforten geöffnet. In Cottbus hat das Museum Cottbus endlich ein eigenes Zuhause und heißt jetzt kunst.museum.dieselkraftwerk. War es früher in einer Einkaufsstraße eingequetscht zwischen Schuhgeschäften und Klamottenläden, darf es sich jetzt im Stadtpark breit machen, aber nicht etwa auf einer Parkbank, sondern im alten Dieselkraftwerk. Und man glaubt es kaum: Die ehemalige Industrieanlage ist so herrlich für Kunst geschaffen, wie es ein eigens konzipierter Bau nicht besser hätte sein können.
Das Kraftwerk, das von dem Berliner Architekten Werner Issel 1928 geplant und erbaut wurde, stand seit 1990 leer. Das Haus ist ein streng wirkender, mehrgliedriger Ziegelbau mit einem schicken Turm. Markant sind die vielen horizontalen Fensterbänder, die viel Tageslicht ins Innere lassen.
Lange hat man darum gerungen, wie man das Gebäude renovieren soll. Mit acht Millionen Euro war das Budget eher bescheiden. Die Idee eines Glaskubus als Eingangsgebäude fand nicht die Zustimmung des Denkmalschutzes, eine unterirdische Lösung wäre zu teuer gewesen. Man hat sich dafür entscheiden, das Gebäude äußerlich weitgehend unangetastet zu lassen und nur im Inneren mit freistehenden Ausstellungskuben zu ergänzen. Das war eine kluge Entscheidung, denn so blieb dem Gebäudeensemble sein industrieller Charme erhalten. Bei den Farben hat man sich an die vorgegebenen Töne gehalten: Rot für Fensterrahmen und Treppengeländer, Blau für die Türen, Ziegel- oder weiße Wände und grüne Fliesen im Maschinenhaus.
Das schöne an solchen reaktivierten Gebäuden liegt darin, dass die Räum Leben ausstrahlen und nicht so steril wirken, wie in Neubauten. Jeder Raum ist anders: ein anderer Lichteinfall, eine andere Größe, andere Wände, Decken oder Böden. Immer wieder bietet das Haus überrauschende Aus- und Einblicke und neue Winkel. Drei größere Räume, die vorrangig für temporäre Ausstellungen genutzt werden, liegen im ehemaligen Maschinenhaus, drei kleinere im Schalthaus.
Erste Sonderausstellung ist “Angelandet – Die Sammlung im neuen Haus” (bis 24. August 2008). Die Ausstellung zeigt Hauptwerke der Sammlung, deren Schwerpunkt lokale Kunst war, vor allem Fotografie und Plakate. Heute besitzt das Museum insgesamt 22.300 Werke, darunter 15.200 Plakate und 3.000 Fotos, die meisten davon stammen aus der DDR-Zeit. Ein nicht zu unterschätzender Schatz also, der das künstlerische Schaffen der DDR abbildet. Der nicht eben üppige jährliche Ankaufsetat von 10.000 Euro hat es den Kuratoren nicht leicht gemacht, weitere Ankäufe zu tätigen, aber man versucht inzwischen auch globaler anzukaufen. Vielleicht sollte man dies lieber unterlassen und sich ganz auf die DDR-Kunst bzw. die Kunst in Ostdeutschland spezialisieren.
Das zweite neue Museum steht im schönen Südtirol und soll dort zukünftig moderne und zeitgenössische Kunst präsentieren. In Bozen eröffnete vor einigen Tagen das “museion”. Mitten in der Stadt hat ein Berliner Architektenteam einen länglichen Kubus gesetzt, dessen gläserne, trichterförmige Stirnseiten Licht ins Museum bringen, genauso wie die horizontalen Fensterbänder an den Seiten. Auch das Dach ist eine Glaskonstruktion und soll der obersten Ebene Tageslicht bescheren. Die Außenhaut des Museums besteht aus Aluminium.
Die vier Ausstellungsebene bieten 2100 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Durch die gläsernen Stirnseiten wirkt der Bau leicht und transparent, verbindet als Sichtachse Alt- und Neustadt. Interessant auch die beiden Brücken über die Talfer. Sie bestehen aus Metall und Glas und sind geschwungen. Auf dem Museumsgelände befindet sich außerdem ein kleineres Atelierhaus, dessen Architektur sich an den größeren Bruder anlehnt.
Das museion zeigt zeitgenössische Exponate von den 50er Jahren bis hin zur Gegenwart. Die Eröffnungsausstellung beschäftigt sich mit dem Thema “Peripherer Blick und kollektiver Körper”. Die bekanntesten Werke der ersten Ausstellung stammen von Andy Warhol, Joseph Beuys und Man Ray.