Es gibt Namen in der Kunst, die kennt wirklich jeder und bei den meisten Menschen sorgen sie für ehrfurchtsvolles Raunen und ein freudiges Glitzern in den Augen. Ausstellungen solcher Künstler wie Picasso, Van Gogh, Matisse oder Rembrandt sind Garant für hohe Besucherzahlen. Die braucht die Wiener Albertina mit ihrer Ausstellung “Van Gogh. Gezeichnete Bilder” auch, um die immensen Kosten wieder einzuspielen. Alleine die Versicherungssumme beträgt drei Milliarden Euro, die Prämien dürften entsprechend hoch ausfallen. Jeden Tag müssen deshalb rund 4000 Besucher die Ausstellung sehen, damit sich das Unterfangen lohnt.
Ich bin kein Freund solcher gigantomanischen Ausstellungen, als zu oft bleibt die Erkenntnis auf der Strecke, der reine visuelle Reiz zählt, man schiebt sich mit den Besuchermassen durch die Räume und ein ruhiges Verweilen vor den Bildern ist unmöglich, weil ständig jemand den Blick versperrt. Es lebe die Presse-Vorbesichtigung.
Vicent van Gogh, Straße in Saint-Rémy, 1889
© Kasama Nichido Museum of Art, Japan
Auch ich kann bei dem Namen “Van Gogh” nicht ganz objektiv bleiben, auch ich bekomme weiche Knie, wenn ich durch solch eine Ausstellung gehe und diese Farben sehe, den unverwechselbaren Pinselstrich und die Aura spüre, die die Bilder verströmen.
Vorab muss man sagen, dass es der Albertina nicht wirklich gelungen ist, ein neues Thema zu finden, dass einen Erkenntnisgewinn verspräche. Man versucht, dem Maler Van Gogh den Zeichner gegenüberzustellen und darzulegen, wie Van Gogh seine Gemälde in Zeichnungen vorbereitete. Dies ist durchaus gelungen, aber nicht wirklich neu, das darf man aber wohl auch kaum von einer Ausstellung zu Van Gogh erwarten, dafür wurde er einfach schon viel zu oft und in allen Facetten gezeigt und erforscht.
Bleibt also eine interessante Gegenüberstellung, die zwar nicht neu aber interessant ist und die absolut wundervollen Werke, die dem Betrachter den Atem rauben. 50 Gemälde und 100 Zeichnungen und Aquarelle haben die Kuratoren zusammengetragen. Darunter sind Preziosen wie Die Ernte (1888), Das Selbstportät mit Strohhut (1887), Heilanstalt in Saint-Rémy (1889), Straße mit Saint-Rémy (1889) und Allee bei Arles (Rand einer Landstraße) aus dem Jahre 1888.
Fazit: Die Ausstellung ermöglicht keinen neuen Blick auf Van Gogh, aber alleine das riesige Konvolut an Gemälden und Zeichnungen ist auch eine weite Reise nach Wien wert.
Die Ausstellung läuft noch bis zum 08. Dezember 2008. Um lange Wartezeiten zu vermeiden, sollte man sich vorher auf den Webseiten der Albertina informieren. Dort wird auch eine Möglichkeit geboten, vorab Eintrittskarten zu erwerben und dann über einen eigenen Eingang eingelassen zu werden.


2 Kommentare
sierranevada says:
28. Oktober 2008
auf jeden Fall eine Reise wert, das kann ich auch bestätigen, war ebenfalls dort und immens überrascht was alles an werken dort war, vor allem dass sich die Albertina sehr auf die Zeichnungen stützt!
Das mit dem vorab ticketen kann ich auch nur wiederholen, handy ticket heisst da das Zauberwort um an der schlage sich vorbeizudrängeln!
Chris says:
29. Oktober 2008
Super! Danke für den Beitrag, wollte mir die Ausstellung eh anschaun, aber is auf jeden Fall super schon vorab Information zu bekommen.. Ich frag mich nur, ob bei der riesen Anzahl von Bildern ein einziger Albertina Besuch überhaupt reicht?!