Zugegeben, ich bin kein Freund gigantomanischer Ausstellungen, aber beim Anblick der Säle in der Kunsthalle Bielefeld, kann man einfach nur sagen: “Wow, ist das schön.” Die Kuratoren der Kunsthalle haben das Haus auf drei Etagen vollgestopft mit den Werken der französischen Künstlern Sonia Delaunay. 350 Exponate hat man zusammengetragen.
Was sich nach nach Anstrengung und Langeweile anhört, ist in diesem Fall aufregend und kurzweilig. Geschuldet ist das dem gestalterischen Willen und den unglaublichen Fähigkeiten von Delaunay. Sie malte und zeichnete nicht nur, sie entwarf Stoffe und Kleider, konstruierte Schriften, interessierte sich für Innenarchitektur und Möbeldesign und sogar ein Sportwagen wurde von ihr verschönert und ist in der Ausstellung zu sehen. Ihr Anspruch war es, das Leben bis in die Welt des Alltags künstlerisch zu gestalten und die Kunst so im Leben der Menschen zu verankern. Mit dieser Idee war sie selbst den Bauhaus-Künstlern um Jahre voraus. Nicht umsonst sagte der französische Kunstkritiker Bernard Dorival: “Was eine Legion von Bauhaus-Künstlern für Deutschland war, bedeutete sie alleine für Frankreich.”
Sonia Delaunay, Rythme, 1938
Öl auf Leinwand, 182 x 149 cm, Centre Pompidou, Paris
© bpK/RMN/ Centre Pompidou, Paris, © L & M SERVICES B.V. The Hague 20080706
Delaunay wurde 1885 in der Ukraine als Sarah Stern geboren, später nahm sie den Nachnamen ihre Onkels an und nannte sich Sonia. Nach dem Studium in Sankt Petersburg und an der Kunstakademie Karlsruhe ging sie nach Paris. Dort heiratete sie den Kunsthändler Wilhelm Uhde. Sie tauchte tief in die Pariser Kunstszene ein und lernte so ihren späteren zweiten Ehemann Robert Delaunay kennen. Gemeinsam entwickelten die beiden den Simultaneismus und den Orphismus, eine Malerei, die sich aus dem Kubismus entwickelte und Dynamik und Bewegung von Farben und Farbformen darzustellen versuchte.
Die Ausstellung erlaubt einen großartigen Überblick über Delaunays Schaffen von den 1910er Jahren bis in die späten 1960er Jahre und ist hervorragend bestückt. Wer Interesse hat, sollte sich allerdings beeilen, die Ausstellung ist noch bis zum 22. Februar 2009 zu sehen. Zur Ausstellung ist ein 300 Seiten starker Katalog mit zahlreichen Essays und Farbabbildungen aller Werke erscheinen. Er kostet 24 Euro. Mehr Informationen unter: www.kunsthalle-bielefeld.de
