Das Auktionshaus Christie’s hat in den letzten drei Tagen die Kunst- und Antiquitätensammlung des verstorbenen Modeschöpfers Yves Saint-Laurent und seines Lebensgefährten Pierre Bergé versteigert. Als Auktionsort wählte man den Grand Palais, jenes wunderschöne Belle-Époque-Gebäude mit Glas-Stahl-Dach aus der Zeit der Jahrhundertwende. Die Halle wurde in samtenes Schwarz gehüllt und blau beleuchtet. Ein perfekter Ort für das riesige Konvolut aus Gemälden Alter Meister, der Impressionisten und der klassischen Moderne, Möbeln, Antiquitäten, Designerstücken, antiken Skulpturen aus allen Teilen der Erde, Silber und Lampen. Dass die Sammlung nur wenige Monate nach dem Tod Saint-Laurents unter den Hammer kommt, dürfte an den horrenden Erbschaftssteuern liegen, die der französische Staat von Bergé eintreiben möchte.

Die Auktion brachte sagenhafte 373,5 Millionen Euro ein. Zu den teuersten Möbelstücken gehören Eileen Grays Sessel Dragons, der auf zwei bis drei Millionen Euro taxiert war und fast 22 Millionen Euro einbrachte. Wesentlich höher als geschätzt gingen auch zwei monumentale Vasen von Jean Dunand weg, die auf eine bis anderthalb Millionen geschätzt wurden und über drei Millionen Euro einbrachten. Besonders schick war auch François-Xavier Lalannes YSL Bar ein Kunstwerk, das Lalanne speziell für den Modeschöpfer entworfen hatte und das eher an einen Labortisch als eine Bar erinnert. Geschätzt wurde das Werk auf 200.000 bis 300.000 Euro, es erbrachte 2,7 Millionen Euro.

Blick in den Grand Salon von Saint-Laurent und Berge, rechts unten an der Wand der mit Rekordergebnis versteigerte Matisse, Foto: Christie's Images Ltd.

Blick in den Grand Salon von Saint-Laurent und Bergé, rechts unten an der Wand der mit Rekordergebnis versteigerte Matisse.
Foto: Christie’s Images Ltd.

Den größten Batzen erbrachte aber der erste Auktionstag an dem Impressionisten und Kunst des 20. Jahrhunderts unter den Hammer kam und so einige Rekorde purzelten. Das teuerste Werk war Les coucous, tapis bleu et rose (1911) von Henri Matisse, das für 35,9 Millionen Euro verkauft wurde – der höchste je in einer Auktion erzielte Preis für einen Matisse. Des Weiteren waren Brancusi, Mondrian, Calder, Léger, De Chirico, Duchamp, Klee and Ensor vertreten und wurden zu Spitzenpreien verkauft.

Kann von Krise keine Rede sein? Nicht so ganz, denn ein auf 25 bis 30 Millionen Euro taxierter Picasso fand keinen Käufer. Das Höchstgebot für Instrument de musique sur un guéridon (1914) lag bei 21 Millionen Euro. Christie’s selbst hatte die eigenen Erwartungen hinunter geschraubt. Anfangs ging man von einem Gesamtwert von 500 Millionen Euro aus, den man dann angesichts der Wirtschaftskrise auf 300 Millionen korrigierte. Insofern ist das “Rekordergebnis” mit 375 Millionen Euro eigentlich weit hinter den Erwartungen früherer – besserer – Tage zurückgeblieben. Eine Chance bietet die Krise aber auch. Vielleicht verschwindet nicht mehr ganz so viel Stücke in Privatsammlungen. Den Museen wird im Allgemeinen ein Vorkaufsrecht eingeräumt. Auch dieses Mal griffen wieder Museen bei drei Werken zu. Problem ist nur, dass sich die meisten Museen die Preise der letzten Jahre nicht leisten konnten. Das könnte sich jetzt ändern.

Ein bisschen Aufregung gab es auch. Als zwei bronzene Tierköpfe (18. Jahrhundert) aus dem Sommerpalast des chinesischen Kaisers Qianlong zum Aufruf kamen, wurde das Publikum unruhig. Die chinesische Regierung hatte Christie’s ein paar Tage zuvor schriftlich gebeten, eine Versteigerung abzulehnen und ein privater “Verein zum Schutz von chinesischer Kunst in Europa” hatte gegen die Versteigerung geklagt. Die beiden Brunnenfiguren sollen 1860 aus dem Palast gestohlen worden sein. Das Gericht hatte den Antrag allerdings abgewiesen. Beide Köpfe wurden für jeweils 14 Millionen Euro an einen unbekannten Bieter versteigert.