Liebesgeschichten in Hannover

18. Juli 2010 | Kein Kommentar

Die Liebe gehört zu den zentralen Themen der Kunst – kein Wunder, ist sie doch zentrales Thema des Lebens. Dreht sich nicht alles um Liebe, Sehnsucht und Verlangen? Das Sprengel Museum in Hannover zeigt noch bis zum 15. August 2010 die Ausstellung “Liebesgeschichten – Sehnsucht, Hingabe und Erfüllung in Werken von Munch und Nolde bis Picasso.” Die Ausstellung ist ein Streifzug durch die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts und es fällt sofort auf: Die Liebe war eines der bestimmenden Themen dieser Zeit und doch haben sich die Künstler der Liebe sehr unterschiedlich genähert. Tatsächlich stehen oftmals Liebesgeschichten hinter den Bildern.

In Munchs Werk ist die Liebe meist eng verknüpft mit Tod, Krankheit, Trauer. Liebe schien für Munch keine große Erfüllung zu sein, sein Leben war geprägt von eher problematischen Beziehungen zu Frauen. Munch hatte sich 1899 in Tula Larssen verliebt, eine junge Dame aus besserem Hause. Trotz seiner Aversion gegen die Ehe willigte Munch sogar ein, Tulla zu heiraten, doch für ihn war dies nur Fassade, um die Ehre des Fräuleins zu wahren. Die Beziehung war für beide aufreibend und endete im Streit. Larrsen schoss dem Maler bei einem Streit 1902 in die Hand. Es verwundert also nicht, wenn er einen im gleichen Jahr entstandenen weiblichen Halbakt mit dem Zusatz “Das Biest” verknüpfte.

Pablo Picasso, Homme et femme (Mann und Frau), Vallauris, 1962
Weiße und farbige Kreiden, Bleistift und Wachsstifte, farbige Lavierungen (Grundierung)
Foto: © Sprengel Museum Hannover/ Michael Herling/ Aline Gwose”

Ganz anders ist Pablo Picassos Umgang mit dem Thema. Sein Werk ist durchzogen von Liebe, Erotik und Sexualität. Kein anderer Künstler hat sich so intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt, bei keinem anderen ist das künstlerische Werk so sehr Spiegel der eigenen Liebesangelegenheiten. Picasso erzählt Geschichten von Verlangen und Begierde, von Liebe und Lust. Seine Bilder sind immer auch Spiegel der persönlichen Liebesgeschichten: Abgesang auf eine endende Liebe, Vorbote für eine neue Liebe, Auseinandersetzung mit der eigenen Sexualität, Verlangen nach dem anderen Geschlecht.

Während für die Brücke-Künstler Liebe Teil eines utopischen Lebensentwurfes frei von bürgerlichen Zwängen war, war für Künstler wie Otto Dix, Christian Schad oder George Grosz Liebe und Sexualität vor allem Spiegel der gesellschaftlichen Verhältnisse der 20er und 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Die Künstler aus dem Kreis der Surrealisten konfrontieren uns mit Träumen von der Liebe, begierigen Fantasien aber auch Albträumen. Die Künstler der Nachkriegsgenerationen führen dem Betrachter dann existenzielle Fragen der Liebe vor Augen.

Die Ausstellung mit 190 Werken macht deutlich, wie sehr sich die Künstler mit der Liebe beschäftigt haben und in welcher Bandbreite es behandelt wurde. Meist sind Kunst, Liebe und Biografie der Künstler eng verwoben, die Sicht der Künstler sehr persönlich. Anders als die Maler vor ihnen malen die Künstler zu Beginn des 20. Jahrhunderts nicht mehr idealisierte Schönheiten oder porträtierten Damen des Hofes, sie malen ihre Geliebten, ihre Frauen, ihre Angebeteten oder Mätressen.

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen. Weitere Informationen unter: www.sprengel-museum.de.

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