Als Stiftungs- und Museumschef hat man es nicht leicht. Dr. Ralph Melcher, Vorstand der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz und Direktor des Saarlandmuseums, hat mal wieder Ärger. Im Sommer warf ihm der Rechnungshof des Saarlandes vor, er sei mit den Mitteln der landeseigenen Stiftung zu verschwenderisch umgegangen, habe sich Luxusreisen und teure Abendessen von der Stiftung finanzieren lassen. Melcher konterte, er habe sein Spesenkonto nie überzogen und alle Mittel seien genehmigt worden. Damit hat er erst einmal nicht Unrecht.

Die Opposition aus SPD und Die Linke forderte umgehend reflexartig den Rücktritt Melchers, die Regierung wiegelte ab und beauftragte eine externe Wirtschaftsprüfungsgesellschaft mit Gutachten. Die Gutachten bestätigte Melcher, keine groben Fehler begangen zu haben, auch wenn er vielleicht nicht ganz pfleglich mit Spesengeldern umgegangen sei. die Schuld daran schoben die Gutachten auf die fehlende Aufsicht und kritisierten auch den Bericht des Landesrechnungshofs. Landesregierung und Stiftung sprachen daraufhin Melcher ihr Vertrauen aus. Dass die Staatsanwaltschaft wegen Untreue ermittelt, schien gleichgültig zu sein.

in der vergangenen Woche durchsuchte die Staatsanwaltschaft nun das Büro Melchers und weitere Räume der Stiftung und stellte Unterlagen sicher. Grund dafür dürfte der am gleichen Tag erschienene Sonderbericht des Rechnungshofs sein. Der Rechnungshof bleibt bei seiner Kritik. Melcher habe Wirtschaftlichkeits- und Sparsamkeitsgrundsätze missachtet. Noch ein Mal stellen die Prüfer fest, dass die Aufsicht versagt hat. Mindestens 14.000 Euro beanstandet der Rechnungshof als zu viel gezahlte Ausgaben, sowie weitere 5300 Euro, die der “Vorstand mit dem Projektsteuerer” verfuttert hat. Außerdem bleibt man dabei, dass die Höhe der Vergütung für Melcher und die “Bau-Sonderzulage” von 1250 Euro pro Monat zu hoch seien. Diese Sonderzulage erhielt Melcher für den erhöhten Arbeitsaufwand bei dem Bau des neuen Pavillons des Saarlandmuseums.

Wieder fordert die Opposition den Rücktritt Melchers und die Landesregierung hüllt sich nun in Schweigen, weil ihr plötzlich eingefallen ist, dass ja die Staatsanwaltschaft ermittelt und man dem laufenden Verfahren nicht vorgreifen möchte.

Warum man nicht, wie in anderen Museen auch dem künstlerischen Direktor einfach einen Verwaltungsdirektor gleichberechtigt zur Seite stellt, will mir nicht einleuchten. Dass ein Museumsdirektor nicht in einer Pension absteigt und mit Kollegen anderer Museen nicht im McDonald’s vorfährt, dürfte jedem einleuchten, aber gerade deswegen müssen die Vorgänge transparent sein. Hier hat weniger Melcher versagt, als die Landesregierungen der vergangenen Jahre. Jetzt muss dringend ein anderes Konstrukt her, dass kunstwissenschaftliche und kaufmännisch-verwaltungstechnische Abläufe auf eine Ebene stellt. Eine solche zweite Geschäftsführerposition kostet natürlich auch Geld, sie professionalisiert aber auch die Arbeit der saarländischen Museen und ermöglicht dem künstlerischen Leiter, sich ganz auf seine Arbeit zu konzentrieren. Ob und wie lange das noch Ralph Melcher sein wird, ist fraglich. Sein eigentlich guter Ruf ist beschädigt und ob er bleiben kann, wird nicht zuletzt von der Staatsanwaltschaft abhängen.