In den letzten Monaten machte der chinesische Künstler Ai Weiwei vor allem als Regimekritiker Schlagzeilen, weil ihn die chinesische Regierung mal eben verschwinden ließ. Einem größeren Publikum wurde Ai Weiwei durch die documenta 12 bekannt, wo sein Kunstwerk Template ausgestellt wurde, dessen Holz von chinesischen Tempeln stammte, die zur Schaffung von Bauraum abgerissen wurden. Template stand im Freien und wurde von einem Sturm umgestürzt. Der Künstler war begeistert und ließ das Werk so stehen.
Das Kunsthaus Bregenz zeigt nun einen bisher kaum beachteten Aspekt von Ai Weiweis Repertoire: seine Architekturprojekte. Sein bekanntestes Projekt ist sicher das Olympiastadion in Beijing, das die Schweizer Architekten Herzog & de Meuron planten, die von Ai Weiwei künstlerisch beraten worden waren. Doch schon während des Baus distanzierte sich Ai Weiwei und bezeichnete das Projekt als größenwahnsinnig.
Ai Weiwei, Ordos 100, 2011
Ausstellungsansicht 2. OG, Kunsthaus Bregenz
Foto: Markus Tretter
© Ai Weiwei, Kunsthaus Bregenz
Ebenfalls mit Herzog & de Meuron kuratierte Ai Weiwei das Architekturprojekt ORDOS 100, eine Wohnsiedlung in der monglosichen Steppe. Nach einem von ihm entworfenen Masterplan lud er 100 Architekturbüros aus aller Welt ein, Einfamilienhäuser zu entwerfen. Das hölzerne Architekturmodell ist im zweiten Stockwerk des KUB nahezu flächendeckend auf 500 Quadratmetern zu bewundern und ist schon fast ein Kunstwerk für sich. Gezeigt wird auch Ais Arbeit Moon Chest, das mit seinen Minimal Art-Skulpturen an Hochhäuser erinnert. Zu sehen sind außerdem Fotos, Videos und Modelle von Projekten, die Ai Weiwei mit dem grandiosen Schweizer Architekturbüro HHF geschaffen hat, wie Artfarm oder die Tsai Resicence.
Das ist sicher keine Ausstellung für die breite Masse des Kunstpublikums, aber man freut sich, dass ein Museum ein solches Projekt wagt und nich darauf schielt, große Besucherzahlen zu erreichen. Dass diese dann doch ganz gut sein werden, liegt wohl vor allem am Namen des Künstlers und seiner Inhaftierung, die allerdings war wohl kaum eingeplant, denn bei seiner Festnahme war die Ausstellung natürlich schon längst konzipiert.
Leider ist in der Ausstellung nur vage erkennbar, welchen Beitrag Ai zu den jeweiligen Projekten beigesteuert hat. Was bedeutet “künstlerischer Berater” in den gezeigten Fällen? Hat er in einem intensiven Diskurs mit den Architekten und eigenen Zeichnungen den Bauten eine eigene künstlerische Formsprache mitgegeben oder war er mehr schmückendes Bauwerk und Vermittler zwischen westlichen Architekturplänen und chinesischen Vorstellungen? Die Frage beleibt ungeklärt.
Mehr Informationen: Kunsthaus Bregenz, HHF Architekten, Herzog & de Meuron
