Verfahrene Lage im Saarlandmuseum

9. September 2011 | Kein Kommentar

Das Saarlandmuseum in Saarbrücken erlebt nun den dritten Skandal in diesem Jahr – dabei hat das Museum gar nicht geöffnet. Nachdem Museumschef Ralph Melcher wegen “finanzieller Unregelmäßigkeiten” (Melcher hatte sich teuere Dienstreisen und -essen erlaubt) beurlaubt wurde und nun wegen des Verdachts der Untreue gegen ihn ermittelt wird, war auch der zuständige Projektsteuerer für den Neubau des vierten Pavillons ins Fadenkreuz der Ermittler geraten. Der Innenarchitekt hatte Melcher 8000 Euro für Beratertätigkeiten gezahlt, er selbst soll fast eine Million Euro für seine Tätigkeit als Projektsteuerer erhalten haben.

Während die Staatsanwaltschaft ermittelt, droht der Landesregierung um die neue Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer neues Ungemach. Immerhin ist die Ministerpräsidentin in die Affäre verwickelt. Sie war bei “spesenintensiven” Essen mit am Tisch und in ihrer Zeit als Kulturministerin war sie an den Planungen des Baus beteiligt. Das neue Problem: Der Bau des neuen Ausstellungshauses sprengt alle Grenzen. 2009 sollte der Neubau 9 Mio. Euro kosten, dann 18,7 Mio. Euro, dann 25 und nun fast 30 Mio. Euro. Die Begründung: Bei den Planungen wurde geschlampt. Die Kosten für den Klimaschutz der Sammlungsgegenstände wurde nicht berücksichtigt, die Beleuchtung nicht richtig geplant, die Umfeldgestaltung vergessen. Kosteneinsparungen fand man hingegen kaum: Der Stiftungsvorstand verstümmelte den Architektenentwurf, indem man statt der Fassade aus teurem, transparentem Buntglas ein 400.000 Euro billigeres Normalglas verbauen wollte. Als dieser Einsparungsversuch heftig kritisiert wurde, wollte man zurückrudern, doch es war zu spät. Das billige Glas war schon bestellt. Nun will das 800.000 Euro teuere Glas niemand mehr, eine neue Bestellung würde zusätzliche 1,2 Mio. Euro verschlingen.

Während der Umbildung der Landesregierung im August 2011 ist einer der Verantwortlichen, der so ziemlich alles falsch gemacht hat, was man falsch machen kann, der Leiter der Staatskanzlei und Staatsminister für Kultur Karl Rauber abgetreten. Neu zuständig ist Innenminister Stephan Toscani. Der möchte nun rasch Aufklärungsarbeit leisten und setzte eine Arbeitsgruppe ein, die untersuchen soll, was falsch lief und wie es weiter gehen soll. Ein Architekturbüro untersucht derzeit, wie viel der Bau bis zur Fertigstellung noch kosten soll. Ende September soll eine erste Mängelliste vorliegen. Auch der Landesrechnungshof soll einbezogen werden.

Inzwischen erklärte auch der Interimschef des Museums, Meinrad Maria Grewenig, dass das Eröffnungsdatum für 2012 wohl nicht mehr zu halten sei. Die Parteien stehen unterschiedlich zu dem Problem. Die Jameika-Koalition will abwarten, der Fraktionsvorsitzende der GRÜNEN im Saarbrücker Stadtrat will das Gebäude abreißen lassen. SPD-Chef Maas lehnt das ab, jedoch hält er eine andere Nutzung für möglich.

Siehe auch:

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Verfahrene Lage im Saarlandmuseum

  • Anzeige