Ein Tiger springt aus dem Maul eines Tigers der aus einem Fisch springt, der aus einem Granatapfel springt. Dem wütenden Tier voran fliegt ein Gewehr mit aufgestecktem Bajonett auf eine liegende Nackte zu, die ganz entspannt auf einer Erdscholle in einem unendlichen Ozean ruht. Im Hintergrund ein weißer Elefant mit einem Obelisken auf dem Rücken auf meterhohen stelzenartigen Spinnenbeinen. Ein Kreislauf aus Geburt, Leben und Tod, gewürzt mit einer Prise männlicher Potenz und Begierde und weiblicher Anmut. Im Vordergrund umschwirrt eine Biene einen schwebenden Granatapfel. Diesen wahnwitzigen Traum in schönsten Farben malte Dalí und er gilt vielen als eine der Ikonen des Surealismus. Dabei war Dalí von Breton, dem Anführer der surrealistischen Bewegung, längst verbannt worden als er das Bild malte, weil er sich den dogmatischen Regeln des Surrealismus nicht unterwerfen wollte.
Salvador Dalí, Traum, verursacht durch den Flug einer Biene um einen Granatapfel, eine Sekunde vor dem Erwachen, 1944
Öl auf Holz, 51×41cm Museo Thyssen-Bornemisza, Madrid
Foto: © Museo Thyssen-Bornemisza, Madrid © 2011, Fundació Gala-Salvador Dalí / ProLitteris, Zürich
Für Breton war „das Laster namens Surrealismus […] der zügellose leidenschaftliche Gebrauch der Droge Bild.“ Fast vergessen ist inzwischen, dass die Surrealisten der ersten Stunde vor allem Literaten waren, die von den Albernheiten des Dadaismus genug hatten. Man wollte der Kälte der Nachkriegsgesellschaft nicht mehr nicht mehr länger mit Blödelei entgegnen, sondern die Gesellschaft und ihre Menschen aktiv verändern. Breton udn seine Kollegen wollten das Unwirkliche und Traumhafte in der Kunst verankern und den durch die Logik begrenzten menschlichen Erfahrungsbereich durch das Fantastische und Absurde erweitern. Geschehen sollte das mittels der „Écriture automatique“, dem automatischen Schreiben. Dazu sollte der Verstand ausgeschaltet werden und möglichst automatisch ohne Nachdenken geschrieben werden, um die Tiefen menschlichen Bewusstseins sichtbar zu machen. Schnell kamen zu den Literaten auch Künstler hinzu. Dalí, Magritte, Miró, Masson und Max Ernst, selbst Picasso ließ sich von der surrealistischen Gedankenwelt inspirieren.
Die Fondation Beyeler in Basel zeigt nun in einer grandiosen Ausstellung die Geschichte des Surealismus. Das Hauptaugenmerk legt die Ausstellung auf Dalí, Miró und Magritte, deren Malstil beispielhaft für die beiden Richtungen des Surrealismus steht. Dalí malt in hyperrealistischer Malweise absurdeste Traumsequenzen. Magritte hingegen vereinte in seinem realistischen Malstil gegensätzliche Dinge, wie etwa die wunderschöne Pfeife unter der steht, das dies keine Pfeife sei. Und schließlich Míro, der mit seinen kryptischen Symbolwelten die Écriture automatique visuell perfekt umsetzte.
Die Ausstellung beleuchtet die Geschichte des Surrealismus zu seinen Glanzzeiten im Paris der 1920er und 1930er Jahre, bevor die Protagonisten dann vor dem Krieg in die USA flüchteten. Neben den Gemälden sind auch Zeichnungen, Fotos, Briefe und handschriftliche Notizen ausgestellt. Neben den drei Malern sind auch Vorläufer zu sehen, aber auch weitere Maler, Lyriker und Schriftsteller und die wichtigsten Förderer und Sammler des Surrealismus, insbesondere Peggy Guggenheim. Keine andere prägte den Surrealismus als Sammlerin so sehr wie sie. Sie förderte die Künstler, folgte ihnen in das Exil in den USA, bis die engen Bande zu Bruch gingen und Guggenheim sich den Abstrakten Expressionisten zuwandte.
290 Exponate hat die Fondation Beyeler zusammengetragen und lässt die Besucher ganz in die Welt des Surrealismus eintauchen. Zur Ausstellung erschien ein wissenschaftlicher Katalog mit umfangreichem Bildmaterial – ein Kauf lohnt sich.
