Saarland, Zeitgenössische Kunst
Kommentare 2

Magisch leuchtende Landschaften

Das Saarländische Künstlerhaus zeigt aufregende Bilder von Daniel Enkaoua

Daniel Enkaouas Sujets sind eher banal und altmeisterlich. Er malt Stillleben, Landschaften und Porträts seiner Familie. Nichts davon ist auf den ersten Blick wirklich aufregend. Dass seine Bilder trotzdem sehenswert sind, liegt nicht daran, was er malt, sondern wie er es malt. Kaum ein zeitgenössischer Maler versteht es, so virtuos mit Material, Farbe und Oberfläche umzugehen.

El Penedes. 2010-11 (202cm X 280cm) Oil on canvas

Daniel Enkaoua: El Penedes. 2010/11, 202 cm x 280 cm, Öl auf leinwand, Foto: Daniel Enkaoua

Die Hintergründe von Enkaouas Bildern sind auf den ersten Blick immer grau, offenbaren aber recht schnell ein reiches Farbspektrum, das der Maler sehr subtil einsetzt. Der Künstler trägt die Farbe pastos auf, die Oberfläche wirkt krustig und schrundig. Mit dem Messer glättet er das Material und kratzt die Bildoberfläche wieder auf, sodass die unteren Schichten sichtbar werden. Diesen Vorgang wiederholt er vielfach bis eine Struktur entsteht, die an ein Gewebe oder einen Rauputz erinnert. Oftmals sitzt er jahrelang an einem Bild, malt an mehreren Leinwänden gleichzeitig.

Der Franzose stammt aus einer jüdisch-orthodoxen Familie und ist ein tiefgläubiger Mensch, der sogar zwei Jahre jüdische Theologie studiert hat, bevor er ein Kunststudium begann. Man merkt seinen Bildern diese Spiritualität an, aber nie wird das aufdringlich oder gar kitschig. Insbesondere die menschenleeren Landschaftsbilder sind herausragend und von fast religiöser Intensität. Sie scheinen magisch zu leuchten.

Mit einer komplexen Farbgebung, durch Reduktion und Unschärfe sowie ein Spiel mit den Lichtverhältnissen gibt Enkaoua dem Betrachter die Möglichkeit, das Wesen einer Landschaft zu erfassen. Mit Öl oder Verdünnern angereichert, bildet die Farbe glänzende oder matte Oberflächen. So werden auf den Landschaftsbildern aus den glänzenden Flächen Wolkengebilde, ohne dass der Maler sie real darstellt.

Um den Körper der Porträtierten wird der Glanz zu einer Aura, die die Person vom ansonsten matten Hintergrund abhebt. Die Menschen trägt Enkaoua mit kurzen Pinselstrichen und wildem Duktus in leuchtenden Farben auf. Ränder fransen aus, die Formen werden unscharf und Details verschwimmen. Enkaoua verdichtet die Bilder mit seinem Malstil so sehr, dass der Raum um die abgebildeten Personen zum Farbnebel wird und der Fokus ganz auf dem Menschen liegt.

Auch bei den Stillleben sind Atmosphäre und Stimmung wichtiger als die naturgetreue Abbildung. Die Bilder strahlen ungeheure Ruhe aus. Auf den allgegenwärtigen grauen Untergrund legt Enkaoua Frühlingszwiebeln, Salat oder eine Tomate. Die speckig glänzende Farbe trägt er dick auf, sodass das Gemüse fast aus dem Bild herauszuwachsen scheint und „greifbar“ wird.

Daniel Enkaoua: Facing Spaces and Landscapes, bis 6. September 2015, Saarländisches Künstlerhaus

2 Kommentare

  1. Pingback: [360°] Magisch leuchtende Landschaften – #Kunst

  2. Martin sagt

    Ich finde ja das ein Bild nicht unbedingt aufregend sein muss.
    Oftmals empfinde ich sowas als störend. Ich selber bin auch eher ein Fan von Bildern, welche Ruhe ausstrahlen und genau das haben wir hier.

    Ich sehe mir sehr gerne solche Bilder an, Minuten, wenn nicht sogar Stunden könnte ich vor der Wand stehen und diese Bilder betrachten.

    Auch das Bild, welches hier eingefügt wurde, finde ich sehr schön. Aber allgemein sind die Bilder von dem Künstler ziemlich gut gemacht und ich finde das in der heutigen Zeit kein zweiten Künstler gibt, welcher so malt. Man hat hier auf jeden Fall Wiedererkennungswert.

    Wie dem auch sei, die Bilder strahlen eine tolle und ruhige Atmosphäre aus.

    LG
    Martin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.