11. August 2011
Niki de Saint Phalles Arbeiten sind unglaublich beliebt, ihr Name gehört Tag für Tag zu den meist gesuchten Tags auf diesem Blog. Bekannt wurde die Künstlerin ab den frühen sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts mit ihren Nanas, großformatigen Frauenskulpturen mit üppigen Formen in quietschbunten Farben. Ihr Leben eignete sich perfekt für eine aufregende Künstlerbiografie: In Frankreich geboren, in den USA aufgewachasen, mit elf vom Vater vergewaltigt, in einer leidenschaftlichen Künstlerehe mit Jean Tinguely.
Die Kunsthalle Würth bietet nun in einen Retrospektive einen Überblick über Leben und Werk der Künstlerin. Dank der hervorragenden Verbindungen von Guido Magnaguagno, dem ehemaligen Direktor des Museum Tinguely in Basel, konnte sich die Kunsthalle Würth nicht nur auf seine Sammlung stützen, sondern auch auf Leihgaben der Niki Charitable Art Foundation in Kalifornien und Paris, des Sprengel Museums Hannover und des Musée d’art moderne et d’art contemporain in Nizza, welche von Niki de Saint Phalle in reichem Maß beschenkt worden sind. Darüber hinaus sind Werke zahlreicher privater und öffentlicher Leihgeber einbezogen. Die von Magnaguagno kuratierte Schau glänzt mit mit über 150 Werken. Sie wird zudem durch exemplarische Werke ihres langjährigen Begleiters Jean Tinguely ergänzt wie auch durch Bilder ihres ersten Lehrers, des weithin unbekannt gebliebenen Hugh Weiss. Die Präsentation intergriert aber auch das häufig separierte Filmschaffen der Künstlerin und biografisches Material.
Mehr: Kunsthalle Würth
4. August 2011
Mehr als ein halbes Jahr ist Ruhr.2010, das Kulturhauptstadt-projekt Essens und des Ruhrgebiets, nun vorbei. Was wird von dem Mammutvorhaben bleiben? Wie hat sich das Ruhrgebiet verändert? Keine andere Kulturhauptstadt hat so sehr auf Nachhaltigkeit wert gelegt. Ruhr 2010 konnten sich auch deshalb gegen namhafte Konkurrenz durchsetzen, weil sie die Karte Nachhaltigkeit ausgespielt und einen Schub für die Kultur an der Ruhr nach 2010 versprochen hatten. Man wollte mit der Kultur ein verbindendes Element schaffen und das Ruhrgebiet zur Metropole machen.

SchachtZeichen-Ballon im Schnee auf dem Gelände des Welterbes Zollverein
Foto: RUHR.2010/ Matthias Duschner
Ob das gelungen ist, sollte ein Evaluationsbericht des Zentrums für Kulturforschung und der Beraterfirma ICG Culturplan herausfinden. Zu viel darf man von dem Bericht allerdings nicht erwarten, denn die Überprüfung der Nachhaltigkeit darf getrost als verfrüht bezeichnet werden, zumal man schon während des Kulturjahres damit begann. Doch Oliver Scheytt, Geschäftsführer der RUHR.2010 GmbH, ist zufrieden:
”Die Evaluation zeigt, dass RUHR.2010 eine Erfolgsgeschichte ist. Diese reicht weit über das Jahr 2010 und den Kulturbereich hinaus“.
Als positiv werden vor allem die starken Zeichen gewertet, die Ruhr.2010 setzte, wie etwa die 316 gelben Ballone, die die ehemaligen und bestehenden Schachtanlagen kennzeichnen sollten oder der Tag, an dem die A 40 gesperrt wurde und von dreieinhalb Millionen Menschen zum Flanieren genutzt wurde.
Mit den Besucherzahlen ist man zufrieden. In Essen seien knapp 30 Prozent mehr Übernachtungen gezählt worden und genauso viele Besucher mehr, im gesamten Ruhrgebiet waren es immerhin noch 13 Prozent mehr. Doch die Verweildauer betrug nur knapp zwei Tage und erfolgreiche Vorgänger als Kulturhauptstadt hatten 10 bis 15 Prozent mehr Besucher. Aber immerhin haben 10,5 Millionen Besucher 5500 Veranstaltungen besucht.
Aber wie geht es nun weiter? Die Spannung sei nicht zu halten, sagt das Zentrum für Kulturforschung, vor allem, weil die Gelder nicht mehr so reichlich fließen werden, wie noch im vergangenen Jahr. Trotzdem will man die Infrastruktur ausbauen und die entstandenen Verbindungen zwischen den Kulturhäusern erhalten.
Eines der vorrangigen Ziele sollte die Etablierung der Metropole Ruhr als neue kulturelle Region in Europa werden. Doch das ist nicht gelungen, weder ist das Ruhrgebiet zusammengewachsen, noch ist da viel Neues entstanden, das eine besondere Entwicklung zur Kulturgroßregion erkennen lassen würde, zumindest nichts, was es nicht auch ohne Ruhr. 2010 gegeben hätte.
Der zwanghafte Versuch als Ruhr-Metropole zu erscheinen, darf getrost als gescheitert erachtet werden, vielleicht, weil eine solche Entwicklung Jahrzehnte braucht oder aber weil viele Ruhrgebietler zwar stolz auf ihre Region sind, aber gar keine gemeinsame Metropole wollen, sondern sich mit ihren Heimatstädten verbundener fühlen. Dass trotzdem so etwas wie ein Wir-Gefühl entstand, lag eher an der Begeisterungsfähigkeit der Ruhrgebietler, die eifrig bei der Sache waren und die ihnen gebotenen Möglichkeiten fleißig nutzten.
Nachhaltig dürfte die Eröffnung des umgebauten und neugestalteten Folkwang-Museums sein, das ein bisschen Glanz und Glorie in die Region brachte, doch den Umbau hätte es wohl auch gegeben, wenn es das Kulturhauptstadt-„Event“ nicht gegeben hätte. Für diesen Umbau musste das Ruhrmuseum Platz machen, es zog in die passenden Räumlichkeiten der Zeche Zollverein und wurde im vergangenen Jahr dort eröffnet. Es hat damit eine wunderbare neue Heimstatt gefunden.
Ein Leuchtturmprojekt war auch die Umgestaltung der altern Dortmunder Union-Brauerei zu einem Zentrum für Kunst und Kreativität mit Museen, Ausstellungsräumen und Büros für die vielbeschworene Kreativwirtschaft. Doch das Zentrum war zur Eröffnung im Kulturhauptstadtjahr nicht einmal zur Hälfte fertig und auch dieses Projekt wäre wohl ohne Ruhr.2010 entstanden.
Der zwanghafte Versuch, das halbfertige Projekt in das Kulturhauptstadtjahr zu integrieren, schlug fehl und endete im Chaos. Trotz konservatorischer Bedenken in ein halbfertiges Museum zu ziehen, setzte sich die Stadt durch und das Museum musste noch während Ruhr.2010 in sein staubiges Domizil ziehen. Die Besucherzahlen der aufwendigen Eröffnungsausstellung blieben dann auch weit unter den Erwartungen.
Auch die multikulturelle Vielfalt des Reviers ist kaum sichtbar geworden, dabei ist gerade das eine Stärke der Region, die immer auch Magnet für Menschen auf der Suche nach einem besseren Leben war.
Ein neu angestoßenes und vielleicht wirklich nachhaltiges Projekt dürfte der Zusammenschluss von 20 Museen aus dem Ruhrgebiet sein, den Ruhrkunstmuseen. Man gab eine gemeinsame Broschüre heraus, einen Sammlungskatalog und präsentierte sich auf einer gemeinsamen Website.
Der Kulturkanal ist ein weiteres Projekt, das erhalten bleiben soll. Entlang des Rhein-Herne-Kanals hatten sich zehn Städte zusammengeschlossen und Kunst, Musik und Film geboten. In diesem Jahr hat man das Projekt fortgesetzt und möchte auch zukünftig daran festhalten, wenn dies finanziell zu stemmen ist.
Baulich wird der denkmalgeschützte Schacht II der Zeche Nordstern in Gelsenkirchen bleiben, der um einen vierstöckigen gläsernen Kubus aufgestockt wurde und von dessen Dach die Herkules-Statue von Markus Lüpertz grüßt – ein leises Zeichen des Wandels vom Industrierevier zum modernen Ballungsraum.
Zweifellos haben sich die 53 oft zerstrittenen Kommunen gerade noch rechtzeitig zusammengerissen und kooperiert, so gut es ging, doch wie nachhaltig die Zusammenarbeit ist, muss sich erst noch zeigen, wenn es wieder Alltag einkehrt und das Geld wieder knapper ist. Beispielhaft ist die Diskussion um den Bau einer Philharmonie für Bochum. Das Ruhrgebiet hat bereits drei Philharmonien und Köln ist nicht weit, doch statt die Nachbarstädte zu unterstützen und deren Philharmonien eine größtmögliche Auslastung mit einem guten Programm zu sichern, ist den Bochumern zu wenig. Man will eine eigene Philharmonie. Nur die Haushaltslage der Stadt konnte den Bau bisher verhindern.
Doch solche Probleme kann nur die Politik lösen. Vielleicht wäre ein Kulturkonzept Ruhrgebiet hier ein wichtiger Punkt gewesen, einfach nur vernetzen zu wollen ist zu wenig. Man hätte intensiv diskutieren müssen, ein städteübergreifender Dialog zwischen Politik und Kultur fand aber leider nicht statt – dabei wäre der Zeitpunkt für ein Symposium günstig gewesen.
Nein, der große Wurf war Ruhr.2010 nicht. Zu wenig Innovatives und Kreatives hat das Projekt zu Wege gebracht, es fehlten
einfach der Mut oder die Ideen, Neues und Aufregendes zu probieren. Es war ein großes Fest, aber viel mehr auch nicht. Selbst Leuchtturmprojekte wie das Dortmunder U konnten nicht überzeugen.
Bisher haben es nur wenige Kulturhauptstädte geschafft, die Kulturszene ihrer Stadt dauerhaft zu verändern, meist blieb der erhoffte Schub nach dem Kulturjahr aus und der Alltag hielt Einzug, geprägt von leidigen aber altbekannten Diskussionen wie viel Kultur eine Stadt braucht und wo sie bei Einsparungen mit möglichst wenig Gegenwind rechnen muss. Und so wird sich erst in einigen Jahren zeigen, ob zusammenwächst, was zusammengehört.
22. Juni 2011
Der chinesische Künstler Ai Weiwei, der Mitte April von der chinesischen Polizei auf dem Flughafen Peking festgenommen und an einen unbekannten Ort verschleppt wurde, ist wieder frei. Ai musste eine Kaution hinterlegen. Der Grund für die plötzliche Freilassung sei der gesundheitliche Zustand des Künstlers und ein erpresstes Geständnis, so die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua.
Mehr:
China lässt Ai Weiwei frei (Die Zeit)
Künstler Ai Weiwei gegen Kaution frei (FAZ)
22. Dezember 2010
Liebe Leute,
wieder mal geht ein aufregendes (Kunst-) Jahr zu Ende. Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch in das neue Jahr. Wir sehen uns im neuen Jahr dann in alter Frische wieder.
20. Juli 2010
Dr. Ralph Melcher ist Vorstand der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz. Unter ihrem Dach vereint die SSK die wichtigsten Museen des Saarlandes. Doch die Stiftung und ihr Chef haben ein Problem.
Schon im letzen Jahr wurde angesichts der Ausschreibung für einen vierten Pavillon des Saarlandmuseums heftig gestritten, ob es dabei mit rechten Dingen zuging, weil der Siegerentwurf nicht den Vorgaben der Wettbewerbsausschreibung entsprach. Bürger und Stadtverwaltung waren mit dem ausgesuchten Entwurf nicht einverstanden, weil man Angst hatte, dass der Anbau nicht in das Stadtbild und zum Museum passen könnte. Gerade erst hatten sich die Wogen geglättet. Nun gibt es einen Bericht der saarländischen Rechnungshofes, der das Finanzgebahren der Stiftung unter die Lupe nahm und gleich mehrere Dinge beanstandete.
Die Prüfer werfen dem promovierten Kunsthistoriker Melcher laut der Saarbrücker Zeitung vor, auf Dienstreisen in Begleitung seiner Ehefrau Steuergelder verschwendet zu haben. So soll Melcher ins Luxushotels abgestiegen sein und in den teuersten Restaurants diniert haben. Dabei soll er unter anderem in einem Restaurant 594 Euro ausgegeben haben, darunter waren zwei Flaschen Wein für jeweils 120 Euro. Bei Reisen nach Marbella, Venedig, London, Berlin, Paris und Wolfsburg soll Melcher schon mal bis zu 465 Euro pro Nacht bezahlt haben. Insgesamt habe Melcher zwischen im untersuchten Zeitraum zwischen 2006 und 2008 119 Belege (rund 20.500 Euro) aus der gehobenen Kategorie abgerechnet haben, darunter auch Einladungen an den ehemaligen Bildungsminister und jetzigen Fraktionsvorsitzenden der CDU-Landtagsfraktion Schreiner und die Bildungsministerin Kramp-Karrenbauer.
Als problematisch gilt auch eine Gehalterhöhung im Jahr 2007 um großzügige 3000 Euro. Melcher erhielt bei seiner Anstellung am 1. Januar 2004 das 1,4 fache der Vergütungsgruppe I des Bundesangestelltentarifvertrages. Dies bedeutete damals nach Recherchen der SZ rund 6000 Euro monatlich. Doch schon ein Jahr vor Ablauf seines Vertrages wurde mit Wirkung zum 1. Janur 2008 ein Änderungsvertrag „auf Grund seines außerordentlichen Engagements für die Stiftung“ unterzeichnet. Melcher bekam das 1,85-fache der Entgeltgruppe 15, Stufe 5 des Tarifvertrages der Länder. Dies dürfte einem Gehalt von etwa 9500 Euro entsprechen. Schon seit August 2006 wurde Melcher eine zusätzliche Sonderzahlung von monatlich 1250 Euro gewährt. Die Extra-Finanzspritze wurde, so der Rechnungshof, mit „über die normalen Dienstaufgaben hinaus gehendem zusätzlichem Arbeitsaufwand im Rahmen des Bauvorhabens Vierter Pavillon“ begründet.
Unter dem Strich wird Melchers Gehalt auf 10 700 Euro geschätzt. Damit gehöre der Stiftungschef nach Feststellungen der Prüfer im bundesweiten Vergleich zu den Top-Verdienern der Museumsszene. Der Rechnungshof startete eine Umfrage in den Bundesländern mit vergleichbaren Einrichtungen. Resultat: „Nach dem derzeitigen Kenntnisstand erhält kein einziger Leiter der in den bundesweiten Vergleich einbezogenen 21 Einrichtungen ein mit den Bezügen des SSK-Vorstandes vergleichbares Gehalt.“ Die Forderung des Rechnungshofes ist eine Reduzierung des Gehalts auf etwa 6700 Euro.
Das damit eingesparte Geld soll, so ein Vorschlag der Prüfer, in die Stelle eines gleichberechtigten und gleichbezahlten kaufmännischen Leiters neben dem kunstwissenschaftlichen Vorstand investiert werden. Diese Doppelspitze könnte unter dem Strich „kostenneutral“ realisiert werden, denn die Stelle des derzeitigen Verwaltungsleiters solle dann wegfallen. Keine schlechte Idee und bei vergleichbaren Einrichtungen längst Gang und Gäbe.
Doch der Rechnungshof beanstandet noch mehr. Wegen des Baus des vierten Ausstellungspavillons auf dem Gelände des Saarlandmuseums war ein Weiterbetrieb des Restaurants im Saarlandmuseum nicht mehr möglich. Deshalb wurde der bis zum August 2013 laufende Pachtvertrag vorzeitig im Sommer 2009 aufgelöst. Der Pächter erhielt dafür eine Entschädigungszahlung von 310.000 Euro von der Stiftung. Aus Sicht des Rechnungshofs ist die Summe um mindestens 100.000 Euro zu hoch. Der Stiftungsvorstand habe es versäumt, den Pächter rechtzeitig zu informieren. Das im August 2003 laufende Pachtverhältnis war ursprünglich auf fünf Jahre festgelegt, doch der Pächter zog eine vorzeitige Option auf Verlängerung, obwohl ihm bekannt gewesen sein müsse, dass eine Weiternutzung nicht möglich sei. Der Gastronom wollte eine Abfindung von 539.000 Euro und habe letztlich nach Verhandlungen 310.000 Euro erhalten. Das sei zu hoch, so der Landesrechnungshof, man hätte es im Zweifelsfalle auf einen Rechtsstreit ankommen lassen sollen, so die Prüfer.
Inzwischen rumort es im Saarland. SPD-Generalsekretär Reinhold Jost fordert umfassende Aufklärung von der Landesregierung und eine Suspendierung Melchers. Die LINKE ist entsetzt ob der dekadenten Völlerei auf Steuerzahlers Kosten. Staatskanzleichef und Minister für Kultur Karl Rauber (CDU) verspricht baldige Aufklärung, schont seinen Stiftungsvorstand aber bisher. Den Chef des Völklinger Weltkulturerbes Meinrad Maria Grewenig packt anscheinend die Angst und er schimpft, dass man so mit Führungskräften nicht umgehen könne: “Das wirft kein gutes Licht auf das Saarland.” Grewenig warnt vor “Provinzniveau” im Lande.
Und Melcher? Der gibt sich zerknirscht und fürchtet um seine Karriere. In einem Gespräch mit der Saarbrücker Zeitung betonte er, sicher zu sein, keine juristische Verfehlung begangen zu haben und verspricht, den Schaden wieder gut zu machen. Rund 30.000 Euro müsste Melcher dann zurückzahlen. Er sieht sich im recht, habe sein Spesenkonto nie überzogen und es gab nie Beanstandungen des Kuratoriums. Kein Wunder. Die ehrenamtlichen Kuratoren haben die Belege nie wirklich gesehen. Melcher gab diese an den ihm unterstellten Verwaltungsleiter weiter und der hatte keine Beanstandungen.
Der Fall wirft zwei Fragen auf. Warum haben die Kontrollinstanzen versagt? Ganz einfach: Weil es keine gab. Der dem Stiftungsvorstand Melcher unterstellte Verwaltungsleiter wird seinen Vorgesetzten kaum anschwärzen oder ihn wegen seiner Spesenpraxis rügen. Das Kuratorium der Stiftung und das zuständige Ministerium haben sich nie für die Spesenpraxis interessiert. Ein leicht zu lösendes Problem, in dem man die Zuständigkeit für die Kontrolle des Stiftungsvorstandes in das Ministerium verlagert und einen gleichberechtigten kaufmännischen Leiter neben Melcher installiert.
Viel interessanter ist aber die Frage: Wie viel Geld darf der Chef eines Museums für Reisen und Restaurantbesuche ausgeben? Ein Museumsdirektor muss viel reisen. Er muss Kontakte pflegen, muss sich mit Sammlern und Leihgebern treffen, wichtige Ausstellungen und Kongresse besuchen, das Land und seine Museen repräsentieren. Dazu gehört auch, dass der Museumsdirektor natürlich nicht in einer Jugendherberge schläft und Gönner und Kollegen zum Imbiss einlädt. Wer über Millionenwerte verhandelt, sollte sich tatsächlich im entsprechenden Umfeld bewegen dürfen. Dies muss aber transparent geschehen und nach dem Motto: So viel wie nötig, so wenig wie möglich. Doch Melcher hat überzogen. Zu viele Belege, zu viel Geld für ihn und seine Frau mit zu hohen Kosten. Wie will man dem Steuerzahler vermitteln, dass der Museumschef und seine Frau auf Kosten der Steuerzahler für knapp 600 Euro speist?
Wahrscheinlich hat Melcher juristisch nichts falsch gemacht, auch wenn die Staatsanwaltschaft vom Anfangsverdacht der Untreue ausgeht und ermittelt. Ein bisschen mehr Fingerspitzengefühl hätte aber gut getan. Vielleicht wäre ein Spesenkonto speziell für die Repräsentationspflichten nicht verkehrt und eine Lösung.
Melcher verdient ausgezeichnet und muss viel leisten. Anders als sein Vorgänger Güse ist er nicht mehr nur für das Saarlandmuseum zuständig. Dort muss er sich um das Tagesgeschäft und den Bau des neuen Ausstellungspavillons kümmern. Außerdem musste Melcher die zuvor von einem zweiköpfigen ehrenamtlichen Stiftungsvorstand geführten Personal- und Finanzgeschäfte übernehmen. Vielleicht war auch das ein Fehler. Man hat Melcher zu viel aufgebürdet und ihn dann alleine gelassen. Nicht das Melcher ein Opfer der Umstände wäre, doch das sollte man ihm das zu Gute halten. Sollte Melcher bleiben, wird es sich in Zukunft vielleicht wieder mehr um die kunstwissenschaftliche Arbeit kümmern. Denn da gibt es genug Verbesserungsmöglichkeiten. Schöne und innovative Ausstellungen sind harte Arbeit – nur leider selten in teuren Restaurants. Wie Melcher bei all den anderen Aufgaben noch Zeit als Kuratoren haben sollte, bleibt ein Rätsel.
Ein kleiner Hinweis: Alle Kommentare, die die sofortige Auflösung des Saarlandes fordern, werden von mir als Saarländer natürlich gelöscht!
Und: natürlich ist das Saarland nicht provinziell, sondern ein kleiner, schöner und mondäner Landstrich im Herzen Europas!
18. Dezember 2009
…geht ein Jahr zu Ende. Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern ein friedliches und frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr.
360° macht Pause bis zum 04. Januar 2009.
15. August 2009
Liebe Leserinnen und Leser, 360° gönnt sich Urlaub und macht bis zum 31. August 2009 Pause!
10. August 2009
Die Provence und die nahe gelegene Côte d’Azur sind ein schönes und empfehlenswertes Urlaubsziel. Für jeden ist es etwas dabei, die wildromantische Landschaft der Provence, mondäne Städte an der Côte d’Azur, schöne Strände, gutes Wetter, tolle Weine und noch besseres Essen… Auch Künstler wussten die Region zu schätzen. Licht und Farben sind hier ganz anders als im manchmal tristen Paris. Van Gogh lebte einige Monate hier und auch Gauguin kam in die Provence. Am innigsten verbunden war jedoch Cézanne mit der Region, besonders angetan hatte es ihm der Blick von seinem Atelier in Aix-en-Provence auf die Montagne Sainte-Victoire, deren Massiv er in zahlreichen Bildern und in vielen Variationen verewigte.
Am Fuße des Bergmassivs liegt das kleine Örtchen Vauvenargues, das von einem romantischen Schloss überragt wird. Dieses Anwesen erwarb Picasso 1958, lebte dort bis 1960 und nutze das Schloss als Atelier bis zu seinem Tod im Jahre 1973. Geerbt hat Chateaux de Vauvenargues Catherine Hutin, die Tochter von Picassos Frau Jacqueline aus erster Ehe. Seitdem ist das Haus verschlossen und nur den Mitgliedern der Familie Picasso zugänglich.

Der malerische Ort Vauvenargues, im Vordergrund das gleichnamige Chateau
Foto: Marie de Vauvenargues
Hutin wollte das Schloss langfristig für den Tourismus öffnen, doch die Einwohner des Ortes wehrten sich. Sie wollten keien Massentourismus in ihrem Ort und protestierten – nicht ganz unverständlich. Also entschloss man sich, dass Chateau wenigstens einen Sommer lang unter Auflagen für Besucher zugänglich zu machen. Nur in Gruppen und höchstens 75 Personen pro Tag dürfen noch bis zum 27. September 2009 das Schloss besichtigen. Danach ist Schluss.
Die wichtigsten Räume dürfen besichtigt werden: Schlafzimmer, Esszimmer, Badezimmer und Atelier, die Räume, in denen sich auch Picasso hauptsächlich aufhielt. Die Räume sind spartanisch eingerichtet. Picasso hing Werke von Künstlerkollegen auf, seine eigenen Bilder und Skulpturen bereicherten das Haus ebenfalls. Im Badezimmer prangt eine Wandmalerei, ein musizierender Faun, und das Kopfteil des Bettes sowie der Teppich im Schlafzimmer sind ebenfalls von Picasso entworfen worden. Im weitläufigen Park liegen die Gräber von Picasso und Jacqueline, die ebenfalls besichtigt werden können.
Wer nicht nach Südfrankreich pilgern kann oder will, dem sei das bei Feymedia erschienene Buch “Picassos Häuser” empfohlen. Der opulente Bildband beleuchtet Picassos Villen und Anwesen in Cannes, Vallauris, Mougins und das Chateau in Vauvenargues.
Weitere Informationen und Buchungen im Musée Grant, in dem zeitgleich die Ausstellung “Picasso Cézanne” zu sehen ist.
16. Januar 2009
Ab heute kann man auch bei twitter über 360° auf dem Laufenden bleiben. Wer einen Account bei twitter hat, klickt einfach rechts in der Sidebar unter Feeds auf twitter und dann auf “follow”. Wer noch keinen Account hat, muss sich in ein paar Schritten einen anlegen. Dann bekommt man kurze Textnachrichten mit den Überschriften der Artikel und einem Link, wenn ich hier etwas Neues publiziert habe. Vorteilhaft ist das insbesondere, wen man die Artikel auf dem Handy lesen möchte. Viel Spaß!
20. Dezember 2008
Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern von 360° ein schönes und besinnliches Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr.
360° macht jetzt bis zum 04. Januar 2009 Pause.