In unregelmäßiger Folge werde ich zukünftig junge Talente empfehlen, die ich für viel versprechend halte.
Den Anfang macht Sina Heffner, die derzeit im Kunstverein Wolfenbüttel ausstellt. Heffner, 1980 geboren, studierte an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig und war danach Meisterschülerin bei Thomas Virnich. Heffners großes Talent wird beim Anblick ihrer Arbeiten schnell offenbar.
Heffner untersucht Form und Raum. Sie nutzt dem Betrachter bekannte Formen, um sie mit ungewöhnlichen Mitteln neu im Raum zu positionieren. Ihr bevorzugtes Sujet sind Tiere. Vögel, Elefanten, Schmetterlinge, Antilopen und Rehe tauchen immer wieder auf. Manchmal sind es aber auch nur Strukturen, die sie der Natur entnimmt, wie die amorphe Skulptur “Netz” (2007), die an der Decke hängt und an ein Wespennest erinnert oder “Liniennetz” (2007), eine kantiges Geflecht aus Linien.
Heffners großes Kapital ist die Vielzahl an Formen und Materialien, mit denen sie arbeitet und uns Vertrautes immer wieder in ein neues Licht rückt, wie sie mit Form und Raum experimentiert und dem Betrachter neue Einsichten ermöglicht, wie Form und Raum zusammengehören.
Sina Heffner, Elefantenzeichnung, Maschendraht, 2007, Kunstverein Wolfenbüttel/ Sina Heffner
Mal klebt sie aus Dachlatten die Umrisse von Rehen zusammen, dann aus Pappe eine Gruppe Antilopen mit flächiger, kantiger Silhouette. Aus Schaumstoff und Silikon bastelt sie Elefanten und positioniert sie mal am Boden, mal an Stahlstangen frei im Raum. Aus Maschendraht hat sie einen lebensgroßen Elefanten nachgebildet. So wird aus dem massigen und wuchtigen Dickhäuter ein graziles und verletzliches Wesen.
Auch Schmetterlinge sind beliebtes Objekt, dass in Heffners Arbeiten häufig in Erscheinung tritt. Mal scheindet sie die Flügel aus einem Bogen Papier aus und knickt die Flügel in den Raum, dann bildet sie aus einem Pappgitter die Umrisse eines Schmetterlings, die auch an Damenschuhe erinnern (Schnürschuhe, 2007). Dann wieder ist der Schmetterling ein kompaktes Objekt aus Bitumen, das an einen Wohnzimmertisch erinnert.
Aus Kunstharz gießt sie Echsen, Geweihe und Hirsche, aus Latex eine Hirschhaut, die sie keck über den Haken an der Wand hängt. Und immer wieder spielt auch die Trophäe eine Rolle. Mal ist es ein Giraffenkopf aus Holz und Papier, der dann an der Wand hängt, dann ein Hirschgeweih und mal eine Trophäenwand (2007) an der sich Vögel aus verschiedensten Materialien tummeln. Auch in ihren Zeichnungen spielt das Tier immer wieder eine zentrale Rolle.
In ihren Arbeiten klingt immer auch die Frage nach dem Umgang mit Tieren an. Was macht ein Tier aus? Form und Gestalt? Charakter? Ist das Tier noch das was es war, wenn wir es uns an die Wand nageln? Welchen Sinn macht das überhaupt?
Die Giraffe hat die Künstlerin übrigens einmal in Lebensgröße nachgebaut und in ihr viel zu kleines Atelier gezwängt. Die stand dort breitbeinig, fast im Spagat, den Rücken unter der Decke, Hals und Kopf quer durch den Raum zur Tür. Es erinnert irgendwie an die Unterbringung mancher Tiere im Zoo. Und trotzdem muss man beim Anblick des Fotos lachen.
Ich kann nur jedem raten, sich die Ausstellung in Wolfenbüttel anzuschauen. Das macht richtig Spaß. Auf den Webseiten der Künstlerin erhält man schon mal einen kleinen Vorgeschmack.
