Foto aus “Goyas Geister”
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Jedes Jahr kommen ein oder zwei Künstlerfilme ins Kino. Und leider sind die meisten nicht wirklich gut. Nicht wirklich gut im Sinne dessen, was man als kunstinteressierter Mensch erwartet. Eigentlich sollte ein solcher Film Leben und Werk eines Künstlers beleuchten, seinen Werdegang und sein Arbeiten. Natürlich darf es auch ein bisschen Liebe, Schmerz und Rivalität geben, um dem Stoff die nötige Würze zu verleihen und Zuschauer in Massen ins Kino zu locken. Doch leider treten bei den meisten Filmen über Künstler Liebe, Herzschmerz und Dramatik in den Vordergrund. Leben und Werk dienen nur als Aufhänger und schmückendes Beiwerk. “Das Mädchen mit dem Perlenohrring” ist ein gutes Beispiel für solch einen Film.
So auch im Fall von Goyas Geister. Dabei gäbe Goya eigentlich eine perfekte Kinofigur ab. Er war eine schillernde Persönlichkeit, Revoluzzer gegen Klerus und Krieg. Bei allem Interesse an den Leiden des einfachen Volkes auch ein von Geltungssucht Getriebener, der gerne in aristokratischen Kreisen verkehrte. Rebell und Beobachter seiner Zeit.
Doch von all dem zeigt der Film wenig, statt dessen dreht sich alles um Goya und dessen Modell Inés, eingebettet in die Unbill jener Zeit. Regisseur Milos Forman hat sich so in die historischen Ereignisse und die Dramen um die schöne Inés gesteigert, dass er ganz vergesen hat, welch wunderbaren Stoff das Leben und die Person Fransico Goya abgibt. Die innere Zerrissenheit von Goya, sein ambivalentes Leben, die Verarbeitung der politischen Geschehnisse seiner Zeit in seinen Werken stehen im Hintergrund.
Goya wird als Mitläufer dargestellt, der sein Fähnlein in den Wind hängt. Das stimmt so aber nicht, nur wehrt sich Goya eben mit seinen Mitteln. Düster ist die Stimmung in den grandiosen Radierungen “Desastres de la guerra”, in denen der Maler die Grausamkeiten des Kriges verarbeitet. Hohn über die menschlichen Unzulänglichkeiten spricht aus den “Caprichos”, Todesangst aus den Suenos (Träumen). Und wenn Goya die Familie Karls IV. malt, dann ist dies keine einfaches Porträt des feisten Herrschers, sondern ein Bildnis für die Dekadenz und Eitelkeit des Königs und seiner Familie.
Trotz der Unzulänglichkeiten lohnt sich ein Kinobesuch trotzdem für diejenigen, die auf Liebesgeschichten und historische Stoffe in opulenter Umsetzung stehen. Man darf nur nicht die Erwartung haben, tief in die Seele Goyas blicken zu dürfen.
Franz Xaver Messerschmidt, “Demokrit” (nach 1770, Alabaster), “Innerlich verschlossener Gram” (nach 1770, Blei) und „Der weinerliche Alte“ (nach 1770, Zinn)
Landesmuseum Württemberg, Stuttgart, Fotos: Peter Frankenstein, Hendrik Zwietasch
Nein, mit den Charakterköpfen sind nicht Liebieghaus-Direktor Max Hollein oder seine Kuratorin Dr. Maraike Bückling gemeint, sondern die “Phantastischen Köpfe des Franz Xaver Messerschmidt.” Erstmals steht der ungewöhnliche, österreichische Künstler(1736-1783) im Blickpunkt einer großen Ausstellung. Der Bildhauer ist für viele einer der wichtigsten Vertreter der Aufklärung in Österreich. Geschätzt von Maria Theresia war er in seinem Heimatland sogar so etwas wie ein Hofbildhauer und erhielt vom Hofe zahlreiche Aufträge. Zahlreiche Künstler, unter ihnen Francis Bacon und Arnulf Rainer, haben sich von seinem Werk inspirieren lassen.
Seinen heutigen Ruhm verdankt Messerschmidt vor allem den “Charakterköpfen”, einer Reihe von Porträtbüsten mit grimassenhaften, clownesken, schreienden und lachenden Gesichtern, deren kraftvolle Ausstrahlung den Betrachter in den Bann zieht und fasziniert. Die Ausstellung will die Hintergründe von Messerschmidts Arbeit analysieren und sucht nach der Intention seiner Arbeiten. Sollen die Köpfe grundlegende menschliche Gefühle wie Angst, Ekel, Trauer, Freude und Ärger darstellen? Die stark physiognomische Darstellung von Gefühlen und die scheinbar willkürliche Kombination unterschiedlicher Ausdrucksformen spricht dagegen. Manche Muskelbewegungen sind äußerst realistisch wiedergegeben, sind aber oft gar nicht gleichzeitig durchführbar. Die grotesken Gesichtszüge irritieren. Wollte Messerschmidt mit dem Minenspiel in die Seele der Menschen schauen? Sollen die Entgleisungen der Gesichtszüge die Regungen der Seele widerspiegeln?
Eine spannende und interessante Ausstellung, in der man sich ein Lächeln angesichts der oft bizarren Grimassen nicht immer verkeifen kann. Sehtipp! Mehr unter www.liebieghaus.de
Caspar David Friedrich, Böhmische Landschaft, um 1808, Staatsgalerie Stuttgart
Das Museum Folkwang in Essen zeigt seit Freitag (und noch bis 20. August 2006) eine einmalige Retrospektive zum Werk des Romantikers Caspar David Friedrich (1774-1884). Zu sehen sind 70 Gemälde und 120 Arbeiten auf Papier. Zum ersten Mal wurde auch Friedrichs Meisterwerk “Kreidefelsen auf Rügen” für eine Ausstellung verliehen. Die Ausstellung zeigt so einen hervorragenden Überblick über das Oeuvre von CDF. Urteil: Sehenswerte Ausstellung, die man sich nicht entgehen lassen sollte!
Mehr unter: Ausstellung Caspar David Friedrich – Die Erfindung der Romantik