Goya in Zwickau

25. März 2010 | Kein Kommentar

Der spanische Künstler Francisco José de Goya y Lucientes (1746-1828) gilt bis heute als Wegbereiter der modernen Kunst in Europa, war Vorbild für Künstler wie Picasso und hat das Zeitalter der Aufklärung entscheidend mitgeprägt. In dem sozial, religiös und kulturell zerrissenen Spanien des ausgehenden 18. Jahrhunderts wagte der königliche Hofmaler Goya eine Gratwanderung zwischen klassischer Auftragskunst für den spanischen Adel und das Bürgertum sowie Sozial- und Gesellschaftskritik, die er oftmals in karikaturhaften Bildern “versteckte”. Seine kritischen Arbeiten finden sich vor allem in vier Serien von Aquatintaradierungen wieder, die in einer Sonderausstellung der Kunstsammlungen Zwickau vollständig gezeigt werden.

CAPRICHOS, Blatt 10, El Amor y la muerte, Die Liebe und der Tod
21,5 x 15 cm, Radierung, Aquatinta poliert, Grabstichel, Harris 45/III
Morat-Institut für Kunst und Kunstwissenschaft Freiburg i.Br.

“Los Caprichos” (“Einfälle”), der aus 80 Blättern bestehende Zyklus, entstand in den Jahren 1797-1799 und zeichnet das Bild einer dekadenten, sich am Abgrund befindenden Gesellschaft nach. “Los Desastres de la Guerra” (“Die Schrecken des Krieges”), 80-teilig, thematisieren die menschlichen Grausamkeiten und die verheerende Hungersnot während der napoleonischen Herrschaft und des spanisch-französischen Krieges (1808-1813). Diese bislang noch nie da gewesene Brutalität und Direktheit in der Darstellung hat bis in die heutige Zeit hinein zahlreiche Künstler bewegt und inspiriert. “La Tauromaquia” (“Die Kunst des Stierkampfs”), zwischen 1814 und 1816 entstanden, erscheint im Vergleich zu den anderen Radierserien beinahe harmlos. Erst auf den zweiten Blick wird die hohe technische Qualität der 33 Blätter deutlich, die, mit der Fotografie vergleichbar, sekundenschnelle Momente festzuhalten scheinen und die Spannung eines spanischen Stierkampfes meisterhaft wiedergibt. “Los Proverbios” (“Sprichwörter”) oder auch “Los Disparates” (“Torheiten”) ist die wohl rätselhafteste Serie innerhalb des druckgraphischen Werkes. Die 22 Blätter markieren das Spätwerk Goyas und sind vermutlich in den Jahren von 1815 bis 1824 entstanden. Eigentümlich fliegende Hexenwesen oder in die Luft gewirbelte Gestalten sind darin häufig wiederkehrende Motive, welche die Nähe zu Goyas bedeutenden “Pinturas negras”(”Schwarze Gemälde”), heute im Prado (Madrid) ausgestellt, aufzeigen.

Die insgesamt 253 druckgraphischen Blätter (es werden auch die zusätzlichen Blätter zu den einzelnen Serien gezeigt) stammen aus dem umfangreichen Bestand des Morat-Instituts für Kunst und Kunstwissenschaft in Freiburg im Breisgau und gelten sowohl hinsichtlich ihres Umfangs als auch ihrer Qualität als einzigartig. Ein wirklicher Leckerbissen, den das Museum da präsentiert und für Kunstinteressierte ein Muss.

Zur Ausstellung ist ein reich bebildeter Katalog zum Preis von 20 Euro erschienen: Francisco de Goya – Radierungen. Die Sammlung des Morat-Instituts, Edition Braus, 168 Seiten. Die Ausstellung läuft noch bis zum 02. Mai 2010. weitere Informationen: www.kunstsammlungen-zwickau.de

Ein Star in Wien

7. September 2008 | 2 Kommentare

Es gibt Namen in der Kunst, die kennt wirklich jeder und bei den meisten Menschen sorgen sie für ehrfurchtsvolles Raunen und ein freudiges Glitzern in den Augen. Ausstellungen solcher Künstler wie Picasso, Van Gogh, Matisse oder Rembrandt sind Garant für hohe Besucherzahlen. Die braucht die Wiener Albertina mit ihrer Ausstellung “Van Gogh. Gezeichnete Bilder” auch, um die immensen Kosten wieder einzuspielen. Alleine die Versicherungssumme beträgt drei Milliarden Euro, die Prämien dürften entsprechend hoch ausfallen. Jeden Tag müssen deshalb rund 4000 Besucher die Ausstellung sehen, damit sich das Unterfangen lohnt.

Ich bin kein Freund solcher gigantomanischen Ausstellungen, als zu oft bleibt die Erkenntnis auf der Strecke, der reine visuelle Reiz zählt, man schiebt sich mit den Besuchermassen durch die Räume und ein ruhiges Verweilen vor den Bildern ist unmöglich, weil ständig jemand den Blick versperrt. Es lebe die Presse-Vorbesichtigung.

Vicent van Gogh, Straße in Saint-Rémy, 1889
© Kasama Nichido Museum of Art, Japan

Auch ich kann bei dem Namen “Van Gogh” nicht ganz objektiv bleiben, auch ich bekomme weiche Knie, wenn ich durch solch eine Ausstellung gehe und diese Farben sehe, den unverwechselbaren Pinselstrich und die Aura spüre, die die Bilder verströmen.

Vorab muss man sagen, dass es der Albertina nicht wirklich gelungen ist, ein neues Thema zu finden, dass einen Erkenntnisgewinn verspräche. Man versucht, dem Maler Van Gogh den Zeichner gegenüberzustellen und darzulegen, wie Van Gogh seine Gemälde in Zeichnungen vorbereitete. Dies ist durchaus gelungen, aber nicht wirklich neu, das darf man aber wohl auch kaum von einer Ausstellung zu Van Gogh erwarten, dafür wurde er einfach schon viel zu oft und in allen Facetten gezeigt und erforscht.

Bleibt also eine interessante Gegenüberstellung, die zwar nicht neu aber interessant ist und die absolut wundervollen Werke, die dem Betrachter den Atem rauben. 50 Gemälde und 100 Zeichnungen und Aquarelle haben die Kuratoren zusammengetragen. Darunter sind Preziosen wie Die Ernte (1888), Das Selbstportät mit Strohhut (1887), Heilanstalt in Saint-Rémy (1889), Straße mit Saint-Rémy (1889) und Allee bei Arles (Rand einer Landstraße) aus dem Jahre 1888.

Fazit: Die Ausstellung ermöglicht keinen neuen Blick auf Van Gogh, aber alleine das riesige Konvolut an Gemälden und Zeichnungen ist auch eine weite Reise nach Wien wert.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 08. Dezember 2008. Um lange Wartezeiten zu vermeiden, sollte man sich vorher auf den Webseiten der Albertina informieren. Dort wird auch eine Möglichkeit geboten, vorab Eintrittskarten zu erwerben und dann über einen eigenen Eingang eingelassen zu werden.

Bernard Buffet neu entdeckt

4. Mai 2008 | 2 Kommentare

Kaum ein Künstler hat einen derart steilen Aufstieg und Fall erlebt wie Bernard Buffet. Einst galt er als legitimer Nachfolger von Picasso. Seine Werke erreichten ein ähnliches Preisniveau wie die von Picasso, er wurde gelobt und hofiert, Sammler und Museen rissen sich um seine Werke. Heute liegen die Werke in Depots und die Preise sind im freien Fall. Buffet ist out. Das versucht das Museum für Moderne Kunst in Frankfurt zu ändern.

Buffet wurde 1928 in Paris geboren. Im Alter von nur 15 Jahren wurde er an der École des Beaux-Arts in Paris aufgenommen. Die Freunde Maurice Utrillo und Georges Rouault stellten ihn Ende der 40er Jahre dem Kunsthändler Maurice Girandin vor. Der war von Buffet begeistert und unterstützte ihn. Der Maler wurde Mitglied des Pariser Herbstsalon und der “L’ homme témoin”, einer Künstlergruppe, die sich gegen die abstrakte Kunst wandte. Als er als Zwanzigjähriger 1948 den “Prix de la Critique” erhielt, war er in aller Munde. » Read the rest of this entry «

Wie das Licht auf die Leinwand kam

8. März 2008 | Kein Kommentar

Neben der schon besprochenen Ausstellung in der Frankfurter Schirn Kunsthalle hat sich auch das Wallraf-Richartz-Museum in Köln dem Thema Impressionismus angenommen. Seit 2002 erforscht ein Team von Restauratoren, Naturwissenschaftlern und Kunsthistorikern unter dem Titel “Maltechnik des Impressionismus und Postimpressionismus” 75 Gemälde aus dem Bestand des Wallraf-Richartz-Museums und der Fondation Corboud. Zur Ausstellung hat man 55 zusätzliche Werke in das Museum geholt.

Unterhalb der sichtbaren Oberfläche befinden sich in jedem Gemälde zahlreiche Informationen. Nur aufwändige, technologische Untersuchungen legen sie frei. Mit Hilfe modernster Techniken (Stereomikroskopie, naturwissen-schaftliche Materialanalyse sowie Röntgen-, Ultraviolett und Infrarotstrahlung) und detektivischem Spürsinn werden die kostbaren Werke untersucht. Das Forscherteam analysiert die unterschiedlichen Entstehungsprozesse, prüft die natürlichen Alterungserscheinungen oder fahndet nach gezielten Manipulationen. Damit eröffnet sich ein neuer Blick auf die Geschichte und Rezeption jedes einzelnen Bildes. Die Restaurierungsabteilung im Wallraf ist die Zentrale dieses Forschungsprojektes und für die Ausstellung verantwortlich. » Read the rest of this entry «

Die Kunst ist weiblich!

6. März 2008 | Ein Kommentar

Kann man eine hochkarätige Ausstellung über die Impressionisten zusammenstellen ohne Renoir, ohne Monet, ohne Manet, Pissarro oder Degas? Man kann, das beweist die Schirne Kunsthalle in Frankfurt. In der Ausstellung “Impressionistinnen” stellt die Schirn die wichtigsten impressionistischen Malerinnen vor. Gab es nicht? Gab es doch: Berthe Morisot, Mary Cassatt, Eva Gonzalès und Marie Bracquemond.

Der Impressionismus war die erste Stilrichtung, in der Frauen eine gewichtige Rolle spielten. Obwohl die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts von gesellschaftlichen Umbrüchen geprägt war, hatten es Frauen nicht leicht. Nicht wenige Maler gaben sich zwar gerne unkonventionell, doch wenn es um Frauen in der Kunst ging, hörte der Spaß auf. Ganz zu schweigen von der Gesellschaft, die der Frau den Platz am Herd zuwies. Der Zugang zu Kunstakademien war ihnen verwehrt, sie konnten also den üblichen akademischen Weg in die Kunst nicht gehen. Die Abneigung gegen die Akademien war bei ihnen also nicht nur künslterisch bedingt. Viele von ihnen waren Autodidakten, die ihr Geld damit verdienten, Modell zu stehen und so Eingang in Künstlerkreise fanden. » Read the rest of this entry «

Malerei der Neuen Welt

11. September 2007 | Kein Kommentar

Für viele Kunstinteressierte betritt Amerika die Bühne der Kunst erst in den 30er und 40er Jahren des letzten Jahrhunderts, als sich die Kunstszene von Paris nach New York verlagerte. Und erst im Laufe jener Jahre entwickelte sich so etwas wie ein eigene amerikanische Kunstbewegung. Doch das ist falsch, wie uns jetzt die Staatsgalerie Stutgart zeigt, den langer vor der New Yorker Schule gab es die Hudson River School.

Kulturell wurde Amerika im 19. Jahrhundert geprägt von den europäischen Siedlern und deren Ursprungsländern. Künstlerisch orientierten sich die Maler jener Jahre am akademischen Klassizismus der europäischen Kunst. die Maler zogen umher und verkauften Porträts oder Bilder vom Alltagsleben der Siedler. Doch mit der Besiedlung des Kontinents kamen auch die Maler weit herum. Sie entdeckten die landschaftlichen Schönheiten des Landes. Kaum ein anderes Land verfügt über ein derart abwechslungsreiches Landschaftsbild wie die USA: Wüsten, Küsten, breite Flusstäler, endlose Ebenen, Gebirge und dichte Urwälder. Durch den Willen, die Schönheiten des Kontinents auf Leinwände zu bannen, entstand dann auch die erste amerikanische Kunstbewegung: die Hudson River School.

Allerdings waren die Maler der Hudson River School keine Künstlergemeinschaft oder Bewegung mit einheitlicher Malweise oder Intention. Viele der Maler kannten sich nicht einmal. Auch der Name irritiert: Zwar nahm die Bewegung am Hudson River ihren Anfang und die ersten Bilder entstanden in dem Flusstal nordwestlich von New York, doch viele Maler lebten in anderen Landesteilen und haben den Hudson River wahrscheinlich nie gesehen.

» Read the rest of this entry «

Elegant und ausdrucksstark

9. Juni 2007 | Kein Kommentar

Jetzt wo alles nach Berlin rennt, um sich die Preziosen aus dem Metropolitan Museum (Französische Malerei des 19. Jahrhunderts) anzusehen, sollte man auch nach Karlsruhe fahren. Die Kunsthalle Karlsruhe beeindruckt immer wieder mit sehr guten Ausstellungen, die für ein kleineres Haus wirklich beeindruckend sind. Ich erinnere nur an die hervorragende Delacroix-Ausstellung vor einigen Jahren. Jetzt zeigt die Kunsthalle “Von Houdin bis Rodin – Französische Plastik des 19. Jahrhunderts” (bis 26. August 2007). Zu sehen sind rund 160 Werke von 30 Bildhauern und Bildhauerinnen, darunter so klangvolle Namen wie Houdin, Matisse, Gauguin, Degas, Maillol und Daumier.

Der Name, der aber wie kein anderer für die französische Bildhauerei des 19. Jahrhunderts steht, ist Auguste Rodin. Geprägt von der Begeisterung jener Zeit für die antiken Skulpturen, widmete sich Rodin dem intensiven Naturstudium. Seine Arbeiten stehen thematisch für den Symbolismus, doch die Ausarbeitung ist neu. Trotz barockem Realismus und Vollendung des Klassischen künden die impressionistisch anmutenden, zerklüfteten Oberflächen von etwas Neuem.

Blick in die Ausstellung

Blick in die Ausstellung auf
Auguste Rodin, Schreitender Mann (L’homme qui marche), 1900 (im Vordergrund) und
Henri Matisse, Der Leibeigene (Le Serf), 1900-04
München, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Pinakothek der Moderne
Foto: Wolfgang Pankoke

Rodin ist es auch, der die Figuren als erster absichtlich unvollendet lässt. Er formt Torsi ohne Arme und/ oder Beine. Berühmtestes Beispiel ist “Der Schreitende”. Kunstwerke werden zu Fragmenten derWirklichkeit. Seine Figuren versetzt er in bisher unbekannte Dynamik. Rodin dringt tief in seelische Bereiche ein, ohne den affektierten Gefühlen seiner Zeitgenossen nachzugeben.

Die lebensgroßen Figuren wagen ein Höchstmaß an Wirklichkeitsnähe und schwanken doch zwischen zeittypischer Idealisierung und einem neuentdeckten Expressionismus. Ein spannender Interessenkonflikt, wie ihn viele Künstler des 19. Jahrhunderts spüren. Die neue Künstlergeneration des 19. Jahrhunderts beginnt, ihr Recht auf Spontanität einzufordern. Diese steigert sich erbarmungslos kritisch bis hin zur Karrikatur bei Honoré Daumier und endet im ausgehenden 19. Jahrhundert mit den Repräsentanten der frühen Moderne, die getrennte Wege gehen. Während Degas’ Tänzerin die ganze Leichtigkeit ihrer Jugend zur Schau stellt und ihr zartes Kleidchen und die Figur in voller Bewegung zu Erstarren scheinen, sind Matisses Figuren zerklüftet und voll übertriebener Gestik und Körperfülle. Nur Maillol versucht, am idealisierten Bild der alten Zeit festzuhalten.

Die Ausstellung versteht es, den Widerstreit künstlerischer Haltungen offenzulegen: klassizistische Strenge gegen romantische Emotion, gefällige Grazie contra bittere Satire, akademische Konvention im Wettstreit mit der Freiheit. Es ist die erste, die sich dabei ganz der Bildhauerei verschrieben hat. Unbedingt anschauen!

Die schönsten Franzosen aus New York

14. Mai 2007 | Kein Kommentar

2004 war das MoMA zu Gast in Berlin, 2006 dann das Guggenheim in Bonn, beide Ausstellungen hatten großen Erfolg. Das konnte das dritte große New Yorker Museum wohl nicht auf sich sitzen lassen. Das Metropolitan Museum baut um und muss deshalb Platz schaffen. Deshalb werden nun vom 1. Juni bis 7. Oktober rund 150 Meisterwerke französischer Maler in die Neuen Nationalgalerie in Berlin “ausgelagert”. Die Liste der ausgestellten Kunstwerke ist beeindruckend: Monets “Seerosenteich”, Van Goghs “Schwerlilien”, Rodins “Bürger von Calais”, Manets “Im Boot” und Cezannes “Stillleben mit Äpfeln und Primeln” – kaum ein Museum hat eine solch gute Sammlung französischer Maler und Bildhauer des 19. und 20. Jahrhunderts.

Vincent van Gogh, Schwertlilien/ Les iris, 1890
Vincent Van Gogh, Schwertlilien/ Les iris, 1890
Öl auf Leinwand, 73,7 x 92,1 cm
Gift of Adele R. Levy, 1958, © The Metropolitan Museum of Art, New York

Übrigens gehören die langen Schlangen der MoMA-Ausstellung der Vergangenheit an. Wer eine Eintrittskarte gekauft hat, bekommt nun eine halbe Stunde bevor er dran ist ,eine SMS auf das Handy. In der Zwischenzeit werden andere Museen in der Umgebung als Zeitvertreib empfohlen. “Intelligentes Warten” nennt das die Neue Nationalgalerie. Das intelligentere Warten dürfte für viele aber das kleine französische Dorf hinter dem Ausstellungshaus sein. Dort wird in kleinen Häuschen alles verkauft, was in Frankreich gut und gerne gegessen wird.

Mehr unter: www.metinberlin.org.

Goyas Geister

27. November 2006 | Kein Kommentar

Goyas Geister, Tobis Film

Foto aus “Goyas Geister”
© TOBIS Film

Jedes Jahr kommen ein oder zwei Künstlerfilme ins Kino. Und leider sind die meisten nicht wirklich gut. Nicht wirklich gut im Sinne dessen, was man als kunstinteressierter Mensch erwartet. Eigentlich sollte ein solcher Film Leben und Werk eines Künstlers beleuchten, seinen Werdegang und sein Arbeiten. Natürlich darf es auch ein bisschen Liebe, Schmerz und Rivalität geben, um dem Stoff die nötige Würze zu verleihen und Zuschauer in Massen ins Kino zu locken. Doch leider treten bei den meisten Filmen über Künstler Liebe, Herzschmerz und Dramatik in den Vordergrund. Leben und Werk dienen nur als Aufhänger und schmückendes Beiwerk. “Das Mädchen mit dem Perlenohrring” ist ein gutes Beispiel für solch einen Film.

So auch im Fall von Goyas Geister. Dabei gäbe Goya eigentlich eine perfekte Kinofigur ab. Er war eine schillernde Persönlichkeit, Revoluzzer gegen Klerus und Krieg. Bei allem Interesse an den Leiden des einfachen Volkes auch ein von Geltungssucht Getriebener, der gerne in aristokratischen Kreisen verkehrte. Rebell und Beobachter seiner Zeit.

Doch von all dem zeigt der Film wenig, statt dessen dreht sich alles um Goya und dessen Modell Inés, eingebettet in die Unbill jener Zeit. Regisseur Milos Forman hat sich so in die historischen Ereignisse und die Dramen um die schöne Inés gesteigert, dass er ganz vergesen hat, welch wunderbaren Stoff das Leben und die Person Fransico Goya abgibt. Die innere Zerrissenheit von Goya, sein ambivalentes Leben, die Verarbeitung der politischen Geschehnisse seiner Zeit in seinen Werken stehen im Hintergrund.

Goya wird als Mitläufer dargestellt, der sein Fähnlein in den Wind hängt. Das stimmt so aber nicht, nur wehrt sich Goya eben mit seinen Mitteln. Düster ist die Stimmung in den grandiosen Radierungen “Desastres de la guerra”, in denen der Maler die Grausamkeiten des Kriges verarbeitet. Hohn über die menschlichen Unzulänglichkeiten spricht aus den “Caprichos”, Todesangst aus den Suenos (Träumen). Und wenn Goya die Familie Karls IV. malt, dann ist dies keine einfaches Porträt des feisten Herrschers, sondern ein Bildnis für die Dekadenz und Eitelkeit des Königs und seiner Familie.

Trotz der Unzulänglichkeiten lohnt sich ein Kinobesuch trotzdem für diejenigen, die auf Liebesgeschichten und historische Stoffe in opulenter Umsetzung stehen. Man darf nur nicht die Erwartung haben, tief in die Seele Goyas blicken zu dürfen.

Ein Genie feiert Geburtstag

4. August 2006 | Kein Kommentar

Anlässlich des 400. Geburtstages des großen Rembrandt wird in diesem Jahr kräftig gefeiert. Auch in Berlin sind ab heute im Kulturforum Potsdamer Platz drei Ausstellungen zu sehen. Neben “Rembrandt – Der Zeichner” und “Rembrandt – Ein Virtuose der Druckgrafik” zeigt die größte Show “Rembrandt – Genie auf der Suche” bis 5. November 2006 rund 80 Meisterwerke.

Die Ausstellung legt den Fokus ganz auf die “Krisenjahre” nach 1642. Nach dem Tod von Rembrandts Frau Saskia rutschte Rembrandt in eine tiefe seelische und künstlerische Krise. Er konnte mit Geld nicht umgehen, übernahm sich mit dem Kauf eines Hauses und bekam finanzielle Probleme. Aber auch seine schöpferische Kraft ließ in jenen Jahren deutlich nach. Bis in die 1650er Jahre malte er nur wenige Bilder, blieb aber in seinem Atelier als Lehrmeister tätig. Interessant ist die Ausstellung vor allem da, wo Werke des Meisters denen von Schülern gegenübergestellt werden. Wo doch gerade in den letzten Jahren inbrünstig darüber gestritten wird, welche Bilder nun echt sind und welche von Schülern stammen.

Mehr unter: Alte Nationalgalerie

Wo bin ich?

Sie durchsuchen die Kategorie Kunst im 19. Jahrhundert .