Liebesgeschichten in Hannover

18. Juli 2010 | Kein Kommentar

Die Liebe gehört zu den zentralen Themen der Kunst – kein Wunder, ist sie doch zentrales Thema des Lebens. Dreht sich nicht alles um Liebe, Sehnsucht und Verlangen? Das Sprengel Museum in Hannover zeigt noch bis zum 15. August 2010 die Ausstellung “Liebesgeschichten – Sehnsucht, Hingabe und Erfüllung in Werken von Munch und Nolde bis Picasso.” Die Ausstellung ist ein Streifzug durch die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts und es fällt sofort auf: Die Liebe war eines der bestimmenden Themen dieser Zeit und doch haben sich die Künstler der Liebe sehr unterschiedlich genähert. Tatsächlich stehen oftmals Liebesgeschichten hinter den Bildern.

In Munchs Werk ist die Liebe meist eng verknüpft mit Tod, Krankheit, Trauer. Liebe schien für Munch keine große Erfüllung zu sein, sein Leben war geprägt von eher problematischen Beziehungen zu Frauen. Munch hatte sich 1899 in Tula Larssen verliebt, eine junge Dame aus besserem Hause. Trotz seiner Aversion gegen die Ehe willigte Munch sogar ein, Tulla zu heiraten, doch für ihn war dies nur Fassade, um die Ehre des Fräuleins zu wahren. Die Beziehung war für beide aufreibend und endete im Streit. Larrsen schoss dem Maler bei einem Streit 1902 in die Hand. Es verwundert also nicht, wenn er einen im gleichen Jahr entstandenen weiblichen Halbakt mit dem Zusatz “Das Biest” verknüpfte.

Pablo Picasso, Homme et femme (Mann und Frau), Vallauris, 1962
Weiße und farbige Kreiden, Bleistift und Wachsstifte, farbige Lavierungen (Grundierung)
Foto: © Sprengel Museum Hannover/ Michael Herling/ Aline Gwose”

Ganz anders ist Pablo Picassos Umgang mit dem Thema. Sein Werk ist durchzogen von Liebe, Erotik und Sexualität. Kein anderer Künstler hat sich so intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt, bei keinem anderen ist das künstlerische Werk so sehr Spiegel der eigenen Liebesangelegenheiten. Picasso erzählt Geschichten von Verlangen und Begierde, von Liebe und Lust. Seine Bilder sind immer auch Spiegel der persönlichen Liebesgeschichten: Abgesang auf eine endende Liebe, Vorbote für eine neue Liebe, Auseinandersetzung mit der eigenen Sexualität, Verlangen nach dem anderen Geschlecht.

Während für die Brücke-Künstler Liebe Teil eines utopischen Lebensentwurfes frei von bürgerlichen Zwängen war, war für Künstler wie Otto Dix, Christian Schad oder George Grosz Liebe und Sexualität vor allem Spiegel der gesellschaftlichen Verhältnisse der 20er und 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Die Künstler aus dem Kreis der Surrealisten konfrontieren uns mit Träumen von der Liebe, begierigen Fantasien aber auch Albträumen. Die Künstler der Nachkriegsgenerationen führen dem Betrachter dann existenzielle Fragen der Liebe vor Augen.

Die Ausstellung mit 190 Werken macht deutlich, wie sehr sich die Künstler mit der Liebe beschäftigt haben und in welcher Bandbreite es behandelt wurde. Meist sind Kunst, Liebe und Biografie der Künstler eng verwoben, die Sicht der Künstler sehr persönlich. Anders als die Maler vor ihnen malen die Künstler zu Beginn des 20. Jahrhunderts nicht mehr idealisierte Schönheiten oder porträtierten Damen des Hofes, sie malen ihre Geliebten, ihre Frauen, ihre Angebeteten oder Mätressen.

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen. Weitere Informationen unter: www.sprengel-museum.de.

Picasso im Metropolitan Museum

11. Mai 2010 | Kein Kommentar

Die Sammlerin Gertrude Stein hat einmal in Bezug auf das fortschrittliche Museum of Modern Art gesagt, ein Museum könne nur modern oder ein Museum sein. Das war für sie auch der Anlass ihre beiden Picasso-Werke an das eher konservative Metropolitan Museum zu geben. Das hat in den letzten 60 Jahren aus diesen beiden Werken eine Picasso-Sammlung von über 500 Werken zusammengehortet. Nur 36 Werke hat man gekauft, die anderen erhielt das Museum geschenkt oder als Dauerleihgabe. Zwar hat das MoMA die bedeutendere Picasso-Sammlung, doch das Metropolitan Museum muss sich nicht verstecken. Insbesondere das Frühwerk und die Druckgrafiken des spanischen Malers sind hier gut vertreten.

Nun hat das Museum in New York sein Depot geöffnet und aus den Schätzen eine Retrospektive mit 300 Gemälden, Skulpturen, Zeichnungen, Keramiken und Grafiken zusammengestellt. Bei so viel geballter Werkschau hat man sich gar nicht erst die Mühe gemacht, nach einer Themenstellung für kunsthistorische Ergüsse zu suchen, sondern lässt die Werke chronologisch gehängt für sich sprechen. Das beginnt mit einem Selbstporträt des 20-jährigen Malers und geht bis zu “Stehender Akt und sitzender Musketier” des 87-jährigen Picasso. Leider merkt man der Sammlung an, dass sie überwiegend aus Schenkungen besteht und somit keine klare Sammlungspolitik erkennen lässt. Die Ausstellung wirkt wie eine Retrospektive, der man die besten Stücke genommen hat. Das ist angesichts der immensen Vorbereitungen mit acht Kuratoren, mehreren Restauratoren und Picasso-Forschern eigentlich ein bisschen wenig. Sehenswert ist die Schau aber trotzdem, denn viele Arbeiten waren bisher nur selten zu sehen. Auch die neuen Erkenntnisse bei einigen Bildern, die durchleuchtet wurden, sind spannend, weil sie zeigen, welche Geheimnisse in und unter den sichtbaren Bildern liegen und Picassos Malweise offenbaren.

Richtig spannend wird die Ausstellung erst, wenn man rüber in das MoMA wandert, wo zeitgleich die Ausstellung “Picasso – Themen und Variationen” stattfindet. Deren Erkentnisse sind zwar auch nicht neu, doch es macht Spaß, durch die Ausstellung zu laufen und Picassos Formenvielfalt zu bewundern. Besucht man auch noch die Dauerausstellung mit den Picasso-Highlights, hat man eine einmalige Chance, einen wirklich vollständigen Überblick über Picassos Schaffen zu gewinnen. Diese Möglichkeit hat man nicht jeden Tag.

Drei Mal Gerhard Hoehme

26. November 2009 | Ein Kommentar

Gleich drei Museen in Nordrhein-Westfalen ehren derzeit den Künstler Gerhard Hoehme zu seinem 20. Todestag. Das museum kunst palast (Düsseldorf) präsentiert Arbeiten auf Papier aus der Gerhard und Margarete Hoehme-Stiftung, ergänzt um Zeichnungen und Druckgraphik aus der eigenen Sammlung. Das Museum Küppersmühle (Duisburg) gibt in einer großen, retrospektiv angelegten Werkschau Einblick in die wesentlichen Schaffensprozesse zwischen 1955 und 1989 und die Stiftung Wilhelm Lehmbruck Museum (Duisburg) zeigt bildplastische Werke aus eigenem Besitz.

Gerhard Hoehme, das wilde blaue Bild, 1956/57 Sammlung Ströher, Darmstadt Foto: Katalog / (c) VG Bild-Kunst, Bonn

Gerhard Hoehme, das wilde blaue Bild, 1956/57
Sammlung Ströher, Darmstadt
Foto: Katalog / (c) VG Bild-Kunst, Bonn

Hoehme gehörte zu den wichtigsten Vertretern des deutschen Informel und der Lyrischen Abstraktion. Seine “Shaped Canvases” sind in der gestischen Malerei der fünfziger udn sechziger Jahre zu verorten, jener Zeit, als der abstrakte Expressionismus New York in die erste Liga der Kunst katapultierte und die Europäer in den Hintergrund drängte. Ähnlich wie für die Amerikaner war für Hoehme das Bild ein offenes, energetisches Feld, das es zu erforschen und zu gestalten galt. Intensiv suchte Hoehme nach den Grenzen des Bildes und seines Raumes. “Den Gesetzen der Fläche“, sagte Gerhard Hoehme 1957, „bin ich immer nur widerwillig gefolgt. Weit mehr hat mich die Gesetzmäßigkeit der Farbe, ihr Strömen und Wachsen, ihre Materie und Struktur interessiert. Beim Umgang mit ihr, beim Eingehen auf ihre Möglichkeiten hemmten mich oft die Ränder des Rechtecks.“

Intensiv erforschte Hoehme die materielle Beschaffenheit seiner Malmittel, experimentierte mit kunstfremden industriellen Materialien. Da mussten schon mal Tischdecken als Bildhintergründe herhalten und Polyethylenschläuche eroberten den Raum aus dem Bild heraus, entgrenzen Linie und Leinwand. Schnittmuster wurden genauso verwendet wie aufgezeichnete Kardiogramme. Mit zunehmendem Alter werden Hoehmes Arbeiten immer experimenteller.

Gerhard Hoehme, rot...rot...rot, 1975 Sammlung Ströher, Darmstadt Foto: Katalog / (c) VG Bild-Kunst, Bonn

Gerhard Hoehme, rot…rot…rot, 1975
Sammlung Ströher, Darmstadt
Foto: Katalog / (c) VG Bild-Kunst, Bonn

Das Museum Küppersmühle präsentiert eine chronologische Auswahl von rund 70 Arbeiten aus allen entscheidenden Werkphasen der Jahre 1955 bis 1989: Gemälde, Materialbilder, Objektkästen, didaktische Zeichnungen, Plastiken und rauminstallative Arbeiten aus öffentlichen und privaten Sammlungen. Die Stiftung Wilhelm Lehmbruck Museum zeigt in den zentralen Sammlungsräumen der Großen Glashalle rund 20 Werke aus dem eigenen Bestand. Bildplastische Arbeiten der Jahre 1957 bis 1974, dazugehörige Skizzen sowie Bilder, Zeichnungen und Druckgrafiken geben Einblicke in das bildplastische Werk des Künstlers. Mehr als 25 Jahre nach der Ausstellung “Schnüre”, die Gerhard Hoehme 1972 im Lehmbruck Museum zeigte, wird der überwiegende Teil des Sammlungsbestands erstmals wieder zusammenhängend präsentiert.

Intensiv arbeitete Hoehme auch mit Zeichnung, Druckgrafik und Radierung. Das museum kunst palast in Düsseldorf zeigt 80 Arbeiten auf Papier. Die Ausstellung zeigt überraschende Analogien zum malerischen Werk und offenbart, dass für Hoehme Malerei, Plastik und Zeichnung untrennbar verbunden waren. So entstehen zeitgleich zu den Borkenbildern Arbeiten auf geschichteten und zerknülltem Japanpapier. Im Alter werden auch die Zeichnungen experimenteller,der skriptuale Anteil in den Arbeiten steigt und Malerei und Zeichnung verschmelzen weiter.

erhard Hoehme, Hymne an Heraklit - Hommage à Heraklit, 1959 Sammlung Ströher, Darmstadt Foto: Katalog / (c) VG Bild-Kunst, Bonn Gerhard Hoehme, irre Wasser sind tief, 1965 Gerhard und Margarete Hoehme-Stiftung, museum kunst palast, Düsseldorf Foto: Katalog / (c) VG Bild-Kunst, Bonn Gerhard Hoehme, Loreley I, 1972  Schnurplastik, PE-Schnüre, Eisenmanschette, Stiftung Wilhelm Lehmbruck Museum, Duisburg, Foto: J. Diemer

Weitere Informationen bei den Museen oder bei dem Gerhard Hoehme Archiv.

Zwei Mal chinesische Kunst in Deutschland

2. Oktober 2009 | 2 Kommentare

China feiert dieser Tage das 60. Jubiläum der Gründung der Volksrepublik – und das mit allerlei Pomp und Getöse. In Deutschland sind derweil zwei Ausstellungen zu sehen, die unterschiedlicher nicht sein könnten und doch so ähnlich sind. Ai Weiwei, zeitgenössischer chinesischer Künstler und Publikumsliebling bei der letzten documenta zeigt im Haus der Kunst in München seine neusten Arbeiten. Seine Arbeiten prangern die gesellschaftlichen und politischen Missstände in China an, sein Engagement bringt ihm des öfteren Ärger in seiner Heimat ein.

Am 12. Mai 2008 hatte die Erde in der Provinz Sichuan gebebt. Ai Weiwei wollte in der Region recherchieren, doch die Staatsmacht versuchte, das mit allen Mitteln zu verhindern. Ai Weiwei schaffte es trotzdem, die Namen von 4000 Kindern zu recherchieren, die umgekommen waren und veröffentlichte sie. Wie er, wollte auch Tan Zuoren recherchieren, warum in der Region so viele Schulen einstürzten. Er vermutete Schlampereien bei den Bauarbeiten. Doch er wurde verhaftet und wegen “Unterrgabung der Staatsgewalt” angeklagt. Ai Weiwei reiste extra zum Prozess an, um dem Mitstreiter mit seiner Zeugenaussage zu helfen. In der nacht vor der Zeugenaussage wurde er jedoch verhaftet und misshandelt. Folge dieser “Polizeiaktion” war ein Hämatom im Gehirn, welches in München operiert wurde.

Die Ausstellung “So Sorry” stellt zwei großformatige, eigens für das Haus der Kunst entworfene Arbeiten vor. Außerdem vereint sie frühe Fotografien mit den seit 2003 entstandenen Filmen, der Dokumentation von dem documenta-Projekt “Fairytale” sowie einer Auswahl der seit 1997 entstandenen Werke. Der Titel “So Sorry” zielt auf die neue Entschuldigungskultur ab, mit der Politik und Wirtschaft auf Fehlentwicklungen am Finanzmarkt und andere globale Krisen reagieren.

Die Arbeit “Remembering” wird für die Fassade des Haus der Kunst entworfen und besteht aus 9.000 eigens angefertigten Rucksäcken. Ai Weiwei ruft hiermit das Erdbeben in Sichuan ins Gedächtnis, denn bei den eingestürzten Schulen fanden sich viele Rucksäcke der verschütteten Kinder. Jeder Rucksack hat eine von insgesamt fünf verschiedenen Farben. Ihre Anordnung ergibt in chinesischen Schriftzeichen den Satz “Sieben Jahre lang lebte sie glücklich in dieser Welt”, mit dem die Mutter eines Erdbebenopfers ihrer Tochter gedachte. Das pixelhaft wirkende Großbild erstreckt sich über eine Länge von 100 Metern und eine Höhe von zehn Meter über die gesamte Fassade und ist mit einer
Stahlkonstruktion an den Säulen vorm Haus befestigt.

Ai Weiwei, Remembering, 2009, Rucksäcke und Metallgestänge, 925 x 10605 x 10 cm, © Ai Weiwei

Ai Weiwei, Remembering, 2009
Rucksäcke und Metallgestänge, 925 x 10605 x 10 cm
© Ai Weiwei

Ebenfalls für die Ausstellung gefertigt ist der Wollteppich “Soft Ground”, der im grölten Ausstellungsraum eine Fläche von 380 Quadratmetern bedeckt. Das Muster von “Soft
Ground” ist eine getreue Reproduktion der 969 steinernen Bodenfliesen über die der Teppich gebreitet wird. Um die Bodenfliesen und die Spuren, die 70 Jahre
Ausstellungsbetrieb hinterlassen haben, präzise zu rekonstruieren, wurde jede Fliese im Vorfeld einzeln fotografiert und ihre Position verzeichnet. In einer Wollweberei in der
Provinz Hebei handgefertigt, fungiert “Soft Ground” nun als Dämpfer, der den Boden schont und auch eine akustische Wirkung hat.

Zu Ai Weiweis jüngsten und in der Ausstellung präsentierten Werken gehören außerdem: “Rooted upon”, eine 100-teilige Großinstallation von Baumstämmen und -wurzeln aus ganz China, die auf “Soft Ground” installiert wird, sowie “Cube in Ebony”, ein Kubus aus massivem Rosenholz und “Bamboo and Porcelain”, eine in Zusammenarbeit mit Herzog & de Meuron entstandene Installation für die Fassade an der Rückseite des Haus der Kunst.

Zeitgleich zeigt in Frankfurt die Schirn Kunsthalle die Werkgruppe “Der Hof für die Pachteinnahme”, die die Situation der Bauern vor der kommunistischen Staatsgründung anschaulich darstellen und die Vorteile des Kommunismus preisen soll. Geschaffen wurde die 97 (!) Meter lange Skulptur aus Lehm 1965 von einem namenlosen chinesischen Künstlerkollektiv. In sieben aufeinander folgenden Szenen sind die Schrecken des Kapitalismus unter dem Kaiser dargestellt. Dargestellt wurde in der Figurengruppe aus Aufsehern, Ganoven, Bauern und Arbeitern die Ablieferung der Pachteinnahmen an den Feudalherren.

Hof für die Pachteinnahme, 1974–1978 (Original 1965),  Szene 1 - Den Pachtzins abliefern Ausstellungsansicht, Schirn Kunsthalle Frankfurt, 2009

Hof für die Pachteinnahme, 1974–1978 (Original 1965)
Szene 1 – Den Pachtzins abliefern Ausstellungsansicht
Schirn Kunsthalle Frankfurt, 2009

Man könnte das Werk schnell als Propagandakunst des sozialistischen Realismus abtun, doch das wäre zu einfach. Das Diorama berührt den Betrachter durchaus. Physiognomie und Gestik der Figuren sind realistisch und ausdrucksvoll, die lebensgroßen Gestalten verstärken den realistischen Eindruck. Leid und Mühsal der Landbevölkerung sind eindrucksvoll dargestellt. Ursprünglicher Aufstellungsort ist eine Gedenkstätte auf dem ehemaligen Anwesen des berüchtigten Feudalherren Liu Wencai, dessen Gräueltaten in dem Werk verewigt wurden und der auch selbst in einer Szene erscheint, in der er sich gelangweilt in seinem Thron räkelt und auf die um Gnade flehenden Bauern herabblickt.

Seit seiner Entstehung erfreut sich das Kunstwerk großer Beliebtheit. Gerne wird die Geschichte kolportiert, dass manche Betrachter so erbost sind, dass sie versuchten, Aufseher und den Feudalherren zu verprügeln. Zahlreiche Leihanfragen aus dem In- und Ausland führten 1973 zu einer transportablen Kopie aus verkupfertem Fiberglas, die nun bis 04. Januar 2010 in der Schirn ausgestellt wird.

Unter blog.aiweieei.com bloggt Ai Weiwei. Auf aiweiwei.blog.hausderkunst.de bloggt er auch aktuell zu den Geschehnissen rund um die Ausstellung in München.

Urlaubstipp: Pilgertour zu Picassos Grab

10. August 2009 | Kein Kommentar

Die Provence und die nahe gelegene Côte d’Azur sind ein schönes und empfehlenswertes Urlaubsziel. Für jeden ist es etwas dabei, die wildromantische Landschaft der Provence, mondäne Städte an der Côte d’Azur, schöne Strände, gutes Wetter, tolle Weine und noch besseres Essen… Auch Künstler wussten die Region zu schätzen. Licht und Farben sind hier ganz anders als im manchmal tristen Paris. Van Gogh lebte einige Monate hier und auch Gauguin kam in die Provence. Am innigsten verbunden war jedoch Cézanne mit der Region, besonders angetan hatte es ihm der Blick von seinem Atelier in Aix-en-Provence auf die Montagne Sainte-Victoire, deren Massiv er in zahlreichen Bildern und in vielen Variationen verewigte.

Am Fuße des Bergmassivs liegt das kleine Örtchen Vauvenargues, das von einem romantischen Schloss überragt wird. Dieses Anwesen erwarb Picasso 1958, lebte dort bis 1960 und nutze das Schloss als Atelier bis zu seinem Tod im Jahre 1973. Geerbt hat Chateaux de Vauvenargues Catherine Hutin, die Tochter von Picassos Frau Jacqueline aus erster Ehe. Seitdem ist das Haus verschlossen und nur den Mitgliedern der Familie Picasso zugänglich.

Chateau de Vaunenargues

Der malerische Ort Vauvenargues, im Vordergrund das gleichnamige Chateau
Foto: Marie de Vauvenargues

Hutin wollte das Schloss langfristig für den Tourismus öffnen, doch die Einwohner des Ortes wehrten sich. Sie wollten keien Massentourismus in ihrem Ort und protestierten – nicht ganz unverständlich. Also entschloss man sich, dass Chateau wenigstens einen Sommer lang unter Auflagen für Besucher zugänglich zu machen. Nur in Gruppen und höchstens 75 Personen pro Tag dürfen noch bis zum 27. September 2009 das Schloss besichtigen. Danach ist Schluss.

Die wichtigsten Räume dürfen besichtigt werden: Schlafzimmer, Esszimmer, Badezimmer und Atelier, die Räume, in denen sich auch Picasso hauptsächlich aufhielt. Die Räume sind spartanisch eingerichtet. Picasso hing Werke von Künstlerkollegen auf, seine eigenen Bilder und Skulpturen bereicherten das Haus ebenfalls. Im Badezimmer prangt eine Wandmalerei, ein musizierender Faun, und das Kopfteil des Bettes sowie der Teppich im Schlafzimmer sind ebenfalls von Picasso entworfen worden. Im weitläufigen Park liegen die Gräber von Picasso und Jacqueline, die ebenfalls besichtigt werden können.

Wer nicht nach Südfrankreich pilgern kann oder will, dem sei das bei Feymedia erschienene Buch “Picassos Häuser” empfohlen. Der opulente Bildband beleuchtet Picassos Villen und Anwesen in Cannes, Vallauris, Mougins und das Chateau in Vauvenargues.

Weitere Informationen und Buchungen im Musée Grant, in dem zeitgleich die Ausstellung “Picasso Cézanne” zu sehen ist.

Jean Dubuffet in München

23. Juli 2009 | Kein Kommentar

Beim Namen Jean Dubuffet (1901-1985) fallen den meisten Menschen die schraffierten Bilder in Rot, Blau, Weiß und Schwarz ein, doch der Künstler war viel mehr. Eine Übersicht über seine Arbeit zeigen die Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung und das Literaturhaus in München. Das Literaturhaus? Ja, denn der Künstler war ein Multitalent: Maler, Bildhauer, Dichter, Schriftsteller, Musiker, Bühnenbildner und Grafiker. Im Literaturhaus sind Künstlerbücher ausgestellt, handgeschriebene Texte, Lithografien und Zeichnungen. Besonders schön ist die erstmalige Übersetzung der Texte in das Deutsche. Dubuffet nutzte einen Mischmasch aus gehobenem Französisch und Argot, die Sprache der Bettler und Gauner im Frankreich des Mittelalters.

In der Kunsthalle erwartet die Besucher ein spannender Rundgang durch Dubuffets Oeuvre. Die Hypo-Kunsthalle hat 150 Gemälde, Skulpturen und Arbeiten auf Papier zusammengetragen. In dem dezentem Grau der Wände wirken die farbenfrohen Arbeiten des Franzosen noch strahlender und leuchtender, die erdigen Materialbilder hingegen noch düsterer.

Viele der Werke sehen aus wie von Kinderhand gezeichnet, naive Kunst sagt man dazu, allerdings ist Dubuffet alles andere als naiv und seine Kunst zutiefst intellektuell. Dubuffet selbst nannte diese Kunstgattung Art Brut, wollte sie jedoch nicht auf seine Arbeit angewendet wissen, sammelte jedoch solche Arbeiten begeistert. Inzwischen wird dieser Begriff auch für naive Kunst und für die Kunst geistig Behinderter angewandt. Dies dürfte auch Dubuffets größter Verdienst sein. Die Kunst von Menschen, die nicht der Norm entsprechen, rückte er ins Licht der Öffentlichkeit. Sammlungen wie die des Psychiaters Hans Prinzenhorn in Heidelberg wären nie so bekannt geworden ohne die Vorarbeit Dubuffets.

Dubuffet, der erst 1944 seine erste Einzelausstellung hatte, nahm die Bildwelt von Kindern und Geisteskranken auf, von Straßenkünstlern und die Schmierereien an öffentlichen Orten. Er propagierte sie als roh und unverfälscht. Er begann mit den figurativen “Marionettes de la ville et de la campagne”. Dubuffet löste sich schnell von der Fläche und mischte Sand, Kitt, Leim und Gips unter die Farben, die so eine taktile Oberfläche erhielten. Es entstanden die oft düster wirkenden, erdigen Materialbilder mit Porträts von Menschen aus Paris, nach Sahara-Reisen auch aus der Wüste. In einem anderen Raum sieht man sinnliche “Corps de dames”, Frauenkörper. Diese sind allerdings alles andere als naiv oder unschuldig. Üppige Brüste und Vaginas in grellen Farben konterkarieren den naiven Stil der Bilder.

Jean Dubuffet, Frau probiert einen Hut, 1943

Jean Dubuffet, Frau probiert einen Hut, 1943
© VG Bild-Kunst, Bonn 2009 – Foto: Fondation Dubuffet, Paris

Seine berühmtesten Werke, die Bilder des “Hourloupe”-Zyklus, entstand zu Beginn der 60er Jahre. Dubuffet schuf zellenartige Strukturen, die er mit Schraffuren füllte. Er beschränkte sich dabei auf die Farben Rot, Schwarz, Blau und Weiß. Oft sind die Zellen Fragmente von gegenständlichen Bildinhalten, wie kleine Puzzle. Ende der 60er Jahre setzte er diese Arbeiten in großformatigen Skulpturen aus Styropor, Polyester und Kunstharz um. Man fühlt sich gelegentlich an knautschige Comicfiguren erinnert, wenn man vor den eigentümlichen Arbeiten steht. Dubuffet schuf Bühnenszenen und Kostüme für sein surrealistisches Theaterstück “Coucou Bazar”, sogar ganze Gartenlabyrinthe wie den “Jardin d’ Émail” im niederländischen Kröller-Müller-Museum. Mit zunehmendem Alter rückten seine Leinwände dann wieder in den Vordergrund, es entstanden große, leuchtende, farbige Werke, von den “Sites” (Gegenden) über die “Mires” (Blickpunkte) bis zu den “Non-lieux” (Nicht-Orte).

Dubuffet war für viele Künstler Vorbild und sowohl die Abstrakten Expressionisten als auch die europäischen Künstler des Informel beriefen sich auf ihn und waren begeistert von seinen Arbeiten. Während das Publikum in Europa anfangs zurückhaltend reagierte und sich fragte, ob das denn überhaupt Kunst sei, feierte Dubuffet in Amerika schnell große Erfolge. Schon 1947 hatte er in der renommierten Galerie von Pierre Matisse in New York seine erste Einzelausstellung. Dabei fing seine Karriere alles andere als viel versprechend an. Er wurde in eine wohlhabende Weinhändlerfamilie in Le Havre geboren. Nach dem Abitur studierte der Kunst in Le Havre, ging dann nach Paris um dort Musik und Philosophie zu studieren und lernte die Surrealisten kennen. Doch er gab auf und ging zurück nach Le Havre, um im elterlichen Betrieb als Weinhändler zu arbeiten. Doch der Schaffensdrang war zu groß und er kehrte der bürgerlichen Welt erneut den Rücken. In der Nachkriegszeit errang er dann schnell weltweiten Ruhm.

Die tolle Retrospektive “Ein Leben im Laufschritt” und die Ausstellung “…das Papier beleben” im Literaturhaus bieten einen umfassenden Überblick über das Schaffen des Tausendsassas. Die Ausstellung läuft noch bis 13. September 2009. Zur Ausstellung erschien ein Katalog bei Schirmer zum Preis von 24 Euro.

Mehr: Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung und Literaturhaus München.

documenta digital

25. Juni 2009 | Ein Kommentar

Im November 2006 hatte das documenta Archiv mit dem breitgefächerten Projekt “Mediencluster documenta und Gegenwartskunst” begonnen, sämtliche Fotos und Dias sowie die gesamten Presseartikel der documenta 1 bis 5 zu digitalisieren, da der Bestand des Archivs (insbesondere die Dias) akut bedroht war. Durch die Förderung mit 500.000 Euro durch die Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) war es möglich, die einzigartigen Materialien der frühen documenta-Geschichte zu sichern. Über 10.000 Bilder und über 12.000 Zeitungsausschnitte wurden digitalisiert.

Mit dem Abschluss dieses aufwändigen Digitalisierungsprojekts ist nun nicht nur ein Online-Zugang in den Bibliotheksbestand des documenta Archivs, sondern auch in die Bild-, Video- und Pressesammlung möglich. Ein Folgeantrag für die vollständige Medien-Bearbeitung der späteren documenta-Ausstellungen 6 bis 12 wurde an die DFG gestellt und wird hoffentlich bewilligt, damit der gesamte Schatz “gehoben” werden kann. Die Datenbank ist im Internet zugänglich unter http://documentaarchiv.stadt-kassel.de. Es lohnt sich, rein zu schauen!

Gerhard Richter in Wien und Duisburg

16. Februar 2009 | Kein Kommentar

Gerhard Richter, Familie am Meer, 1964, Sammlung Ströher

Gerhard Richter, Familie am Meer, 1964
© Sammlung Ströher

Wer die Ausstellung “Gerhard Richter – Bilder aus privaten Sammlungen” im Museum Sammlung Frieder Burder nicht sehen konnte, hat jetzt in der Wiener Albertina bis zum 03. Mai 2009 die Möglichkeit, dies nachzuholen. Anschließend ist die Ausstellung im Duisburger Museum Küppersmühle zu sehen. In Wien heißt die Ausstellung allerdings “Gerard Richter. Retrospektive” und in der Tat darf man das so sehen. Die bildgewaltige Ausstellung, ohnehin schon reichlich und retrospektiv bestückt, wurde in Österreich durch weitere Leihgaben einer österreichischen Privatsammlung ergänzt, so dass ein Überblick über das Gesamtwerk des bedeutenden Künstlers möglich ist. Die Albertina zeigt neben 70 Gemälden auch bedeutende Werkblöcke seiner Aquarelle und Zeichnungen. Die Ausstellung wandert dann wieder in reduziertem, aber immer noch sehenswerten Umfang nach Duisburg (22. Mai bis 23. August 2009).

Bildwelten in Basel

11. Februar 2009 | Kein Kommentar

Mit der “primitiven Kunst” ist das so eine Sache. Ich persönlich glaube ja, dass es wesentlich mehr Primitives in der zeitgenössischen europäischen Kunst gibt, als in der Kunst Afrikas und Ozeaniens der vergangenen Jahrhunderte, aber kunsthistorisch hat sich der Begriff nun mal einfach durchgesetzt. Vergessen wird immer wieder gerne, wie wichtig diese Kunst für die Entwicklung der Moderne war und Künstler von Picasso bis zu Pollock beeinflusste. Allerdings wird dieser Aspekt gelegentlich so sehr betont, dass die primitive Kunst nur als Steigbügelhalter und Gehilfe der europäischen Moderne gesehen wird.

Die Fondation Beyeler versucht dem entgegenzuwirken, in dem man in der Ausstellung “Bildwelten – Afrika, Ozeanien und die Moderne” den Holzskulpturen und Masken der außereuropäischen Kunst ein deutliches Übergewicht gönnt und ihnen europäische Meisterwerke reduziert gegenüberstellt, um den Einfluss sichtbar zu machen. So werden die afrikanischen und ozeanischen Werke zur ästhetischen Übermacht und die Gemälde und Skulpturen der Klassischen Moderne als zusätzliche Anschauungsobjekte in den Hintergrund gedrängt. So wird vor allem klar, welche Bildgewalt und Kraft die ethnografische Kunst entwickelte und warum europäische Künstler so fasziniert waren. » Read the rest of this entry «

Zwei Mal Picasso in Basel

11. Februar 2009 | Kein Kommentar

Derzeit finden in Basel zwei Ausstellungen zu Picassos Werk statt. Die erste im Kunstmuseum Basel widmet sich dem druckgrafischen Werk. Die zweite, in der Galerie Beyeler widmet sich den Keramiken des Künstlers. Beide Medien nutzte Picasso intensiv. Vom Holzschnitt und Kupferstich bis hin zur Lithographie und dem Linolschnitt wandte er sämtliche Druckverfahren mit Leichtigkeit und Leidenschaft an, entwickelte komplexe Mischtechniken und experimentierte mit mehrfarbigen Drucken.Auch keramische Arbeiten finden sich immer wieder im Werk des “Jahrhundertgenies.”

1904 schuf er mit Le Repas frugal seine erste Radierung. Das ambitionierte Blatt ist Auftakt eines immensen druckgraphischen Œuvre von mehr als 2000 Werken. Immer wieder schuf er ganze Serien wie die Radierungen der Suite Vollard oder die Suite 347. 1930 entstehen Radierungen zu den Metamorphosen des Ovid. 1935 entsteht als graphisches Hauptwerk der 30er Jahre die Radierung Minotauromachie, in der Picasso allegorisch seine von Spannungen geprägte persönliche Situation verarbeitet. 1970 erarbeitet Picasso eine Folge von 156 Blättern, die erst nach seinem Tod veröffentlich werden. » Read the rest of this entry «

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