Gestern (Donnerstag, 25. März 2010) lief am späteren Abend um 22:00 Uhr auf arte der Dokumentarfilm “Street Art”. Die Macher haben in die 58 Minuten alles rein gepackt, was mit Street Art zu tun hat. Welche Spielarten gibt es neben den Grafitti noch? Was treibt die Künstler um? Wie gehen sie mit Erfolg und Kommerzialisierung um? Anne Bürger und Benjamin Cantu haben dem Phänomen Street Art in den Metropolen dieser Welt nachgespürt.
Wer sich dafür interessiert und die Sendung verpasst hat, kann die Wiederholung am Montag um 11:20 Uhr schauen oder das Video on Demand auf der Webseite von arte ansehen: http://plus7.arte.tv/de/1697660,CmC=3112246.html.
Ich muss zugeben, dass ich im letztem Jahr eine der gängigen Fernsehzeitschriften abonniert habe. Es war mir schlicht zu mühsam daran zu denken, pünktlich eine Zeitschrift zu kaufen, wenn der Samstag kommt. Sich zu entscheiden, welche Zeitschrift man nimmt, ist gar nicht so einfach, weil alle gleich aussehen und teilweise identische Inhalte anbieten. Auf den Titelseiten finden sich meist halbnackte, retuschierte Schönheiten. Die Hefte sind schön dick, was daran liegt, dass vor und nach dem Programmteil viele schöne Geschichten stehen, über Promis, Stars und Sternchen, Kaufanreize für DVDs und Multimediaschnäppchen, die ich unbedingt brauche – das jedenfalls suggeriert man mir. Mir wäre es lieber, man würde das weglassen und dafür die Zeitschrift billiger machen, aber auf mich hört man nicht.
Was das hier zu suchen hat? Ich habe im aktuellen journalist, der Zeitschrift des Deutschen Journalistenverbands einen interessanten Artikel entdeckt, der von einem neuen Projekt zweier Frankfurter Journalisten berichtet, die mit einer neuen Fernsehzeitschrift auf den Markt wollen. Ein Dummy, ein Muster, hat man auch schon produziert. Die neue Zeitschrift soll “PROGRAMM – MAGAZIN FÜR FERNSEHEN UND KULTUR” heißen.
Leider blitzten die beiden mit ihrer Idee bei den großen Verlagen bisher ab. Der Markt sei gesättigt, die Zielgruppe zu spitz (die Zielgruppe ist zu klein und zu deutlich eingegrenzt) – um Ausreden ist man in Zeiten der Wirtschaftskrise nicht verlegen, um das Projekt nicht auszuprobieren. Dabei wäre es genau die Fernsehzeitschrift, die ich mir wünschen würde und ich glaube, viele andere auch. Tolles Design, keine Texte von der Stange und ein gehobenes Niveau rund um Fernsehen und Kultur und abseits des Promigeplauders. Angeblich sei sie auch zu teuer, dabei wäre ich gerne bereit, 2,50 Euro und damit einen Euro mehr auszugeben, wenn ich dafür das Heft in der angebotenen Qualität bekäme! Dass die Idee funktionieren kann, zeigt Télérama in Frankreich mit einer Auflage von 50.000 bis 100.000 Exemplaren pro Ausgabe. Liebe deutsche Verlage: Ihr seid Feiglinge!
Titelbild des Dummy von PROGRAMM
Warum ich das schreibe? Ich habe die Hoffnung, dass möglich viele Menschen davon Wind bekommen und das Heft abonnieren wollen. Das kann man bereits, zwar ist das nur eine Absichtserklärung und kein rechtsverbindliches Abonnement, aber vielleicht wird die Zahl der Abowilligen so groß, das sich doch noch Verlag findet. Zu wünschen wäre es! Ich würde glatt kostenlos arbeiten…
Anlässlich des 60. Geburtstages der Bundesrepubik Deutschland stellt die BILD-Zeitung momentan für jedes Jahr ein Bild vor. So viel Schöngeistigkeit hätte ich der Zeitung mit den vier Buchstaben gar nicht zugetraut. Ich bin begeistert…
Auf die Idee sind sie allerdings nicht wirklich selbst gekommen, sie präsentieren die Werke der Ausstellung “Sechzig Jahre – Sechzig Künstler”, die am 30. April 2009 von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Martin-Gropius-Bau in Berlin eröffnet wird. Gezeigt werden sechzig kunstgeschichtlich herausragende Arbeiten der Malerei, Skulptur, Fotografie und Installationskunst, die seit 1949 entstanden sind. Die Arbeiten stammen von sechzig Künstlern, darunter klangvolle Namen wie Georg Baselitz, Willi Baumeister, Joseph Beuys, Andreas Gursky, Rebecca Horn, Jörg Immendorff, Anselm Kiefer, Martin Kippenberger, Ernst Wilhelm Nay, Albert Oehlen, Sigmar Polke, Neo Rauch, Gerhard Richter und Günther Uecker.
Die BILD-Zeitung ist Medienpartner, so werden vielleicht auch einige Menschen in die Ausstellung gelockt, die sonst nicht kämen. Vorgestellt werden die Bilder und die Künstler in der BILD von renommierten Experten, außerdem kann man einen virtuellen Rundgang durch die Ausstellung unternehmen.
Ich habe – ehlich gesagt – ein gespaltenes Verhältnis zu Charles Saatchi. Einerseits hat der Werbetycoon ein untrügliches Gespür für gute Kunst und bescherte uns Tracy Emin, Jenny Saville, Sarah Lucas, Chris Ofili und weitere tolle Young British Artists, andererseits missbraucht er dieses Talent gnadenlos, um Kasse zu machen. So ist Saatchi letztlich kein Sammler, der aus Leidenschaft zu der Kunst sammelt, sondern um Kasse zu machen. Das ist sehr schade.
Jetzt will “Kunstsammler” Saatchi neue Wege beschreiten und begibt sich auf der Suche nach neuen Talenten auf neues Terrain: Er macht uns den Dieter Bohlen. Die altehrwürdige BBC plant im Herbstprogramm eine Castingshow für Künslter und Saatchi wird die gewichtige Jury spielen. Bewerben kann sich jeder, der einen Pinsel halten kann. Man braucht keine Vorbildung und von Malerei bis Performance ist alles erlaubt. Die sechs Finalisten, die Saatchi auswählt, dürfen dann drei Monate in ein eigens gegründetes Kunstcamp, pardon, in eine Kunstschule und werden dann ausgebildet.
Was mich wundert: angeblich gibt es eine Vertragsklausel, die ihn als Käufer der Werke des Siegers ausschließt…
Weitere Informationen und Bewerbungsmöglichkeiten: news.bbc.co.uk
Gerade sehe ich kulturzeit auf 3sat. Dort wurden die beiden kreativen Köpfe von sauerbrey | raaabe .büro für kulturelle Angelegenheiten” vorgestellt. Die Damen hatten eine tolle Idee. Sie erfanden die Raben Kasimir und Kolja (na ja, eher fliegende Brillen mit Schnabel) und die frechen Vögel erklären Kindern Kunst. Dabei gehen sie nicht eben respektvoll mit den Werken um und fliegen mitten rein, um das Werk und den Künstler zu erklären. Bisher gibt es einen Audioguide zu fünf Bildern der Berliner Gemäldegalerie und einen Animationsfilm zu Andy Warhols “Seascape (Do it yourself)”. Ein Buch, weitere Führungen und Filme sollen folgen. Sehr schöne Idee!
Sicherlich kann man bei dem ein oder anderen Künstler darüber streiten, ob das, was er produziert, Kunst ist oder Kitsch und manchmal sogar, ob die Grenze zur Pornographie überschritten wird. Doch dazu müsste man erst einmal klären, ob Pornographie grundsätzlich keine Kunst sein kann, also ob ein Werk entweder Kunst ODER Pornographie ist. So einfach ist das sicher nicht, denn ein pornographischer Inhalt kann künstlerische Aussagen transportieren, wenn das so gewollt ist.
Für die BILD-Zeitung gilt das nicht. Heute bespricht Dr. Dorothee Achenbach die Ausstellung “Diana und Actaeon. Der verbotene Blick auf die Nacktheit” im Museum Kunst Palast in Düsseldorf. Dabei wird im Teaser gefragt: Ab wann ist Porno Kunst? Da sie die Frage nicht beantworten kann oder will, echauffiert sie sich kurz über den schrecklichen Tabubruch und meint zum Abschluss: “Mit Kunst hat das nichts zu tun.” Danke, dass wir das erfahren durften. Nur: Was hat die nackte Dame auf “Seite 1″ mit Journalismus zu tun, liebe Frau Achenbach?
Eine ernsthafte Ausstellungsrezension gibt es in ein paar Tagen hier!
Bei arte Edition ist eine wirklich sehenswerte DVD erschienen. Der Name ist Programm: Art Safari – Kunst als Abenteuer. Regisseur und Autor Ben Lewis hat sich mit der Filmkamera auf die Suche durch den Kunstdschungel begeben. Unglaublich witzig und lehrreich wandert Lewis durch die zeitgenössische Kunst und beleuchtet den italienischen Bildhauer Maurizio Cattelan, die französische Foto- und Aktionskünstlerin Sophie Calle, “Cremaster”-Erschaffer Matthew Barney, den spanischen Polit-Art-Provokateur Santiago Sierra, den deutschen Biennale-Star Gregor Schneider den Belgier Wim Delvoye mit seinen tätowierten Schweinen. Lewis trifft sich mit Künstlern, Kennern und Kritikern, wandert durch die Wohnungen von Sammlern und trifft so auf Werke, die der Öffentlichkeit sonst verborgen bleiben. Das Doppel-DVD-Set ist mit 35 Euro zwar relativ teuer, aber das Geld ist gut angelegt. Ich würde mir wirklich wünschen, das Lewis weitere Folgen dreht. Kaufen kann man die DVDs bei amazon.de oder bei arte. Ein kleiner Ausschnitt (und weitere) findet sich bei youtube.de:
Nun ist auch der letzte große Kunstzeitschriftenverlag im 21. Jahrhundert angekommen. Artclair, Herausgeber von “L’oeil” und “Le journal des arts” hat eine neue Internetseite. Für die Frankophilen unter uns eine schöne Sache: Nachrichten, Ausstellungen, Kalender u.v.m. Und weil es so schön ist, möchte ich gerne noch einen Tipp aus Jörn Borcherts Blog Kulturelle Welten weitergeben: Buzzeum.com, ein französischsprachiger Blog zum Thema Museumsmarketing. Wirklich lesenswert!
Wer die aktuelle Mediendiskussion verfolgt, könnte glauben, es gibt außer “Big Brother”, DSDS und “Ich bin ein Star – Holt mich hier raus” nicht viel im Frensehen. Für alle, die sich für etwas Anderes interessieren, habe ich einen kleinen Tipp: 3sat zeigt dieser Tage mehrere sehenswerte Filme in der Reihe: Der Zauber des Surrealen – Luis Buñuel und die Folgen. Belle de jour und Belle toujours liefen bereits gestern, heute (Freitag) folgt um 22.40 Uhr Der diskrete Charme der Bourgeoisie. Morgen dann einer der Höhepunkte: Der andalusische Hund, den Buñuel mit Salvador Dalí inszenierte. Die weiteren Termine:
Die Vergessenen (Sonntag, 10.02.2008, 9.40 Uhr)
Johnny zieht in den Krieg (Sonntag, 10.02.2008, 0.40 Uhr)
Viridiana (Dienstag, 12.02.2008, 22.40 Uhr)
Goya in Bordeaux (Mittwoch 13.02.2008, 22.40 Uhr)
Das Gespenst der Freiheit (Donnerstag, 14.02.2008, 22.40 Uhr)
Mulholland Drive (Freitag, 15.02.2008, 22.40 Uhr)
Das letzte Drehbuch – Erinnerungen an Luis Buñuel (Montag, 18.02. 2008, 23.10 Uhr)
Artreview ist nicht mehr nur Zeitschrift. Das britische Kunstmagazin geht mit einer eigenen, umfangreichen Webseite online. Schick, informativ, mit Blog, Videos, Podcasts und Bildershows – da sollte sich manche deutsche Kunstzeitschrift etwas abschauen. Unbedingt anschauen: artreview.com.