27. Mai 2010 |
Ich konnte es erst gar nicht glauben: Die Kunsthalle Wien bietet ihre Ausstellungskataloge und “Texte zur Kunst” kostenlos zum Herunterladen an. Da bleibt mir die Spucke weg. So viel Nettigkeit ist in Zeiten knapper Kassen selten. Aber seien wir mal ehrlich: Warum machen das nicht mehr Museen? Finanziert wurden sie meist ohnehin aus öffentlichen Mitteln und die meisten Ausstellungskataloge sind keine Raritäten und werden nach ein paar Monaten auf Ramschtischen für einen Bruchteil des ursprünglichen Preises verhökert.
Gefunden bei Jörn Borcherts Kulturellen Welten.
4. Januar 2010 |
Als Götz Adriani 2005 in Pension ging, verlor die Kunsthalle Tübingen einen Kurator mit ausgezeichnetem Ruf. Dass es nicht einfach werden würde, Adriani zu ersetzen, sollte bald allen Verantwortlichen klar werden. Während die Kunsthalle in den 90er Jahren bis zu 500.000 Besucher pro Jahr hatte, waren es im vergangenen Jahr nur noch 15.000. Nun sollte man sich davor hüten, alleine die Besucherzahlen als Gradmesser für den Erfolg eines Museums zu sehen, doch der Besucherschwund ist so auffällig, dass man schon analysieren sollte, warum das Publikum wegbleibt. Nur knapp 2700 Besucher wollten 2009 die Ausstellung “Der innere Blick” sehen. Kein Wunder – Der Untertitel: “Das Interieur in der zeitgenössischen Kunst” erinnert eher an das Thema einer Dissertation eines Kunsthistorikers und weckt weder die Neugier noch macht es Lust auf einen Museumsbesuch. Warum sollte sich das der kunstinteressierte Laie ansehen?
Nun soll alles besser werden. Seit März 2009 ist Daniel Schreiber (44) leitender Kurator und der will einiges ändern. Die Ausstellungen sollen wieder interessanter werden. Schreiber will Brücken zum Publikum schlagen. Wie er das schaffen will, verriet er der dpa: ” Das geht durch Werke, die man gerne sieht, die Spaß machen, die aber auch provokativ sind und Sprengkraft besitzen.” Die letzten Ausstellungen des Jahres 2009 ließen sich kaum noch ändern, denn Ausstellungen haben eine gewisse Vorlaufzeit und einmal in der endgültigen Planung sind sie ungefähr so schwerfällig wie ein gestrandeter Wal, also nur noch schwer zu korrigieren. Ab Ende Januar läuft nun die erste von Schreiber alleine verantwortete Schau. Die Kunsthalle zeigt die quietschbunten Gemälde des Pop-Art-Künstlers Mel Ramos in einer Retrospektive. Der repräsentative Querschnitt durch sein Lebenswerk umfasst hauptsächlich Gemälde, aber auch Entwurfsskizzen und Skulpturen von den 1960ern bis heute. Danach werden Karin Kneffel (01. Mai bis 11. Juli 2010) und Thomas Florschuetz (17. Juli bis 26. September 2010) zu sehen sein
Klingt spannend, bleibt abzuwarten, wie die Ausstellungen konzipiert sind. Weitere Informationen: Webseite der Kunsthalle Tübingen.
17. September 2009 |
Ich bekomme jeden Tag Einladungen zu Galerie-Vernissagen, Ausstellungseröffnungen und Pressekonferenzen, darunter hässliche, aufdringliche, schicke, distinguierte, ausgeflippte und originelle. Um sich aus der Masse abzuheben, lasse sich einige ganz schön witzige Dinge einfallen und die stammen nicht einmal von professionellen Agenturen, die meist nur Briefkasten und E-Mail-Adresse zuspammen. So bekam ich vor zwei Jahren mal einen Pinsel von einem Schweizer Künstler. Der Pinselstiel war bemalt und die Eckdaten der Vernissage des Künstlers waren darauf geschrieben. Einfallsreich ist auch die Einladung zur Ausstellungseröffnung in dem Jüdischen Museum Berlin: Eine rote Papierserviette, zusammengehalten von einer Banderole auf der die Ausstellungsdaten vermerkt sind, kam heute an. Schöne Idee und endlich mal etwas Nützliches. Den Pinsel habe ich Übrigens noch heute, ich nutze ihn, um die Tastatur des iMac sauberzuhalten. Wie praktisch…

Einladung zur Ausstellungseröffnung “Koscher & Co” – im Jüdischen Museum Berlin
Foto: Bülent Gündüz
Wer sich für die Ausstellung interessiert: “Koscher & Co – eine Ausstellung über Essen und Religion” im Jüdischen Museum Berlin vom 09. Oktober 2009 bis zum 28. Februar 2010.
7. September 2009 |
Ich habe in den letzten Jahren viele Museumseröffnungen miterlebt – von ganz klein bis ganz groß. Aber nur selten hat mich ein Museumsneubau so fasziniert wie die Filiale des Centre Pompidou in Metz. Für die Region SaarLorLux, also den Großraum Saarland – Lothringen – Luxemburg ist dieses Museum ein gewaltiges Geschenk, das die Region museal weit nach vorne bringt. Die Region ist trotz einigermaßen gut verlaufendem Strukturwandel nicht reich und verfügt nur über wenige Kunstmuseen. Vielleicht bin ich deshalb so aufgeregt, als gebürtiger Saarländer macht mich dieses Museum auch persönlich froh. Rund 70 Kilometer von Saarbrücken entfernt entsteht hier ein Museum von Weltrang – auch wenn es nur eine kleinere Filiale ist, kann das Museum in Metz auf die gewaltige Sammlung in Paris und die ausgezeichneten Kontakte in der ganzen Welt zurückgreifen. Das verspricht interessante Ausstellungen und einen Schub für den Tourismus.

Außenansicht des Centre Pompidou in Metz
Foto: © Bülent Gündüz
Seit November 2006 baut man nun an dem Großprojekt. Im Mai 2010 ist es endlich so weit, das Museum öffnet seine Pforten mit der Ausstellung “Chef d’ ouevre?” – Meisterwerke? Ausgestellt werden moderne und zeitgenössische Werke aus der Sammlung des Centre Pompidou.
Ich war in der letzten Woche in Metz und habe nach guten Essen und den ausgezeichneten Mirabellentartes auch mal auf der Baustelle vorbeigeschaut. Das Museum entsteht auf einer Industriebrache. Einiges ist hier am Rande der Innenstadt schon geschehen, ein Park und Les Arènes, eine Multifunktionshalle, sind schon fertig ist. weitere Gebäude sollen in den nächsten Jahren entstehen. Deutlich ist schon die endgültige Form des Museums erkennbar. Es erinnert an ein Zeltdach unter dem Rechtecke aufeinander gestapelt wurden und dann in verschiedenen Richtungen geschoben wurden und unter dem Dach hervorschauen. Für viel natürliches Tageslicht sorgen die großen Fensterfronten. Der Bau von Architekt Shigeru Ban scheint zu halten, was er verspricht: ein luftig-leichtes Äußeres und helle und reduzierte Räumlichkeiten, die die Kunst in den Mittelpunkt stellen. Ich bin gespannt…
Mehr unter: centrepompidou-metz.fr.
10. August 2009 |
Die Provence und die nahe gelegene Côte d’Azur sind ein schönes und empfehlenswertes Urlaubsziel. Für jeden ist es etwas dabei, die wildromantische Landschaft der Provence, mondäne Städte an der Côte d’Azur, schöne Strände, gutes Wetter, tolle Weine und noch besseres Essen… Auch Künstler wussten die Region zu schätzen. Licht und Farben sind hier ganz anders als im manchmal tristen Paris. Van Gogh lebte einige Monate hier und auch Gauguin kam in die Provence. Am innigsten verbunden war jedoch Cézanne mit der Region, besonders angetan hatte es ihm der Blick von seinem Atelier in Aix-en-Provence auf die Montagne Sainte-Victoire, deren Massiv er in zahlreichen Bildern und in vielen Variationen verewigte.
Am Fuße des Bergmassivs liegt das kleine Örtchen Vauvenargues, das von einem romantischen Schloss überragt wird. Dieses Anwesen erwarb Picasso 1958, lebte dort bis 1960 und nutze das Schloss als Atelier bis zu seinem Tod im Jahre 1973. Geerbt hat Chateaux de Vauvenargues Catherine Hutin, die Tochter von Picassos Frau Jacqueline aus erster Ehe. Seitdem ist das Haus verschlossen und nur den Mitgliedern der Familie Picasso zugänglich.

Der malerische Ort Vauvenargues, im Vordergrund das gleichnamige Chateau
Foto: Marie de Vauvenargues
Hutin wollte das Schloss langfristig für den Tourismus öffnen, doch die Einwohner des Ortes wehrten sich. Sie wollten keien Massentourismus in ihrem Ort und protestierten – nicht ganz unverständlich. Also entschloss man sich, dass Chateau wenigstens einen Sommer lang unter Auflagen für Besucher zugänglich zu machen. Nur in Gruppen und höchstens 75 Personen pro Tag dürfen noch bis zum 27. September 2009 das Schloss besichtigen. Danach ist Schluss.
Die wichtigsten Räume dürfen besichtigt werden: Schlafzimmer, Esszimmer, Badezimmer und Atelier, die Räume, in denen sich auch Picasso hauptsächlich aufhielt. Die Räume sind spartanisch eingerichtet. Picasso hing Werke von Künstlerkollegen auf, seine eigenen Bilder und Skulpturen bereicherten das Haus ebenfalls. Im Badezimmer prangt eine Wandmalerei, ein musizierender Faun, und das Kopfteil des Bettes sowie der Teppich im Schlafzimmer sind ebenfalls von Picasso entworfen worden. Im weitläufigen Park liegen die Gräber von Picasso und Jacqueline, die ebenfalls besichtigt werden können.
Wer nicht nach Südfrankreich pilgern kann oder will, dem sei das bei Feymedia erschienene Buch “Picassos Häuser” empfohlen. Der opulente Bildband beleuchtet Picassos Villen und Anwesen in Cannes, Vallauris, Mougins und das Chateau in Vauvenargues.
Weitere Informationen und Buchungen im Musée Grant, in dem zeitgleich die Ausstellung “Picasso Cézanne” zu sehen ist.
4. Juni 2009 |
Brüssel weihte vorgestern sein neues Museum für einen großen Sohn der Stadt ein. Nein, nicht für den Comics-Zeichner Hergé, der Tim und Struppi erfand, sondern René Magritte. Auf drei Stockwerken zelebriert das Museum Kunst und Leben von Magritte mit 75 Gemälden, 58 Zeichnungen, Postern, Fotos, Videos und Werbearbeiten. Insgesamt hat man 250 Arbeiten des Surrealisten zusammengetragen.
Das Haus selbst ist ein wahres Schmuckstück. Es liegt zentral in der Innenstadt nahe des Königlichen Palastes und des Museums der Schönen Künste am Place Royale (Koningsplein). Untergekommen ist das Museum im klassizistischen Altenloh-Palast, der entkernt, komplett saniert und nach modernsten Gesichtspunkten als Museum neu eingerichtet wurde. Im Erdgeschoss liegen Eingang, Kino, Shop und Buchladen, in den oberen drei Stockwerken sind die Arbeiten des Künstlers und im Untergeschoss gelangt man in das benachbarte Museum der schönen Künste.
Und weil es so schön ist, bekam Hergé am gleichen Tag ebenfalls ein Museum in der belgischen Hauptstadt. Für mich als Tim und Struppi-Fan fast noch sehenswerter…
Weitere Informationen: www.musee-magritte-museum.be und www.museeherge.com
7. März 2009 |
In der FAZ plaudert Schirn-Direktor Max Hollein über Museumsarbeit in Zeiten der Wirtschaftskrise. Lesen!
[via Kulturelle Welten]
7. März 2009 |
Da liest man überall von “Ansturm auf das Neue Museum” (Art Magazin), “10000 stehen Schlange” (Berliner Morgenpost) oder “Tausende wollen das Neue Museum sehen” (Welt online). Schön – aber liebe Leute – das Museum ist noch leer! Eigentlich sollte man sich ja freuen, aber irgendwie ist das paradox. Da gibt es so viele schöne (kleine) Ausstellungen, mit Liebe zum Detail und wirklicher Augenschmaus mit Lerneffekt und was machen die Leute? Sie rennen in einen leeren Bau, den sie genauso so später sehen könnten, wenn sie sich die Exponate anschauen. Hoffentlich bleibt dem Museum der Besucheransturm erhalten.
6. März 2009 |

Die neue Webseite des MoMA
Das MoMA hat heute seine neu gestaltete Webseite online geschaltet: Etwas schicker, mehr “Social Networking” und Web 2.0 mehr Interaktives und mehr Bildergalerien. Insgesamt eine schöne Weiterentwicklung, aber auch nichts Revolutionäres…
6. März 2009 |
Viel wird über die architektonische Neugestaltung des Neuen Museums Berlin gestritten. Lange war das Museum nicht mehr als eine romantische Ruine, die dem Verfall preis gegeben wurde. Doch nach der Wende wurde dem Haus neues Leben eingehaucht. Der britische Architekt David Chipperfield sollte das Haus wiederauferstehen lassen, damit hier das Museum für Vor- und Frühgeschichte und die Ägyptische Sammlung mit der Nofretete einziehen könnten. Gestern wurde das Neue Museum der Öffentlichkeit übergeben. In den nächsten Tagen dürften die Besucher durch das leere Haus flanieren, bevor es dann am Mittwoch den Kustoden übergeben, bis Oktober bestückt und dann eröffnet wird.
Was soll man nun über das alte Neue Museum oder das neue Neue Museum sagen? Viel wurde im Vorfeld gemeckert. Zu minimal, zu karg, zu viele offene Wunden, zu zeitgenössisch zu wenig altes wurde restauriert. Ich kann mich all dem nur begrenzt anschliessen. Chipperfield hat es geschafft, die alte Raumideen von Stüler zu erhalten, hat die Wunden, die dem Gebäude im zweiten Weltkrieg zugefügt wurden, nicht überkleistert und sie in das Ensemble eingefügt und mit modernen Mitteln neue architektonische Zeichen gesetzt, die sich nahtlos in das Gebäude einfügen, ohne allzu sehr aufzufallen. So hat es Chipperfield geschafft, die kühle preußische Architektur mit der einst reichen Bemalung und den Fresken zu erhalten ohne in ein historisches Pathos zu verfallen. Seine architektonischen Neuerungen nehmen die klaren, strengen Linien des Klassizismus auf ohne sie langweilig zu rezitieren.

Detail Treppenhalle
© Stiftung Preußischer Kulturbesitz/DavidChipperfield Architects
Fotografin: Ute Zscharnt
Alter und neuer Glanzpunkt ist das Treppenhaus, hoch wie eine Kathedrale mit offenem Dachstuhl, links und rechts Fragmente von Fresken und dann im Zentrum ein mächtiger Treppenaufgang. Chipperfield hat die Wunden an den Wänden sichtbar gelassen, die Ziegel nicht verputzt. Er hat die erhaltenen Fragmente der Fresken nicht vervollständigt, was ihm Unverständnis und gelegentlich den Vorwurf der Verstümmelung einbrachte. Die Treppe hat er aus Sichtbeton gegossen. Die ionischen Säulen des Erechtheions blieben erhalten, die Kopien der Statuen haben großen Fenstern Platz gemacht.
Ähnliches versuchten Chipperfield und sein Restauratorenteam auch in den Ausstellungssälen. Es wurde behutsam restauriert, wo nötig mit zeitgenössischer Architektur zurückhaltend ergänzt, aber nicht zugekleistert. Das ist gelungen und es kommt schon ein wenig freudige Erwartung auf, wenn man daran denkt, dass im großen Kuppelsaal bald die Nofretete stehen wird. Kein Raum ist wie der andere, nie wird es langweilig, immer gibt es schon am Bau etwas zu entdecken. Chipperfield hat zusätzlich ein paar spektkuläre Räume geschaffen wie etwa die Plattform, ein auf Säulen stehender nach oben offener Saal, dessen Wände aus matt schimmerndem Glas erbaut wurden. Überhaupt hat Chipperfield großen Wert auf die verwendeten Materialien gelegt. Umso erstaunlicher ist es, dass das Projekt statt der veranschlagten 230 Millionen Euro letztlich nur 200 Millionen Euro kostete. Man darf gespannt sein, wie die Exponate in den Räumen wirken werden.
