4. November 2011
Eine kleine Geschichte zum Schmunzeln: Im Dortmunder Ostwall-Museum widmete sich eine Putzfrau der Installation des Künstlers Martin Kippenberger – mit Übereifer. Als sie einen milchigen Kalkrand weggeschrubbt hatte, war das 800.000-Euro-Werk blitzeblank, aber für immer zerstört.
Bei Spiegel Online weiter lesen >>>
Ja, Kunst lebt auch von Zuschreibungen!
9. September 2011
Das Saarlandmuseum in Saarbrücken erlebt nun den dritten Skandal in diesem Jahr – dabei hat das Museum gar nicht geöffnet. Nachdem Museumschef Ralph Melcher wegen “finanzieller Unregelmäßigkeiten” (Melcher hatte sich teuere Dienstreisen und -essen erlaubt) beurlaubt wurde und nun wegen des Verdachts der Untreue gegen ihn ermittelt wird, war auch der zuständige Projektsteuerer für den Neubau des vierten Pavillons ins Fadenkreuz der Ermittler geraten. Der Innenarchitekt hatte Melcher 8000 Euro für Beratertätigkeiten gezahlt, er selbst soll fast eine Million Euro für seine Tätigkeit als Projektsteuerer erhalten haben.
Während die Staatsanwaltschaft ermittelt, droht der Landesregierung um die neue Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer neues Ungemach. Immerhin ist die Ministerpräsidentin in die Affäre verwickelt. Sie war bei “spesenintensiven” Essen mit am Tisch und in ihrer Zeit als Kulturministerin war sie an den Planungen des Baus beteiligt. Das neue Problem: Der Bau des neuen Ausstellungshauses sprengt alle Grenzen. 2009 sollte der Neubau 9 Mio. Euro kosten, dann 18,7 Mio. Euro, dann 25 und nun fast 30 Mio. Euro. Die Begründung: Bei den Planungen wurde geschlampt. Die Kosten für den Klimaschutz der Sammlungsgegenstände wurde nicht berücksichtigt, die Beleuchtung nicht richtig geplant, die Umfeldgestaltung vergessen. Kosteneinsparungen fand man hingegen kaum: Der Stiftungsvorstand verstümmelte den Architektenentwurf, indem man statt der Fassade aus teurem, transparentem Buntglas ein 400.000 Euro billigeres Normalglas verbauen wollte. Als dieser Einsparungsversuch heftig kritisiert wurde, wollte man zurückrudern, doch es war zu spät. Das billige Glas war schon bestellt. Nun will das 800.000 Euro teuere Glas niemand mehr, eine neue Bestellung würde zusätzliche 1,2 Mio. Euro verschlingen.
Während der Umbildung der Landesregierung im August 2011 ist einer der Verantwortlichen, der so ziemlich alles falsch gemacht hat, was man falsch machen kann, der Leiter der Staatskanzlei und Staatsminister für Kultur Karl Rauber abgetreten. Neu zuständig ist Innenminister Stephan Toscani. Der möchte nun rasch Aufklärungsarbeit leisten und setzte eine Arbeitsgruppe ein, die untersuchen soll, was falsch lief und wie es weiter gehen soll. Ein Architekturbüro untersucht derzeit, wie viel der Bau bis zur Fertigstellung noch kosten soll. Ende September soll eine erste Mängelliste vorliegen. Auch der Landesrechnungshof soll einbezogen werden.
Inzwischen erklärte auch der Interimschef des Museums, Meinrad Maria Grewenig, dass das Eröffnungsdatum für 2012 wohl nicht mehr zu halten sei. Die Parteien stehen unterschiedlich zu dem Problem. Die Jameika-Koalition will abwarten, der Fraktionsvorsitzende der GRÜNEN im Saarbrücker Stadtrat will das Gebäude abreißen lassen. SPD-Chef Maas lehnt das ab, jedoch hält er eine andere Nutzung für möglich.
Siehe auch:
7. September 2011
Anselm Reyle präsentiert uns in seinem Gemälde Weideglück ein quietschbuntes Landschaftsidyll: Ein zufriedenes Pferd liegt entspannt auf einer Wiese vor einem strahlend blauen Himmel. Mit allerlei Schraffuren, Texturen und silbern glänzenden Lacken wurden Hell und Dunkel und Farbspiele angedeutet. Doch etwas irritiert. Überall auf dem Bild sind kleine Felder mit Zahlen sichtbar. Reyle spielt auf das bei Hobbykünstlern beliebte „Malen nach Zahlen“ an. Der Maler spielt mit der Grenze zwischen Kunst und Kitsch. Was ist Kunst und was Kitsch, wie viel Kommerz steckt in einem Bild und was macht dessen Wert aus? Was macht Kunst überhaupt aus? Zählt einzig der Wille ein Kunstwerk schaffen zu wollen, ist es handwerkliches Können oder ist es der Name des Künstlers? Sind es die Farben und die gekratzten Schraffuren im Bild, die den Willen des Erschaffers zur Kunst dokumentieren und sich über das industrielle Produkt hinwegsetzen?

Anselm Reyle, Weideglück, 2010
Mischtechnik auf Leinwand, 225 x 275 x 6,5 cm
Courtesy der Künstler, Fotograf: Matthias Kolb
Die erste Ausstellung des neuen Baden-Badener Kunsthallendirektors Johan Holten will untersuchen, ob gängige Kategorien des Geschmacks heute noch brauchbar sind und welche Bedeutung sie innerhalb der zeitgenössischen Kunst haben. Holten selbst kommt zu dem Schluss, dass sich visuelle Einordnungen zur Beurteilung von Kunst so stark verändert haben, dass sie „heute vollkommen untauglich sind, Kunst zu beurteilen.“ Kunst ist heute schon lange nicht mehr schön und meist auch nicht geschmackvoll. Was bedeutet guter Geschmack in einer Welt die sehr schnelllebig geworden ist und in der fast alles erlaubt ist? Was heute noch in ist, kann morgen längst out sein. Für Museen wird es immer schwerer zu entscheiden, was sie ausstellen, sammeln und für die Nachwelt konservieren sollen. Objektive Kriterien zu definieren, fällt vielen Kuratoren und Kritikern immer schwerer.
Vieles was einst als geschmackvoll galt, ist heute überholt. So zeigt die Kunsthalle Landschaftsbilder aus dem 19. Jahrhundert. Doch was damals Genuss und Schönheit suggerieren sollte, ist heute nicht mehr zeitgemäß, wirkt angestaubt und würde in hippen Berliner Wohnungen mit Sichtbetonwänden skurril wirken. Dabei waren die arkadischen Landschaften mit ihren Ruinen, Bächen und Wäldern einst gesellschaftliches Schönheitsideal und Museen wollten ihre Besucher zum Wahren, Schönen und Guten erziehen. Erst gegen Ende des Jahrhunderts begannen Künstler dagegen aufzubegehren. Die Impressionisten wollten nicht mehr nach akademischen Idealen malen, sie wollen Farbe und Licht auf die Leinwand bannen und spätestens mit den Expressionisten und den Kubisten gewann die eigene Sichtweise des Künstlers im frühen 20. Jahrhundert die Oberhand.
Während sich die Palette künstlerischer Möglichkeiten extrem erweitert hat und neben Bildhauerei und Malerei auch Videokunst, Performance und Installation hinzukamen, scheinen handwerkliche Fähigkeiten immer mehr an Gewicht zu verlieren.
Welche zeitgenössische Kunst aber soll ein Museum heute ausstellen? Noch immer kommen die Besucher in die Häuser in der Erwartung, das Gute und Schöne präsentiert zu bekommen. Aber kann das eine Kunsthalle heute noch leisten?
Nicht ohne Ironie ist die Lage der Kunsthalle in Baden-Baden, die direkt neben dem Privatmuseum von Frieder Burda residiert. Burda zeigt, was ihm persönlich gefällt, einen Bildungsauftrag muss er nicht erfüllen. Nicht ohne Ironie ist auch die gleichzeitig dort laufende Schau mit Werken von Neo Rauch, einem der angesagten Künstler der Leipziger Schule, deren Preise gerade schwindelerregende Höhen erreichen.
Heute scheint der Kunstgeschmack eher vom Preis dominiert, die Sammler hecheln dem hinterher, was der Markt als „sammelnswert“ erachtet. Das ärgert auch viele Künstler, die in dem Dilemma zwischen Anerkennung und Kommerzialisierung ihrer Arbeit feststecken. Viele von ihnen würden sich dem Streben nach Konsum und Kommerz gerne entziehen. Es gilt inzwischen als schick gegen die Macht des Marktes zu rebellieren und so werden schon mal Alltagsgegenstände in langweiliger Wiederkehr von Duchamps Ready-Mades aufgestellt um gegen die zunehmende Kommerzialisierung zu protestieren, wie etwa in Josefine Mecksepers Arbeiten, die in der Baden-Badener Kunsthalle billige Klobürsten und Slips wie Luxusaccessoires in die Vitrine stellt. Ist das jetzt Kunst oder Kitsch? Oder Kitsch, der durch eine inhaltliche Aussage zu Kunst wird?
Die Frage ob Kunst oder Kitsch ist nicht immer einfach zu beantworten, die Grenzen fließend und oft liegt die Entscheidung im Auge des Betrachters. Jeff Koons ist ein Meister dieser Spielerei. Seine Kitschskulpturen haben Kultstatus. Er überhöht kitschigen Nippes zu Ikonen des Kommerzes. Allein der Preis und der arrivierte Name des Künstlers bestimmt hier, ob etwas Kunst ist oder eben nicht. Je teurer, desto Kunst. Für die einen sind Koons Werke gesellschaftskritische Kunst, weil er damit das Wesen des Kunstmarkts bloß legt, für die anderen ist es nichts als billiger Kitsch, der zum Statussymbol erhoben wird – nur in einem sind sich beide Seiten einig: Die Signatur des Künstlers macht es wirklich teuer.
Kitsch? Das war für den Kunstkritiker Clement Greenberg, der den Abstrakten Expressionisten um Pollock und De Kooning den Weg ebnete, vor allem das, was dem Massengeschmack entsprach und zum Massengeschmack kann Kunst sehr schnell werden. So fotografierte Martin Paar einen Besucher auf einer Messe in Dubai. Der Kunstkenner schaut sich ein gekleckstes und getröpfeltes Gemälde an. Sein Muster setzt sich zufällig fast haargenau auf dem Hemd des Betrachters fort. Die Kunst verkommt zum massentauglichen Modeartikel.
Und so lehrt uns die Ausstellung vor allem eines: Geschmack scheint beliebig zu sein und ganz im Auge des Betrachters zu liegen. Was bleibt dem Besucher? Er muss in diesem Zeiten vor allem auf den eigenen Geschmack vertrauen. Kunstinstitutionen oder Kritiker können nur Anleitungen bieten und der Kunstmarkt ist kein guter Ratgeber, weil das was heute noch teuer verkauft wird, morgen schon wie Blei an den Wänden der Galerien hängt. Dass der „teure Geschmack“ ein schlechter Ratgeber ist, zeigen Martin Parrs in der Ausstellung hängende Fotos von Kunst- und Millionärsmessen. Kunst verkommt zum protzigen Statussymbol und inhaltleeren Dekorationsartikel der Schönen und Reichen.
„Geschmack –der gute, der schlechte und der wirklich teure“ ist eine wunderbare Ausstellung zum Nachdenken darüber, was wir gut finden und warum wir das tun. Zur Ausstellung erschien ein lesenswerter Katalog mit Essays.
4. August 2011
Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden entdecken endlich das Internet und stellen ihre Sammlung online unter skd-online-collection.skd.museum/. Darunter sind Meisterwerke wie die Sixtinische Madonna von Raffael oder Cranachs Martin Luther und 20.000 weitere Kunstwerke. Außerdem kann man in einem 3D-Rundgang durch die heiligen Hallen wandeln.
13. April 2011
Der Direktor des Museums Ludwig in Köln, Kasper König, hat die deutsche Ausstellung “Kunst der Aufklärung” im chinesischen Nationalmuseum in Peking kritisiert und nennt das neue Museum einen “faschistischen Klotz”. Harte, aber nicht ganz unberechtigte Kritik! Währenddessen gibt der Architekt der Sanierungsmassnahmen dem Spiegel ein Interview und outet sich als weltfremd und naiv- auch wenn er genau das seinen Kritikern vorwirft!
3. April 2011
Das chinesische Nationalmuseum in Beijing hat am Freitag nach langer Renovierungszeit seine Wiedereröffnung gefeiert. Zelebriert wird die Einweihung mit der Ausstellung “Kunst der Aufklärung”, die sich der Geschichte der Aufklärung in Europa widmet. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass die Ausstellung im chinesischen Nationalmuseum stattfindet. Das Museum liegt am nördlichen Rand des Tiananmen-Platzes. Hier setzte die chinesische Regierung 1989 der studentischen Revolte ein blutiges Ende. Zu diesem Kapitel chinesischer Geschichte findet sich im Museum nichts, dafür beleuchtet das Museum die Geschichte Chinas von der chinesischen Antike bis in die Gegenwart. Neben Altertümern sind Exponate aus der Parteigeschichte, der Revolution und der neuen Kunst zu bestaunen.
Das Museum war in den letzten Jahren wegen Renovierung geschlossen. Das deutsche Architekturbüro Gerkan, Marg und Partner hat es für 260 Millionen Euro saniert und deutlich vergrößert. Schon der Haupteingang ist imposant. Die Eingangshalle alleine ist so groß, dass sie manch anderes Museum komplett beherbergen könnte. 260 Meter lang und vier Stockwerke ist sie hoch, lichtdurchflutet und leer. Nur eine majestätische Treppe beherrscht den Raum.
Rund 200.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche hat das Museum nun und ist damit das größte Museum der Welt. Es vereinigte schon 2002 die Sammlungen des Museums für chinesische Geschichte und des Revolutionsmuseums und verfügt mit über einer Million Exponaten auch über eine der größten Sammlungen der Welt. Dafür mussten chinesische Museen auf Anordnung des Kulturministeriums ihre besten Exponate abgeben. Künftig will Lü Zhangshen, Generaldirektor des Museums, mit zusätzlichen Wechselausstellungen in der ersten Liga der Museen mitspielen.
National Museum of China, Peking 2011 © Gerkan, Marg und Partner, Foto: Christian Gahl
Außen und innen wurde das Museum aufgepeppt und wirkt wie eine Mischung aus Sowjetprunk, chinesischer Pagode und europäischer Museumsarchitektur. Merkwürdigerweise schadet das dem Bau nicht, er wirkt durchaus gelungen. Im Innen strahlen edle Materialien und die verschwenderische Größe mondäne Exklusivität aus, große Fenster und Oberlichter sorgen für lichtdurchflutete Räume. Dem eingeschüchterten Besucher wird sofort klar: China will nicht nur ökonomisch und militärisch Weltmacht sein, sondern auch kulturell.
Die drei größten deutschen Sammlungen in Berlin, Dresden und München haben sich als Leihgeber und Mitorganisatoren der Eröffnungsausstellung zusammengetan, um die Ausstellung mit den chinesischen Kollegen zu stemmen. Die Politik beider Länder ebnete den Weg, um den intensiven Kulturaustausch weiter vertiefen. Michael Eissenhauer, Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin betont gerne, wie groß die Ehre sei, dieses Museum als Erste kuratieren zu dürfen und wie freundschaftlich und gut die Zusammenarbeit war.
Aufklärung? Geht das in einem autoritären Staat überhaupt? Es wurde kolporiert, dass die Übersetzer der Ausstellung Mühe hatten, überhaupt ein chinesisches Wort dafür zu finden. Man wollte nicht zu revolutionär klingen und sexuelle Untertöne vermeiden. Die Epoche der europäischen Aufklärung ist in China nicht unbekannt. Sie gehört sogar zum Unterrichtsstoff in den Schulen. Längst debattieren Intellektuelle in dem kommunistischen Staat über die europäische Aufklärung und die daraus hervorgehenden Menschenrechte. Habe Mut Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen, so eines der Maximen Immanuel Kants aus dieser Zeit. Doch ist das von dem allmächtigen ZK der Kommunistischen Partei überhaupt gewünscht?
Die europäische Aufklärung in einem Land wie China, kann das funktionieren? Wollen die Macher der Ausstellung, die vom Auswärtigen Amt gefördert wurde, etwa den Funken einer Revolution entzünden? Mitnichten, ihnen geht es vor allem um die Veranschaulichung der europäischen Gesellschaft im 18. Jahrhundert und ihren Wandlungen. Neben Kunstwerken sind auch wissenschaftliche Apparate, Kleider und Kunsthandwerk ausgestellt. Das hat wohl auch dazu geführt, dass das Projekt von Eingriffen de chinesischen Behörden verschont blieb.
Blick in die Ausstellung "Die Kunst der Aufklärung", März 2011 © Staatliche Museen zu Berlin, Foto: Frank Barbian
Ohne Zweifel ist die spektakuläre Ausstellung sehenswert. In neun Kapiteln werden 579 Exponate vom späten Rokoko bis zu Realismus und Klassizismus gezeigt. Zu Verstärkung haben die Macher auch späte Geister wie Caspar David Friedrich zur Verstärkung hinzugeholt und illustrieren mit Warhol die Nachwirkungen bis in die Moderne. Sie sollen ein umfassendes Bild der Veränderungen in Europa ermöglichen. Recht gut lässt sich das an den Kunstexponaten nachvollziehen. Wie ein riesiges Bilderbuch illustrieren sie den Wandel jener Zeit. Im Zentrum steht ein Bildnis einer jungen Dame. Das Porträt der Heinrike Dannecker zeigt, wie sehr sich die Gesellschaft wandelte. Selbstbewusst schaut die junge Frau den Betrachter an. Sie sitzt vor einer idealisierten Landschaft in einem Kleid aus Blau, Rot und weiß, den Farben der französischen Revolution. Die junge Dame ist die Verkörperung der bürgerlichen Zivilgesellschaft, die sich von Monarchie und religiöser Bevormundung löste und das Individuum in den Mittelpunkt rückte. Sozialkritik und Emanzipation wurden hoffähig, Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit zum Motto der jungen Demokratie.
Eines dürfte der Ausstellung sicher sein: die Aufmerksamkeit des Massenpublikums. Zwar kennen viele Chinesen Dichter und Denker jener Epoche, doch tiefergehende Kenntnisse fehlen ihnen, so dürfte die Ausstellung zum Renner werden. Man erwartet fünfstellige Besucherzahlen, bis zu 20.000 Gäste will das Museum pro Tag empfangen. Während von der Ausstellung selbst keine Revolution ausgehen dürfte, bietet das Rahmenprogramm allerlei Zündstoff. In Diskussionen will man die europäische Demokratiegeschichte den Chinesen näher bringen, das dürfte interessant werden. Das Museum wurde am 1. April 2011 in Anwesenheit von Außenminister Guido Westerwelle eröffnet.
25. Januar 2011
Als Stiftungs- und Museumschef hat man es nicht leicht. Dr. Ralph Melcher, Vorstand der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz und Direktor des Saarlandmuseums, hat mal wieder Ärger. Im Sommer warf ihm der Rechnungshof des Saarlandes vor, er sei mit den Mitteln der landeseigenen Stiftung zu verschwenderisch umgegangen, habe sich Luxusreisen und teure Abendessen von der Stiftung finanzieren lassen. Melcher konterte, er habe sein Spesenkonto nie überzogen und alle Mittel seien genehmigt worden. Damit hat er erst einmal nicht Unrecht.
Die Opposition aus SPD und Die Linke forderte umgehend reflexartig den Rücktritt Melchers, die Regierung wiegelte ab und beauftragte eine externe Wirtschaftsprüfungsgesellschaft mit Gutachten. Die Gutachten bestätigte Melcher, keine groben Fehler begangen zu haben, auch wenn er vielleicht nicht ganz pfleglich mit Spesengeldern umgegangen sei. die Schuld daran schoben die Gutachten auf die fehlende Aufsicht und kritisierten auch den Bericht des Landesrechnungshofs. Landesregierung und Stiftung sprachen daraufhin Melcher ihr Vertrauen aus. Dass die Staatsanwaltschaft wegen Untreue ermittelt, schien gleichgültig zu sein.
in der vergangenen Woche durchsuchte die Staatsanwaltschaft nun das Büro Melchers und weitere Räume der Stiftung und stellte Unterlagen sicher. Grund dafür dürfte der am gleichen Tag erschienene Sonderbericht des Rechnungshofs sein. Der Rechnungshof bleibt bei seiner Kritik. Melcher habe Wirtschaftlichkeits- und Sparsamkeitsgrundsätze missachtet. Noch ein Mal stellen die Prüfer fest, dass die Aufsicht versagt hat. Mindestens 14.000 Euro beanstandet der Rechnungshof als zu viel gezahlte Ausgaben, sowie weitere 5300 Euro, die der “Vorstand mit dem Projektsteuerer” verfuttert hat. Außerdem bleibt man dabei, dass die Höhe der Vergütung für Melcher und die “Bau-Sonderzulage” von 1250 Euro pro Monat zu hoch seien. Diese Sonderzulage erhielt Melcher für den erhöhten Arbeitsaufwand bei dem Bau des neuen Pavillons des Saarlandmuseums.
Wieder fordert die Opposition den Rücktritt Melchers und die Landesregierung hüllt sich nun in Schweigen, weil ihr plötzlich eingefallen ist, dass ja die Staatsanwaltschaft ermittelt und man dem laufenden Verfahren nicht vorgreifen möchte.
Warum man nicht, wie in anderen Museen auch dem künstlerischen Direktor einfach einen Verwaltungsdirektor gleichberechtigt zur Seite stellt, will mir nicht einleuchten. Dass ein Museumsdirektor nicht in einer Pension absteigt und mit Kollegen anderer Museen nicht im McDonald’s vorfährt, dürfte jedem einleuchten, aber gerade deswegen müssen die Vorgänge transparent sein. Hier hat weniger Melcher versagt, als die Landesregierungen der vergangenen Jahre. Jetzt muss dringend ein anderes Konstrukt her, dass kunstwissenschaftliche und kaufmännisch-verwaltungstechnische Abläufe auf eine Ebene stellt. Eine solche zweite Geschäftsführerposition kostet natürlich auch Geld, sie professionalisiert aber auch die Arbeit der saarländischen Museen und ermöglicht dem künstlerischen Leiter, sich ganz auf seine Arbeit zu konzentrieren. Ob und wie lange das noch Ralph Melcher sein wird, ist fraglich. Sein eigentlich guter Ruf ist beschädigt und ob er bleiben kann, wird nicht zuletzt von der Staatsanwaltschaft abhängen.
8. Oktober 2010
Insbesondere deutsche Museen hinken ihren Kollegen im Ausland hinterher. Noch immer haben viele nicht begriffen, wie wichtig das Internet inzwischen geworden ist und welche Chancen es bietet. Besucht man manche Museumsseiten im Web, graust es einen. Selbst große Museen mit im Vergleich üppigen Etats bieten triste Langeweile, Unübersichtlichkeit oder keinen Mehrwert. Doch ganz langsam ändert sich das. In dieser Woche präsentierte die Schirn Kunsthalle in Frankfurt ihren neuen Internetauftritt. Der war zwar schon vorher nicht schlecht, aber angestaubt und hat sich deutlich verbessert. In der vergangenen Woche hat auch die Fondation Beyeler in Riehen bei Basel ihre neue Webseite vorgestellt. Bravo, weiter so!
27. Mai 2010
Ich konnte es erst gar nicht glauben: Die Kunsthalle Wien bietet ihre Ausstellungskataloge und “Texte zur Kunst” kostenlos zum Herunterladen an. Da bleibt mir die Spucke weg. So viel Nettigkeit ist in Zeiten knapper Kassen selten. Aber seien wir mal ehrlich: Warum machen das nicht mehr Museen? Finanziert wurden sie meist ohnehin aus öffentlichen Mitteln und die meisten Ausstellungskataloge sind keine Raritäten und werden nach ein paar Monaten auf Ramschtischen für einen Bruchteil des ursprünglichen Preises verhökert.
Gefunden bei Jörn Borcherts Kulturellen Welten.
4. Januar 2010
Als Götz Adriani 2005 in Pension ging, verlor die Kunsthalle Tübingen einen Kurator mit ausgezeichnetem Ruf. Dass es nicht einfach werden würde, Adriani zu ersetzen, sollte bald allen Verantwortlichen klar werden. Während die Kunsthalle in den 90er Jahren bis zu 500.000 Besucher pro Jahr hatte, waren es im vergangenen Jahr nur noch 15.000. Nun sollte man sich davor hüten, alleine die Besucherzahlen als Gradmesser für den Erfolg eines Museums zu sehen, doch der Besucherschwund ist so auffällig, dass man schon analysieren sollte, warum das Publikum wegbleibt. Nur knapp 2700 Besucher wollten 2009 die Ausstellung “Der innere Blick” sehen. Kein Wunder – Der Untertitel: “Das Interieur in der zeitgenössischen Kunst” erinnert eher an das Thema einer Dissertation eines Kunsthistorikers und weckt weder die Neugier noch macht es Lust auf einen Museumsbesuch. Warum sollte sich das der kunstinteressierte Laie ansehen?
Nun soll alles besser werden. Seit März 2009 ist Daniel Schreiber (44) leitender Kurator und der will einiges ändern. Die Ausstellungen sollen wieder interessanter werden. Schreiber will Brücken zum Publikum schlagen. Wie er das schaffen will, verriet er der dpa: ” Das geht durch Werke, die man gerne sieht, die Spaß machen, die aber auch provokativ sind und Sprengkraft besitzen.” Die letzten Ausstellungen des Jahres 2009 ließen sich kaum noch ändern, denn Ausstellungen haben eine gewisse Vorlaufzeit und einmal in der endgültigen Planung sind sie ungefähr so schwerfällig wie ein gestrandeter Wal, also nur noch schwer zu korrigieren. Ab Ende Januar läuft nun die erste von Schreiber alleine verantwortete Schau. Die Kunsthalle zeigt die quietschbunten Gemälde des Pop-Art-Künstlers Mel Ramos in einer Retrospektive. Der repräsentative Querschnitt durch sein Lebenswerk umfasst hauptsächlich Gemälde, aber auch Entwurfsskizzen und Skulpturen von den 1960ern bis heute. Danach werden Karin Kneffel (01. Mai bis 11. Juli 2010) und Thomas Florschuetz (17. Juli bis 26. September 2010) zu sehen sein
Klingt spannend, bleibt abzuwarten, wie die Ausstellungen konzipiert sind. Weitere Informationen: Webseite der Kunsthalle Tübingen.