17. September 2009
Ich bekomme jeden Tag Einladungen zu Galerie-Vernissagen, Ausstellungseröffnungen und Pressekonferenzen, darunter hässliche, aufdringliche, schicke, distinguierte, ausgeflippte und originelle. Um sich aus der Masse abzuheben, lasse sich einige ganz schön witzige Dinge einfallen und die stammen nicht einmal von professionellen Agenturen, die meist nur Briefkasten und E-Mail-Adresse zuspammen. So bekam ich vor zwei Jahren mal einen Pinsel von einem Schweizer Künstler. Der Pinselstiel war bemalt und die Eckdaten der Vernissage des Künstlers waren darauf geschrieben. Einfallsreich ist auch die Einladung zur Ausstellungseröffnung in dem Jüdischen Museum Berlin: Eine rote Papierserviette, zusammengehalten von einer Banderole auf der die Ausstellungsdaten vermerkt sind, kam heute an. Schöne Idee und endlich mal etwas Nützliches. Den Pinsel habe ich Übrigens noch heute, ich nutze ihn, um die Tastatur des iMac sauberzuhalten. Wie praktisch…

Einladung zur Ausstellungseröffnung “Koscher & Co” – im Jüdischen Museum Berlin
Foto: Bülent Gündüz
Wer sich für die Ausstellung interessiert: “Koscher & Co – eine Ausstellung über Essen und Religion” im Jüdischen Museum Berlin vom 09. Oktober 2009 bis zum 28. Februar 2010.
7. September 2009
Ich habe in den letzten Jahren viele Museumseröffnungen miterlebt – von ganz klein bis ganz groß. Aber nur selten hat mich ein Museumsneubau so fasziniert wie die Filiale des Centre Pompidou in Metz. Für die Region SaarLorLux, also den Großraum Saarland – Lothringen – Luxemburg ist dieses Museum ein gewaltiges Geschenk, das die Region museal weit nach vorne bringt. Die Region ist trotz einigermaßen gut verlaufendem Strukturwandel nicht reich und verfügt nur über wenige Kunstmuseen. Vielleicht bin ich deshalb so aufgeregt, als gebürtiger Saarländer macht mich dieses Museum auch persönlich froh. Rund 70 Kilometer von Saarbrücken entfernt entsteht hier ein Museum von Weltrang – auch wenn es nur eine kleinere Filiale ist, kann das Museum in Metz auf die gewaltige Sammlung in Paris und die ausgezeichneten Kontakte in der ganzen Welt zurückgreifen. Das verspricht interessante Ausstellungen und einen Schub für den Tourismus.

Außenansicht des Centre Pompidou in Metz
Foto: © Bülent Gündüz
Seit November 2006 baut man nun an dem Großprojekt. Im Mai 2010 ist es endlich so weit, das Museum öffnet seine Pforten mit der Ausstellung “Chef d’ ouevre?” – Meisterwerke? Ausgestellt werden moderne und zeitgenössische Werke aus der Sammlung des Centre Pompidou.
Ich war in der letzten Woche in Metz und habe nach guten Essen und den ausgezeichneten Mirabellentartes auch mal auf der Baustelle vorbeigeschaut. Das Museum entsteht auf einer Industriebrache. Einiges ist hier am Rande der Innenstadt schon geschehen, ein Park und Les Arènes, eine Multifunktionshalle, sind schon fertig ist. weitere Gebäude sollen in den nächsten Jahren entstehen. Deutlich ist schon die endgültige Form des Museums erkennbar. Es erinnert an ein Zeltdach unter dem Rechtecke aufeinander gestapelt wurden und dann in verschiedenen Richtungen geschoben wurden und unter dem Dach hervorschauen. Für viel natürliches Tageslicht sorgen die großen Fensterfronten. Der Bau von Architekt Shigeru Ban scheint zu halten, was er verspricht: ein luftig-leichtes Äußeres und helle und reduzierte Räumlichkeiten, die die Kunst in den Mittelpunkt stellen. Ich bin gespannt…
Mehr unter: centrepompidou-metz.fr.
10. August 2009
Die Provence und die nahe gelegene Côte d’Azur sind ein schönes und empfehlenswertes Urlaubsziel. Für jeden ist es etwas dabei, die wildromantische Landschaft der Provence, mondäne Städte an der Côte d’Azur, schöne Strände, gutes Wetter, tolle Weine und noch besseres Essen… Auch Künstler wussten die Region zu schätzen. Licht und Farben sind hier ganz anders als im manchmal tristen Paris. Van Gogh lebte einige Monate hier und auch Gauguin kam in die Provence. Am innigsten verbunden war jedoch Cézanne mit der Region, besonders angetan hatte es ihm der Blick von seinem Atelier in Aix-en-Provence auf die Montagne Sainte-Victoire, deren Massiv er in zahlreichen Bildern und in vielen Variationen verewigte.
Am Fuße des Bergmassivs liegt das kleine Örtchen Vauvenargues, das von einem romantischen Schloss überragt wird. Dieses Anwesen erwarb Picasso 1958, lebte dort bis 1960 und nutze das Schloss als Atelier bis zu seinem Tod im Jahre 1973. Geerbt hat Chateaux de Vauvenargues Catherine Hutin, die Tochter von Picassos Frau Jacqueline aus erster Ehe. Seitdem ist das Haus verschlossen und nur den Mitgliedern der Familie Picasso zugänglich.

Der malerische Ort Vauvenargues, im Vordergrund das gleichnamige Chateau
Foto: Marie de Vauvenargues
Hutin wollte das Schloss langfristig für den Tourismus öffnen, doch die Einwohner des Ortes wehrten sich. Sie wollten keien Massentourismus in ihrem Ort und protestierten – nicht ganz unverständlich. Also entschloss man sich, dass Chateau wenigstens einen Sommer lang unter Auflagen für Besucher zugänglich zu machen. Nur in Gruppen und höchstens 75 Personen pro Tag dürfen noch bis zum 27. September 2009 das Schloss besichtigen. Danach ist Schluss.
Die wichtigsten Räume dürfen besichtigt werden: Schlafzimmer, Esszimmer, Badezimmer und Atelier, die Räume, in denen sich auch Picasso hauptsächlich aufhielt. Die Räume sind spartanisch eingerichtet. Picasso hing Werke von Künstlerkollegen auf, seine eigenen Bilder und Skulpturen bereicherten das Haus ebenfalls. Im Badezimmer prangt eine Wandmalerei, ein musizierender Faun, und das Kopfteil des Bettes sowie der Teppich im Schlafzimmer sind ebenfalls von Picasso entworfen worden. Im weitläufigen Park liegen die Gräber von Picasso und Jacqueline, die ebenfalls besichtigt werden können.
Wer nicht nach Südfrankreich pilgern kann oder will, dem sei das bei Feymedia erschienene Buch “Picassos Häuser” empfohlen. Der opulente Bildband beleuchtet Picassos Villen und Anwesen in Cannes, Vallauris, Mougins und das Chateau in Vauvenargues.
Weitere Informationen und Buchungen im Musée Grant, in dem zeitgleich die Ausstellung “Picasso Cézanne” zu sehen ist.
4. Juni 2009
Brüssel weihte vorgestern sein neues Museum für einen großen Sohn der Stadt ein. Nein, nicht für den Comics-Zeichner Hergé, der Tim und Struppi erfand, sondern René Magritte. Auf drei Stockwerken zelebriert das Museum Kunst und Leben von Magritte mit 75 Gemälden, 58 Zeichnungen, Postern, Fotos, Videos und Werbearbeiten. Insgesamt hat man 250 Arbeiten des Surrealisten zusammengetragen.
Das Haus selbst ist ein wahres Schmuckstück. Es liegt zentral in der Innenstadt nahe des Königlichen Palastes und des Museums der Schönen Künste am Place Royale (Koningsplein). Untergekommen ist das Museum im klassizistischen Altenloh-Palast, der entkernt, komplett saniert und nach modernsten Gesichtspunkten als Museum neu eingerichtet wurde. Im Erdgeschoss liegen Eingang, Kino, Shop und Buchladen, in den oberen drei Stockwerken sind die Arbeiten des Künstlers und im Untergeschoss gelangt man in das benachbarte Museum der schönen Künste.
Und weil es so schön ist, bekam Hergé am gleichen Tag ebenfalls ein Museum in der belgischen Hauptstadt. Für mich als Tim und Struppi-Fan fast noch sehenswerter…
Weitere Informationen: www.musee-magritte-museum.be und www.museeherge.com
7. März 2009
In der FAZ plaudert Schirn-Direktor Max Hollein über Museumsarbeit in Zeiten der Wirtschaftskrise. Lesen!
[via Kulturelle Welten]
7. März 2009
Da liest man überall von “Ansturm auf das Neue Museum” (Art Magazin), “10000 stehen Schlange” (Berliner Morgenpost) oder “Tausende wollen das Neue Museum sehen” (Welt online). Schön – aber liebe Leute – das Museum ist noch leer! Eigentlich sollte man sich ja freuen, aber irgendwie ist das paradox. Da gibt es so viele schöne (kleine) Ausstellungen, mit Liebe zum Detail und wirklicher Augenschmaus mit Lerneffekt und was machen die Leute? Sie rennen in einen leeren Bau, den sie genauso so später sehen könnten, wenn sie sich die Exponate anschauen. Hoffentlich bleibt dem Museum der Besucheransturm erhalten.
6. März 2009

Die neue Webseite des MoMA
Das MoMA hat heute seine neu gestaltete Webseite online geschaltet: Etwas schicker, mehr “Social Networking” und Web 2.0 mehr Interaktives und mehr Bildergalerien. Insgesamt eine schöne Weiterentwicklung, aber auch nichts Revolutionäres…
6. März 2009
Viel wird über die architektonische Neugestaltung des Neuen Museums Berlin gestritten. Lange war das Museum nicht mehr als eine romantische Ruine, die dem Verfall preis gegeben wurde. Doch nach der Wende wurde dem Haus neues Leben eingehaucht. Der britische Architekt David Chipperfield sollte das Haus wiederauferstehen lassen, damit hier das Museum für Vor- und Frühgeschichte und die Ägyptische Sammlung mit der Nofretete einziehen könnten. Gestern wurde das Neue Museum der Öffentlichkeit übergeben. In den nächsten Tagen dürften die Besucher durch das leere Haus flanieren, bevor es dann am Mittwoch den Kustoden übergeben, bis Oktober bestückt und dann eröffnet wird.
Was soll man nun über das alte Neue Museum oder das neue Neue Museum sagen? Viel wurde im Vorfeld gemeckert. Zu minimal, zu karg, zu viele offene Wunden, zu zeitgenössisch zu wenig altes wurde restauriert. Ich kann mich all dem nur begrenzt anschliessen. Chipperfield hat es geschafft, die alte Raumideen von Stüler zu erhalten, hat die Wunden, die dem Gebäude im zweiten Weltkrieg zugefügt wurden, nicht überkleistert und sie in das Ensemble eingefügt und mit modernen Mitteln neue architektonische Zeichen gesetzt, die sich nahtlos in das Gebäude einfügen, ohne allzu sehr aufzufallen. So hat es Chipperfield geschafft, die kühle preußische Architektur mit der einst reichen Bemalung und den Fresken zu erhalten ohne in ein historisches Pathos zu verfallen. Seine architektonischen Neuerungen nehmen die klaren, strengen Linien des Klassizismus auf ohne sie langweilig zu rezitieren.

Detail Treppenhalle
© Stiftung Preußischer Kulturbesitz/DavidChipperfield Architects
Fotografin: Ute Zscharnt
Alter und neuer Glanzpunkt ist das Treppenhaus, hoch wie eine Kathedrale mit offenem Dachstuhl, links und rechts Fragmente von Fresken und dann im Zentrum ein mächtiger Treppenaufgang. Chipperfield hat die Wunden an den Wänden sichtbar gelassen, die Ziegel nicht verputzt. Er hat die erhaltenen Fragmente der Fresken nicht vervollständigt, was ihm Unverständnis und gelegentlich den Vorwurf der Verstümmelung einbrachte. Die Treppe hat er aus Sichtbeton gegossen. Die ionischen Säulen des Erechtheions blieben erhalten, die Kopien der Statuen haben großen Fenstern Platz gemacht.
Ähnliches versuchten Chipperfield und sein Restauratorenteam auch in den Ausstellungssälen. Es wurde behutsam restauriert, wo nötig mit zeitgenössischer Architektur zurückhaltend ergänzt, aber nicht zugekleistert. Das ist gelungen und es kommt schon ein wenig freudige Erwartung auf, wenn man daran denkt, dass im großen Kuppelsaal bald die Nofretete stehen wird. Kein Raum ist wie der andere, nie wird es langweilig, immer gibt es schon am Bau etwas zu entdecken. Chipperfield hat zusätzlich ein paar spektkuläre Räume geschaffen wie etwa die Plattform, ein auf Säulen stehender nach oben offener Saal, dessen Wände aus matt schimmerndem Glas erbaut wurden. Überhaupt hat Chipperfield großen Wert auf die verwendeten Materialien gelegt. Umso erstaunlicher ist es, dass das Projekt statt der veranschlagten 230 Millionen Euro letztlich nur 200 Millionen Euro kostete. Man darf gespannt sein, wie die Exponate in den Räumen wirken werden.

14. Februar 2009

Video-Ausschnitt
Über ARTFORUM bin ich auf den Webseiten des Walker Art Center auf ein interessantes Zwiegespräch zwischen Richard Flodd, dem Chefkurator des Hauses und Matthew Barney, dem Schöpfer des “Cremaster Circle” gestossen. Der Ton ist zwar bescheiden, aber das Gespräch ist sehr unterhaltsam und sehenswert für alle, die das epische Werk noch nicht so ganz verstanden haben. Hier geht es los: channel.walkerart.org.
23. Januar 2009
Duisburg hat seit gestern ein neues Schmuckstück. Neben dem Museum Küppersmühle und dem Wilhelm-Lehmbruck-Museum gibt es nun mit dem Museum Stiftung DKM ein weiteres Museum in der Stadt an der Ruhr. Ab Samstag den 24. Januar werden auf über 2.600 Quadratmetern erstmals Teile der Sammlung DKM der Öffentlichkeit zugänglich sein. In vierunddreißig Künstlerräumen, fünfzehn Themenensembles, fünf Dialogsituationen und drei Skulpturenhöfen wird unter dem Titel “Linien stiller Schönheit” der Sammlungshorizont, “Stille in der Schönheit und Schönheit in der Stille zu suchen”, präsentiert.

Museum Stiftung DKM, Fotos (c): SDKM & Werner J. Hannappel
Erstmals wird damit ein Teil der Sammlung DKM der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Seit 40 Jahren sammelt Bauunternehmer Maas nun, sein Partner seit rund 20 Jahren. Da kam einiges zusammen, ein wildes Sammelsurium: Internationale Kunst der Gegenwart – Skulpturen, Malerei, Zeichnungen, druckgrafische Folgen und installierte Räume – Reisefotografien aus dem 19. Jahrhundert, Paravents aus der japanischen Edo-Periode, buddhistische Skulpturen aus Gandhara und epochenübergreifendes Kunstgewerbe umfasst die Sammlung von Dirk Krämer und Klaus Maas. Bisher waren die Stifter mit einer “FensterGalerie” im Innenhafen vertreten. Diesen Raum wird es auch weiter geben. Doch der Wunsch nach einem größeren Ort für eine umfassende Sammlungspräsentation war einfach da. Im Museum DKM finden über 700 Werke und Artefakte ihrer Sammlung aus zeitlich, kulturell und geografisch höchst unterschiedlichen Zusammenhängen auf über 2.600 Quadratmetern Ausstellungsfläche in mehr als 50 individuell dimensionierten Räumen zusammen.
Der Titel dieser ersten Sammlungspräsentation “Linien stiller Schönheit” soll die Philosophie der Sammler widerspiegeln: alle Werke der Sammlung DKM sollen in Stille geschaut oder ersehen werden. Künftig wird es im Museum DKM neben der ständigen Sammlungsschau Wechselausstellungen geben. Das Museum DKM (Alt- und Neubau) wurde nach Entwürfen der Schweizer Architekten Egli, Rohr Partner auf einem Industriegrundstück der 60er Jahre realisiert und befindet sich im Zentrum der Stadt im Dellviertel zwischen Lehmbruck-Museum und Hauptbahnhof. Im inneren herrschen kühle Sachlichkeit und Eleganz, hohe weiße Räume mit viel Glas lassen den Exponaten viel Raum.
Die beiden Sammler haben das Museum eigentlich mehr für sich gebaut als für die Besucher und das hat dem Museum nicht unbedingt schlecht getan. Das Gebäude, die Ausstellung, die Werkpräsentation wurde weniger kunsthistorisch gewählt, sondern für eine optimale Erfahrung von Kunst ausgelegt. Das kann richtig spannend werden. Die Ausstellung und das Haus sind nicht unbedingt “erste Liga”, aber gerade das macht den Charme aus. Hier kann man sich ganz fallen lassen und Kunst und Raum erleben, ohne erschlagen zu werden. Das ist fast schon eine seltene Erfahrung geworden und man beneidet die beiden Sammler ein bisschen darum, dass sie abends ihr Museum und die Sammlung zu zweit geniessen können.
Mehr Informationen gibt es unter: www.stiftung-dkm.de/. Dort findet sich auch ein Interview mit den beiden Sammlern: www.stiftung-dkm.de/d/as/m/m09.0001/gespaechrsdkm.pdf