Alles auf Anfang!

9. Dezember 2008 | Kein Kommentar

So, nun ist es offiziell: Der österreichische Kurator Robert Fleck wird ab Januar neuer Indendant der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik in Bonn. Der 1957 in Wien geborene Kurator ist seit 2004 Direktor der Hamburger Deichtorhallen. Sein Amt in der Bundeskunsthalle tritt er bereits im Januar an und löst damit den Interimsintendanten Christoph Vitali ab. Der konnte in den zwei Jahren seiner Amtszeit kaum eigene Akzente setzen, dafür war seine Amtsperiode einfach zu kurz.

Dr. Robert Fleck, Direktor der Deichtorhallen Hamburg, Foto: Cameraphoto Arte, Venice

Fleck war Kommissar des österreichischen Pavillons bei der Biennale in Venedig, wo er den Maler Herbert Brandl präsentierte und 1988 zählte er zum Kuratorenteam der Manifesta 2 in Luxemburg. In den Jahren 2000 bis 2003 hatte er die Kunsthochschule im französischen Nantes geleitet. Fleck arbeitete auch als Autor und Kritiker.

Was für eine tolle Wahl, ich bin begeistert. Wenn Fleck so arbeitet, wie in Hamburg, kann das richtig gut werden. Schade nur für die Deichtorhallen, die sind jetzt auf der Suche nach Ersatz.

Voll Porno!

10. November 2008 | Kein Kommentar

Wie ich neulich lernen durfte, sagen Jugendliche heute nicht mehr “cool” oder “geil” wie zu meiner Zeit, sondern “voll porno”. Das trifft auch auf die Ausstellung “Diana und Actaeon. Der verbotene Blick auf die Nacktheit” im Düseldorfer museum kunst palast zu, die ist nämlich wirklich sehenswert. Voll porno, das findet auch die BILD-Zeitung, die findet die Schau allerdings nicht cool, sondern echauffiert sich über die Darstellungen und meint, das sei einfach nur Pornographie und keine Kunst.

Ihren Namen hat die Ausstellung von Ovids Mythos der Diana und des Actaeon. Bei einem Streifzug durch den Wald entdeckt der Jäger Actaeon die Göttin Diana beim gemeinsamen Bad mit ihren Nymphen. Überrascht vom begehrenden Blick des Actaeon, verwandelt die nackte Göttin der Jagd den Jäger in einen Hirsch. Von seinen eigenen Hunden nicht mehr erkannt, zerfleischen diese den hilflosen Actaeon.

Eric Fischl, Bad Boy, 1981
Öl auf Leinwand, 167,5 x 244 cm
Privatsammlung, Courtesy Thomas Ammann Fine Art, Zürich

Die Ausstellung zeigt ein großes Konvolut von 300 Gemälden, Skulpturen, Zeichnungen und Grafiken sowie Fotografien und Videos, die sich dem Themenkomplex von Keuschheit und Begehren, von Sehen und Gesehen werden, von Voyeurismus und Exhibitionismus widmen. So illustriert die Schau auch ein Thema, dessen Darstellung bis heute als Tabu gilt: die explizite Zurschaustellung des Geschlechts. All zu schnell schreien viele hier eben sofort “Porno!”. Dabei will die Ausstellung nicht einfach nur eine weitere zum Thema der Erotik in der Kunst sein, sondern konzentriert sich mit präzisen Fragestellungen auf Bildwerke, die vom verbotenen Blick auf das zumeist weibliche Geschlecht handeln.

Die Ausstellung handelt von Begierde, der verschlungenen Verknüpfung von Geschlecht und Geschlechtlichkeit mit Schönheit, Wahrheit und Ekstase. Sie handelt von Tabus und Tabubruch, von Schuld und Bestrafung und von der Erkenntnis, die unschuldig nicht zu haben ist. Dabei thematisiert sie ebenso die vielschichtige Faszination des Blickes auf den schönen weiblichen Körper, aber auch das Entsetzen, welches der Anblick des demonstrativ und schamlos unverhüllten weiblichen Geschlechts beim Betrachter auslösen kann.

So wie bei Eric Fischls Bad Boy (1981). Wahrlich ein böser Junge. Durch die Jalousien eines Fensters fällt Licht auf ein Bett. Auf diesem räkelt sich eine nackte Schöne. Den jungen Mann im Vordergrund bemerkt sie nicht oder es ist ihr egal, dass er da ist. Sie gibt sich ganz dem Augenblick hin. Durch die gespreizten Beine sieht der Betrachter ihre ganze Weiblichkeit.

Der böse Junge hat dem Betrachter den Rücken zugewandt und schaut der Frau zu. Hinter ihm steht auf dem Schreibtisch eine Handtasche. Es dürfte kein Zufall sein, dass die Öffnung der Handtasche einer Vagina nicht unähnlich ist. Die Hand des Voyeurs ist tief in der Handtasche verschwunden. Wie zufällig steht auch eine Obstschale mit Bananen auf dem Tisch. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, denn kein anderes Obst erinnert so sehr an einen Phallus, wie die Banane.

Ein tolles Kunstwerk, weil der Betrachter minutenlang vor der Werk stehen kann und darüber nachdenken kann, was dort geschieht. Der Maler hat viele Andeutungen und Informationen in das Bild gesteckt.

Der Frau scheint es egal zu sein, dass sie beobachtet wird, vielleicht zieht sie sogar einen Lustgewinn daraus, beobachtet zu werden. Die Hand in der Handtasche wirft gleich mehrere Fragen auf. Stiehlt der Bad Boy der Dame Geld? Die frivole Andeutung dürfte mehr sagen: Sigmund Freud höchstselbst deutete das Symbol der Handtasche als Vagina.

Ist er böse, weil er die Situation ausnutzt oder weil er der Frau in einem intimen Moment zuschaut und ihre Gleichgültigkeit ausnutzt? Deutet Fischl hier gar einen Ödipus-Komplex an,weil der Junge seien Mutter begehrt, was der Maler mit dem Griff in die Vagina – Verzeihung – in die Handtasche andeutet?

Oder ist etwa der Maler selbst der Bad Boy, weil er es wagte, der totgesagten figurativen Malerei mit diesem Bild neues Leben einzuhauchen? In Amerika löste das Bild Anfang der achtziger Jahre jedenfalls einen kleinen Skandal aus und machte den Maler über Nacht berühmt.

Die Ausstellung ist grandios und mit 300 Werken von 200 Künstlern mehr als opulent. Die Ausstellung aufgrund von ein paar wenigen grenzwertigen Bildern als pornographisch abzutun, wie es die BILD-Zeitung tut, ist nicht nur oberflächlich, es ist schlicht dumm. Natürlich sind Bilder wie die Fotografien von Nobuyoshi Araki so lange keine Pornografie, so lange es nicht um die Befriedigung sexueller Bedürfnisse geht, es also ganz klar einen künstlerischen Willen des Künstlers gibt und die Bildaussage klar ist. Auch wenn ich kein großer Fan von Araki bin, ich habe keine Pornographie entdecken können.

Ein kleiner Wermutstropfen ist die Fülle der Werke, da wirkt die Auswahl einfach manchmal zu beliebig und es wird langweilig. Ein wenig mehr Vorauswahl wäre vielleicht klug gewesen. Und was mancher Betrachter als pornographisch empfindet, ist meist nicht mehr als die Zurschaustellung eben jenes intimsten Körperteils. Und das ist ist mehr langweilig und banal als wirklich pornographisch.

Städel Museum goes Web 2.0

1. Oktober 2008 | Kein Kommentar

Es geschehen noch Zeichen und Wunder, die deutschen Museen entdecken das Internet. Das Städel Museum war zwar schon länger mit einer eigenen Webseite online, aber sehr spannend war die nicht. Jetzt hat man die Seiten überarbeitet, ein neues Design spendiert und multimedial aufgerüstet. Da gibt es Videostreams, Audiodateien, Kunstgeschichten, die Sammlung wird katalogisiert und mit Lupenfunktion online gestellt und in einer eigenen “Community” können Besucher diskutieren, Galerien basteln und Lieblingswerke auswählen. Ich bin begeistert, mehr davon. Bleibt zu hoffen, dass sich andere Museen daran ein Beispiel nehmen. Schaut rein, es lohnt sich: www.staedelmuseum.de.

Was macht eigentlich…?

3. September 2008 | 2 Kommentare

Was macht eigentlich der Untersuchungsausschuss Arp-Museum des rheinland-pfälzischen Parlaments? Erinnern Sie sich? Der sollte untersuchen, ob sich die Landesregierung Versäumnisse und Verfehlungen in Zusammenhang mit dem Arp-Museum in Remagen-Rolandseck vorwerfen lassen muss.

Da ist die Rede von verschwendeten Steuergeldern, von Kopien, die als Originale gekauft wurden, von entgegen den Absprachen verkauften Exponanten und posthumen Nachgüssen. Im Mittelpunkt steht vor allem die Zusammenarbeit zwischen aktueller Landesregierung und Arp-Verein, die nach endlosen Streitereien Ende 2007 beendet worden war.

Der Untersuchungsausschuss wurde von der CDU-Opposition beantragt und im Februar 2008 eingesetzt, obwohl sich die SPD/ FDP-Landesregierung keiner Schuld bewusst ist und darin nur ein Manöver der CDU sieht, den SPD-Bundesvorsitzenden und Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz, Kurt Beck, in Misskredit zu bringen.

Der Ausschuss kommt nur langsam in Fahrt, was vor allem daran liegt, dass solche Ausschüsse gerne für Scharmützel genutzt werden. So mancher Schachzug würde wohl jedem Winkeladvokaten Freudentränen in die Augen treiben.

In seiner konstituierenden Sitzung beschloss der Ausschuss auch gleich, sämtliche Akten der letzten vierzig Jahre zu untersuchen und als Beweise zu nutzen. Die SPD wollte gleich in die Offensive gehen und stellte Beweisanträge, die darauf abzielen, auch und insbesondere die Jahre der CDU-Regierung in Rheinland-Pfalz bis zum Regierungswechsel 1991 unter die Lupe zu nehmen. Die SPD-Fraktion will untersuchen, ob es schon damals zu einer Weichenstellung kam, die zur entstandenen Situation führen musste oder anders formuliert: Die SPD-geführte Landesregierung konnte gar nicht anders handeln, als sie es tat. Verträge gibt es da viele: mit Herrn Wasmuth, dem Spiritus rector des Künstlerbahnhofs Rolandseck, mit Vereinen und GmbHs, die den Bahnhof nutzten und finanzielle Förderung von der Landesregierung erhielten.

Inzwischen wurde der ehemalige Ministerpräsident Bernhard Vogel vernommen, der von 1967 bis 1976 Kultusminister war und anschließend das Land als Ministerpräsident führte. Wie das bei solchen Zeugenbefragungen ist, tun sich bei den Befragten große Erinnerungslücken auf. So will sich Herr Vogel nicht dran erinnern, dass Wasmuth als künstlerischer Leiter mit großzügigem Gehalt Kunstgegenstände erwarb, die das Land bezahlte. Gewusst haben will Vogel auch nicht, dass Wasmuth künstlerischer Leiter war und von der Stiftung ein großzügiges Monatsgehalt von knapp 10.000 Mark erhalten hat. Vogel bestritt in der Vernehmung, dass die Landesregierung damals schon an ein Museum gedacht habe und das Museum nur gekauft habe, um eine Begegnungstätte und ein Kulturobjekt zu schaffen. Der ehemalige Kulturminister Dr. Gölter bestätigte dies.

Während SPD-Obmann Pörksen frohlockt und sich darin bestätigt sieht, dass die SPD einfach nur da weitergemacht hat, wo die CDU aufgehört hat, sieht der Sprecher der CDU-Landtagsfraktion im Ausschuss den Beweisantrag der SPD als “zerbröselt” an. Die Wahrheit dürfte in der Mitte liegen und die CDU hat sich hier sicher nicht mir Ruhm bekleckert.

Allerdings ist der Versuch unsinnig, der CDU die Schuld in die Schuhe zu schieben und so zu tun, als habe die SPD geführte Landesregierung die Verträge einfach erfüllen müssen und gar nicht anders handeln können, denn es wurden in den 90er Jahren und sogar noch 2005 neue Verträge geschlossen und an diesen auch festgehalten, als längst offensichtlich war, dass es im Bahnhof Rolandseck zumindest Unregelmäßigkeiten gab. Auch als Arp-Experten und Journalisten Zweifel hegten an den Machenschaften des Arp-Vereins und den posthumen Güssen, verteidigte die Landesregierung den Verein und das Projekt. Damals bestand aber auch noch Hoffnung, sich mit dem Projekt schmücken zu können. Inzwischen sieht es eher so aus, als würden alle Beteiligten so tun, als habe dieses Museum nie jemand gewollt und keiner sei dafür verantwortlich.

Richtig interessant wird es in den nächsten Sitzungen des Untersuchungsausschusses, in denen die letzten 17 Jahre beleuchtet werden sollen. Als Zeugen sollen Ministerpräsident a.D. Rudolf Scharping, Staatsministerin a.D. Dr. Rose Götte, Staatssekretär a.D. Ernst Eggers, Senator Dr. Thilo Sarrazin, Staatssekretär Prof. Dr. Joachim Hofmann-Göttig und Ministerpräsident Kurt Beck vernommen werden. Es wird spannend…

Inzwischen räumte Kultur-Staatssekretär Hofmann-Göttig ein, dass es sehr schwer sei, Sponsoren für das Museum zu gewinnen. Trotz intensiver Bemühungen sei es problematisch, Sponsoren für das Museum zu begeistern.

Für das Museum wurde inzwischen eine neue Landesstiftung gegründet, die Träger des Museums sein soll. Außerdem bekommt das Museum einen neuen Direktor: Dr. Oliver Kornhoff, Stellvertretender Leiter der Städtischen Galerie Bietigheim-Bissingen, wird neuer Leiter des Museums.

MoMA mit Videos

4. Juni 2008 | Kein Kommentar

Das Museum of Modern Art (MoMA) in New York bietet seit kurzem ausführliche Videos zu seinen Ausstellungen an.  Mehr unter: <a href=”www.youtube.com/user/MoMAvideos” target=”_blank”>www.youtube.com/user/MoMAvideos</a>. 

Alles Neue macht der Mai

29. Mai 2008 | Kein Kommentar

Gleich zwei neue Museen haben im Mai ihre Pforten geöffnet. In Cottbus hat das Museum Cottbus endlich ein eigenes Zuhause und heißt jetzt kunst.museum.dieselkraftwerk. War es früher in einer Einkaufsstraße eingequetscht zwischen Schuhgeschäften und Klamottenläden, darf es sich jetzt im Stadtpark breit machen, aber nicht etwa auf einer Parkbank, sondern im alten Dieselkraftwerk. Und man glaubt es kaum: Die ehemalige Industrieanlage ist so herrlich für Kunst geschaffen, wie es ein eigens konzipierter Bau nicht besser hätte sein können.

Das Kraftwerk, das von dem Berliner Architekten Werner Issel 1928 geplant und erbaut wurde, stand seit 1990 leer. Das Haus ist ein streng wirkender, mehrgliedriger Ziegelbau mit einem schicken Turm. Markant sind die vielen horizontalen Fensterbänder, die viel Tageslicht ins Innere lassen. » Weiterlesen «

Jedes Jahr eine neue Enttäuschung

1. April 2008 | 4 Kommentare

Jedes Jahr Ende März veröffentlicht “Le Journal des Arts” die Statistik der Museen- und Ausstellungsbesucher des vorangegangenen Jahres. Und jedes Jahr wieder die gleiche Enttäuschung: kein deutsches Museum ist unter den ersten Zehn. Gut, das ist sicher kein Gradmesser für die Qualität der Häuser und ihrer Ausstellungen. Ganz im Gegenteil, das predige ich ja selbst immer wieder, aber schön wäre es schon, jedes Jahr wenigstens ein oder zwei deutsche Museen in der Liste zu haben.

Auf Platz eins und Platz zwei liegen die wichtigsten französischen Museen mit unschlagbaren 8,3 Millionen (!) Besuchern im Louvre und 5,5 Millionen Besuchern im Centre Pompidou. Auf Platz drei folgt dann das British Museum in London mit 5,4 Millionen Besuchern und dann die Tate Modern (London) mit 5,1 Millionen Gästen.

[via buzzeum.com ]

Das Städelmuseum baut an

20. Februar 2008 | 3 Kommentare

Das Städelmuseum in Frankfurt braucht dringend Platz. Deshalb hat man beschlossen, das Museum zu erweitern und einen Architekturwettbewerb ausgeschrieben. Der ist jetzt entschieden. Gewonnen hat das Frankfurter Architekturbüro Schneider+Schumacher. Der Entwurf des Teams sieht für die Präsentation der Kunst nach 1945 eine Museumshalle unter dem Städelgarten vor.

Ansicht Neubau Städelmuseum, Schneider+Schumacher Architekturgesellschaft mbH, Frankfurt am Main

Ansicht Neubau Städelmuseum
Schneider+Schumacher Architekturgesellschaft mbH, Frankfurt am Main
Foto: © Städelmuseum

Die Idee kam auch einigen Mitbewerbern, denn so bleibt der schöne Städelgarten erhalten und die Blickachsen frei. Das besondere des Entwurfs ist das “Dach” des Ausstellungsraumes. Die Fläche wölbt sich zur Mitte hin auf und die runden Fenster vergrößern sich zum Zentrum, so wird der plastische Eindruck verstärkt. Fast wirkt der Entwurf von oben wie ein Gemälde von Victor Vasarely. Die Wetbewerbsjury drückt es poetischer aus: “Ein leuchtendes Juwel am Tag, ein Lichtteppich in der Nacht – etwas ganz Besonderes ist den Architekten Schneider + Schumacher mit dem Entwurf zur Erweiterung des Städel Museums gelungen”.

Auch andere Entwürfe sind überzeugend, doch grundsätzlich wirken alle Modelle, die auf einen oberirdischen Anbau setzen, sehr beengt, da der Neubau von drei Seiten begrenzt wäre. Neue Architektur könnte hier kaum noch wirken. Der Blick von Nordosten aus der Dürerstraße wäre verbaut. Die oberirdischen Entwürfe waren durchaus ansehnlich, für diese “Baulücke” aber ungeeignet. So stand eigentlich von vornherein fest, dass nur eine unteridische Lösung gewinnen konnte.

Unbedingt besuchen: Galerie Lichtpunkt

15. Februar 2008 | Kein Kommentar

Ich habe vor einigen Wochen eine neue Galerie entdeckt, die ich bisher noch nicht auf meinem Radarschirm hatte. Vielleicht liegt es daran, dass mir Galerien suspekt sind, die nicht den Namen der Inhaber tragen sondern so wahnsinnig fantasievolle Namen wie Kunstraum, raum 08/15, schicke englische Termini oder irgendwelche kryptischen Zahlenkürzel. Ich muss vorurteilsfreier werden, denn die Galerie Lichtpunkt ist ein kleines Schmankerl und ein wahrer Lichtpunkt in der bayrischen Hauptstadt.

Für mich war die Galerie eine Entdeckung in den letzten Wochen und ich kann nur jedem nahelegen, die Galerie bei einem Münchenbesuch unbedingt zu besuchen. Das Portfolio der Galerie ist ausgezeichnet und die Ausstellungen der letzten Jahre fast alle wirklich hochkarätig. Galerist Horst Ambacher präsentiert vor allem zeitgenössische Kunst im Bereich der figurativen Malerei, aber auch Fotografie und Installationen sind in der Galerie zu finden. Besonders interessant waren die letzten beiden Ausstellungen.

Daniel Schüßler, »Dynastie Discordia«, 2007, Collage/Acryl auf Leinwand, 120 x 150 cm.

Daniel Schüßler, “Dynastie Discordia”, 2007
Collage/Acryl auf Leinwand, 120 x 150 cm
© Galerie

Gerade vorbei ist die Ausstellung des Künstlers Daniel Schüßler, der in seinen Gemälden der Frage nach geht, wie wir zukünftig leben wollen – oder können – oder müssen. Spannend ist vor allem die Verknüpfung aus gemaltem Bildraum und fotografischen und digitalen Elementen, die Reales und Fiktion verschwimmen lässt. Er malt meist menschenleere Landschaften in denen Behausungen stehen. Außerdem arbeitet Schüßler auch mit Installationen. Zu fast jeder Leinwandarbeit fertigt er ein Modell, das sich als Collagebestandteil in der Leinwandarbeit wiederfindet.Vom Pappkarton über amerikanische Holzhäuser bis zum “Hubhaus” ist alles dabei. Diese urbanen Landschaften wirken kalt, abweisend und unfertig, als sei alles im Wiederaufbau nach einem nuklearen Katastrophe. Manchmal wirken die Häuser, als seien sie aus Ruinen entstanden und mit gefundenem Baumaterial ergänzt. Schüßler nennt das postdestruktive Kreativität.

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Besuch im Arp-Museum

30. Januar 2008 | 3 Kommentare

So, ich habe mir extra Zeit genommen, um das neue Arp-Museum in Remagen-Rolandseck ausführlich zu erkunden. Bewusst bin ich nicht schon vorher dort gewesen. Das Museum wurde im September eröffnet und war schon lange vorher in den Schlagzeilen. Darauf möchte ich hier jetzt allerdings nicht eingehen. Also zum Museum.

Der Eingang des Museums liegt im alten Bahnhof von Rolandseck, einem klassizistischen Bau, der mit viel Liebe zum Detail und schönen Materialien modernisiert wurde, ohne dass er seinen Charakter verloren hat. Der Eingang liegt ebenerdig quasi im Keller. Der Bahnhof bietet Ausstellungsräume, Veranstaltungssäle, einen Kunstladen, ein Bistro und die Garderobe. Schon links und rechts der wuchtigen Eingangsglastür wird klar, wem das Museum gewidmet ist. Dort stehen Skulpturen von Arp. Durch einen Tunnel geht es unter den Gleisen hindurch in eine große, zweigeteilte Halle, in dem ein großer Ausstellungsraum zur Verfügung steht, der sich für zeitgenössische Kunst gut nutzenlässt.

Duch einen langen Gang mit Glasfront geht es zum Aufzug. Ein erster Höhepunkt. Mit dem Lift geht es durch eine konisch zulaufende Röhre aus dem Dunkel der Erde ans Licht. Wer aus dem Aufzug tritt landet auf einer Plattform auf der man auch nach draußen treten kann und einen herrlichen Blick auf den Rhein und den zu Füßen liegenden Bahnhof hat. Über eine Art Steg mit gläsernen Wänden geht es zum Museumsneubau von Richard Meier.

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