Jean Dubuffet in München

23. Juli 2009 | Kein Kommentar

Beim Namen Jean Dubuffet (1901-1985) fallen den meisten Menschen die schraffierten Bilder in Rot, Blau, Weiß und Schwarz ein, doch der Künstler war viel mehr. Eine Übersicht über seine Arbeit zeigen die Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung und das Literaturhaus in München. Das Literaturhaus? Ja, denn der Künstler war ein Multitalent: Maler, Bildhauer, Dichter, Schriftsteller, Musiker, Bühnenbildner und Grafiker. Im Literaturhaus sind Künstlerbücher ausgestellt, handgeschriebene Texte, Lithografien und Zeichnungen. Besonders schön ist die erstmalige Übersetzung der Texte in das Deutsche. Dubuffet nutzte einen Mischmasch aus gehobenem Französisch und Argot, die Sprache der Bettler und Gauner im Frankreich des Mittelalters.

In der Kunsthalle erwartet die Besucher ein spannender Rundgang durch Dubuffets Oeuvre. Die Hypo-Kunsthalle hat 150 Gemälde, Skulpturen und Arbeiten auf Papier zusammengetragen. In dem dezentem Grau der Wände wirken die farbenfrohen Arbeiten des Franzosen noch strahlender und leuchtender, die erdigen Materialbilder hingegen noch düsterer.

Viele der Werke sehen aus wie von Kinderhand gezeichnet, naive Kunst sagt man dazu, allerdings ist Dubuffet alles andere als naiv und seine Kunst zutiefst intellektuell. Dubuffet selbst nannte diese Kunstgattung Art Brut, wollte sie jedoch nicht auf seine Arbeit angewendet wissen, sammelte jedoch solche Arbeiten begeistert. Inzwischen wird dieser Begriff auch für naive Kunst und für die Kunst geistig Behinderter angewandt. Dies dürfte auch Dubuffets größter Verdienst sein. Die Kunst von Menschen, die nicht der Norm entsprechen, rückte er ins Licht der Öffentlichkeit. Sammlungen wie die des Psychiaters Hans Prinzenhorn in Heidelberg wären nie so bekannt geworden ohne die Vorarbeit Dubuffets.

Dubuffet, der erst 1944 seine erste Einzelausstellung hatte, nahm die Bildwelt von Kindern und Geisteskranken auf, von Straßenkünstlern und die Schmierereien an öffentlichen Orten. Er propagierte sie als roh und unverfälscht. Er begann mit den figurativen “Marionettes de la ville et de la campagne”. Dubuffet löste sich schnell von der Fläche und mischte Sand, Kitt, Leim und Gips unter die Farben, die so eine taktile Oberfläche erhielten. Es entstanden die oft düster wirkenden, erdigen Materialbilder mit Porträts von Menschen aus Paris, nach Sahara-Reisen auch aus der Wüste. In einem anderen Raum sieht man sinnliche “Corps de dames”, Frauenkörper. Diese sind allerdings alles andere als naiv oder unschuldig. Üppige Brüste und Vaginas in grellen Farben konterkarieren den naiven Stil der Bilder.

Jean Dubuffet, Frau probiert einen Hut, 1943

Jean Dubuffet, Frau probiert einen Hut, 1943
© VG Bild-Kunst, Bonn 2009 – Foto: Fondation Dubuffet, Paris

Seine berühmtesten Werke, die Bilder des “Hourloupe”-Zyklus, entstand zu Beginn der 60er Jahre. Dubuffet schuf zellenartige Strukturen, die er mit Schraffuren füllte. Er beschränkte sich dabei auf die Farben Rot, Schwarz, Blau und Weiß. Oft sind die Zellen Fragmente von gegenständlichen Bildinhalten, wie kleine Puzzle. Ende der 60er Jahre setzte er diese Arbeiten in großformatigen Skulpturen aus Styropor, Polyester und Kunstharz um. Man fühlt sich gelegentlich an knautschige Comicfiguren erinnert, wenn man vor den eigentümlichen Arbeiten steht. Dubuffet schuf Bühnenszenen und Kostüme für sein surrealistisches Theaterstück “Coucou Bazar”, sogar ganze Gartenlabyrinthe wie den “Jardin d’ Émail” im niederländischen Kröller-Müller-Museum. Mit zunehmendem Alter rückten seine Leinwände dann wieder in den Vordergrund, es entstanden große, leuchtende, farbige Werke, von den “Sites” (Gegenden) über die “Mires” (Blickpunkte) bis zu den “Non-lieux” (Nicht-Orte).

Dubuffet war für viele Künstler Vorbild und sowohl die Abstrakten Expressionisten als auch die europäischen Künstler des Informel beriefen sich auf ihn und waren begeistert von seinen Arbeiten. Während das Publikum in Europa anfangs zurückhaltend reagierte und sich fragte, ob das denn überhaupt Kunst sei, feierte Dubuffet in Amerika schnell große Erfolge. Schon 1947 hatte er in der renommierten Galerie von Pierre Matisse in New York seine erste Einzelausstellung. Dabei fing seine Karriere alles andere als viel versprechend an. Er wurde in eine wohlhabende Weinhändlerfamilie in Le Havre geboren. Nach dem Abitur studierte der Kunst in Le Havre, ging dann nach Paris um dort Musik und Philosophie zu studieren und lernte die Surrealisten kennen. Doch er gab auf und ging zurück nach Le Havre, um im elterlichen Betrieb als Weinhändler zu arbeiten. Doch der Schaffensdrang war zu groß und er kehrte der bürgerlichen Welt erneut den Rücken. In der Nachkriegszeit errang er dann schnell weltweiten Ruhm.

Die tolle Retrospektive “Ein Leben im Laufschritt” und die Ausstellung “…das Papier beleben” im Literaturhaus bieten einen umfassenden Überblick über das Schaffen des Tausendsassas. Die Ausstellung läuft noch bis 13. September 2009. Zur Ausstellung erschien ein Katalog bei Schirmer zum Preis von 24 Euro.

Mehr: Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung und Literaturhaus München.

Städtische Affären der anderen Art

14. Juli 2009 | Kein Kommentar

Das Stadtbad Wedding war einst ein lebendiger Ort. Hier plantschten die Menschen des Stadteils bis das Schwimmbad 2001 dem Sparzwang der Stadt zum Opfer fiel. Nun ist das Stadtbad zum Stattbad geworden und soll lebendiger Kulturort werden. Im Haus sollen Ateliers und Studios entstehen, Kreativ-Arbeitsplätze und reichlich Platz für Ausstellungen, Konzerte, Theater und Lesungen. Organisiert wird die Neubelebung unter anderem durch die Berliner Agentur RIOTarts. Die Kunstagentur hat sich ganz der Street Art verschrieben und das Projekt Urban Affairs ins Leben gerufen, ein “Event”, das nun schon zum zweiten Mal Street Art in Berlin präsentiert. Veranstaltungsort ist, wie sollte es anders sein, eben jenes Stattbad.

Die Agentur hat einiges zusammengetragen und ermöglicht einen kleinen repräsentativen Überblick. Streetart, das ist längst nicht mehr nur einfaches Graffiti. Stencil Art, mit Schablonen gesprühte Kunstwerke sind einer der neueren Trends. Die Verkaufserlöse für Werke eines der Hauptprotagonisten, des fast schon legendären Banksy, erreichen inzwischen fast schon schwindelerregende Höhen. Zu den neueren Gattungen gehört auch das “Ad Busting”, bei dem Werbung im öffentlichen Raum “neu gestaltet” wird, um so die Aussage zu konterkarieren, zu verdrehen oder ins Lächerliche zu ziehen. Relativ neu ist auch “Tape Art”, bei der die Kunstwerke aus Plastikklebebändern gefertigt werden. In Berlin ist El Bocho vertreten, der mit seinen Klebebändern fast schon lyrische Werke schafft, die ein wenig an Pop-Art erinnern.

Wand des Stattbades Wedding, El Bocho, 2009

Wand des Stadtbades Wedding, Werk von El Bocho, 2009, Foto: El Bocho

Doch die Bandbreite ist noch viel größer. Der Künstler 1010 mischt Cutouts aus Papier mit Malerei. Der Künstler Mo Magic ist mit Videos von bunten Spielzeugautos vertreten, die an Marshmallows erinnern. Spannend und hintergründig sind die Arbeiten von Emess, der mit Graffitis, Schablonen, Plastiken und Skulpturen auf politische und gesellschaftliche Veränderungen aufmerksam machen will – nicht selten auf irritierende, provokante und ironische Art. Da prangt dann schon mal an der Baugrube des ehemaligen Palastes der Republik in großen Lettern: “DIE DDR HAT’S NIE GEGEBEN.” Spannend sind auch die Arbeiten von Anton Unai der auf ähnliche Weise wie Emess Kunst in den öffentlichen Raum integriert. Besonders die starken bildhauerischen Arbeiten begeistern. Sie sind meist zusammengesetzt aus Abfall der urbanen Gesellschaft, Fragmente des Massenkonsums und der Massenmedien werden zu neu zusammengesetzt. Aber auch die Bilder sind von besonderer Qualität, erzählen ganze Geschichten, nehmen literarische Referenzen auf und bedienen sich einer Ikonographie, die an Religion und Werbung erinnert.

Längst ist Street Art mehr als nur Subkultur und das Beschmieren von Häuserwänden und Zügen. Street Art ist gesellschaftskritisch, prangert soziale Missstände an oder macht auf Veränderungen des urbanen Raumes aufmerksam – oder anders ausgedrückt: Es ist Kunst. Noch immer sind die meisten Künstler anonym, doch inzwischen ist ihre Kunst längst kommerzialisiert und wird in Galerien gezeigt und verkauft. Geschadet hat das dem noch jungen Kunstzweig nicht, im Gegenteil, überall etabliert sich eine vitale Street Art-Szene und einige Künstler können davon inzwischen sogar recht gut leben.

Wer sich für Street Art interessiert, sollte auf jeden Fall bei Urban Affairs extended vorbeischauen. Es lohnt sich! Die Ausstellung wird begleitet von einem umfangreichen Rahmenprogramm und läuft noch bis zum 31. Juli 2009.

Mehr unter: urbanaffairs.de

documenta digital

25. Juni 2009 | Ein Kommentar

Im November 2006 hatte das documenta Archiv mit dem breitgefächerten Projekt “Mediencluster documenta und Gegenwartskunst” begonnen, sämtliche Fotos und Dias sowie die gesamten Presseartikel der documenta 1 bis 5 zu digitalisieren, da der Bestand des Archivs (insbesondere die Dias) akut bedroht war. Durch die Förderung mit 500.000 Euro durch die Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) war es möglich, die einzigartigen Materialien der frühen documenta-Geschichte zu sichern. Über 10.000 Bilder und über 12.000 Zeitungsausschnitte wurden digitalisiert.

Mit dem Abschluss dieses aufwändigen Digitalisierungsprojekts ist nun nicht nur ein Online-Zugang in den Bibliotheksbestand des documenta Archivs, sondern auch in die Bild-, Video- und Pressesammlung möglich. Ein Folgeantrag für die vollständige Medien-Bearbeitung der späteren documenta-Ausstellungen 6 bis 12 wurde an die DFG gestellt und wird hoffentlich bewilligt, damit der gesamte Schatz “gehoben” werden kann. Die Datenbank ist im Internet zugänglich unter http://documentaarchiv.stadt-kassel.de. Es lohnt sich, rein zu schauen!

Deutscher Biennale-Pavillon wird zum Möbelhaus

20. Juni 2009 | Ein Kommentar

Alle zwei Jahre wird Venedig zum Nabel der Kunstwelt, die Biennale di Venezia zeigt aktuelle Positionen zeitgenössischer Kunst aus der ganzen Welt. In diesem Jahr ist es wieder so weit und seit 07. Juni 2009 läuft nun die 53. Ausgabe. Neben allerlei Ausstellungen gehören die nationalen Pavillons zum Kern der Biennale und natürlich hat auch Deutschland einen Pavillon. Der Pavillon wurde 1909 erbaut und während der nationalsozialistischen Diktatur umgestaltet. leider sieht man das dem Gebäude bis heute an. Es ist ein hässliches Monstrum. So weit so gut. Immerhin kann man ihn ja im Inneren mit Kunst gestalten und ihm ein bisschen Erhabenheit und Würde verleihen.

In diesem Jahr ist aber etwas anders. Im Allgemeinen werden in den Länderpavillons zeitgenössische Künstler aus den jeweiligen Ländern präsentiert. Das ist natürlich kein Muss, aber für Besucher gerade interessant, weil man so Kunst aus unterschiedlichen Ländern sieht, Gemeinsamkeiten und Unterschiede, Verbindendes und Trennendes kennenlernt und Neues sieht. Die Kreativen müssen natürlich nicht die deutsche Staatsbürgerschaft haben, es können auch Künstler sein, die hier dauerhaft leben. Kurator Nicolas Schafhausen hat sich allerdings in diesem Jahr entschieden, den in New York und London lebenden Briten Liam Gillick auszustellen.

Gillick gehört zu den Young Britisch Artists, jenen in den Neunzigern kometenhaft aufgestiegenen jungen britischen Künsltern um Damien Hirst, Tracy Emin, Jenny Saville, Sarah Lucas und Chris Ofili. Warum Schafhausen keinen deutschen Künstler wählte, erschließt sich mir nicht, es gäbe so viele wunderbare Künstler in diesem Land, dass man eigentlich die Qual der Wahl hat. Schade drum, aber nun gut. Man könnte diese Auswahl ja auch als Hinweis darauf verstehen, dass Kunst keine Grenzen kennt und die Probleme, mit der sich Künstler auseinandersetzen (müssen), überall auf der Welt ähnlich sind. Und Deutschland ist ja mit Wolfgang Tillmans, Ulla von Brandenburg, Tobias Rehberger und Hans-Peter Feldmann eigentlich auch gut vertreten.

Wäre Gillick ein Glücksgriff, hätte ich vielleicht nur gegrummelt, aber das was uns Gillick zeigt, ist an Banalität kaum zu überbieten. Man betritt den Pavillon durch einen Vorhang aus bunten Plastikstreifen. Gillick hat in den Räumen eine selbst gebaute Küche aufgestellt, eine die an IKEA in den achtziger Jahren erinnert – können sie sich erinnern? Kiefernholz, eckig, praktisch und sterbenslangweilig. Vorbild war allerdings die “Frankfurter Küche”, ein Entwurf der Wiener Architektin Margarete Schütte-Lihotzky, die diese einfache und pragmatische Küche 1926 für Arbeiterwohnungen entworfen hatte. Die Küche ist komplett leer, nur auf einem der Schränke sitzt eine Katze. Die beeidruckt wenigstens damit, dass sie spricht. Sie erzählt eine im Kreis drehende Geschichte von Fehldarstellungen, Missverständnissen und Wünschen. Das war es.

Blick in den deutschen Pavillon, Foto: Liam Gillick

Blick in den deutschen Pavillon, Foto: © Liam Gillick

Garniert wird das Kunstwerk mit einem hochtrabenden Wortkonvolut Die Küche sei “eine Art Diagramm aus Modernitätsbestreben und Funktionalität” und fungiere zudem als “Echo des angewandten Modernismus”. Und weiter:

“Dieser steht im Gegensatz zu der Erhabenheit des Pavillons, der ohne sanitäre Anlagen, Küche oder Ruhezone gebaut wurde. Die Küchenkabinette besetzen die Übergänge vom zentralen in die seitlichen Räume. Die Küche steht in Spannung zur Logik des Gebäudes. Man könnte vielleicht sogar sagen, dass sie ein Vermächtnis des funktionalen Modernismus ist, und die Aufgabe übernimmt, gegen die Ideologie der Pavillon- Architektur zu arbeiten.

Liam Gillick hat sein tägliches Arbeitsumfeld – seine Küche, die er als improvisiertes Studio nutzt – in den Deutschen Pavillon übertragen. Nach monatelangem Arbeiten in seiner eigenen Küche, umschlichen von der Katze seines Sohnes, beschäftigte er sich mit den Fragen „Wer spricht? Wer spricht mit wem und mit welcher Berechtigung?”, während die Katze stets versuchte, seine Arbeit zu unterbrechen.

Nein, das war nichts, das hätte jeder Kunststudent besser gemacht. Einen weiteren Bericht von der Biennale gibt es in den nächsten Tagen…

Ein bisschen mehr Kultur im Blätterwald

5. Juni 2009 | Kein Kommentar

Ich muss zugeben, dass ich im letztem Jahr eine der gängigen Fernsehzeitschriften abonniert habe. Es war mir schlicht zu mühsam daran zu denken, pünktlich eine Zeitschrift zu kaufen, wenn der Samstag kommt. Sich zu entscheiden, welche Zeitschrift man nimmt, ist gar nicht so einfach, weil alle gleich aussehen und teilweise identische Inhalte anbieten. Auf den Titelseiten finden sich meist halbnackte, retuschierte Schönheiten. Die Hefte sind schön dick, was daran liegt, dass vor und nach dem Programmteil viele schöne Geschichten stehen, über Promis, Stars und Sternchen, Kaufanreize für DVDs und Multimediaschnäppchen, die ich unbedingt brauche – das jedenfalls suggeriert man mir. Mir wäre es lieber, man würde das weglassen und dafür die Zeitschrift billiger machen, aber auf mich hört man nicht.

Was das hier zu suchen hat? Ich habe im aktuellen journalist, der Zeitschrift des Deutschen Journalistenverbands einen interessanten Artikel entdeckt, der von einem neuen Projekt zweier Frankfurter Journalisten berichtet, die mit einer neuen Fernsehzeitschrift auf den Markt wollen. Ein Dummy, ein Muster, hat man auch schon produziert. Die neue Zeitschrift soll “PROGRAMM – MAGAZIN FÜR FERNSEHEN UND KULTUR” heißen.

Leider blitzten die beiden mit ihrer Idee bei den großen Verlagen bisher ab. Der Markt sei gesättigt, die Zielgruppe zu spitz (die Zielgruppe ist zu klein und zu deutlich eingegrenzt) – um Ausreden ist man in Zeiten der Wirtschaftskrise nicht verlegen, um das Projekt nicht auszuprobieren. Dabei wäre es genau die Fernsehzeitschrift, die ich mir wünschen würde und ich glaube, viele andere auch. Tolles Design, keine Texte von der Stange und ein gehobenes Niveau rund um Fernsehen und Kultur und abseits des Promigeplauders. Angeblich sei sie auch zu teuer, dabei wäre ich gerne bereit, 2,50 Euro und damit einen Euro mehr auszugeben, wenn ich dafür das Heft in der angebotenen Qualität bekäme! Dass die Idee funktionieren kann, zeigt Télérama in Frankreich mit einer Auflage von 50.000 bis 100.000 Exemplaren pro Ausgabe. Liebe deutsche Verlage: Ihr seid Feiglinge!

Titelbild des Dummy von PROGRAMM

Titelbild des Dummy von PROGRAMM

Warum ich das schreibe? Ich habe die Hoffnung, dass möglich viele Menschen davon Wind bekommen und das Heft abonnieren wollen. Das kann man bereits, zwar ist das nur eine Absichtserklärung und kein rechtsverbindliches Abonnement, aber vielleicht wird die Zahl der Abowilligen so groß, das sich doch noch Verlag findet. Zu wünschen wäre es! Ich würde glatt kostenlos arbeiten…

Mehr unter: www.programm-magazin.de

Neues Magritte-Museum in Brüssel

4. Juni 2009 | Kein Kommentar

Brüssel weihte vorgestern sein neues Museum für einen großen Sohn der Stadt ein. Nein, nicht für den Comics-Zeichner Hergé, der Tim und Struppi erfand, sondern René Magritte. Auf drei Stockwerken zelebriert das Museum Kunst und Leben von Magritte mit 75 Gemälden, 58 Zeichnungen, Postern, Fotos, Videos und Werbearbeiten. Insgesamt hat man 250 Arbeiten des Surrealisten zusammengetragen.

Das Haus selbst ist ein wahres Schmuckstück. Es liegt zentral in der Innenstadt nahe des Königlichen Palastes und des Museums der Schönen Künste am Place Royale (Koningsplein). Untergekommen ist das Museum im klassizistischen Altenloh-Palast, der entkernt, komplett saniert und nach modernsten Gesichtspunkten als Museum neu eingerichtet wurde. Im Erdgeschoss liegen Eingang, Kino, Shop und Buchladen, in den oberen drei Stockwerken sind die Arbeiten des Künstlers und im Untergeschoss gelangt man in das benachbarte Museum der schönen Künste.

Und weil es so schön ist, bekam Hergé am gleichen Tag ebenfalls ein Museum in der belgischen Hauptstadt. Für mich als Tim und Struppi-Fan fast noch sehenswerter…

Weitere Informationen: www.musee-magritte-museum.be und www.museeherge.com

Körper im Rausch der Farben

30. April 2009 | Kein Kommentar

Sex sells. Das funktioniert immer wieder. Ob sich das auch die in New York lebende Britin Cecily Brown (1961) gedacht hat, als sie in den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts den Kunstmarkt eroberte? Eigentlich waren ihre Bilder ja nur eine müde Provokation, längst sind wir abgestumpft. Sie selbst sagt, dass es ihr nie um eine Provokation ging. Sie wollte dem Emotionalen in den pornografischen Szenen nachspüren.

Brown malte Szenen aus Sexmagazinen ab. Doch wie sie das tat, erregte Aufsehen. Ihr Bilder sind energiegeladen, immer hart an der Grenze zwischen Abstraktion und Figuration, mal mehr das eine, dann wieder mehr das andere. Immer schwelgt sie aber in einem Rausch aus Farben. Perfekt versteht sie es, mit den Farben zu spielen, erzeugt aus kalten und warmen Farben Raumtiefe, Energie und Bewegung. Manchmal sind die menschlichen Körper nur noch angedeutet als “fleischfarbene Klumpen”, dann wieder in Pollock’scher Manier getröpfelte und gespritzte Linien.

Blick in die Ausstellung "Cecily Brown", Deichtorhallen Hamburg, 2009, Foto: Wolfgang Neeb, Deichtorhallen Hamburg

Blick in die Ausstellung „Cecily Brown“, Deichtorhallen Hamburg April 2009
Cecily Brown, 1000 Thread Count, 2004
Foto: © Wolfgang Neeb. Courtesy Deichtorhallen Hamburg

Immer wieder ist die Präsenz von Körpern in den Bildern spürbar, auch ohne das die Malerin sie endgültig ausformuliert. Sie arbeitet oftmals Monate an einem Bild, bis sie es perfekt findet. Nichts soll zu sehr an Sex erinnern und doch soll er spürbar bleiben. Der Betrachter soll genau hinschauen, lange hinschauen, in das Bild versinken und die Situation erst langsam erfassen. Vorbei die Zeiten, in denen man auf den ersten Blick sah, was da im Bild vor sich geht und neben dem kopulierenden Paar alles andere vergisst.

In den letzten jahren ging sie immer mehr zur Abstraktion über. Fast scheint es so, als würde sie sich ganz auf das fokussieren, was den Sex ausmacht: Energie, Bewegung, Verschmelzung und Auflösung. Die Natur scheint in ihren Bildern eine immer wichtigere Rolle zu spielen. Ihre Arbeiten scheinen immer mehr vom einstigen Bildthema abzuweichen und doch irgendwie darin gefangen zu bleiben. Kein Wunder. Einer der meist zitierten Sätze der Malerin lautet: “Sex ist die treibende Kraft hinter fast allem, was so vor sich geht.” Wer will da schon widersprechen?

Herbert Brandl, Ohne Titel, 2008, Öl auf Leinwand, Courtesy: Galerie Sabine Knust, München Fotograf: Franz Schachinger © Herbert Brandl

Herbert Brandl, Ohne Titel, 2008
Öl auf Leinwand, Firnis 260 x 502 cm
Courtesy Galerie Sabine Knust, München Fotograf: Franz Schachinger © Herbert Brandl

Zeitgleich zeigen die Deichtorhallen Herbert Brandls großformatige Arbeiten. Brandl selbst hatte sich Brown als “Mitausstellerin” gewünscht und der Wunsch wurde ihm gerne erfüllt. Ein genialer Schachzug, denn so ähnlich die Künstler den Rausch der Farben auch feiern, so unterschiedlich sind sie doch. Auch Brandl arbeitet an der Grenze von Figuration und Abstraktion. Doch seine Bilder wirken wie Ruheoasen gegen Browns Orgien. Immer wieder scheinen in den gegenstandslosen Bildern figurale Bildaussagen durch. Fast immer sind es Landschaftsbilder, mal Grassteppen oder Waldansichten, dann Bergpanoramen oder dramatische Sonnenuntergänge – Farbgewitter, ein “heftiger Konflikt aus Licht und Farbe”, wie es Deichtorhallen-Leiter Robert Fleck beschrieb. Allerdings fehlen Brandls Bildern Kraft und Bildgewalt von Browns Arbeiten, fast schon langweilig wirken seine subtilen Werke im Vergleich. So zeigen beide Künstler, wie unterschiedlich abstrakte Ansätze sein können, zeigen abweichende Konzepte von Farbe, Raum und Tiefe, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Abstraktion ist eben doch nicht einfach nur Reduktion des Sichtbaren.

Ich hatte richtig Spaß. Hingehen, anschauen!

Weitere Informationen: deichtorhallen.de

Die BILD wird schöngeistig…

7. April 2009 | Kein Kommentar

Anlässlich des 60. Geburtstages der Bundesrepubik Deutschland stellt die BILD-Zeitung momentan für jedes Jahr ein Bild vor. So viel Schöngeistigkeit hätte ich der Zeitung mit den vier Buchstaben gar nicht zugetraut. Ich bin begeistert…

Auf die Idee sind sie allerdings nicht wirklich selbst gekommen, sie präsentieren die Werke der Ausstellung “Sechzig Jahre – Sechzig Künstler”, die am 30. April 2009 von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Martin-Gropius-Bau in Berlin eröffnet wird. Gezeigt werden sechzig kunstgeschichtlich herausragende Arbeiten der Malerei, Skulptur, Fotografie und Installationskunst, die seit 1949 entstanden sind. Die Arbeiten stammen von sechzig Künstlern, darunter klangvolle Namen wie Georg Baselitz, Willi Baumeister, Joseph Beuys, Andreas Gursky, Rebecca Horn, Jörg Immendorff, Anselm Kiefer, Martin Kippenberger, Ernst Wilhelm Nay, Albert Oehlen, Sigmar Polke, Neo Rauch, Gerhard Richter und Günther Uecker.

Die BILD-Zeitung ist Medienpartner, so werden vielleicht auch einige Menschen in die Ausstellung gelockt, die sonst nicht kämen. Vorgestellt werden die Bilder und die Künstler in der BILD von renommierten Experten, außerdem kann man einen virtuellen Rundgang durch die Ausstellung unternehmen.

Museumsarbeit in Zeiten der Krise

7. März 2009 | Kein Kommentar

In der FAZ plaudert Schirn-Direktor Max Hollein über Museumsarbeit in Zeiten der Wirtschaftskrise. Lesen!

[via Kulturelle Welten]

Ansturm auf das leere Haus

7. März 2009 | Kein Kommentar

Da liest man überall von “Ansturm auf das Neue Museum” (Art Magazin), “10000 stehen Schlange” (Berliner Morgenpost) oder “Tausende wollen das Neue Museum sehen” (Welt online). Schön – aber liebe Leute – das Museum ist noch leer! Eigentlich sollte man sich ja freuen, aber irgendwie ist das paradox. Da gibt es so viele schöne (kleine) Ausstellungen, mit Liebe zum Detail und wirklicher Augenschmaus mit Lerneffekt und was machen die Leute? Sie rennen in einen leeren Bau, den sie genauso so später sehen könnten, wenn sie sich die Exponate anschauen. Hoffentlich bleibt dem Museum der Besucheransturm erhalten.

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