Mit der Nadel gestrickt

17. September 2008 | Kein Kommentar

Das schwarze Wollgarn gehört seit den siebziger Jahren zu den Markenzeichen von Annegret Soltau. Soltau zerreißt gezielt Selbstporträts und Aufnahmen von Familienangehörigen und näht sie dann mit dem Garn wieder neu zusammen.

Kaum eine andere Künstlerin setzt sich so intensiv und radikal mit sich selbst, ihrem Selbstverständnis als Frau und den Erwartungen der Gesellschaft an die Frau auseinander. Ihre Arbeiten sind radikal, intim und schonungslos. Ihre Suche nach dem Ich wird zur universellen Suche nach der Definition des Menschen selbst.

generativ, 1994-99

aus der Bildreihe “generativ”, 1994-1999,
© Galerie Caesar & Koba, Annegret Soltau

Das Garn ist dabei durch seine haptische Präsenz nicht nur gut sichtbar, es hat eine zentrale Funktion in ihrer raffinierten Collagetechnik. Obwohl der Faden eine positiv konnotierte Aufgabe innehat, die einzelnen Fragmente zusammen zu halten, ist er mit den Lochspuren der Nadel Ausdruck von Gewalt, Verletzung und Verwundung. Zurück bleiben tiefe, sichtbare Narben.

Mittels der Technik der Fragmentierung, Verzerrung und Isolierung sind die zerstückelten Motive in unterschiedliche Zusammenhänge collagiert. Für die Arbeiten aus den Werkzyklen “generativ” und “transgenerativ” ist das Thema der familiären Generationenfolge Ausgangspunkt, sowie die Frage danach, wie viel Mann in einer Frau steckt. Die so entstandenen Mischgeschöpfe vereinen nackte Körperteile verschiedener Familienmitglieder Soltaus aus unterschiedlichen Generationen.

Immer wieder nimmt sie Bezug zum eigenen Leben. In “Selbst” (1975) überspannt sie ihr Selbstporträt mit einem Netz aus Fäden. Mal unterstreicht sie die Konturen und Linien des Gesichts, dann wieder setzt sie neue Zäsuren. Anfang der achtziger Jahre setzt sie sich intensiv mit dem Thema Schwangerschaft auseinander. Kein wunder, ist sie doch in jener Zeit selbst zwei Mal schwanger. In Mutterglück reisst sie aus einem Familienfoto von sich und ihren Kindern die Gesichter und setzt sie mit Nadel und Garn neu zusammen. Wie viel steckt vom eigenen Ich in den Kindern? Und wie viel der Kinder stecken in den Eltern?

In Ihrer neuesten Serie “Vatersuche I” setzt sie sich schließlich mit der Suche nach dem eigenen Vater auseinander, der seit dem Zweiten Weltkrieg vermisst wird. Kriegsfolgen und menschliche Schicksale im Krieg werden zum Zentrum der Arbeiten. Die Serie besteht bisher aus 39 Selbstportraits. In diese Gesichter wurden Briefe von Behörden und Organisationen wie dem Roten Kreuz oder dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge eingefügt, sowie Originalseiten des Buches von Militärschriftsteller Ulrich Saft: “Krieg in der Heimat – das bittere Ende zwischen Weser und Elbe”. Den Selbstportraits steht so die ungelöste Schicksalsgeschichte des verschollenen Vaters buchstäblich ins Gesicht geschrieben.

Die Ausstellung ist bis 25. Oktober bei der Galerie Caesar & Koba in Hamburg zu sehen.

Sabine Wild in Düsseldorf

15. August 2008 | Ein Kommentar

Höchst selten tue ich etwas, was ich sonst eben nicht tue: Ich komme der Bitte nach, eine Ausstellung zu empfehlen. Ich tue das nur dann, wenn ich auf die Ausstellung auch ohne die Bitte hingewiesen hätte und seit es diesen Blog gibt, ist das erst ein Mal passiert. Jetzt muss ich das aber wieder tun. Ich habe bereits im April auf Sabine Wilds tolle Fotografien von urbaner Architektur hingewiesen (Aufrisse).

Nun ist Wild durch NRW gestreift und hat sich des Themas Architektur und Freizeit angenommen. Fotografiert hat sie Architekturobjekte, die im weitesten Sinne mit Freizeitgestaltung zu tun haben, darunter der Movie Park in Bottrop, die Zeche Zollverein in Essen, die Museuminsel Hombroich bei Neuss oder der Landschaftspark Nord in Duisburg, ein ehemaliges Hüttenwerk.

Wieder hat Sabine Wild die Bilder in der ihr typischen Art nachbearbeitet. Die Architekturlandschaften sind entvölkert, Menschen sucht man vergebens. Senkrechte und waagerechte Strukturen treten hervor, Farbflächen vibrieren vor dem Auge des Betrachters, surren und flirren. Manche Bilder wirken, als ob die vertikalen und senkrechten Linien aufgemalt worden wären und die Farben darin verlaufen.

So klar die Strukturen auch in der Realität waren, so komplex und verwinkelt, Wild entschärft sie, ohne dass die Strukturen verloren gehen. Das klingt paradox, es ist aber genau das, was ihre Fotografien ausmacht und was sie so interessant und unvergleichlich spannend macht. Sie seziert, legt es vor dem Betrachter frei und betont es so. Grenzen werden aufgehoben, Farbe und Textur werden bildbestimmend, ein Rhythmus wird erfahrbar, ja geradezu erlebbar.

Die Ausstellung wird am 19. August 2008 eröffnet und ist bis zum 2. Oktober 2008 im Haus der Architekten (Zollhof 1, 40221 Düsseldorf) zu sehen. Ich verspreche, dass sich ein Besuch lohnt!

Rauschenberg auf Reisen

5. August 2008 | Ein Kommentar

Der Name Robert Rauschenberg ist untrennbar verbunden mit der Pop-Art. Neben Andy Warhol, Roy Liechtenstein und Jasper Jones hat keiner diesen Stil so sehr geprägt wie er. Doch während die anderen Vertreter der Pop-Art vor allem als Maler arbeiteten, ging Rauschenberg schon früh einen Schritt weiter.

Robert Rauschenberg, Volon (Cardboard), 1971 Karton, 141 x 373 x 27,3 cm
© Robert Rauschenberg / VG Bild-Kunst, Bonn 2008
Foto: Ellen Labenski

Schon in den fünfziger Jahren begann Rauschenberg, Fundstücke und Alltagsgegenstände in seine Arbeiten einfliessen zu lassen. Seine Gemälde wuchsen in den Raum. Inspirieren liess er sich dabei von Dadaisten und abstrakten Expressionisten. Die “Combine Paintings” genannten Assemblagen verbinden Malerei mit alltäglichen Gegenständen wie Tapetenresten, Postkarten, Glühbrinen, Elektrogeräten und allerlei weiteren Fundstücken. So bezieht der Künstler seine Lebenswelt in die Werke ein. Rauschenbergs Antrieb war es, die Lücke zwischen realer Welt und Bildwelt zu schließen bzw. zu überbrücken. Im Zentrum seiner Werke steht die Frage, wie wir die Welt wahrnehmen.

In den sechziger Jahren arbeitete Rauschenberg vor allem mit bunten Collagen, die er aus amerikanischen Zeitungen und Zeitschriften ausschnitt. Intensiv beschäftigt er sich mit der Ikonografie der amerikanischen Kultur, mit Kommerz, Politik und dem neuen Medium “Fernsehen”. Den Schnipseln gab er mit Farben neue Betonungen.

Immer wieder ging Rauschenberg auf die Suche nach neuen Möglichkeiten des Ausdrucks. Als er Anfang der siebziger Jahre nach Captiva Island in Kalifornien zog, begann er, intensiv zu reisen. Zwischen 1970 und 1976 besuchte er zahlreiche europäische Länder, aber auch Indien und Israel. Die in dieser Zeit entstandenen Werkgruppen werden nun in der Ausstellung “Robert Rauschenberg. Travelling 1970 – ‘76″ im Münchner Haus der Kunst gezeigt.

Die bisher selten präsentierten Werkgruppen “Cardboards” (1971), “Venetians” (1972–1973), “Early Egyptians” (1973–1974), “Made in Israel” (1974), “Hoarfrosts” (1974–1975) und “Jammers” (1975–1976) sind von außergewöhnlicher Schlichtheit und Präzision und wurden mit neuen Materialien und Techniken geschaffen, die Kunst bis heute inspirieren.

In den “Cardboards” zeigt sich Rauschenbergs Neigung zum Monochromen und Abstrakten. Der Künstler verwendete für die großformatigen Assemblagen gefundene Pappkartons und Pappen. Gebrauchsspuren, Aufkleber und Stempel blieben erhalten. Auf der Suche nach einem Material, das es einfach überall auf der Welt gibt, muss er wohl beim Umzug nach Captiva Island über die Umzugskartons gestolpert sein. Anders als die Dadaisten, die Pappe als ästhetisches Beiwerk in ihren Assemblagen verwendeten, verwendete Rauschenberg die Pappe als primäres Ausdrucksmittel.

Die “Venetians” entstanden nach einer Reise nach Venedig. Hier nutzte Rauschenberg vor allem Materialien aus der Massenproduktion und Fundstücke aus dem Haushalt. Stoffe, Stricke, Holz, Leder, Stein, Kabel und Drähte, Stühle Vasen, Kissen eine alte Badewanne und Altmetall kommen zum Einsatz. Charakteristisch sind die Bezüge zur venezianischen Bildwelt. Die Objekte sind aber nie rein gegenständlich und behalten ihre Selbstständigkeit und Identität. Das Alltägliche, Gewöhnliche, Banale wird zum Kunstgegenstand erhoben und in einen kulturellen Kontext gesetzt oder wie Rauschenberg in einem Interview sagte:”Die Stärke meiner Arbeit […] ist die Tatsache, dass ich mich entschlossen habe, das Gewöhnliche zu adeln.”

Bei den “Early Egyptians” fielt Rauschenberg wieder auf die Kartons zurück, sein Umgang mit dem Material änderte sich aber grundlegend. Die Pappschachteln wurden nicht mehr plattgedrückt und zerschnitten, sondern blieben heil. Stattdessen beklebte er sie mit Sand oder umwickelte sie mit Mullbinden, als ob es Mumien wären. Aus Papiertüten und Stoff bastelte er einen Sarkophag, aus dem die Mumie gerade entstiegen zu sein scheint. In den “Hoarfrosts” (Reif, Raureif) überlappen sich bedruckte Stoffe in zum Teil leuchtenden Farben und erzählen von Auflösung und Schwebezustand, von Verhüllen und Transparenz, Leichtigkeit und Schwere. In Ägypten war Rauschenberg übrigens nie, Inspiration für die Werke fand er im Louvre.

1975 besuchte Rauschenberg Indien. Als er zurückkam, entstand die Werkgruppe “Jammers”, ein wahrer Ausbruch an Farbenfreude. So zart die Hoarfrosts sind, so stark und klar sind die Jammers-Werke. Der Begriff “Jammer” erinnert an die Segel der großen Windjammer und soll einen Bezug zum Reisen setzen. Die Stoffe sind in leuchtenden Farben gehalten und aus Rechtecken, Quadraten, Streifen und Dreiecken zusammengesetzt.

Das Haus der Kunst hat in Zusammenarbeit mit dem Museo de Arte Contemporanea in Porto eine wirklich interessante Ausstellung konzipiert, die den kürzlich verstobenen Rauschenberg in interessanten Facetten zeigt, die bisher weitgehend unbekannt blieben. Die Ausstellung ist noch bis 14. September 2008 in München zu sehen.

Malerei in der dritten Dimension

1. August 2008 | Kein Kommentar

Das Museum Sammlung Frieder Burda zeigt bis 26. Oktober in Baden-Baden die Ausstellung “Die Skulpturen der Maler. Malerei und Skulptur im Dialog”. Die Ausstellung beleuchtet den Umgang der Maler mit der Skulptur und den Stellenwert, den sie ihr einräumten.

Plakat zur Ausstellung

Eigentlich ist eine solche Ausstellung ja keine Neuigkeit mehr. Grafik, Zeichnung und Bildhauerei waren auch bei Picasso, Matisse und Kirchner beliebte Medien, die gerne und oft genutzt wurden. Und doch ist die Ausstellung sensationell und das liegt vor allem an zwei Umständen.

Zum Einen ist es der Dialog, den die Werke miteinander eingehen. Da steht Edgar Degas’ “Probe im Foyer de la danse” der wunderbar filigranen Skulptur “Kleine vierzehnjährige Tänzerin” gegenüber. Neben Picassos Ölgemälde “Jacqueline” steht der überdimensionierte bemalte Blechkopf der Angebeteten. Überhaupt sind Skulpturen und Bilder von Picasso überragend, vielleicht, weil Picasso nie einem Medium dem anderen den Vorzug gab. Insofern ist es vielleicht auch falsch, Picasso als Maler hinzustellen, der auch bildhauerisch tätig war. Auch Matisse wundervolle Gemälde werden den ebenso schönen Skulpturen gegenübergestellt und zeigen, wie wichtig auch Matisse das Arbeiten im Raum war. Ähnliches gilt für Kirchner, dessen Skulpturen den Bildern entsprungen zu sein scheinen, so ähnlich sind sie sich in ihren äußeren Formen.

Spannend ist die Ausstellung aber auch da, wo sie Künstler, die in der öffentlichen Wahrnehmung als Maler gesehen werden, als Bildhauer zeigt. Da sind zum Beispiel die skulpturalen Arbeiten von Joan Míro, der seine ganz eigene malerische Formensprache auf die Skulptur überträgt. Auch Dubuffets “Tour ballerine” von 1964 sieht ein wenig so aus, als ob sie einem Dubuffet-Bild entsprungen ist. Auf der unregelmäßigen udn zerklüfteten oberfläche eiens Monolithen prangen die üblichen Schraffuren in Schwarz, Rot und Blau, unterbrochen von Weiß. Und auch der Marc Chagall ist mit Skulpturen vertreten. Auch seine Skulpturen haben große Ähnlichkeit mit seiner Bildsprache.

140 Werke hat Kurator Jean-Louis Prat aus 40 Museen und Sammlungen zusammengetragen. Neben den bereits genannten sind auch Georg Baselitz, Max Beckmann, Georges Braque, Honor&eacute, Daumier, Edgar Degas, Max Ernst, Paul Gauguin, Alberto Giacometti, Yves Klein, Willem de Kooning, Markus Lüpertz, Amedeo Modigliani, A.R. Penck, Antoni Tàpies und Cy Twombly vertreten.

Eine tolle Ausstellung, die manche Überraschung birgt. Unbedingt ansehen! Mehr unter: Museum Sammlung Frieder Burda. Zur Ausstellung ist ein Katalog im Hatje Cantz Verlag erschienen.

Florale Wunderwerke in Düsseldorf

11. Juli 2008 | Ein Kommentar

Wer derzeit die Ausstellungsräume im NRW-Forum für Kultur und Wirtschaft in Düsseldorf betritt, hat das Gefühl, Damien Hirst sei Vegetarier geworden. Der japanische Künstler Makoto Azuma stellt hier seine floralen Skulpturen aus. Blumen in allerlei durchsichtigen Substanzen vermitteln den Eindruck, als habe sich Makoto bei Hirst die Idee der in Formaldehyd eingelegten Tiere abgeschaut und sie vegan kopiert.

shiki formula, Bonsaibaum in Metallgestell gespannt, Foto: NRW Forum/ Makoto Azuma

Dem ist allerdings nicht so. Anders als Hirst ist Makoto Azuma wandlungsfähig und viele seiner Pflanzen leben durchaus noch oder vermitteln zumindest den Eindruck von Leben und Lebendigkeit. Azumo experimentiert mit den Pflanzen. Er lässt sie in Eis erstarren, als ob er das Leben für immer festhalten wollte. Azumo lässt Blumen auf Beton wachsen, spannt Bonsaibäume in Gestelle und Aquarien und baut Installationen aus Schaufensterpuppen und Pflanzen. » Weiterlesen «

Gar nicht so dunkle Materie

27. Juni 2008 | Kein Kommentar

Henning Brandis (*1944) ist einer der Künstler, die ich alleine schon deshalb mag, weil sie unglaublich wandlungsfähig sind, ihr Werk geprägt ist von vielschichtigen Experimenten und voller Lebensweisheit. Künstler wie Brandis probieren unheimlich viel aus, saugen Techniken und Stile auf und probieren sich daran aus, nehmen neue Impulse sofort auf und schauen sich in der Welt um, nach allem was interessant sein könnte. Jetzt zeigt die Villa Oppenheim in Berlin eine Ausstellung mit Werken des Beuys-Meisterschülers.

Brandis wurde 1944 in Göttingen geboren. In den Sechzigern arbeitete er mit Farblithografien, bastelte aus Reproresten und Abfall Collagen, experimentierte mit der Fotografie und begann ein Kunststudium. In Düsseldorf wurde er Schüler von Dieter Roth, wechselte aber, nachdem er Joseph Beuys kennenlernt hat, in dessen Klasse und wird sogar Meisterschüler. Er entdeckte die Fluxus-Kunst für sich und startete erste Aktionen. Bis heute malt, zeichnet, fotografiert, installiert und veranstaltet Aktionen und Performances.

Seine Kunst ist immer wieder geprägt von biographischen Notizen und Anklängen ohne dabei ihre Allgemeingültigkeit für die elementaren Dinge des Lebens zu verlieren. Brandis begibt sich mehrere Jahre auf Wanderschaft und verweilt in Klöstern, viele seiner Arbeiten nehmen asiatische und afrikanische Darstellungsformen auf. Es entstehen vielschichtige, expermientelle Arbeiten, die in dieser Dichte selten sind.

In seinen nun vorgestellten Arbeiten geht Henning Brandis dem von Astrophysikern diskutierten Phänomen der “Dunklen Energie” ­ nach, der Ursache für das sich kontinuierlich ausdehnende Universum.

Die vier Räume der Villa Oppenheim gliedern sich nach verschiedenen Schwerpunkten: In einem abgedunkelten Raum werden auf einem großflächigen dunklen Quader Arbeiten präsentiert, ein Rekurs auf den Titel der Ausstellung. Fiktive Briefe mit biografischen Anhaltspunkten und Relikte aus Brandis’ “Kunstkammer” mit Frühwerken aus den Jahren 1978 bis 1992 erwarten die Besucher in den anderen Räumen. Brandis’ Universum ist wirklich sehenswert, genauso wie seine Internetseite! Der Besuch wird sich lohnen.

Fremde Häuser schauen

16. Juni 2008 | Ein Kommentar

Jedes Jahr im Juni gibt es ein Wochenende, an dem Menschen mit schönen Häusern anderen wildfremden Menschen erlauben, unter fachkundiger Anleitung des Architekten durch ihr Haus zu pilgern. Das nennt sich dann “Tag der Architektur” und ist eine wirklich interessante Sache. Mir geht es oft so, dass ich an architektonisch sehenswerten Häusern vorbeilaufe und es mich überkommt, zu klingeln und nachzufragen, ob ich mir das Haus nicht mal von innen anschauen dürfe. Ich lass das dann aber, weil ich ungern die Tür im Gesicht spüren will.

Einfamilienhaus in Massivholz-Bauweise, Bielefeld
Architekten Hans Bell und Carsten Boberg, Bielefeld
Foto: Hans Bell

Auch dieses Jahr wird der Tag der Architektur am letzten Juniwochenende (28. und 29. Juni) begangen. In Schleswig-Holstein findet er bereits am 15. Juni und in Nordrhein-Westfalen am 21. und 22. Juni statt. Unter dem diesjährigen bundesweiten Motto “Architektur belebt!” bieten Architekten, Bauherren und Nutzer Führungen durch ausgewiesene Werke zeitgenössischer Architektur an, die sonst nicht oder nur eingeschränkt der Öffentlichkeit offen stehen. Zu besichtigen sind die unterschiedlichsten Objekte aus den Bereichen Hochbau, Innenarchitektur, Landschaftsarchitektur und Stadtplanung privater und öffentlicher Bauherren und Unternehmen.

Mehr unter: www.tag-der-architektur.de

 

Kiefer erhält Friedenspreis 2008

4. Juni 2008 | Kein Kommentar

Anselm Kiefer erhält in diesem Jahr den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Der Stiftungsrat begründete seine ungewöhnliche Wahl damit, dass der Maler und Bildhauer eine Bildsprache entwickelt, “die aus dem Betrachter auch einen Leser macht”.

Mehr: spiegel.de

Alles Neue macht der Mai

29. Mai 2008 | Kein Kommentar

Gleich zwei neue Museen haben im Mai ihre Pforten geöffnet. In Cottbus hat das Museum Cottbus endlich ein eigenes Zuhause und heißt jetzt kunst.museum.dieselkraftwerk. War es früher in einer Einkaufsstraße eingequetscht zwischen Schuhgeschäften und Klamottenläden, darf es sich jetzt im Stadtpark breit machen, aber nicht etwa auf einer Parkbank, sondern im alten Dieselkraftwerk. Und man glaubt es kaum: Die ehemalige Industrieanlage ist so herrlich für Kunst geschaffen, wie es ein eigens konzipierter Bau nicht besser hätte sein können.

Das Kraftwerk, das von dem Berliner Architekten Werner Issel 1928 geplant und erbaut wurde, stand seit 1990 leer. Das Haus ist ein streng wirkender, mehrgliedriger Ziegelbau mit einem schicken Turm. Markant sind die vielen horizontalen Fensterbänder, die viel Tageslicht ins Innere lassen. » Weiterlesen «

Bernard Buffet neu entdeckt

4. Mai 2008 | 2 Kommentare

Kaum ein Künstler hat einen derart steilen Aufstieg und Fall erlebt wie Bernard Buffet. Einst galt er als legitimer Nachfolger von Picasso. Seine Werke erreichten ein ähnliches Preisniveau wie die von Picasso, er wurde gelobt und hofiert, Sammler und Museen rissen sich um seine Werke. Heute liegen die Werke in Depots und die Preise sind im freien Fall. Buffet ist out. Das versucht das Museum für Moderne Kunst in Frankfurt zu ändern.

Buffet wurde 1928 in Paris geboren. Im Alter von nur 15 Jahren wurde er an der École des Beaux-Arts in Paris aufgenommen. Die Freunde Maurice Utrillo und Georges Rouault stellten ihn Ende der 40er Jahre dem Kunsthändler Maurice Girandin vor. Der war von Buffet begeistert und unterstützte ihn. Der Maler wurde Mitglied des Pariser Herbstsalon und der “L’ homme témoin”, einer Künstlergruppe, die sich gegen die abstrakte Kunst wandte. Als er als Zwanzigjähriger 1948 den “Prix de la Critique” erhielt, war er in aller Munde. » Weiterlesen «

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