Ein kleines Wunder: 271 Werke von Picasso entdeckt

1. Dezember 2010 | Kein Kommentar

Der Anwalt der Picasso-Nachlassverwalter Jean-Jacques Neuer teilte am Montag mit, dass in Frankreich 271 bislang unbekannte Kunstwerke von Pablo Picasso aufgetaucht sind. Der Fund im Gesamtwert von mindestens 60 Millionen Euro habe sich im Besitz eines pensionierten Elektrikers befunden, der in den siebziger Jahren für Picasso gearbeitet hatte. Experten gehen von der Echtheit der Werke aus.

Wie die Arbeiten in den Besitz des Mannes gelangten, ist unklar. Der Handwerker Pierre Le Guennec behauptet, Picasso und dessen Frau Jacqueline hätten ihm die Arbeiten geschenkt, als er Anfang der siebziger Jahre in den Villen des Malers in Südfrankreich Elektroinstallationen durchgeführt habe. In Picassos Villa “La Californie” in Cannes, im Château Vauvenargues sowie in seinem Landhaus in Mougins habe er Alarmanlagen eingebaut und elektrische Installationen in Stand gehalten. Picassos Erben jedoch halten eine Schenkung für höchst unwahrscheinlich und haben gegen den Elektriker Anzeige wegen Hehlerei erstattet. Da die Arbeiten weder signiert noch datiert sind, ist zweifelhaft, ob Picasso die Arbeiten tatsächlich aus der Hand gab oder sie weggeworfen hatte, denn der Maler war sehr gewissenhaft, was Datierung und Signierung seiner Arbeiten betraf. Möglich ist auch, dass die Arbeiten gestohlen wurden.

Im Januar hatte der Elektriker Kontakt zu Claude Picasso, Sohn und Nachlassverwalter des Künstlers, gesucht und um Echtheitszertifikate für 26 Werke gebeten. Dem Schreiben hatte der Mann unscharfe Fotos der Werke beigelegt. Im März sandte er Picasso 39 weitere Fotos und dann noch einmal 30 im April. Die Arbeiten hatten die letzten 40 Jahre in einem Pappkarton in der Garage gelegen. Angeblich wusste der Le Guennec nicht, wie wertvoll die Arbeiten sind.

Claude Picasso war höchst erstaunt und verzückt. Er teilte mit, dass er anhand der Fotos keine Beurteilung abgeben könne undr lud den Mann nach Paris ein. Im September besuchte ihn der Elektriker im Büro der Picasso-Administration. Im Gepäck hatte er 175 Werke des Künstlers, darunter zwei Mappen mit 97 Zeichnungen. Die Überraschung war groß, denn keine davon ist in den Archiven der Succession Picasso verzeichnet und niemand hatte sie bisher gesehen. Unter den Arbeiten auf Papier sind auch die neun “kubistischen Collagen” aus dem Jahr 1912. Sie galten als verloren, nachdem Picassos Atelier in Montrouge überschwemmt worden war. Im Besitz des Elektrikers befand sich außerdem ein Aquarell aus der blauen Periode, zahlreiche Gouachen, eine Serie von 30 Lithographien sowie mehr als 200 Zeichnungen.

Nachdem Mitarbeiter der Succession Picasso die Arbeiten mehrere Stunden gesichtet hatten, erstattete Claude Picasso Anzeige und die Staatsanwaltschaft in Grasse beschlagnahmte die Werke Anfang Oktober im Haus des Elektrikers. Niemals hätte sein Vater ein solches Konvolut verschenkt. Picasso galt als großzügig und habe schon einmal schweren Herzens ein Werk oder zwei verschenkt, diese jedoch stets signiert und datiert und meist auch eine Widmung hinzugefügt. Es sei unvorstellbar, dass sein Vater eine solche Menge an bedeutenden Werken verschenkt habe. Da ein Diebstahldelikt bereits verjährt wäre, erstattete man Anzeige wegen Hehlerei. Nun wird der Fall wohl vor Gericht behandelt.

Eine kleine Auswahl der Arbeiten zeigt La Libération.

Picasso im Metropolitan Museum

11. Mai 2010 | Kein Kommentar

Die Sammlerin Gertrude Stein hat einmal in Bezug auf das fortschrittliche Museum of Modern Art gesagt, ein Museum könne nur modern oder ein Museum sein. Das war für sie auch der Anlass ihre beiden Picasso-Werke an das eher konservative Metropolitan Museum zu geben. Das hat in den letzten 60 Jahren aus diesen beiden Werken eine Picasso-Sammlung von über 500 Werken zusammengehortet. Nur 36 Werke hat man gekauft, die anderen erhielt das Museum geschenkt oder als Dauerleihgabe. Zwar hat das MoMA die bedeutendere Picasso-Sammlung, doch das Metropolitan Museum muss sich nicht verstecken. Insbesondere das Frühwerk und die Druckgrafiken des spanischen Malers sind hier gut vertreten.

Nun hat das Museum in New York sein Depot geöffnet und aus den Schätzen eine Retrospektive mit 300 Gemälden, Skulpturen, Zeichnungen, Keramiken und Grafiken zusammengestellt. Bei so viel geballter Werkschau hat man sich gar nicht erst die Mühe gemacht, nach einer Themenstellung für kunsthistorische Ergüsse zu suchen, sondern lässt die Werke chronologisch gehängt für sich sprechen. Das beginnt mit einem Selbstporträt des 20-jährigen Malers und geht bis zu “Stehender Akt und sitzender Musketier” des 87-jährigen Picasso. Leider merkt man der Sammlung an, dass sie überwiegend aus Schenkungen besteht und somit keine klare Sammlungspolitik erkennen lässt. Die Ausstellung wirkt wie eine Retrospektive, der man die besten Stücke genommen hat. Das ist angesichts der immensen Vorbereitungen mit acht Kuratoren, mehreren Restauratoren und Picasso-Forschern eigentlich ein bisschen wenig. Sehenswert ist die Schau aber trotzdem, denn viele Arbeiten waren bisher nur selten zu sehen. Auch die neuen Erkenntnisse bei einigen Bildern, die durchleuchtet wurden, sind spannend, weil sie zeigen, welche Geheimnisse in und unter den sichtbaren Bildern liegen und Picassos Malweise offenbaren.

Richtig spannend wird die Ausstellung erst, wenn man rüber in das MoMA wandert, wo zeitgleich die Ausstellung “Picasso – Themen und Variationen” stattfindet. Deren Erkentnisse sind zwar auch nicht neu, doch es macht Spaß, durch die Ausstellung zu laufen und Picassos Formenvielfalt zu bewundern. Besucht man auch noch die Dauerausstellung mit den Picasso-Highlights, hat man eine einmalige Chance, einen wirklich vollständigen Überblick über Picassos Schaffen zu gewinnen. Diese Möglichkeit hat man nicht jeden Tag.

Goya in Zwickau

25. März 2010 | Kein Kommentar

Der spanische Künstler Francisco José de Goya y Lucientes (1746-1828) gilt bis heute als Wegbereiter der modernen Kunst in Europa, war Vorbild für Künstler wie Picasso und hat das Zeitalter der Aufklärung entscheidend mitgeprägt. In dem sozial, religiös und kulturell zerrissenen Spanien des ausgehenden 18. Jahrhunderts wagte der königliche Hofmaler Goya eine Gratwanderung zwischen klassischer Auftragskunst für den spanischen Adel und das Bürgertum sowie Sozial- und Gesellschaftskritik, die er oftmals in karikaturhaften Bildern “versteckte”. Seine kritischen Arbeiten finden sich vor allem in vier Serien von Aquatintaradierungen wieder, die in einer Sonderausstellung der Kunstsammlungen Zwickau vollständig gezeigt werden.

CAPRICHOS, Blatt 10, El Amor y la muerte, Die Liebe und der Tod
21,5 x 15 cm, Radierung, Aquatinta poliert, Grabstichel, Harris 45/III
Morat-Institut für Kunst und Kunstwissenschaft Freiburg i.Br.

“Los Caprichos” (“Einfälle”), der aus 80 Blättern bestehende Zyklus, entstand in den Jahren 1797-1799 und zeichnet das Bild einer dekadenten, sich am Abgrund befindenden Gesellschaft nach. “Los Desastres de la Guerra” (“Die Schrecken des Krieges”), 80-teilig, thematisieren die menschlichen Grausamkeiten und die verheerende Hungersnot während der napoleonischen Herrschaft und des spanisch-französischen Krieges (1808-1813). Diese bislang noch nie da gewesene Brutalität und Direktheit in der Darstellung hat bis in die heutige Zeit hinein zahlreiche Künstler bewegt und inspiriert. “La Tauromaquia” (“Die Kunst des Stierkampfs”), zwischen 1814 und 1816 entstanden, erscheint im Vergleich zu den anderen Radierserien beinahe harmlos. Erst auf den zweiten Blick wird die hohe technische Qualität der 33 Blätter deutlich, die, mit der Fotografie vergleichbar, sekundenschnelle Momente festzuhalten scheinen und die Spannung eines spanischen Stierkampfes meisterhaft wiedergibt. “Los Proverbios” (“Sprichwörter”) oder auch “Los Disparates” (“Torheiten”) ist die wohl rätselhafteste Serie innerhalb des druckgraphischen Werkes. Die 22 Blätter markieren das Spätwerk Goyas und sind vermutlich in den Jahren von 1815 bis 1824 entstanden. Eigentümlich fliegende Hexenwesen oder in die Luft gewirbelte Gestalten sind darin häufig wiederkehrende Motive, welche die Nähe zu Goyas bedeutenden “Pinturas negras”(”Schwarze Gemälde”), heute im Prado (Madrid) ausgestellt, aufzeigen.

Die insgesamt 253 druckgraphischen Blätter (es werden auch die zusätzlichen Blätter zu den einzelnen Serien gezeigt) stammen aus dem umfangreichen Bestand des Morat-Instituts für Kunst und Kunstwissenschaft in Freiburg im Breisgau und gelten sowohl hinsichtlich ihres Umfangs als auch ihrer Qualität als einzigartig. Ein wirklicher Leckerbissen, den das Museum da präsentiert und für Kunstinteressierte ein Muss.

Zur Ausstellung ist ein reich bebildeter Katalog zum Preis von 20 Euro erschienen: Francisco de Goya – Radierungen. Die Sammlung des Morat-Instituts, Edition Braus, 168 Seiten. Die Ausstellung läuft noch bis zum 02. Mai 2010. weitere Informationen: www.kunstsammlungen-zwickau.de

Kunsthalle Tübingen: Auf zu neuen Ufern

4. Januar 2010 | Kein Kommentar

Als Götz Adriani 2005 in Pension ging, verlor die Kunsthalle Tübingen einen Kurator mit ausgezeichnetem Ruf. Dass es nicht einfach werden würde, Adriani zu ersetzen, sollte bald allen Verantwortlichen klar werden. Während die Kunsthalle in den 90er Jahren bis zu 500.000 Besucher pro Jahr hatte, waren es im vergangenen Jahr nur noch 15.000. Nun sollte man sich davor hüten, alleine die Besucherzahlen als Gradmesser für den Erfolg eines Museums zu sehen, doch der Besucherschwund ist so auffällig, dass man schon analysieren sollte, warum das Publikum wegbleibt. Nur knapp 2700 Besucher wollten 2009 die Ausstellung “Der innere Blick” sehen. Kein Wunder – Der Untertitel: “Das Interieur in der zeitgenössischen Kunst” erinnert eher an das Thema einer Dissertation eines Kunsthistorikers und weckt weder die Neugier noch macht es Lust auf einen Museumsbesuch. Warum sollte sich das der kunstinteressierte Laie ansehen?

Nun soll alles besser werden. Seit März 2009 ist Daniel Schreiber (44) leitender Kurator und der will einiges ändern. Die Ausstellungen sollen wieder interessanter werden. Schreiber will Brücken zum Publikum schlagen. Wie er das schaffen will, verriet er der dpa: ” Das geht durch Werke, die man gerne sieht, die Spaß machen, die aber auch provokativ sind und Sprengkraft besitzen.” Die letzten Ausstellungen des Jahres 2009 ließen sich kaum noch ändern, denn Ausstellungen haben eine gewisse Vorlaufzeit und einmal in der endgültigen Planung sind sie ungefähr so schwerfällig wie ein gestrandeter Wal, also nur noch schwer zu korrigieren. Ab Ende Januar läuft nun die erste von Schreiber alleine verantwortete Schau. Die Kunsthalle zeigt die quietschbunten Gemälde des Pop-Art-Künstlers Mel Ramos in einer Retrospektive. Der repräsentative Querschnitt durch sein Lebenswerk umfasst hauptsächlich Gemälde, aber auch Entwurfsskizzen und Skulpturen von den 1960ern bis heute. Danach werden Karin Kneffel (01. Mai bis 11. Juli 2010) und Thomas Florschuetz (17. Juli bis 26. September 2010) zu sehen sein

Klingt spannend, bleibt abzuwarten, wie die Ausstellungen konzipiert sind. Weitere Informationen: Webseite der Kunsthalle Tübingen.

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