Alle Artikel mit dem Schlagwort: Akt

Voll Porno!

Wie ich neulich lernen durfte, sagen Jugendliche heute nicht mehr „cool“ oder „geil“ wie zu meiner Zeit, sondern „voll porno“. Das trifft auch auf die Ausstellung „Diana und Actaeon. Der verbotene Blick auf die Nacktheit“ im Düseldorfer museum kunst palast zu, die ist nämlich wirklich sehenswert. Voll porno, das findet auch die BILD-Zeitung, die findet die Schau allerdings nicht cool, sondern echauffiert sich über die Darstellungen und meint, das sei einfach nur Pornographie und keine Kunst. Ihren Namen hat die Ausstellung von Ovids Mythos der Diana und des Actaeon. Bei einem Streifzug durch den Wald entdeckt der Jäger Actaeon die Göttin Diana beim gemeinsamen Bad mit ihren Nymphen. Überrascht vom begehrenden Blick des Actaeon, verwandelt die nackte Göttin der Jagd den Jäger in einen Hirsch. Von seinen eigenen Hunden nicht mehr erkannt, zerfleischen diese den hilflosen Actaeon. Die Ausstellung zeigt ein großes Konvolut von 300 Gemälden, Skulpturen, Zeichnungen und Grafiken sowie Fotografien und Videos, die sich dem Themenkomplex von Keuschheit und Begehren, von Sehen und Gesehen werden, von Voyeurismus und Exhibitionismus widmen. So illustriert die Schau …

Die dunklen Seiten der schönsten Sache

Nobuyoshi Araki ist ein Star der Aktfotografie. In unendlich vielen Variationen spürt er der Sexualität in allen Facetten nach. Lust, Sex, Gewalt, Begierde, in seinen Arbeiten findet sich jede Facette der menschlichen Sexualität. Seine Bilder hängen in vielen Museen der Welt und doch wird immer wieder bezweifelt, dass Araki Kunst macht. Seine Bilder seien einfach zu nah an der Pornografie. Ganz widersprechen kann man dem nicht, aber die Grenze ist wohl fließend. In der Ausstellung „Darkside“ im Fotomuseum Winterthur ist Araki unter anderem mit eine Bild einer liegenden Frau vertreten. Man sieht von ihr aber nur die Lippen und beim ersten Hinschauen ist man verdutzt. Hat der Fotograf hier etwa tatsächlich das Intimste fotografiert? Erst beim zweiten Blick stellt man fest: nein, es ist der Mund einer Frau in Nahaufnahme. Araki spielt hier mit unseren Fantasien, er fotografiert Unverfängliches, dies jedoch so geschickt, dass wir sogleich eine Assoziation zur Sexualität entwickeln. Ganz anders Sylvia Plachy, die mit „Memories O‘ Love, Malibu“ (1996), hinter den Kulissen eines Sexfilm fotografiert hat. Sexualität wird so zu einem kommerziellen …

Martin Eder mal anders

Eines der wichtigsten Merkmale für einen guten Künstler ist seine Weiterentwicklung. Wer im selben Genre verharrt, den gleichen Stil und das gleiche Sujet pflegt, wird irgendwann langweilig. Die Kunsthalle Mannheim zeigt uns bis 12. Mai 2008, warum Martin Eder nicht langweilig ist. Eder gilt als einer der wichtigsten deutschen Künslter. Er malte bittersüße, erotische, kitschig-trashige Szenen in denen sich junge, perfekte Frauen dem Betrachter lasziv entgegenräkeln. Oft vermischt Eder diese Szenen mit niedlichen kleinen Welpen und Plüschkätzchen oder lässt den Betrachter in treudoofe Hundeaugen blicken. Eders Bildwelten schwanken zwischen Surealismus, Realismus und Aktmalerei sind knallbunt und quietschig-kitschig. Doch das täuscht. Immer schwankt in den Bildern auch etwas Düsteres, eine Ahnung von einem dunklen Schatten. Sein Antrieb ist Wut, wie er mal in einem ART-Interview sagte. Wut auf die Flut sentimentaler Bildmotive, die ihm im Fernsehen, in Illustrierten, im Kaufhaus entgegenquellen. Wut darüber, dass Privates, Individuelles, Emotionales mit Billigung der Gesellschaft überall banalisiert und verkitscht werde. Wut auch darüber, dass Kunst nicht mehr sein soll als ein dekoratives Bild daheim über dem Sofa. Gegen all das …

Erotik in Wien

Wer die Ausstellung „Eros in der Kunst der Moderne“ in der Fondation Beyeler nicht sehen konnte, hat jetzt noch eine Möglichkeit, die Ausstellung in Wien in der Kunsthalle der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) anzusehen. Anhand von 200 Arbeiten vom ausgehenden 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart wird das Thema Erotik in der Kunst spannend beleuchtet. Paul Cézanne, Die Versuchung des heiligen Antonius, um 1875–77, Ausschnitt, Musée d’Orsay, Paris Interessant ist dabei vor allem die Entwicklung der Aktmalerei von der langsamen Annäherung an den nackten Körper und die Abkehr vom Idealbild über die brutale Nacktheit bis hin zur Andeutung von Erotik, die sich dann hauptsächlich im Kopf des Betrachters abspielt. Dabei beschränkt sich die Ausstellung nicht nur auf den Körper und die Sexualität, sondern bezieht Arbeiten mit ein, die die erotische Sphäre von Versuchung und Vereinigung, von Begierde und Wunschvorstellung, Traum und Unterbewusstem in vielfältigsten Formen thematisieren.