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Mit der Nadel gestrickt

Das schwarze Wollgarn gehört seit den siebziger Jahren zu den Markenzeichen von Annegret Soltau. Soltau zerreißt gezielt Selbstporträts und Aufnahmen von Familienangehörigen und näht sie dann mit dem Garn wieder neu zusammen. Kaum eine andere Künstlerin setzt sich so intensiv und radikal mit sich selbst, ihrem Selbstverständnis als Frau und den Erwartungen der Gesellschaft an die Frau auseinander. Ihre Arbeiten sind radikal, intim und schonungslos. Ihre Suche nach dem Ich wird zur universellen Suche nach der Definition des Menschen selbst. Das Garn ist dabei durch seine haptische Präsenz nicht nur gut sichtbar, es hat eine zentrale Funktion in ihrer raffinierten Collagetechnik. Obwohl der Faden eine positiv konnotierte Aufgabe innehat, die einzelnen Fragmente zusammen zu halten, ist er mit den Lochspuren der Nadel Ausdruck von Gewalt, Verletzung und Verwundung. Zurück bleiben tiefe, sichtbare Narben. Mittels der Technik der Fragmentierung, Verzerrung und Isolierung sind die zerstückelten Motive in unterschiedliche Zusammenhänge collagiert. Für die Arbeiten aus den Werkzyklen „generativ“ und „transgenerativ“ ist das Thema der familiären Generationenfolge Ausgangspunkt, sowie die Frage danach, wie viel Mann in einer Frau …

Mit heißer Nadel „gestrickt“

aus der Bildreihe „generativ, 1994-1999″ © Galerie Giedre Bartelt, Annegret Soltau Annegret Soltau ist seit beinahe 30 Jahren freischaffende Künstlerin. Techniken, Materialien und Themen hat sie in dieser Zeit häufig gewechselt, von der Malerei und Grafik über Performance, Foto und Video bis hin zu digitalisierten Leuchtkästen. Geschickt nutzt sie die unterschiedlichen Materialien und Techniken und arbeitet gekonnt mit den Schnittstellen. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn Risse und Schnitte ziehen sich buchstäblich wie ein roter, respektive schwarzer Faden durch ihr Werk. Im Zentrum steht dabei das Bild des Menschen, speziell der Frau, selbstreflektierend und analysierend in Bezug auf die Gesellschaft. Ihr eigenes Leben dient ihr dabei als Rohstoff, allerdings nicht um autobiografisch zu arbeiten. Soltau nimmt Selbstportäts und Fotos, zerreißt sie und verspinnt die entstandenen Risse mit Nadel und Faden zu neuen Bildern. Ihre Themen sind Weiblichkeit, Tod, Gewalt, Schwangerschaft und Geburt, Generationenfolgen und die Suche nach den eigenen Wurzeln. Dabei ist ein Oeuvre entstanden, das durch seine kontrastierenden Facetten besticht, durch seine Drastik und Intimität. Der Betrachter wird zum Zeugen einer schonungslos-analytischen Kunstäußerung. Die …