3. September 2008 |
Was macht eigentlich der Untersuchungsausschuss Arp-Museum des rheinland-pfälzischen Parlaments? Erinnern Sie sich? Der sollte untersuchen, ob sich die Landesregierung Versäumnisse und Verfehlungen in Zusammenhang mit dem Arp-Museum in Remagen-Rolandseck vorwerfen lassen muss.
Da ist die Rede von verschwendeten Steuergeldern, von Kopien, die als Originale gekauft wurden, von entgegen den Absprachen verkauften Exponanten und posthumen Nachgüssen. Im Mittelpunkt steht vor allem die Zusammenarbeit zwischen aktueller Landesregierung und Arp-Verein, die nach endlosen Streitereien Ende 2007 beendet worden war.
Der Untersuchungsausschuss wurde von der CDU-Opposition beantragt und im Februar 2008 eingesetzt, obwohl sich die SPD/ FDP-Landesregierung keiner Schuld bewusst ist und darin nur ein Manöver der CDU sieht, den SPD-Bundesvorsitzenden und Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz, Kurt Beck, in Misskredit zu bringen.
Der Ausschuss kommt nur langsam in Fahrt, was vor allem daran liegt, dass solche Ausschüsse gerne für Scharmützel genutzt werden. So mancher Schachzug würde wohl jedem Winkeladvokaten Freudentränen in die Augen treiben.
In seiner konstituierenden Sitzung beschloss der Ausschuss auch gleich, sämtliche Akten der letzten vierzig Jahre zu untersuchen und als Beweise zu nutzen. Die SPD wollte gleich in die Offensive gehen und stellte Beweisanträge, die darauf abzielen, auch und insbesondere die Jahre der CDU-Regierung in Rheinland-Pfalz bis zum Regierungswechsel 1991 unter die Lupe zu nehmen. Die SPD-Fraktion will untersuchen, ob es schon damals zu einer Weichenstellung kam, die zur entstandenen Situation führen musste oder anders formuliert: Die SPD-geführte Landesregierung konnte gar nicht anders handeln, als sie es tat. Verträge gibt es da viele: mit Herrn Wasmuth, dem Spiritus rector des Künstlerbahnhofs Rolandseck, mit Vereinen und GmbHs, die den Bahnhof nutzten und finanzielle Förderung von der Landesregierung erhielten.
Inzwischen wurde der ehemalige Ministerpräsident Bernhard Vogel vernommen, der von 1967 bis 1976 Kultusminister war und anschließend das Land als Ministerpräsident führte. Wie das bei solchen Zeugenbefragungen ist, tun sich bei den Befragten große Erinnerungslücken auf. So will sich Herr Vogel nicht dran erinnern, dass Wasmuth als künstlerischer Leiter mit großzügigem Gehalt Kunstgegenstände erwarb, die das Land bezahlte. Gewusst haben will Vogel auch nicht, dass Wasmuth künstlerischer Leiter war und von der Stiftung ein großzügiges Monatsgehalt von knapp 10.000 Mark erhalten hat. Vogel bestritt in der Vernehmung, dass die Landesregierung damals schon an ein Museum gedacht habe und das Museum nur gekauft habe, um eine Begegnungstätte und ein Kulturobjekt zu schaffen. Der ehemalige Kulturminister Dr. Gölter bestätigte dies.
Während SPD-Obmann Pörksen frohlockt und sich darin bestätigt sieht, dass die SPD einfach nur da weitergemacht hat, wo die CDU aufgehört hat, sieht der Sprecher der CDU-Landtagsfraktion im Ausschuss den Beweisantrag der SPD als “zerbröselt” an. Die Wahrheit dürfte in der Mitte liegen und die CDU hat sich hier sicher nicht mir Ruhm bekleckert.
Allerdings ist der Versuch unsinnig, der CDU die Schuld in die Schuhe zu schieben und so zu tun, als habe die SPD geführte Landesregierung die Verträge einfach erfüllen müssen und gar nicht anders handeln können, denn es wurden in den 90er Jahren und sogar noch 2005 neue Verträge geschlossen und an diesen auch festgehalten, als längst offensichtlich war, dass es im Bahnhof Rolandseck zumindest Unregelmäßigkeiten gab. Auch als Arp-Experten und Journalisten Zweifel hegten an den Machenschaften des Arp-Vereins und den posthumen Güssen, verteidigte die Landesregierung den Verein und das Projekt. Damals bestand aber auch noch Hoffnung, sich mit dem Projekt schmücken zu können. Inzwischen sieht es eher so aus, als würden alle Beteiligten so tun, als habe dieses Museum nie jemand gewollt und keiner sei dafür verantwortlich.
Richtig interessant wird es in den nächsten Sitzungen des Untersuchungsausschusses, in denen die letzten 17 Jahre beleuchtet werden sollen. Als Zeugen sollen Ministerpräsident a.D. Rudolf Scharping, Staatsministerin a.D. Dr. Rose Götte, Staatssekretär a.D. Ernst Eggers, Senator Dr. Thilo Sarrazin, Staatssekretär Prof. Dr. Joachim Hofmann-Göttig und Ministerpräsident Kurt Beck vernommen werden. Es wird spannend…
Inzwischen räumte Kultur-Staatssekretär Hofmann-Göttig ein, dass es sehr schwer sei, Sponsoren für das Museum zu gewinnen. Trotz intensiver Bemühungen sei es problematisch, Sponsoren für das Museum zu begeistern.
Für das Museum wurde inzwischen eine neue Landesstiftung gegründet, die Träger des Museums sein soll. Außerdem bekommt das Museum einen neuen Direktor: Dr. Oliver Kornhoff, Stellvertretender Leiter der Städtischen Galerie Bietigheim-Bissingen, wird neuer Leiter des Museums.
30. Januar 2008 |
So, ich habe mir extra Zeit genommen, um das neue Arp-Museum in Remagen-Rolandseck ausführlich zu erkunden. Bewusst bin ich nicht schon vorher dort gewesen. Das Museum wurde im September eröffnet und war schon lange vorher in den Schlagzeilen. Darauf möchte ich hier jetzt allerdings nicht eingehen. Also zum Museum.
Der Eingang des Museums liegt im alten Bahnhof von Rolandseck, einem klassizistischen Bau, der mit viel Liebe zum Detail und schönen Materialien modernisiert wurde, ohne dass er seinen Charakter verloren hat. Der Eingang liegt ebenerdig quasi im Keller. Der Bahnhof bietet Ausstellungsräume, Veranstaltungssäle, einen Kunstladen, ein Bistro und die Garderobe. Schon links und rechts der wuchtigen Eingangsglastür wird klar, wem das Museum gewidmet ist. Dort stehen Skulpturen von Arp. Durch einen Tunnel geht es unter den Gleisen hindurch in eine große, zweigeteilte Halle, in dem ein großer Ausstellungsraum zur Verfügung steht, der sich für zeitgenössische Kunst gut nutzenlässt.
Duch einen langen Gang mit Glasfront geht es zum Aufzug. Ein erster Höhepunkt. Mit dem Lift geht es durch eine konisch zulaufende Röhre aus dem Dunkel der Erde ans Licht. Wer aus dem Aufzug tritt landet auf einer Plattform auf der man auch nach draußen treten kann und einen herrlichen Blick auf den Rhein und den zu Füßen liegenden Bahnhof hat. Über eine Art Steg mit gläsernen Wänden geht es zum Museumsneubau von Richard Meier.
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22. November 2007 |
Wie das Land Rheinland-Pfalz gestern bekannt gab, beendetdas Land mit sofortiger Wirkung die Zusammenarbeit mit dem Arp-Verein. Kulturstaatssekretär Joachim Hofmann- Göttig (SPD) teilte mit, das Land kündige die Rahmenvereinbarung aus dem Jahr 2005. Grund sei ein „schwerer Vertragsbruch“. Der Verein habe „ohne vorheriges Einvernehmen“ und ohne das Land nachträglich zu informieren, Werke verkauft, die zu den vereinbarten Dauerleihgaben des Vereins für das Museum gehörten. Damit sei das Vertrauensverhältnis “unwiederbringlich zerrüttet” und eine weitere Zusammenarbeit “unzumutbar”.
Quelle: FAZ.NET
19. November 2007 |
Peter Raue, Anwalt des Arp-Vereins erklärt im Tagesspiegel, wie es zum neuen Streit um das Arp-Museum kam. Das Interview lässt tief blicken – auf den Arp-Verein und auf Raue und sein Kunstverständnis.
Auf die Frage, wie viele Arbeiten genau denn jetzt nicht geliefert werden könnten (laut Hofmann-Göttig sind es vierzehn Werke), muss Raue Farbe bekennen: neun seine verkauft worden, eine sei falsch bezeichnet gewesen und fünf weitere können nicht mehr gegossen werden, weil die Formen von Arps Witwe bereits ausgegossen wurden. Aber alles nicht so schlimm: Das Land könne sich ja andere aussuchen – Raue “versteht das Geschrei nicht”. » Read the rest of this entry «
14. November 2007 |
Gerade erst ist der Ärger um den Arp-Verein ein bisschen in Vergessenheit geraten und die Jubelfeier zur Eröffnung des Arp-Museums vorüber, da zieht neuer Ärger auf. Wie der Bonner Generalanzeiger und die Kölnische Rundschau berichten, soll der Arp-Verein 14 dem Museum vertraglich als Dauerleihgabe zugesagte Werke veräußert haben – ohne Wissen der Landesregierung in Mainz. Laut Kulturstaatssekretär Hofmann-Göttig habe der Verein mit dem Verkauf der Werke Schulden ausgleichen wollen.
Der Verein habe 1995 in einem Rahmenvertrag mit dem Land in einer Anlage eine Liste von 248 Werken als Dauerleihgabe zugesagt. In dieser Liste seien auch die 14 verkauften Werke aufgeführt gewesen. Der Verein besteitet über seinen Rechtsanwalt Peter Raue (der auch als Vorsitzender der Freunde der Nationalgalerie bekannt ist), dass die Liste Teil des Rahmenvertrages ist. » Read the rest of this entry «
4. Oktober 2007 |
Am Dienstag bezog der rheinland-pfälzische Kulturstaatssekretär Joachim Hofmann-Göttig (SPD) zur neuen Affäre um das Arp-Museum Stellung. Der Arp-Verein hatte nicht unerhebliche Gelder aufgewendet, um der FAZ mit einem Rechtsstreit zu drohen, falls die Zeitung weiterhin kritische Berichte zum Museum und seiner Sammlung veröffentlicht. Und als ob das nicht schon skandalös genug wäre, hat das Land dem Verein auch noch mit 46.800 Euro unter die Arme gegriffen.
Hofmann-Göttig verteidigte das Vorgehen. Aus Sicht des Landes und des Vereins seien von der FAZ falsche Behauptungen aufgestellt worden, gegen die man sich habe zur Wehr setzen wollen. Das sei kein Eingriff in die Pressefreiheit. Das Kulturministerium habe mit Stellungnahmen reagiert, die als Leserbriefe gedruckt worden seien. Über das Vorgehen des Arp-Vereins sei das Ministerium nicht unterrichtet worden. Die Kosten für die “presserechtlichen Beratungen” (die an die Kanzlei der Generalsekretärin des Arp-Vereins gingen) seien zusammen mit weiteren Posten pauschal als Vorlaufkosten abgerechnet worden. Diese Praxis sei durchaus strittig gewesen. Er habe es abgelehnt, die Kosten in Höhe von rund einer Million Mark zu übernehmen, nach Verhandlungen habe das Ministerium dann aber einen Teilbetrag von 355.000 Mark beglichen, zu denen auch die Kosten für presserechtliche Beratungen gehörten.
Ein Symposium soll nun die strittigen Fragen klären. Insbesondere ist fraglich, ob die posthumen Nachgüsse, die das Museum veranlasste, tatsächlich als vollwertige Kunstwerke des Künstlers gelten dürfen. Insbesondere der Karlsruher Kunsthistoriker Dr. Gert Rensing hatte in der FAZ gegen die Nachgüsse gewettert und die Qualität der Sammlung sowie die Praxis des Museums angeprangert.
27. September 2007 |
So, nun ist es soweit, das Arp-Museum in Remagen-Rolandseck öffnet seine Pforten. Nach dem alten Bahnhof ist nun auch der Neubau von Stararchitekt Richard Meier fertig geworden und die Exponate von Arp (1886-1966) haben nun endlich eine Heimat. Finanziert wird das Museum vom Land Rheinland-Pfalz und dem Verein Stiftung Arp, Träger des Museums ist die Stiftung Arp Museum Bahnhof Rolandseck.
Eigentlich ein Grund zum Jubeln. Doch das Museum steht seit Jahren in der Kritik. Kunstkritiker und Wissenschaftler wettern heftig gegen die Qualität der Sammlung. Medien wie Spiegel, FAZ, DIE WELT, FAZ und SWR berichteten intensiv über die Sammlung. Bemängelt wird, dass in der Sammlung Stücke sind, die dort eigentlich nicht hingehören. Einige Werke seien posthume Nachgüsse, also erst nach dem Tod des Künstlers entstanden und somit zumindest keine Originale, wenn nicht sogar Fälschungen.
Das Museum bestreitet dies heftig und wehrt sich. Es komme gar nicht darauf an, ob die Stücke nun authorisiert seien oder nicht, wichtig sei nur, dass sie richtig ausgezeichnet seien. Das ist zwar richtig, doch vom Künstler nicht authorisierte Nachgüsse sind keinen Museumsbesuch wert und zeugen nicht eben von hoher Qualität einer Sammlung. Was ist ein Kunstwerk wert, wenn der Künstler nicht mal davon wusste? Vielleicht hatte er sogar etwas gegen einen Nachguss und hat die Auflagenzahl bewusst limitiert, ja die Auflagenhöhe gar zum existenziellen Bestandteil des Werks gemacht.
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4. Juni 2007 |
In Anwesenheit von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Ministerpräsident Kurt Beck eröffnet am 28. September 2007 das vom Land Rheinland-Pfalz errichtete Arp Museum Bahnhof Rolandseck endgültig seine Pforten. Das Museum besteht aus dem alten Bahnhof und einem Neubau des Stararchitekten Richard Meier.
Das Werk von Hans Arp wird damit auf Dauer eine weitere Heimstatt erhalten. Mit Leihgaben aus ganz Europa und den USA kann die Eröffnungsausstellung erstmals den Eigenbesitz der neu gegründeten Stiftung mit samt den ihr zugesagten Dauerleihgaben der Stiftung Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp e. V. am traditionsreichen Platz in angemessener Umgebung der Öffentlichkeit vorstellen. Für den Künstler Arp ist die ganze obere Etage des Neubaus auf den Rheinhöhen reserviert.
Der Museumsneubau von Richard Meier
Foto: © Arp Museum/ P!el-Media
Die Eröffnung wird von fünf weiteren Ausstellungspremieren vorbereitet, begleitet und kontrapunktiert. Anselm Kiefer, wie Arp beiderseits des Rheins beheimatet, bezieht mit großen Bildern und Büchern zur Geschichte und Mythologie des Rheins die Säle des Erdgeschosses im Neubau. Yvonne Fehling und Jennie Peiz werden in verschiedenen öffentlichen Bereichen des Neubaus von Richard Meier ihre mobilen Prototypen aus Eichenholz als Sitzgelegenheiten installieren. Dem Neubau vorgelagert ist ein Pavillon in Gestalt eines langgezogenen Ateliers, klassischer Ort für den Bildhauer Johannes Brus, der in ihm den Fundus seiner Tier- und Menschenwelt einrichten wird.
Die Berlinerin Barbara Trautmann bereitet eine Licht-Installation vor, die den Weg des Besuchers durch den unterirdischen Tunnel als Vorbereitung zum Erlebnis des taghellen Museums artikuliert, und in der bewährten Ausstellungsebene des alten Bahnhofs Rolandseck wird erstmals das zeichnerische Werk von Anton Henning zusammen mit einigen seiner neuen Skulpturen zu sehen sein, ein Platz, an dem Henning bereits die künstlerische Ausgestaltung des beliebten Restaurants vorgenommen hatte.
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