Alle Artikel mit dem Schlagwort: Baselitz

Verstörende Helden

Museumdirektor Max Hollein verabschiedet sich aus dem Städelmuseum mit einer bemerkenswerten Ausstellung zum Frühwerk von Georg Baselitz In einem wahren Furor malte Georg Baselitz seine Werkgruppe der „Heldenbilder“ 1965/66. In nur einem Jahr schuf der damals 27-Jährige mehr als 70 Gemälde und Zeichnungen. Es war wohl aufgestaute Wut und Aggression in dem jungen Maler, die sich explosionsartig entlud. Das zeigt nicht nur der gewaltige Schaffensakt, sondern auch die Bilder. Expressiv, mit wilder Farbwahl und heftigem Pinselstrich malte Baselitz monumentale Figuren im Nirgendwo. Es sind Soldaten in zerschlissenen Uniformen oder gemarterte Maler mit Stigmata – von unseren Heldenvorstellungen sind sie weit entfernt. Ihren künstlerischen Reiz gewinnen die expressiven Werke aus dem Spannungsverhältnis von Figuration, fast schon gestischem Farbauftrag und autonomer Farbigkeit. Aus innerer Notwendigkeit habe er die Bilder gemalt, so Baselitz. Die Gemälde scheinen eine Abrechnung mit der Gesellschaft zu sein, die zwanzig Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs mit der Aufarbeitung der Geschehnisse noch immer nicht wirklich begonnen hatte und in Justiz, Verwaltung und Politik immer noch auf die alten Köpfe setzte. Ausgerechnet den …

Malerei in der dritten Dimension

Das Museum Sammlung Frieder Burda zeigt bis 26. Oktober in Baden-Baden die Ausstellung „Die Skulpturen der Maler. Malerei und Skulptur im Dialog“. Die Ausstellung beleuchtet den Umgang der Maler mit der Skulptur und den Stellenwert, den sie ihr einräumten. Plakat zur Ausstellung Eigentlich ist eine solche Ausstellung ja keine Neuigkeit mehr. Grafik, Zeichnung und Bildhauerei waren auch bei Picasso, Matisse und Kirchner beliebte Medien, die gerne und oft genutzt wurden. Und doch ist die Ausstellung sensationell und das liegt vor allem an zwei Umständen. Zum Einen ist es der Dialog, den die Werke miteinander eingehen. Da steht Edgar Degas‘ „Probe im Foyer de la danse“ der wunderbar filigranen Skulptur „Kleine vierzehnjährige Tänzerin“ gegenüber. Neben Picassos Ölgemälde „Jacqueline“ steht der überdimensionierte bemalte Blechkopf der Angebeteten. Überhaupt sind Skulpturen und Bilder von Picasso überragend, vielleicht, weil Picasso nie einem Medium dem anderen den Vorzug gab. Insofern ist es vielleicht auch falsch, Picasso als Maler hinzustellen, der auch bildhauerisch tätig war. Auch Matisse wundervolle Gemälde werden den ebenso schönen Skulpturen gegenübergestellt und zeigen, wie wichtig auch Matisse das …

Besuch in den Deichtorhallen

Nicht dass sich ein Besuch in den Hamburger deichtorhallen nicht grundsätzlich immer lohnt, aber momentan lohnt er sich einfach ganz besonders, weil es drei wirklich tolle Ausstellungen gibt. Da ist die Ausstellung „Amercian Beauties – Amerikanische Lebenswelten in der Fotografie“. Sieben verschiedene amerikanische Lebenswelten und künstlerische Positionen werden in der Ausstellung vorgestellt. Karl Struss zeigt Stadtansichten New Yorks vom Beginn des 20. Jahrhunderts. Den großstädtischen Zeitgeist der 20er Jahre lässt Lisette Model in ihren Porträts auferstehen. Mit den Arbeiten von David Hockney und Larry Clark werden zwei ganz unterschiedliche künstlerische Lebenswelten gegenüber gestellt. Das von Langeweile, Drogenkonsum und Sex dominierte Leben einer Clique in einer amerikanischen Kleinstadt Ende der 60er Jahre thematisiert Larry Clark. David Hockney hingegen zeigt seine unmittelbare Umgebung und ästhetischen Einflüsse im Kalifornien der 70er Jahre, die die Leichtigkeit und Lebensfreude der Westküste spüren lassen. Wim Wenders wiederum zeigt ein Amerika, wie es Edward Hopper nicht besser hätte malen können: Einsame Straßen, Diners mit dem Flair der 50er Jahre, die Weite des Westens. Nan Goldin holt uns mit der Bildserie über ein …