17. September 2009 |
Ich bekomme jeden Tag Einladungen zu Galerie-Vernissagen, Ausstellungseröffnungen und Pressekonferenzen, darunter hässliche, aufdringliche, schicke, distinguierte, ausgeflippte und originelle. Um sich aus der Masse abzuheben, lasse sich einige ganz schön witzige Dinge einfallen und die stammen nicht einmal von professionellen Agenturen, die meist nur Briefkasten und E-Mail-Adresse zuspammen. So bekam ich vor zwei Jahren mal einen Pinsel von einem Schweizer Künstler. Der Pinselstiel war bemalt und die Eckdaten der Vernissage des Künstlers waren darauf geschrieben. Einfallsreich ist auch die Einladung zur Ausstellungseröffnung in dem Jüdischen Museum Berlin: Eine rote Papierserviette, zusammengehalten von einer Banderole auf der die Ausstellungsdaten vermerkt sind, kam heute an. Schöne Idee und endlich mal etwas Nützliches. Den Pinsel habe ich Übrigens noch heute, ich nutze ihn, um die Tastatur des iMac sauberzuhalten. Wie praktisch…

Einladung zur Ausstellungseröffnung “Koscher & Co” – im Jüdischen Museum Berlin
Foto: Bülent Gündüz
Wer sich für die Ausstellung interessiert: “Koscher & Co – eine Ausstellung über Essen und Religion” im Jüdischen Museum Berlin vom 09. Oktober 2009 bis zum 28. Februar 2010.
7. April 2009 |
Anlässlich des 60. Geburtstages der Bundesrepubik Deutschland stellt die BILD-Zeitung momentan für jedes Jahr ein Bild vor. So viel Schöngeistigkeit hätte ich der Zeitung mit den vier Buchstaben gar nicht zugetraut. Ich bin begeistert…
Auf die Idee sind sie allerdings nicht wirklich selbst gekommen, sie präsentieren die Werke der Ausstellung “Sechzig Jahre – Sechzig Künstler”, die am 30. April 2009 von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Martin-Gropius-Bau in Berlin eröffnet wird. Gezeigt werden sechzig kunstgeschichtlich herausragende Arbeiten der Malerei, Skulptur, Fotografie und Installationskunst, die seit 1949 entstanden sind. Die Arbeiten stammen von sechzig Künstlern, darunter klangvolle Namen wie Georg Baselitz, Willi Baumeister, Joseph Beuys, Andreas Gursky, Rebecca Horn, Jörg Immendorff, Anselm Kiefer, Martin Kippenberger, Ernst Wilhelm Nay, Albert Oehlen, Sigmar Polke, Neo Rauch, Gerhard Richter und Günther Uecker.
Die BILD-Zeitung ist Medienpartner, so werden vielleicht auch einige Menschen in die Ausstellung gelockt, die sonst nicht kämen. Vorgestellt werden die Bilder und die Künstler in der BILD von renommierten Experten, außerdem kann man einen virtuellen Rundgang durch die Ausstellung unternehmen.
7. März 2009 |
Da liest man überall von “Ansturm auf das Neue Museum” (Art Magazin), “10000 stehen Schlange” (Berliner Morgenpost) oder “Tausende wollen das Neue Museum sehen” (Welt online). Schön – aber liebe Leute – das Museum ist noch leer! Eigentlich sollte man sich ja freuen, aber irgendwie ist das paradox. Da gibt es so viele schöne (kleine) Ausstellungen, mit Liebe zum Detail und wirklicher Augenschmaus mit Lerneffekt und was machen die Leute? Sie rennen in einen leeren Bau, den sie genauso so später sehen könnten, wenn sie sich die Exponate anschauen. Hoffentlich bleibt dem Museum der Besucheransturm erhalten.
6. März 2009 |
Viel wird über die architektonische Neugestaltung des Neuen Museums Berlin gestritten. Lange war das Museum nicht mehr als eine romantische Ruine, die dem Verfall preis gegeben wurde. Doch nach der Wende wurde dem Haus neues Leben eingehaucht. Der britische Architekt David Chipperfield sollte das Haus wiederauferstehen lassen, damit hier das Museum für Vor- und Frühgeschichte und die Ägyptische Sammlung mit der Nofretete einziehen könnten. Gestern wurde das Neue Museum der Öffentlichkeit übergeben. In den nächsten Tagen dürften die Besucher durch das leere Haus flanieren, bevor es dann am Mittwoch den Kustoden übergeben, bis Oktober bestückt und dann eröffnet wird.
Was soll man nun über das alte Neue Museum oder das neue Neue Museum sagen? Viel wurde im Vorfeld gemeckert. Zu minimal, zu karg, zu viele offene Wunden, zu zeitgenössisch zu wenig altes wurde restauriert. Ich kann mich all dem nur begrenzt anschliessen. Chipperfield hat es geschafft, die alte Raumideen von Stüler zu erhalten, hat die Wunden, die dem Gebäude im zweiten Weltkrieg zugefügt wurden, nicht überkleistert und sie in das Ensemble eingefügt und mit modernen Mitteln neue architektonische Zeichen gesetzt, die sich nahtlos in das Gebäude einfügen, ohne allzu sehr aufzufallen. So hat es Chipperfield geschafft, die kühle preußische Architektur mit der einst reichen Bemalung und den Fresken zu erhalten ohne in ein historisches Pathos zu verfallen. Seine architektonischen Neuerungen nehmen die klaren, strengen Linien des Klassizismus auf ohne sie langweilig zu rezitieren.

Detail Treppenhalle
© Stiftung Preußischer Kulturbesitz/DavidChipperfield Architects
Fotografin: Ute Zscharnt
Alter und neuer Glanzpunkt ist das Treppenhaus, hoch wie eine Kathedrale mit offenem Dachstuhl, links und rechts Fragmente von Fresken und dann im Zentrum ein mächtiger Treppenaufgang. Chipperfield hat die Wunden an den Wänden sichtbar gelassen, die Ziegel nicht verputzt. Er hat die erhaltenen Fragmente der Fresken nicht vervollständigt, was ihm Unverständnis und gelegentlich den Vorwurf der Verstümmelung einbrachte. Die Treppe hat er aus Sichtbeton gegossen. Die ionischen Säulen des Erechtheions blieben erhalten, die Kopien der Statuen haben großen Fenstern Platz gemacht.
Ähnliches versuchten Chipperfield und sein Restauratorenteam auch in den Ausstellungssälen. Es wurde behutsam restauriert, wo nötig mit zeitgenössischer Architektur zurückhaltend ergänzt, aber nicht zugekleistert. Das ist gelungen und es kommt schon ein wenig freudige Erwartung auf, wenn man daran denkt, dass im großen Kuppelsaal bald die Nofretete stehen wird. Kein Raum ist wie der andere, nie wird es langweilig, immer gibt es schon am Bau etwas zu entdecken. Chipperfield hat zusätzlich ein paar spektkuläre Räume geschaffen wie etwa die Plattform, ein auf Säulen stehender nach oben offener Saal, dessen Wände aus matt schimmerndem Glas erbaut wurden. Überhaupt hat Chipperfield großen Wert auf die verwendeten Materialien gelegt. Umso erstaunlicher ist es, dass das Projekt statt der veranschlagten 230 Millionen Euro letztlich nur 200 Millionen Euro kostete. Man darf gespannt sein, wie die Exponate in den Räumen wirken werden.

15. Januar 2008 |
Am 10. Januar 2008 jährt sich zum 150. Mal der Geburtstag des Berliner Zeichners, Grafikers und Fotografen Heinrich Zille (*1858 in Radeburg, †1929 in Berlin). Aus diesem Anlass veranstaltet die Berliner Akademie der Künste in Zusammenarbeit mit der Stiftung Stadtmuseum Berlin in den Ausstellungssälen am Pariser Platz und im Ephraim-Palais eine Ausstellung, die erstmals die verschiedenen künstlerischen Medien, in denen Zille tätig war, zusammenführt.

Heinrich Zille, Ringkampf in der Schaubude, 1903
Kohle, Farbstift und Aquarell, 33,0 x 50,4 cm, Privatbesitz, Berlin
Zille entstammte einer sozial unterprivilegierten Familie. Die Familie war pleite, als sie 1867 nach mehrfachen Umzügen im Raum Dresden nach Berlin kam. Hier fand Zilles Vater, ein Schmied und Mechaniker, in der aufstrebenden Industriestadt bei Siemens & Halske einen Arbeitsplatz.
Zille selbst erlernte den Beruf eines Lithographen und arbeitete als Tiefdrucker bei der renommierten “Photographischen Gesellschaft”. Hier kam er mit den wichtigsten Reproduktions- und Drucktechniken in Berührung, zu deren Weiterentwicklung er beitrug. So entstand sein fotografisches und druckgrafisches Werk, das bald die Aufmerksamkeit liberaler Künstlerkreise im wilhelminischen Berlin erregten. Einer seiner wichtigsten Förderer wurde Max Liebermann, der das Besondere der Zilleschen Begabung und seinen mitunter dunklen Humor sehr schätzte.
1901 stellte Zille erstmals in der Berliner Sezession aus und wurde 1903 ihr Mitglied. Bei der Spaltung der Sezession zehn Jahre später schloss er sich der von Liebermann geführten “Freien Sezession” an. Enge freundschaftliche Kontakte verbanden ihn unter anderen mit Käthe Kollwitz, Ernst Barlach, Gustav Meyrink und Erich Mühsam. Die führenden illustrierten Zeitschriften wie der “Simplicissimus”, die “Jugend” und das in Wien redigierte Blatt “Der Liebe Augustin” druckten seine Arbeiten und übertrugen ihm Illustrationsaufträge. 1907 musste Zille den Schritt in eine freie Künstlerexistenz wagen, da ihm die Photografische Gesellschaft wegen seiner allzu freizügigen Zeichnungen kündigte. Im Jahr darauf veröffentlichte er sein Buch Kinder der Strasse, das in der Ausstellung den Titel und gleichsam das Zentrum bildet. Hierin sind die wichtigsten sozialkritischen Werke dieser Zeit versammelt. Fortan arbeitete er vor allem für Veröffentlichungen und Bücher, Künstleralben und Zeitschriften.
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9. November 2007 |
Berlin mausert sich. Die Kunst in der Stadt boomt. Das einstige Provinznest Berlin wird zur kulturellen Metropole. Kaum ein Tag vergeht, an dem sich nicht irgendein renommierter Künstler niederlässt oder ein Zweitatelier in der Stadt eröffnet. Kaum ein Tag, an dem nicht ein neues Museum oder eine neue Galerie geplant, gebaut oder eröffnet wird. Nachdem in den letzten Wochen viel über den Bau der temporären Kunsthalle “White Cube Berlin” geschrieben wurde, ist jetzt der Kupfergraben in aller Munde. Dort, direkt in Sichtweite der Museumsinsel hat sich Sammler Heiner Bastian niedergelassen und von Stararchtiekt David Chipperfield einen Neubau errichten lassen und damit eine begehrte Baulücke geschlossen.
Die oberen Stockwerke des Tageslicht durchfluteten Baus nutzt Bastian zur Präsentation zeitgenössischer Kunst. In die unteren Räume ist die Galerie Contemporary Fine Arts eingezogen. Bastian eröffnet seine Räume mit einer Ausstellung zu Damien Hirst, die Galerie Contemorary Fine Arts mit Walter Pichler. Der Bau ist innen und außen eine wahre Augenweide und für den Ausstellungsbetrieb wirklich ideal. Allerdings wirkt er auf mich dort ein bisschen wie ein Fremdkörper, eine Lösung, die sich in die Architektur der Umgebung besser eingepasst hätte, wäre wohl klüger gewesen.
27. September 2007 |
Die Neue Nationalgalerie versteigert vom 30. September bis zum 07. Oktober die schönsten Souvenirs aus der Ausstellung “Das Met in Berlin -Die schönsten Franzosen kommen aus New York”. Mit dieser Auktion werden die beliebtesten Souvenirs – darunter zahlreiche Dinge, die nicht verkäuflich waren, aber von den Besuchern immer wieder nachgefragt wurden – versteigert. Darunter befinden sich beispielsweise die großen Werbeplakate der Ausstellung, signierte Kataloge, original LIVE!SPEAKER-T-Shirts, die blau-weiß-rote Besucher-Sitzkissen-Schlange, die Werkbeschriftungen der drei Publikums-Lieblingsbilder, die MET-Fliege von Peter Raue und vieles mehr. Eine vollständige Übersicht über die Artikel ist unter http://stores.ebay.de/Met-Berlin-Shop einsehbar.
26. September 2007 |
Vor wenigen Tagen feierte das Jüdische Museum Berlin seinen sechsten Geburtstag. Noch heute steht man staunend vor dem Bau von Daniel Libeskind, diesem zuckenden Blitz mit seinem dekonstruktivistischen Inneren, ein wahrhaft angemessener Bau für ein jüdisches Museum in Deutschland. Schon früh war absehbar, dass das neue Museum ein voller Erfolg werden würde. Schon vor der Eröffnung wurde der leere Museumbau für Besucher freigegeben – und die kamen zu Hunderttausenden. Mittlerweile gehört das Jüdische Museum zu Berlins meist besuchten Museen und das ohne dass das Haus irgendwelche Supermegaausstellungen veranstaltet. 715.000 Besucher kamen alleine im letzten Jahr.

Foto: Jüdisches Museum Berlin/ Jens Ziehe
Neben dem Aufsehen erregenden Bau liegt ein dreiflügeliger Altbau aus dem 18. Jahrhundert, das ehemalige preussische Kammergericht. Es wurde bisher herabgewürdigt zum Eingangsgebäude für das eigentliche Museum. Doch jetzt braucht das Museum Platz. Den vom Altbau umschlossenen Ehrenhof durfte Architekt Libeskind deshalb jetzt für acht Millionen Euro überdachen.
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2. September 2007 |
Dieter Brusberg geht in Rente. Na ja, nicht so ganz. Mit der Jubliäumsausstellung “Bilderbogen. 25 Jahre Galerie Brusberg Berlin” und “Bilderbogen 2″ im Herbst verabschiedet sich der 72-Jährige aus dem Galeriebetrieb. Er wird sich fortan dem Kunsthandel und der Beratung widmen, allerdings wird es mit der “HofGalerie” weiterhin auch einen kleinen Ausstellungsort geben.
Sein Verdienst: er ging lange vor dem Berlinhype bereits vor 25 Jahren in die geteilte Stadt und baute die Galerie Brusberg auf, die die Altmeister der Klassischen Moderne im Programm hatte. Außerdem widmete er sich intensiv auch der DDR-Kunst. Zu seinem Programm gehörten zum Beispiel Bernhard Heisig und Gerhard Altenbourg. Und schließlich: mir gefällt nicht nur seine Galerie und das Programm, sondern auch seine Ansichten zur Kunst im Allgemeinen und zur Gegenwartskunst im Speziellen. Ein kluger, kunstsinniger Mensch, von denen wir mehr bräuchten. Vielleicht wäre es dann um die zeitgenössische Kunst besser bestellt. Schade.
Dem Tagesspiegel hat Brusberg ein Interview gegeben, nachzulesen hier.
14. Juni 2007 |
Aufgrund des Hypes über die Ausstellung des Metropolitan Museums geht eine andere große Ausstellung in Berlin ein bisschen unter. Das MoMA hat eine große Retrospektive zum Werk des Minimalisten Brice Mardin (*1938) organisiert. Nach dem sfmoma in San Fransisco ist sie nun als einzige europäische Station in Berlin zu sehen.
Grove Group II, 1972-73
Öl und Bienenwachs auf Leinwand, zweiteilig, 183 x 274 cm
Private Collection, fractional gift to the San Francisco Museum of Modern Art
© 2006 Brice Marden/Artists Rights Society (ARS), New York
Der “Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart” zeigt bis zum 07. Oktober 2007 60 Arbeiten des Minimalisten. Dies ist die erste umfassende Retrospektive des Künslters in Deutschland. Leider ist Marden hier relativ unbekannt, obwohl er zu den bedeutendsten abstrakten Malern zählt. Kaum einer hat die Malerei der Minimal Art so beeinflusst wie er, so muss man ihn durchaus mit Namen wie Elsworth Kelly und Frank Stella in einem Atemzug nennen.
Marden strebt nach abbildloser Religiosität. Den Rhythmus der porportional aufeinander bezogenen rechtwinkligen Farbfelder und der späteren amorphen, verschlungenen Kurvaturen versteht der Künstler als Äquivalente menschlicher Emotionalität. Marden sieht sich als Mittler zwischen den Menschen und mystischen Kräften. Seine Farben mischte Marden aus Pigmenten und Terpentin, die er mit Bienenwachs versetzte. So wirken die Farben stumpf, als ob sie das Licht ansaugen und verschlucken.
Cold Mountain 6 (Bridge), 1989-91
Öl auf Leinen, 274,3 x 365,8 cm
San Francisco Museum of Art. Purchased through a gift of Phyllis Wattis
© 2006 Brice Marden/Artists Rights Society (ARS), New York
Die Ausstellung zeigt, was für ein interessanter (und unterschätzter) Künstler Marden ist, ein Besuch der Ausstellung lohnt sich auf jeden Fall!
Mehr: www.bricemardeninberlin.org. Außerdem gibt es bei Google Video eine knapp einstündiges Interview mit Brice Marden.