Mit der “primitiven Kunst” ist das so eine Sache. Ich persönlich glaube ja, dass es wesentlich mehr Primitives in der zeitgenössischen europäischen Kunst gibt, als in der Kunst Afrikas und Ozeaniens der vergangenen Jahrhunderte, aber kunsthistorisch hat sich der Begriff nun mal einfach durchgesetzt. Vergessen wird immer wieder gerne, wie wichtig diese Kunst für die Entwicklung der Moderne war und Künstler von Picasso bis zu Pollock beeinflusste. Allerdings wird dieser Aspekt gelegentlich so sehr betont, dass die primitive Kunst nur als Steigbügelhalter und Gehilfe der europäischen Moderne gesehen wird.
Die Fondation Beyeler versucht dem entgegenzuwirken, in dem man in der Ausstellung “Bildwelten – Afrika, Ozeanien und die Moderne” den Holzskulpturen und Masken der außereuropäischen Kunst ein deutliches Übergewicht gönnt und ihnen europäische Meisterwerke reduziert gegenüberstellt, um den Einfluss sichtbar zu machen. So werden die afrikanischen und ozeanischen Werke zur ästhetischen Übermacht und die Gemälde und Skulpturen der Klassischen Moderne als zusätzliche Anschauungsobjekte in den Hintergrund gedrängt. So wird vor allem klar, welche Bildgewalt und Kraft die ethnografische Kunst entwickelte und warum europäische Künstler so fasziniert waren. » Weiterlesen «