Alle Artikel mit dem Schlagwort: Bundeskunsthalle

Wilder Ritt durch die aktuelle Kunst

Die Bundeskunsthalle in Bonn zeigt Werke der Bundeskunstsammlung Wer sich über das aktuelle Kunstschaffen in Deutschland ein umfassendes Bild machen möchte, für den ist die Bundeskunsthalle in Bonn ein lohnendes Ziel. Zum vierten Mal seit 1995 zeigt die Bundeskunsthalle in Bonn unter dem Titel „Nur hier“ 100 Werke jüngerer Künstler von Malerei, über Skulptur, Fotografie und Video bis zu Installationen. Wie immer gibt es vieles zu sehen und einiges zu entdecken, wie etwa Jörg Herolds Fotografien, die er mit Wasserfarben und Beize bearbeitet hat, Thomas Kilppers Linolschnitte oder die raumfüllende Installation von Diego Hernandez. Es ist ein wilder Ritt durch die deutsche Kunstszene der letzten Jahre. Die Arbeiten stammen aus der „Sammlung zeitgenössischer Kunst der Bundesrepublik Deutschland“ oder kurz: aus der Bundeskunstsammlung. Der damalige Präsident des deutschen Künstlerbundes Georg Meistermann hatte Bundeskanzler Willi Brandt 1970 davon überzeugt, deutsche Kunst anzukaufen und damit das deutsche Kunstgeschehen zu dokumentieren und zu archivieren. Heute umfasst die Sammlung etwa 1500 Werke von 1949 bis in die Gegenwart. Den Begriff „deutsche Kunst“ fasst man bis heute weit. Die Angekauften müssen …

Rein Wolfs wird neuer Intendant der Bundeskunsthalle

Seit einigen Tagen ist es entschieden: Der Niederländer Rein Wolfs wird ab März 2013 neuer künstlerischer Leiter der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland. Keine schlechte Wahl. Wolfs ist derzeit künstlerischer Leiter der Kunsthalle Fridericianum in Kassel und verfügt über große Erfahrung als Museums- und Ausstellungsmacher und ist kein reiner Museumsdirektor, sondern Kurator mit Leib und Seele und ein kluger Denker. Wolfs war 1996 Gründungsdirektor des Migros Museums für Gegenwartskunst in Zürich und von 2002 bis 2007 Ausstellungsdirektor des Museums Boijmans van Beuningen in Rotterdam. Außerdem kuratierte er 2003 den niederländischen Pavillon bei der Biennale von Venedig. Seit 2008 ist er Leiter der Kunsthalle Fridericianum. Wolfs hat sich auch schon zur Zukunft der Bundeskunsthalle geäußert: Er will weniger Blockbuster einkaufen und mehr selbst machen – das klingt schon mal gut.

Schatzkiste der Menschheit

Der Arzt und Naturforscher Sir Hans Sloane war ein manischer Sammler. Er hatte im Laufe seines Lebens eine ansehnliche Sammlung naturwissenschaftlicher und kultureller Objekte zusammengetragen und dem Vereinigten Königreich vermacht. Das englische Parlament beschloss daraufhin im Jahr 1753, ein Nationalmuseum zu gründen, um die Stücke der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Man wollte aber mehr, das neue „British Museum“ sollte das Wissen der Welt zu sammeln und zugänglich zu machen. In den Jahrhunderten nach der Gründung sandte man Archäologen und Naturforscher in alle Welt aus. Die Gelehrten schlugen sich durch den Dschungel zu den Tempeln der Inka und der Maya, grub in der Türkei und Griechenland nach antiken Stätten, suchten Pharaonengräber und erwarben in Asien Kunstschätze. Nicht immer ging es dabei ganz legal zu, wie etwa bei den Akropolisfriesen, die Lord Elgin außer Landes schmuggelte. Viele Staaten fordern inzwischen Schätze aus dem Museum zurück. Doch dazu schweigt die Ausstellung leider. Ausstellungsansicht Foto: David Ertl © Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland Aus den bescheidenen Anfängen wurde bis heute eine der größten Sammlungen der Welt. Über sieben …

Die Bundeskunsthalle sucht den Superstar

Viel Glück hatte die Bundeskunsthalle in Bonn in den letzten Jahren mit ihrem Führungspersonal nicht gerade. Intendant Wenzel Jacob war recht erfolgreich, stolperte aber 2006 über Ungereimtheiten in seiner Buchführung und Spesenabrechnung. Christoph Vitali sprang als Interimsintendant ein, doch er blieb zu kurz, um wirklich Akzente setzen zu können. Im Januar 2008 konnten die Verantwortlichen aufatmen. Von den Deichtorhallen kam der Österreicher Robert Fleck. Nun sollte alles besser werden. Doch die Kritik blieb, vor allem wegen der wenigen qualitativ hochwertigen Ausstellungen im Programm. Im letzten Jahr dann der Eklat. Man warf Fleck vor, in einer Anselm Kiefer-Retrospektive nur Werke aus der Sammlung Grothe berücksichtigt zu haben und den Werken damit zu einer unstatthaften Aufwertung verholfen zu haben. Nach heftigem Streit zwischen Fleck und dem Programmbeirat der Bundeskunsthalle entschied man sich, den Vertrag in beiderseitigem Einvernehmen nicht mehr zu verlängern, doch Fleck hatte die Faxen dicke und ging schon im Oktober 2012 vorzeitig. Er will zukünftig als freier Kurator und Publizist arbeiten und sich stärker seiner Professur in Düsseldorf widmen. Nun ist das KAH-Schiff führungslos und …

Die Bundeskunsthalle als Gruselkabinett

Den Besuchern der Ausstellung „Narren. Künstler. Heilige.Lob der Torheit“ in der Bonner Bundeskunsthalle läuft es schon zu Beginn der Ausstellung kalt den Rücken hinunter. Mit starrem Blick, gefletschen Zähnen und höhnischem Grinsen grüßen grotesk verzerrte Fratzen aus dem Halbdunkel. Die Masken und Verkleidungen stammen aus der alemannischen Fastnacht und sollen die bösen Geister des Winters vertreiben. In vielen Alpenregionen gibt es ähnliche Bräuche und Kostüme, aber auch auf Sardinien oder in Bulgarien. Dieses volkstümliche Gruselkabinett aus Europa ist aber nur der Anfang der Ausstellung, die mit 250 Exponaten aus aller Welt und aus 3000 Jahren Menschheitsgeschichte versucht, der universalen Figur des Grenzgängers zwischen den Welten, den Priestern, Schamanen, Künstlern und Narren nachzuspüren. Es ist verblüffend, wie ähnlich in allen Kulturen das Bedürfnis nach Magie und Zauber ist und wie groß der Wunsch ist, das Chaos und das Böse der Welt zu erklären. Unfrieden stiftende Götter und Halbgötter, Geister und Dämonen gibt es überall. Im alten Ägypten war es die Göttin Sachmet, die böse Schwester der Fruchtbarkeitsgöttin Bastet, auf Bali ist die Hexenkönigin Rangda für das …

Gipfeltreffen der Malerstars

Die 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts waren die letzte große Zeit des wilden Herumexperimentierens in der Kunst. Während in Deutschland die Neue Wilde um Albert Oehlen, A. R. Penck und Martin Kippenberger Leinwände in expressive Farbigkeit tauchte, entdeckten die angesagten Galerien New Yorks die vitale und kreative Kunstszene ihrer Stadt neu. Für junge Künstler bot New York eine Spielfläche mit unendlichen Möglichkeiten: Mit den Graffitis holte man die Kunst auf die Straße und in hippen Clubs wurden Performances organisiert. In den Ateliers wurden Traditionen radikal hinterfragt. Man war nicht mehr nur einfach Maler, man war auch Schauspieler, Filmemacher, Musiker und Dichter. Junge Wilde wie Keith Haring, Julian Schnabel oder der italienische Transavantgardia-Künstler Francesco Clemente wurden über Nacht zu angesagten Malern, deren Werke schwindelerregende Preise erzielten. Der Shootingstar dieser Zeit war Jean-Michel Basquiat, der als afroamerikanischer Graffiti-Künstler die New Yorker Kunstwelt aufmischte. Innerhalb weniger Jahre avancierte der in Brooklyn geborene Sohn eines Haitianers und einer Puerto-Ricanerin vom obdachlosen Graffitisprayer zum neuen Helden des Neoexpressionismus. Mit ausdrucksvollen Gesten und narrativem Stil überzog Basquiat den Malgrund mit Symbolen, …

Englands Schätze zu Gast in Bonn

Die ersten Besucher des neuen Kunstgewerbemuseums im Londoner Stadtteil South Kensington staunten 1857 nicht schlecht. Es gab Garderoben, Restaurants und sogar Toiletten, Gasleuchten ermöglichten Öffnungszeiten bis in den späten Abend. Erstmals durfte die Unterschicht jederzeit ein britisches Museum betreten – ein Designmuseum für alle sollte es sein. Auch in den Ausstellungssälen hatte das neue Haus einiges zu bieten: Tapeten aus Frankreich, Mode aus Italien, Möbel aus Deutschland und Maschinen aus dem eigenen Land. Initiator des neuen Museums war der kunstbesessene Ehemann von Queen Victoria, Prinzgemahl Albert von Sachsen-Coburg und Gotha. Er hatte 1851 die Idee, eine Weltausstellung in London zu organisieren, um den Einfluss von Wissenschaft und Kunst auf die Industrie zu steigern. Außerdem erhoffte sich das Königshaus einen positiven Effekt für den Freihandel. Der Ausstellungsort im Londoner Hyde Park war ein Beweis der architektonischen und industriellen Fähigkeiten des britischen Königreichs. Der Kristallpalast war ein überdimensionales Gewächshaus aus Stahl- und Glas-Fertigteilen. In der 560 Meter langen und 137 Meter breiten Halle wurden über 100.000 technische Erfindungen und kunsthandwerkliche Erzeugnisse gezeigt. Ausstellungsansicht, Foto: David Ertl © …

Alles auf Anfang!

So, nun ist es offiziell: Der österreichische Kurator Robert Fleck wird ab Januar neuer Indendant der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik in Bonn. Der 1957 in Wien geborene Kurator ist seit 2004 Direktor der Hamburger Deichtorhallen. Sein Amt in der Bundeskunsthalle tritt er bereits im Januar an und löst damit den Interimsintendanten Christoph Vitali ab. Der konnte in den zwei Jahren seiner Amtszeit kaum eigene Akzente setzen, dafür war seine Amtsperiode einfach zu kurz. Dr. Robert Fleck, Direktor der Deichtorhallen Hamburg, Foto: Cameraphoto Arte, Venice Fleck war Kommissar des österreichischen Pavillons bei der Biennale in Venedig, wo er den Maler Herbert Brandl präsentierte und 1988 zählte er zum Kuratorenteam der Manifesta 2 in Luxemburg. In den Jahren 2000 bis 2003 hatte er die Kunsthochschule im französischen Nantes geleitet. Fleck arbeitete auch als Autor und Kritiker. Was für eine tolle Wahl, ich bin begeistert. Wenn Fleck so arbeitet, wie in Hamburg, kann das richtig gut werden. Schade nur für die Deichtorhallen, die sind jetzt auf der Suche nach Ersatz.

Du bist Sammler

Betritt man den Ausstellungssaal im ersten Stock der Bundeskunsthalle in Bonn grüßt aus der zentralen Rotunde eine strahlende Skulptur. Bis auf zwei Meter Höhe hat der Künstler Rirkrit Tiravanija Siegerkränze des Rennfahrers Heinz-Harald Frentzen gestapelt und lässt die schwarz-rot-goldenen Schleifen locker fallen. Die Kränze bilden ein spannende Gratwanderung zwischen Siegestrophäe und Symbol für den Tod. Unweigerlich denkt man an nationalistisch-agressive Töne, aber auch an den Tod und an Erinnerungen eines siegreichen Rennfahrers. Wie die Skulptur „Untitled (Siegerkränze)“ (2001) sind in der Ausstellung viele Deutschland bezogenen Werke zu sehen, wie etwa „Pass (Deutsche Farben)“ von Jörg Immendorf, ein horizontaler Farbverlauf aus den Farben Schwarz, Rot und Gelb. Oder „Deutschland in den Grenzen von 1937“ von Georg Herold aus dem Jahre 1985, eine an der Wand hängende Skulptur, die aus Dachlatten die Umrisse des einstigen deutschen Reiches nachbildet. Aber es sind auch viele Fotos zu sehen, die Architektur, Interieurs, Menschen und Landschaften Deutschlands aus den letzten 60 Jahren dokumentieren.

Bundeskunsthalle hat neuen Geschäftsführer

Was für eine kluge, geschickte und umsichtige Wahl. Vorstand und Kuratorium der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn haben in der letzten Woche einen neuen kaufmännischen Geschäftsführer auserkoren. Neuer kaufmännischer Leiter ist Dr. Bernhard Spies. Bravo – welch‘ umsichtige und kluge Wahl! Jetzt geht’s l-o-o-s! Gut, genug gewitzelt. Was hat die Damen und Herren denn da geritten? Spies war Geschäftsführer der IGA 2001 in Rostock, bis die Stadt ihn abberufen hat. Ob nun wegen eines zerrütteten Vertrauensverhältnisses oder wegen angeblicher finanzieller Unregelmäßigkeiten, wie der „Express“ herausgefunden haben will (die Vorwürfe bestreitet Spies im Bonner Generalanzeiger allerdings vehement), sei mal dahingestellt. Fest steht aber, Dr. Spies hat von Kunst keine Ahnung. Er war in den letzten Jahren Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft akademischer Verbände. Da hätte es sicher geeignetere Kanditaten gegeben. Die Neubesetzung des künstlerischen (Christoph Vitali) und des kaufmännischen Leiters waren notwendig geworden, weil im Frühjahr die bisherigen Amtsinhaber (Wenzel J. und Winfried G.) nach einem Bericht des Bundesrechnungshofes entlassen wurden. Beiden waren finanzielle Unregelmäßigkeiten vorgeworfen worden. Allerdings wehren sich J. und G. noch gegen …

Geschäftsführer der Bundeskunsthalle wurde gegangen!

So, nun ist es soweit. Nach dem kaufmännischen Geschäftsführer der Bundeskunsthalle Wilfried G. muss jetzt auch der künstlerische Leiter Dr. Wenzel J. seinen Sessel räumen. Nach Vorwürfen des Bundesrechnungshofes aufgrund von Mißwirtschaft kündigte die Gesellschafterversammlung (Bund und Länder) den Vertrag des Intendanten zum 31. Dezember 2007. Christoph Vitali, Foto: Fondation Beyeler, J. Isler Interimsnachfolger ist Christoph Vitali, eine ausgezeichnete Wahl. Der Kurator war bereits Direktor der Frankfurter Schirn-Kunsthalle, des Münchner Hauses der Kunst und zuletzt Chef der Fondation Beyeler in Riehen bei Basel. Vitali hat sich auch schon zu seinen Plänen geäußert. Er werde anderthalb bis zwei Jahre bleiben, wolle sich wieder stärker dem Ausstellungsbetrieb zuwenden und die Open-Air-Konzerte einen Partner organisieren lassen. Er bemängelte außerdem, dass zuletzt vor allem Ausstellungen eingekauft wurden und nicht mehr selbst organisiert worden seien. Das solle sich ändern. Bravo! Bleibt zu hoffen, dass Vitali länger bleibt. Den Posten des kaufmännischen Leiters übernimmt kommissarisch der stellvertretende Verwaltungsleiter der Deutschen Welle, Otto Lindner. Mehr: Meldung der Tagesschau zum Rauswurf des Intendanten, Der Generalanzeiger Bonn zum Rauswurf, Der Generalanzeiger Bonn berichtet über …

Ägyptens versunkene Schätze

In der Kunst- und Ausstellungshalle Bonn läuft seit wenigen Tagen eine tolle Ausstellung: „Ägyptens versunkene Schätze“. Es werden einzigartige Funde gezeigt, die der Unterwasserarchäologe Franck Goddio in den letzten 10 Jahren vor der ägyptischen Mittelmeerküste, vor Alexandria und Abukir geborgen hat. Etwa 500 Artefakte, die, bis auf einige wenige Ausnahmen, noch nie der Öffentlichkeit gezeigt wurden, werden nun erstmals ausgestellt. Sie liefern Erkenntnisse über 1.500 Jahre ägyptischer Geschichte (700 v. bis 800 n. Chr.). Sphinx aus schwarzem Granit, dessen Gesicht vermutlich Ptolemaios XII., den Vater der berühmten Kleopatra, zeigt. Der Sphinx wurde bei Ausgrabungsarbeiten im Großen Hafen von Alexandria entdeckt. Copyright: Franck Goddio / Hilti Foundation, Foto: Christ Goddio und sein Team haben seit Mitte der 1990er Jahre in Kooperation mit dem Supreme Council of Antiquities in Ägypten so sagenumwobene Orte wie den antiken Hafen von Alexandria mit Teilen des Königsviertels erforscht. Die berühmte antike Stadt Herakleion und Teile der Stadt Kanopus gelegen im Meer vor Abukir, wurden von Franck Goddio wiederentdeckt. Dabei stieß das Taucherteam unter anderem auf bedeutende Tempelanlagen mit Kultgegenständen.