6. Juni 2007
Die Tate Modern in London untersucht in der Ausstellung “Dalí & Film” einen sehr interessanten und bisher wenig beachteten Aspekt: Welche Rolle spielte der Film in der Arbeit der Surrealisten, insbesondere der der malenden Surrealisten? Für Dalí war der Film sowohl Inspirationsquelle als auch Experimentierfeld für sein Werk. Dalí war begeisterter Cineast.
Salvador Dalí, Un Chien Andalou 1929
© Salvador Dalí. Fundació Gala-Salvador Dalí, DACS, 2007
Contemporary Films. Film, Laufzeit : 16 Minuten
Dalí arbeitete mit berühmten Filmemachern wie Luis Buñuel, Alfred Hitchcock und Walt Disney zusammen. Sogar mit den Marx Brothers drehte er. Die Filme zeigen, wie Dalí dachte und wie er arbeitete. In den Filmen breitet sich der ganze obsessive Kosmos des Künstlers aus. Die interessanteste Entdeckung für mich: Die Ideenwelt der Surrealisten lässt sich im Film fast noch besser darstellen, als im Bild.
Die Tate Modern in London hat mehr als einhundert Werke zusammengetragen, darunter Gemälde, Zeichnungen, Filme und Fotos. Die Ausstellung läuft bis 09. 09.2007. Mehr Infos auf der Webseite der Tate Modern.
21. April 2006
Zur Zeit findet im Kölner Museum Ludwig eine Ausstellung zu Dali und seinem Bild “La gare de Perpignon” statt. Wer sowieso schon deshalb dort ist, sollte in der Galerie Boisseree vorbeischauen. Und wer nicht vorhatte, nach Köln zu fahren, sollte es genau deshalb tun. Die Galerie zeigt “DA DA DALÌ – Salvador Dalì in Bildern von Werner Bokelberg”.
Im Jahre 1965 kamen der Fotograph Werner Bokelberg und der Journalist Walther Hermann Schünemann in Paris mit Salvador Dalí zusammen, um mit ihm eine Bildreportage für den “Stern” zu verabreden. Dalís Ansehen als exzentrischer Künstler hatte sich verfestigt, und ließ einiges an aussagekräftigem Material erwarten.
Der katalanische Surrealist war sehr rasch von den jungen Journalisten eingenommen, und lud sie spontan zum Setting in sein privates Domizil in Port Lligat ein. Einzige Bedingung für die Verabredung war, dass die Beiden eine schöne Blondine mitbringen sollten – “zur Entzündung der Magie des Künstlers”. Im Frühjahr trafen denn Bokelberg und Schünemann in Port Lligat ein. Bei sich hatten sie das dänische Model Lotte Tarp, von Dalí kurzerhand in “Ginesta Ophelia” umbenannt. Der Magier wurde von “Ginestas hinreißenden Hüftknochen” tatsächlich entflammt, und so fokussierte sich ihm in den folgenden acht Shooting-Tagen
das Universum in diesem anatomischen Detail.
Mit Dalís Invention entstanden mehrere Fotoserien, die seine offensive Auffassung von den sublimierenden Möglichkeiten in der Kunst in Szene setzen. Dalí mit und ohne Lotte Tarp, Lotte Tarp mit und ohne Dalí, naturelle und in Verkleidung, dazwischen auch mal Gala, und alle Aufnahmen so, dass in Dalís Gesicht die Bürde der Obsession künstlerischen Begehrens zu lesen ist. Die ist selbst in den Aufnahmen, die Dalí wie beim Chill-Out mit erschöpftem Blick aufs Meer zeigen, zu spüren. Die sexuelle Besessenheit sei Voraussetzung für jedes künstlerische Schaffen, bekundete Dalí im Vorwort der ein Jahr später entstandenen und vom Künstler mitredigierten Buchedition der Aufnahmen. Perfekt dokumntieren die bilder Dal`s Schaffen und seine schillernde Persönlichkeit.