documenta digital

25. Juni 2009 | Ein Kommentar

Im November 2006 hatte das documenta Archiv mit dem breitgefächerten Projekt “Mediencluster documenta und Gegenwartskunst” begonnen, sämtliche Fotos und Dias sowie die gesamten Presseartikel der documenta 1 bis 5 zu digitalisieren, da der Bestand des Archivs (insbesondere die Dias) akut bedroht war. Durch die Förderung mit 500.000 Euro durch die Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) war es möglich, die einzigartigen Materialien der frühen documenta-Geschichte zu sichern. Über 10.000 Bilder und über 12.000 Zeitungsausschnitte wurden digitalisiert.

Mit dem Abschluss dieses aufwändigen Digitalisierungsprojekts ist nun nicht nur ein Online-Zugang in den Bibliotheksbestand des documenta Archivs, sondern auch in die Bild-, Video- und Pressesammlung möglich. Ein Folgeantrag für die vollständige Medien-Bearbeitung der späteren documenta-Ausstellungen 6 bis 12 wurde an die DFG gestellt und wird hoffentlich bewilligt, damit der gesamte Schatz “gehoben” werden kann. Die Datenbank ist im Internet zugänglich unter http://documentaarchiv.stadt-kassel.de. Es lohnt sich, rein zu schauen!

Kritiker-Bashing von Buergel

7. September 2007 | 10 Kommentare

Uhhh, Buergel ist böse auf die Kritiker, die seine documenta nicht toll finden. Der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung sagte Roger Buergel in Anspielung auf Bazon Brocks Kritik: “Das sind ältere Männer, die nicht loslassen können. Sie glauben, es sei ihre Documenta.” Buergel ist der Meinung, die documenta sei etwas Besonderes und marktfern.

Ohne Zweifel, wer will ihm da widersprechen, sie IST etwas Besonderes und marktfern ist sie auch. Aber auch fern jeden Konzepts, mit schlechter Präsentation der Werke, einem gruseligen Ausstellungsort (aka Auepavillon) und ohne Thesenpräsentation. Und am schlimmsten: die gezeigte Kunst ist zum großen Teil langweilig, ja banal. Und das hat nichts damit zu tun, dass bei dieser documenta wenig echte Stars der Kunstszene gezeigt werden. Würde uns Buergel also mit tollen Neuentdeckungen verwöhnen, wäre gegen “Marktferne” gar nichts zu sagen – im Gegenteil.

Buergel sagte, bei ihm gebe es eine “Lust an der Provokation”: “Die Ressentiments, die die Leute haben, müssen heraus. Danach haben sie wieder einen klareren Blick.” Wo provoziert Buergel denn? Wer wird denn allen Ernstes diese documenta mit klarerem Blick verlassen? Obwohl – nach dem Besuch sieht man wirklich einiges klarer.

Buergel weiter: “Meine Überzeugung ist es, dass Dinge nur dann bei den Leuten hängen bleiben, wenn sie sich mal richtig, bis in den Kern, empört haben.” Ja, ja, schon, dann müsste man sich aber über die Kunst empören können und nicht über das Konzept, da hat Buergel etwas gründlich missverstanden. Hängen bleiben wird von dieser documenta gar nichts.

Was da aus unterschiedlichen Lagern komme, sei wie ein “Rülpswettbewerb”. Hatte Buergel vor kurzem nicht noch gesagt, die Kritik sei substanzlos? Herr Buergel, etwas mehr Niveau und Substanz täte ihnen ganz gut. Die Kritik war durchaus berechtigt und auch klar formuliert, es ist allerdings einfacher, darüber mit dem Hinweis hinwegzugehen, es gebe keine Susbtanz in der Kritik und die kritisierten Punkte seien ja so beabsichtigt.

Buergel erklärt uns die documenta

7. August 2007 | 3 Kommentare

Puh, jetzt wird alles gut. Die documenta-Leiter haben ein Einsehen mit den armen Besuchern und spendieren den Kunstwerken Erklärungen, wie schön… Vielleicht erklärt uns das ja, warum die documenta-Macher welches Kunstwerk ausgesucht haben und warum, wie und wo präsentieren.

Buergel wehrt sich in den letzten Tagen vehement gegen Kritik. In der Tagesschau am 06. August 2007 erklärt er, warum er die “Beziehungslosigkeit” für wichtig hält. Buergel glaubt, dass diese Beziehungslosigkeit für die Kunstwahrnehmung besonders wichtig sei. Man müsse sich von Dingen verabschieden, die man kennt, weil man anders nicht neu wahrnehmen kann.

Ich habe selten solchen Unsinn gelesen, eigentlich ist es nur eine hohle Phrase, sie ist es aber trotzdem wert, dass man darauf eingeht. Gerade das soll Kunst ja: Ich möchte, dass Kunst mir Dinge, die ich kenne, erklärt bzw. sie mir näher bringt, erfahrbar macht, fühlbar wird, was ich sonst so nicht gefühlt oder erfahren hätte. Gerade dafür brauche ich doch die Kunst, das ist doch ihr Kern. Davon soll ich mich jetzt lösen? Eine neue Wahrnehmung entsteht doch nicht dadurch, dass ich mich vom Bekannten verabschiede, sie entsteht vor allem durch neue Kunst, durch neue und andere Sichtweisen, tolle Materialien, handwerkliches Können, kühne Ideen oder neue Blickwinkel. Dazu muss ich mich von Bekanntem nicht lösen, im Gegenteil, oft ist es gerade die Beziehung zu Bekanntem, die das Neue so interessant macht.

Ich erkläre das gerne mit dem Thema “Vergewaltigung”. Ich als Mann werde nie erfahren, wie sich eine Frau fühlt, die vergewaltigt wurde, was sie erlebt hat, was sie fühlt und wie sie sich fühlt. Aber Kunst kann mir einen tiefen Einblick in die Situation einer Vergewaltigten geben, kann fühlbar, hörbar, sehbar machen, was mir sonst verschlossen bliebe. Und dazu bedarf es nun der Beziehungslosigkeit? Darf ich mich nicht an Situationen in meinem Leben erinnern, die albtraumhaft waren?

Oder meint Buergel die Beziehngslosigkeit der Kunstwerke zueinander? Also soll neben dem Kunstwerk über die Vergewaltigung am besten ein Werk zum urbanen Raum in China hängen? DAS würde es mir leichter machen?

Buergel geht aber noch weiter. Er bezeichnet es im Hessischen Rundfunk als Fehler, dem “Mob” der sich von Venedig über Basel und Köln nach Kassel und weiter nach Münster bewegte, eine Vorabbesichtigung ermöglicht zu haben. Mit dem Mob meint er die Kritiker und Kunstexperten, die erst bei der Biennale in Venedig, dann bei der Art Basel, der Art Cologne über Kassel bis zu den “Skulpturen Projekten Münster” gereist waren. Der Kritik an der Ausstellung fehle es an Substanz. Tja, da geht es der documenta wohl ähnlich.

Documenta – Wie, wo, was?

28. Juni 2007 | Kein Kommentar

So, nun auch von mir ein Statement zur documenta 12. Anders als die KollegInnen wollte ich mir die Ausstellung erst mal anschauen, um zu urteilen, ob alles schlecht ist oder eben super. Es ist nicht schlecht, aber auch nicht gut, es ist langweilig, belanglos und ohne Konzept. Zunächst: was haben sich Ausstellungsmacher und Architekten nur bei den Aue-Pavillons gedacht, dieser Mischung aus Billiggewächshaus und musealem Raum – und das mitten im wunderschönen Park der Orangerie? Es ist gruselig und scheint den Architekten auch so peinlich zu sein, dass sie inzwischen nichts mehr von dem Bau wissen möchten. Man ist geradezu versucht, Gott auf Knien zu danken, dass dieser Pavillon nur temporär ist und nach der documenta verschwindet.

Dogon, 1996, Courtesy the artist, Romuald Hazoumé / VG-Bild-Kunst

Dogon, 1996, Romuald Hazoumé
Courtesy the artist, VG-Bild-Kunst

Das wäre ja noch zu verschmerzen. Aber wo sind die Visionen? Wo die neuen Kunstströmungen und die noch unentdeckten Künstler, die neben arrivierten Positionen Stellung beziehen können, ohne zu verblassen? Wo das Visionäre eines Harald Szeemann, wo das Politische einer Catherine David und wo das Geniale der garandiosen documentas von Fuchs und Schneckenberger? Überhaupt, wo ist der rote Faden? Gut, mancher wird jetzt sagen, endlich, endlich eine documenta ohne ideologische Überfrachtung und damit haben sie vielleicht sogar recht, aber eine Vision, eine Grundüberzeugung wäre trotzdem schön gewesen. Buergel geht es vor allem um Ästhetik und Sinnlichkeit der Kunst, aber auch das gelingt nicht wirklich. Statt dessen setzt man uns Fragen vor, wie etwa “Ist die Moderne unsere Antike?”. Wen interessiert’s? Und: kann man solche Fragen aus der Gegenwart heraus überhaupt beantworten?

Buergel geht es um das partizipative Element, er will Ästhethik als visuelle Erfahrung darbieten, der “die Besucher aus ihrer Lethargie holt und aktivieren soll, die Gegenwart anders zu sehen”. Das wird so nicht gelingen, vor allem nicht mit einem Fokus auf das Ästhetische. Ach ja und dann der Quatsch mit den Kunstgegenständen aus dem 14. bis 17. Jahrhundert, die laut Buergel ebenfalls Fragen zur Gegenwart beantworten könnten und deshalb auch ihre Daseinsberechtigung bei der Documenta hätten. Sicher könnten sie das, aber will ich das als Besucher tatsächlich sehen? Ist die documenta nicht dazu da, Fragen zur Gegenwart mit zeitgenössischer Kunst zu beantworten? Gibt es da nicht genug hervorragende KünstlerInnen?

J.D Okhai Ojeikere, Foto Frank Schinski / documenta GmbH, Headgear Series, 1974-2004

J.D Okhai Ojeikere, , Headgear Series, 1974-2004
Foto: Frank Schinski / documenta GmbH

Natürlich gibt es auch Lichtblicke, der wichtigste für mich: Romuald Hazoumé. Den Namen hatte ich zwar schon gehört, doch ein Begriff war mir der afrikanische Künster nicht wirklich. Hazoumé formt Kunstwerke aus alten Benzinkanistern, die er zu Objekten zusammenbastelt. Oder Monika Baers wunderbar poetische, zarte Malereien… Oder die wunderbaren Fotografien von J. D. ‘Okhai Ojeikere aus Nigeria. Überhaupt: Malerie und Fotografie sind nur wenig vertreten.

Ein bisschen schade ist das alles schon, ich mag Buergel und seine Arbeit eigentlich, um so enttäuschter bin ich von so viel kuratorischem Unverstand. Dem Spiegel sagte Buergel übrigens, für seine Zeit nach der documenta habe er einen besonderen Wunsch. Er würde sich gerne mal wieder langweilen: Hey, Herr Buergel, ich lege Ihnen einen Spaziergang über die documenta nahe, da können sie das schon jetzt haben! Und trotzdem: ein Besuch lohnt sich, denn so viel Kunst – 500 Werke von 108 Künstlern – sieht man nicht jeden Tag.

Heißer Sommer

8. Juni 2007 | 3 Kommentare

Mit der documenta 12 in Kassel und der Biennale in Venedig steht uns ein heißer Kunstsommer bevor. Da ich mir beides erst im Laufe des Sommers anschauen werde, kann ich noch wenig dazu sagen, außer dass, wenn ich mich entscheidne müsste, die Biennale vorziehen würde. Hier aber schon mal ein paar Rezensionen von KollegInnen:

Kurator werden ist nicht schwer…

8. Juni 2007 | 3 Kommentare

documenta-Chef Roger M. Buergel

documenta-Chef Roger Martin Buergel, Foto: documenta GmbH

Kurator sein dagegen sehr? Während ich die Tätigkeit als Kurator gerade für mich entdecke, gibt der Leiter der documenta 12 auf. Er will nach der Kasseler documenta nicht mehr als Kurator für zeitgenössische Kunst arbeiten. Er könne sich nicht mehr vorstellen, Ausstellungen zu organisieren und sich mit Künstlern auseinander zu setzen. Er interessiere sich jetzt für alte und angewandte Kunst. Tja, es ist ein hartes Los…

Wo bin ich?

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