4. Juli 2007
Eigentlich hat Sydney Pollack keine Ahnung von Dokumentarfilmen, das jedenfalls behauptet er selbst. Er, der den Oscar als bester Regisseur gewonnen hat und drei Mal nominiert war, hat so schöne Schmachtfetzen wie “Jenseits von Afrika” gedreht, Komödien wie “Tootsie” und Thriller wie “Die Firma”. Jetzt kommt sein neuester Film mit zwei Jahren Verspätung in die deutschen Kinos. Für Sketches of Frank Gehry hat Pollack seinen Freund, den Stararchitekten Frank O. Gehry, fünf Jahre lang begleitet, lässt Freunde, Widersacher, Konkurrenten, Bauherren und Weggefährten zu Wort kommen und setzt Gerhys Bauten in Szene.
Gehry hat nicht nur das Guggenheim-Museum in Bilbao und die Walt Disnney Concert Hall in Los Angeles gebaut. Auch in Deutschland hat sich Gerhy verewigt: das MARTa in Herford, die DZ-Bank in Berlin, den Neuen Zollhof im Düsseldorfer Medienhafen und den Gehry Tower in Hannover hat der Architekt erbaut. Ach ja, und eine Bushaltestelle in Hannover hat er auch erdacht.
Der Film bietet einen tollen Einblick in die kreative Welt eines genialen Architekten und begleitet ihn bei der Entwicklung neuer Ideen und deren Realisierung ohne allzu sehr auf einen theoretischen Diskurs aus zu sein. Wirklich sehenswert und ein wohltuender Film zwischen all dem Hype um “Stirb langsam 4.0″ und “Harry Potter”!
27. November 2006
Foto aus “Goyas Geister”
© TOBIS Film
Jedes Jahr kommen ein oder zwei Künstlerfilme ins Kino. Und leider sind die meisten nicht wirklich gut. Nicht wirklich gut im Sinne dessen, was man als kunstinteressierter Mensch erwartet. Eigentlich sollte ein solcher Film Leben und Werk eines Künstlers beleuchten, seinen Werdegang und sein Arbeiten. Natürlich darf es auch ein bisschen Liebe, Schmerz und Rivalität geben, um dem Stoff die nötige Würze zu verleihen und Zuschauer in Massen ins Kino zu locken. Doch leider treten bei den meisten Filmen über Künstler Liebe, Herzschmerz und Dramatik in den Vordergrund. Leben und Werk dienen nur als Aufhänger und schmückendes Beiwerk. “Das Mädchen mit dem Perlenohrring” ist ein gutes Beispiel für solch einen Film.
So auch im Fall von Goyas Geister. Dabei gäbe Goya eigentlich eine perfekte Kinofigur ab. Er war eine schillernde Persönlichkeit, Revoluzzer gegen Klerus und Krieg. Bei allem Interesse an den Leiden des einfachen Volkes auch ein von Geltungssucht Getriebener, der gerne in aristokratischen Kreisen verkehrte. Rebell und Beobachter seiner Zeit.
Doch von all dem zeigt der Film wenig, statt dessen dreht sich alles um Goya und dessen Modell Inés, eingebettet in die Unbill jener Zeit. Regisseur Milos Forman hat sich so in die historischen Ereignisse und die Dramen um die schöne Inés gesteigert, dass er ganz vergesen hat, welch wunderbaren Stoff das Leben und die Person Fransico Goya abgibt. Die innere Zerrissenheit von Goya, sein ambivalentes Leben, die Verarbeitung der politischen Geschehnisse seiner Zeit in seinen Werken stehen im Hintergrund.
Goya wird als Mitläufer dargestellt, der sein Fähnlein in den Wind hängt. Das stimmt so aber nicht, nur wehrt sich Goya eben mit seinen Mitteln. Düster ist die Stimmung in den grandiosen Radierungen “Desastres de la guerra”, in denen der Maler die Grausamkeiten des Kriges verarbeitet. Hohn über die menschlichen Unzulänglichkeiten spricht aus den “Caprichos”, Todesangst aus den Suenos (Träumen). Und wenn Goya die Familie Karls IV. malt, dann ist dies keine einfaches Porträt des feisten Herrschers, sondern ein Bildnis für die Dekadenz und Eitelkeit des Königs und seiner Familie.
Trotz der Unzulänglichkeiten lohnt sich ein Kinobesuch trotzdem für diejenigen, die auf Liebesgeschichten und historische Stoffe in opulenter Umsetzung stehen. Man darf nur nicht die Erwartung haben, tief in die Seele Goyas blicken zu dürfen.