Alle Artikel mit dem Schlagwort: Fotografie

Sabine Wild in Stuttgart

Sabine Wild, Stuttgarter Landtag, 2008 Bis zum 21. Februar 2009 ist in der Stuttgarter Galerie Dengler und Dengler die Ausstellung „Sightseeing“ mit neuen und älteren Arbeiten der Fotografin Sabine Wild zu sehen. Ich hatte ja schon zwei Mal (hier und hier) etwas zu Sabine Wild geschrieben, die Galerie sagt es aber auch ganz schön: Die Verunklärung der Details in scheinbar pastoser Ölfarbe, läßt das einzelne Bauwerk in der Wirkung zurücktreten, zugunsten der städtebaulichen Situation oder des einzelnen Baukörpers im Stadtraum. Die nüchterne Kälte einer Glasfassade wird durch Malerei emotional überlagert. Gleichzeitig verweigert die digitale Malerei die persönliche Geste, das was Harold Rosenberg die Spur des Künstlers genannt hatte. So stehen die zumeist menschenleeren Stadtbilder von Sabine Wild im Zentrum mehrerer Spannungsfelder, zwischen präziser Photographie und gestischer Malerei, zwischen technischer Perfektion ohne physische Berührung des Subjekts und der vermeintlichen Spuren des Subjektiven, zwischen Vernunft und Gefühl. Ich bin auch immer wieder versucht, die Bilder anzutatschen, um zu schauen, ob sie nicht doch gemalt wurden (nein, sind sie natürlich nicht). Neben Arbeiten aus New York und Berlin …

Erkundungstouren im Großstadtschungel

Urban Explorations (etwa: städtische Erkundungstouren) ist einer der neuesten Trends für Großstadtmenschen. Die Urban Explorations sind Erkundungstouren in verlassene Gebäude in Großstädten. Stillgelegte Industrieanlagen, aufgegebene Hotels, verlassene Krankenhäuser, Theater, Schlösser, Kirchen, Geisterstädte, ja selbst die Kanalisation, nichts ist vor den „Creepers“ sicher. Die Schönheit des Verfalls ist es, was die Abenteuerlustigen fasziniert. Sylvain Margaine, Nervenheilanstalt, Zahnarztstuhl, (Norwich, USA), www.forbidden-places.net Der französische Fotograf Sylvain Margaine sucht solche Orte auf der ganzen Welt und fotografiert sie. Heraus kommen betörend schöne Bilder, Chroniken des Verfalls und morbide Ansichten von Gebäuden, in denen die Zeit nicht nur stehend geblieben zu sein scheint, sondern wo der Zahn derselbigen heftig nagt. Unbedingt kann ich einen Besuch von Marains Seite www.forbidden-places.net empfehlen. Man kann da stundelang auf Entdeckungstour gehen…

Sabine Wild in Düsseldorf

Höchst selten tue ich etwas, was ich sonst eben nicht tue: Ich komme der Bitte nach, eine Ausstellung zu empfehlen. Ich tue das nur dann, wenn ich auf die Ausstellung auch ohne die Bitte hingewiesen hätte und seit es diesen Blog gibt, ist das erst ein Mal passiert. Jetzt muss ich das aber wieder tun. Ich habe bereits im April auf Sabine Wilds tolle Fotografien von urbaner Architektur hingewiesen (Aufrisse). Nun ist Wild durch NRW gestreift und hat sich des Themas Architektur und Freizeit angenommen. Fotografiert hat sie Architekturobjekte, die im weitesten Sinne mit Freizeitgestaltung zu tun haben, darunter der Movie Park in Bottrop, die Zeche Zollverein in Essen, die Museuminsel Hombroich bei Neuss oder der Landschaftspark Nord in Duisburg, ein ehemaliges Hüttenwerk. Wieder hat Sabine Wild die Bilder in der ihr typischen Art nachbearbeitet. Die Architekturlandschaften sind entvölkert, Menschen sucht man vergebens. Senkrechte und waagerechte Strukturen treten hervor, Farbflächen vibrieren vor dem Auge des Betrachters, surren und flirren. Manche Bilder wirken, als ob die vertikalen und senkrechten Linien aufgemalt worden wären und die Farben …

Aufrisse

Die Berliner Galerie en passant präsentiert bis zum 26. April 2008 eine Ausstellung, die außerordentlich interessant ist. Dort stellt die Fotografin Sabine Wild unter dem Titel „Aufriss“ neue Arbeiten vor. Mit der Kamera war sie im urbanen Dschungel New Yorks unterwegs. Das alleine wäre noch nichts wirklich Interessantes, doch Wild verfremdet den Ausblick und legt so den wahren Charakter der Großstadt frei. Das klingt paradox, hat bei Wild aber Methode. Sabine Wild, NY Aufriss XX, 2008, Foto: © Sabine Wild Wilds Bilder leben vor allem von zwei fotografisch-künstlerischen Mitteln: Zum einen arbeitet sie durch vertikale Kamerabewegungen mit Unschärfen, was die visuelle Verfügbarkeit und den Wiedererkenungswert erheblich behindert. So anonymisiert sie ihre Bilder, die sonst so lebhafte Metropole New York wird zur anonymen, menschenleeren Großstadtwüste in der nur die steinernen Monumente Bestand haben. Außerdem wird die Vertikale so extrem betont, Wolkenkratzer und Straßenschluchten erscheinen noch bedrohlicher.

Besuch in den Deichtorhallen

Nicht dass sich ein Besuch in den Hamburger deichtorhallen nicht grundsätzlich immer lohnt, aber momentan lohnt er sich einfach ganz besonders, weil es drei wirklich tolle Ausstellungen gibt. Da ist die Ausstellung „Amercian Beauties – Amerikanische Lebenswelten in der Fotografie“. Sieben verschiedene amerikanische Lebenswelten und künstlerische Positionen werden in der Ausstellung vorgestellt. Karl Struss zeigt Stadtansichten New Yorks vom Beginn des 20. Jahrhunderts. Den großstädtischen Zeitgeist der 20er Jahre lässt Lisette Model in ihren Porträts auferstehen. Mit den Arbeiten von David Hockney und Larry Clark werden zwei ganz unterschiedliche künstlerische Lebenswelten gegenüber gestellt. Das von Langeweile, Drogenkonsum und Sex dominierte Leben einer Clique in einer amerikanischen Kleinstadt Ende der 60er Jahre thematisiert Larry Clark. David Hockney hingegen zeigt seine unmittelbare Umgebung und ästhetischen Einflüsse im Kalifornien der 70er Jahre, die die Leichtigkeit und Lebensfreude der Westküste spüren lassen. Wim Wenders wiederum zeigt ein Amerika, wie es Edward Hopper nicht besser hätte malen können: Einsame Straßen, Diners mit dem Flair der 50er Jahre, die Weite des Westens. Nan Goldin holt uns mit der Bildserie über ein …

Spencer Tunick in Düsseldorf

Während Vanessa Beecroft mit ihren immer gleichen Performances mit den nackten, still stehenden Modells (bei mir) nur noch für Langeweile sorgt, schafft es einen anderen Künstler mit seinen „nackten Installationen“ immer noch, ein wiederkehrendes Gefühl von Aufregung und Freude zu erzeugen. Nicht weil Spencer Tunicks Objekte ebenfalls nackt sind (was kein Nachteil ist), sondern weil die Masse nackter Menschen, die er durch Innenstädte wogen und ranken lässt, einfach immer wieder neu, anders und erfrischend sind. Kaum ein anderer Künslter schafft es so perfekt, das Verhältnis von Privatheit und Öffentlichkeit, von Inidviduum und Masse darzustellen. Tunick baut aus hunderten bis tausenden Menschen lebende Skulpturen. Seine Arbeiten vereinen Elemente aus den Bereichen Fotografie, Skulptur und Performance. Die nach Tunicks Vorgaben arrangierten Körper formieren sich zu einer Kurzzeitskulptur, die dann fotografisch festgehalten wird. Am 09. September 2006 wird er in Düsseldorf zu Gast sein und anschließend sind seine Bilder vom 30. September bis zum 07. Januar 2006 im museum kunst palast zu sehen. Wer als Volunteer teilnehmen möchte, kann sich unter www.spencertunickinduesseldorf.de bewerben. Die Teilnehmer erhalten als Belohnung …