Art Cologne 2008

23. April 2008 | Kein Kommentar

So, nun ist sie also vorbei, die Art Cologne 2008. Viel musste sie in den letzten Jahren erdulden. Immer wieder wird sie tot geredet oder geschrieben, gemäkelt über Konzept und Teppiche (siehe FAZ), der Messetermin wurde vom Herbst auf das Frühjahr gelegt, der Direktor wenige Wochen vor Messebeginn entlassen, weil die Galeristen gegen ihn putschten. Wie war sie also, die Art Cologne 2008, und wie steht es um die Messe? » Weiterlesen «

Mondrian in Köln

16. Januar 2008 | Kein Kommentar

Das nennt man dann wohl gegenseitige Befruchtung. Da haben zwei Museen hervorragende Sammlungen und sie tauschen einfach mal fleissig für eine Austellung. Das Gemeentemuseum in Den Haag besitzt eine ausgezeichnete Mondrian-Sammlung und schickt sie nach Köln ins Museum Ludwig und das Kölner Museum verleiht seine Picasso-Sammlung dafür nach Den Haag.

Bis zum 30. März 2008 präsentiert das Museum Ludwig eine der weltweit größten und bedeutendsten Mondrian- Sammlungen. Mit rund 70 Gemälden und Papierarbeiten wird die Werkentwicklung Mondrians nachgezeichnet von seinen frühen impressionistischen Werken in der Manier der Haager Schule, über seine Begegnung mit dem analytischen Kubismus von Braque und Picasso, die seinen Weg in die Abstraktion lenkte, über die Gründung von De Stijl 1917 bis zum Neoplastizismus.

Mondrian, Komposition mit großer roter Fläche, Gelb, Schwarz, Grau und Blau, 1921

Komposition mit großer roter Fläche, Gelb, Schwarz, Grau und Blau, 1921
© Mondrian/Holtzman Trust, c/o HCR International, Warrenton VA USA

Selbstverständlich werden auch die zu den Ikonen der klassischen Moderne zählenden Kompositionen aus roten, gelben und blauen Rechtecken in einem System aus schwarz-weißen rechtwinkligen Konstruktionen gezeigt. Diese haben sich zu einem regelrechten Markenzeichen des Künstlers entwickelt.

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht der künstlerische Prozess den Mondrian auf dem Weg zur Abstraktion durchlief. Mondrian selbst schrieb bereits 1914: „Die Leute halten meine Werke grundsätzlich für ziemlich unbestimmt. Ich entwerfe Felder aus Linien und Farben auf einer Oberfläche, um eine universale Schönheit plastisch zum Ausdruck zu bringen. … Die Natur (oder das Sichtbare) regen mich an …, aber ich will mich der Wahrheit so weit wie möglich nähern; dafür abstrahiere ich soweit bis ich zum Wesen der Dinge vordringe … Ich bin sicher, indem man vermeidet, alles eindeutig auszudrücken, gelangt man zum Ausdruck des Endgültigen schlechthin: der (allumfassenden) Wahrheit.“

Mondrian, Blühender Apfelbaum / Flowering Apple Tree, 1912

Blühender Apfelbaum / Flowering Apple Tree, 1912
© Mondrian/Holtzman Trust, c/o HCR International, Warrenton VA USA

Besonders schön ist die Ausstellung da, wo die Abwendung vom Abbild hin zur Abstraktion sichtbar wird. Das ist vor allem in dem Raum sichtbar, wo aus dem einsamen Baum auf dem Feld ein Gewirr aus Linien wird und schließlich eine geometrische Komposition. An einer Wand sind die Akte und Porträts versammelt, die über Anklänge von Kubismus zu abstrakten Flächen werden. Die Ausstellung beginnt mit den frühen expressionistisch anmutenden Arbeiten und führt über flächige Abstrahierungen in knalligen Farben hin zu den abstrakten Kompositionen bis zu den bekannten geometrischen Arbieten, die Piet Mondrian so bekannt machten. Die Ausstellung, klein aber fein, zeigt perfekt auf, warum Mondrian dort anlangte und wie stringend die Entwicklung des Niederländers war. Eine wirklich sehenswerte Ausstellung, die gut ausgeleuchtet ist, allerdings spärlich erklärt – um nich tzu sagen ga rnicht. Wer Erklärungen haben will, sollte sich den Ausstellungsführer für einen Euro leisten oder gleich zum Audioguide greifen. Allerdings sprechen die Bilder auch für sich.

Parallel zur Präsentation der Mondrian Ausstellung in Köln schickt das Museum Ludwig seine Picasso-Sammlung nach Den Haag. Es handelt sich hierbei um die weltweit drittgrößte Kollektion des Künstlers Pablo Picassos, die einen Überblick über alle Schaffensphasen und Techniken gibt. Bis zum 30. März 2008 wird sie im Gemeentemuseum in Den Haag dem niederländischen Publikum offen stehen.

“Richterfenster” im Kölner Dom eingeweiht

28. August 2007 | 6 Kommentare

So, nun war es also soweit, das von Gerhard Richter entworfene Fenster des südlichen Querhaues im Kölner Dom wurde am Wochenende festlich eingeweiht. Ohne Zweifel, es ist etwas Besonderes und Außergewöhnliches entstanden. Aber da, wo moderne Kunst ist, sind Bedenkenträger nicht weit.

Fenster von Gerhard Richter im Kölner Dom

Gerhard Richter, Fenste rim südlichen Querhaus, Kölner Dom, 2007, © Gerhard Richter

Das 106 Quadratmeter große Fenster in Schwindel erregender Höhe im südlichen Querhaus des Doms besteht aus 11200 kleinen Farbquadraten, fast scheint es so, als ob Gott persönlich hinter dem Fenster seinen Monitor aufgehängt und die Welt in tausend Pixel hat zerspringen lassen.

Farblich hat sich Richter von den Farben mittelalterlicher Glasfenster inspirieren lassen. 78 Farbtöne hat er ausgewählt und von einem Zufallsgenerator setzen lassen, lediglich kleine Korrekturen hat er sich dort erlaubt, wo dies aufgrund baulicher Gegebenheiten nötig schien oder um zufällig entstandene Formen zu zerstreuen.

Entstanden ist ein wahres Farbmeer, das sich je nach Lichteinfall und äußeren Lichteinflüssen verändert und das Querhaus in unterschiedliche Farben taucht. Mal betont das Licht die dunklen Blautöne, dann wieder strahlt das Rot und dann funkelt das Licht in den grünen Fragmenten und lässt sie wie Smaragde glitzern. Und zwischendrin lassen die hellen Fenster immer wieder das Tageslicht hindurch – eine Landschaft entsteht vor dem Auge des Betrachters.

Kardinal Meisner ist nicht wirklich glücklich mit dem Fenster. Er hatte sich eher eine figürliche Darstellung von modernen Märtyrern gewünscht. Anderen Kritikern ist das Fenster zu profan und tatsächlich düfte sich die moderne Kunst nur sehr selten mit derart profanem Motiv in eine Kirche gewagt haben- zumindest nicht in eine gotische Kathedrale. Doch ist das Motiv tatsächlich so wenig sakral, wie die Kritiker meinen? Wären ein paar Heiligenbildchen wirklich schöner gewesen? Zum Nachdenken und Reflektieren hätten sie sicher nicht angeregt. Man wäre an ihnen vorbeidefiliert, wie viele das auch bei den anderen Fenstern machen. Lediglich der farbliche Gesamteindruck löst bei vielen ein Staunen aus und erfüllt die sonst dunklen gotischen Häuser mit atmosphärischem Glühen. Ist es also tatsächlich so wichtig, wer oder was zu sehen ist? Verkommt die Bildaussage nicht ohnehin zur Nebensache?

Andächtig verweilt man also vor dem Bild, wenn man den Kölner Dom betritt und durch das Gotteshaus flaniert. Es fällt sofort auf, dass dort, wo sich vorher ein normales Fenster befand, jetzt ein farbiges den Raum erhellt. Aber es ist nicht mehr weißes Licht, das so störend wirkte, es ist ein Farbmeer, ein Lichter- und Farbtanz, der sich abspielt, leuchtende farben, kräftig und klar. Es ist fast so, als wollte Richter sagen, schaut her, wie schön die Schöpfung ist und wie herrliche die Welt sein kann mit all ihren Farben, ihren Facetten und tausend Wirklichkeiten. Das Erstaunliche ist jedoch, dass man den Eindruck hat, das Fenster sei schon seit Jahrhunderten dort.

Übrigens: Brüllend komisch ist Werner Spiess’ Essay in der FAZ zu dem Fenster. Auch wenn ich die Arbeit von Spiess sehr mag: Ich hab selten eine so verquaste Rezension gelesen. Wer es sich dennoch antun will, bitte sehr: Ein Ozean aus Glas im Kölner Dom

Universum Dalì

21. April 2006 | Kein Kommentar

Zur Zeit findet im Kölner Museum Ludwig eine Ausstellung zu Dali und seinem Bild “La gare de Perpignon” statt. Wer sowieso schon deshalb dort ist, sollte in der Galerie Boisseree vorbeischauen. Und wer nicht vorhatte, nach Köln zu fahren, sollte es genau deshalb tun. Die Galerie zeigt “DA DA DALÌ – Salvador Dalì in Bildern von Werner Bokelberg”.

Im Jahre 1965 kamen der Fotograph Werner Bokelberg und der Journalist Walther Hermann Schünemann in Paris mit Salvador Dalí zusammen, um mit ihm eine Bildreportage für den “Stern” zu verabreden. Dalís Ansehen als exzentrischer Künstler hatte sich verfestigt, und ließ einiges an aussagekräftigem Material erwarten.

Der katalanische Surrealist war sehr rasch von den jungen Journalisten eingenommen, und lud sie spontan zum Setting in sein privates Domizil in Port Lligat ein. Einzige Bedingung für die Verabredung war, dass die Beiden eine schöne Blondine mitbringen sollten – “zur Entzündung der Magie des Künstlers”. Im Frühjahr trafen denn Bokelberg und Schünemann in Port Lligat ein. Bei sich hatten sie das dänische Model Lotte Tarp, von Dalí kurzerhand in “Ginesta Ophelia” umbenannt. Der Magier wurde von “Ginestas hinreißenden Hüftknochen” tatsächlich entflammt, und so fokussierte sich ihm in den folgenden acht Shooting-Tagen
das Universum in diesem anatomischen Detail.

Mit Dalís Invention entstanden mehrere Fotoserien, die seine offensive Auffassung von den sublimierenden Möglichkeiten in der Kunst in Szene setzen. Dalí mit und ohne Lotte Tarp, Lotte Tarp mit und ohne Dalí, naturelle und in Verkleidung, dazwischen auch mal Gala, und alle Aufnahmen so, dass in Dalís Gesicht die Bürde der Obsession künstlerischen Begehrens zu lesen ist. Die ist selbst in den Aufnahmen, die Dalí wie beim Chill-Out mit erschöpftem Blick aufs Meer zeigen, zu spüren. Die sexuelle Besessenheit sei Voraussetzung für jedes künstlerische Schaffen, bekundete Dalí im Vorwort der ein Jahr später entstandenen und vom Künstler mitredigierten Buchedition der Aufnahmen. Perfekt dokumntieren die bilder Dal`s Schaffen und seine schillernde Persönlichkeit.

Artikel mit den Tags Köln