7. April 2009
Anlässlich des 60. Geburtstages der Bundesrepubik Deutschland stellt die BILD-Zeitung momentan für jedes Jahr ein Bild vor. So viel Schöngeistigkeit hätte ich der Zeitung mit den vier Buchstaben gar nicht zugetraut. Ich bin begeistert…
Auf die Idee sind sie allerdings nicht wirklich selbst gekommen, sie präsentieren die Werke der Ausstellung “Sechzig Jahre – Sechzig Künstler”, die am 30. April 2009 von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Martin-Gropius-Bau in Berlin eröffnet wird. Gezeigt werden sechzig kunstgeschichtlich herausragende Arbeiten der Malerei, Skulptur, Fotografie und Installationskunst, die seit 1949 entstanden sind. Die Arbeiten stammen von sechzig Künstlern, darunter klangvolle Namen wie Georg Baselitz, Willi Baumeister, Joseph Beuys, Andreas Gursky, Rebecca Horn, Jörg Immendorff, Anselm Kiefer, Martin Kippenberger, Ernst Wilhelm Nay, Albert Oehlen, Sigmar Polke, Neo Rauch, Gerhard Richter und Günther Uecker.
Die BILD-Zeitung ist Medienpartner, so werden vielleicht auch einige Menschen in die Ausstellung gelockt, die sonst nicht kämen. Vorgestellt werden die Bilder und die Künstler in der BILD von renommierten Experten, außerdem kann man einen virtuellen Rundgang durch die Ausstellung unternehmen.
16. Januar 2009
Ab heute kann man auch bei twitter über 360° auf dem Laufenden bleiben. Wer einen Account bei twitter hat, klickt einfach rechts in der Sidebar unter Feeds auf twitter und dann auf “follow”. Wer noch keinen Account hat, muss sich in ein paar Schritten einen anlegen. Dann bekommt man kurze Textnachrichten mit den Überschriften der Artikel und einem Link, wenn ich hier etwas Neues publiziert habe. Vorteilhaft ist das insbesondere, wen man die Artikel auf dem Handy lesen möchte. Viel Spaß!
10. November 2008
Wie ich neulich lernen durfte, sagen Jugendliche heute nicht mehr “cool” oder “geil” wie zu meiner Zeit, sondern “voll porno”. Das trifft auch auf die Ausstellung “Diana und Actaeon. Der verbotene Blick auf die Nacktheit” im Düseldorfer museum kunst palast zu, die ist nämlich wirklich sehenswert. Voll porno, das findet auch die BILD-Zeitung, die findet die Schau allerdings nicht cool, sondern echauffiert sich über die Darstellungen und meint, das sei einfach nur Pornographie und keine Kunst.
Ihren Namen hat die Ausstellung von Ovids Mythos der Diana und des Actaeon. Bei einem Streifzug durch den Wald entdeckt der Jäger Actaeon die Göttin Diana beim gemeinsamen Bad mit ihren Nymphen. Überrascht vom begehrenden Blick des Actaeon, verwandelt die nackte Göttin der Jagd den Jäger in einen Hirsch. Von seinen eigenen Hunden nicht mehr erkannt, zerfleischen diese den hilflosen Actaeon.

Eric Fischl, Bad Boy, 1981
Öl auf Leinwand, 167,5 x 244 cm
Privatsammlung, Courtesy Thomas Ammann Fine Art, Zürich
Die Ausstellung zeigt ein großes Konvolut von 300 Gemälden, Skulpturen, Zeichnungen und Grafiken sowie Fotografien und Videos, die sich dem Themenkomplex von Keuschheit und Begehren, von Sehen und Gesehen werden, von Voyeurismus und Exhibitionismus widmen. So illustriert die Schau auch ein Thema, dessen Darstellung bis heute als Tabu gilt: die explizite Zurschaustellung des Geschlechts. All zu schnell schreien viele hier eben sofort “Porno!”. Dabei will die Ausstellung nicht einfach nur eine weitere zum Thema der Erotik in der Kunst sein, sondern konzentriert sich mit präzisen Fragestellungen auf Bildwerke, die vom verbotenen Blick auf das zumeist weibliche Geschlecht handeln.
Die Ausstellung handelt von Begierde, der verschlungenen Verknüpfung von Geschlecht und Geschlechtlichkeit mit Schönheit, Wahrheit und Ekstase. Sie handelt von Tabus und Tabubruch, von Schuld und Bestrafung und von der Erkenntnis, die unschuldig nicht zu haben ist. Dabei thematisiert sie ebenso die vielschichtige Faszination des Blickes auf den schönen weiblichen Körper, aber auch das Entsetzen, welches der Anblick des demonstrativ und schamlos unverhüllten weiblichen Geschlechts beim Betrachter auslösen kann.
So wie bei Eric Fischls Bad Boy (1981). Wahrlich ein böser Junge. Durch die Jalousien eines Fensters fällt Licht auf ein Bett. Auf diesem räkelt sich eine nackte Schöne. Den jungen Mann im Vordergrund bemerkt sie nicht oder es ist ihr egal, dass er da ist. Sie gibt sich ganz dem Augenblick hin. Durch die gespreizten Beine sieht der Betrachter ihre ganze Weiblichkeit.
Der böse Junge hat dem Betrachter den Rücken zugewandt und schaut der Frau zu. Hinter ihm steht auf dem Schreibtisch eine Handtasche. Es dürfte kein Zufall sein, dass die Öffnung der Handtasche einer Vagina nicht unähnlich ist. Die Hand des Voyeurs ist tief in der Handtasche verschwunden. Wie zufällig steht auch eine Obstschale mit Bananen auf dem Tisch. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, denn kein anderes Obst erinnert so sehr an einen Phallus, wie die Banane.
Ein tolles Kunstwerk, weil der Betrachter minutenlang vor der Werk stehen kann und darüber nachdenken kann, was dort geschieht. Der Maler hat viele Andeutungen und Informationen in das Bild gesteckt.
Der Frau scheint es egal zu sein, dass sie beobachtet wird, vielleicht zieht sie sogar einen Lustgewinn daraus, beobachtet zu werden. Die Hand in der Handtasche wirft gleich mehrere Fragen auf. Stiehlt der Bad Boy der Dame Geld? Die frivole Andeutung dürfte mehr sagen: Sigmund Freud höchstselbst deutete das Symbol der Handtasche als Vagina.
Ist er böse, weil er die Situation ausnutzt oder weil er der Frau in einem intimen Moment zuschaut und ihre Gleichgültigkeit ausnutzt? Deutet Fischl hier gar einen Ödipus-Komplex an,weil der Junge seien Mutter begehrt, was der Maler mit dem Griff in die Vagina – Verzeihung – in die Handtasche andeutet?
Oder ist etwa der Maler selbst der Bad Boy, weil er es wagte, der totgesagten figurativen Malerei mit diesem Bild neues Leben einzuhauchen? In Amerika löste das Bild Anfang der achtziger Jahre jedenfalls einen kleinen Skandal aus und machte den Maler über Nacht berühmt.
Die Ausstellung ist grandios und mit 300 Werken von 200 Künstlern mehr als opulent. Die Ausstellung aufgrund von ein paar wenigen grenzwertigen Bildern als pornographisch abzutun, wie es die BILD-Zeitung tut, ist nicht nur oberflächlich, es ist schlicht dumm. Natürlich sind Bilder wie die Fotografien von Nobuyoshi Araki so lange keine Pornografie, so lange es nicht um die Befriedigung sexueller Bedürfnisse geht, es also ganz klar einen künstlerischen Willen des Künstlers gibt und die Bildaussage klar ist. Auch wenn ich kein großer Fan von Araki bin, ich habe keine Pornographie entdecken können.
Ein kleiner Wermutstropfen ist die Fülle der Werke, da wirkt die Auswahl einfach manchmal zu beliebig und es wird langweilig. Ein wenig mehr Vorauswahl wäre vielleicht klug gewesen. Und was mancher Betrachter als pornographisch empfindet, ist meist nicht mehr als die Zurschaustellung eben jenes intimsten Körperteils. Und das ist ist mehr langweilig und banal als wirklich pornographisch.
9. November 2007
Berlin mausert sich. Die Kunst in der Stadt boomt. Das einstige Provinznest Berlin wird zur kulturellen Metropole. Kaum ein Tag vergeht, an dem sich nicht irgendein renommierter Künstler niederlässt oder ein Zweitatelier in der Stadt eröffnet. Kaum ein Tag, an dem nicht ein neues Museum oder eine neue Galerie geplant, gebaut oder eröffnet wird. Nachdem in den letzten Wochen viel über den Bau der temporären Kunsthalle “White Cube Berlin” geschrieben wurde, ist jetzt der Kupfergraben in aller Munde. Dort, direkt in Sichtweite der Museumsinsel hat sich Sammler Heiner Bastian niedergelassen und von Stararchtiekt David Chipperfield einen Neubau errichten lassen und damit eine begehrte Baulücke geschlossen.
Die oberen Stockwerke des Tageslicht durchfluteten Baus nutzt Bastian zur Präsentation zeitgenössischer Kunst. In die unteren Räume ist die Galerie Contemporary Fine Arts eingezogen. Bastian eröffnet seine Räume mit einer Ausstellung zu Damien Hirst, die Galerie Contemorary Fine Arts mit Walter Pichler. Der Bau ist innen und außen eine wahre Augenweide und für den Ausstellungsbetrieb wirklich ideal. Allerdings wirkt er auf mich dort ein bisschen wie ein Fremdkörper, eine Lösung, die sich in die Architektur der Umgebung besser eingepasst hätte, wäre wohl klüger gewesen.
22. Februar 2007
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Der Yidam Guhyasamaja-Akshobhya, China, Ming-Dynastie (1403-1424), Potala, Lhasa © Administrative Bureau of Cultural Relics, Tibet Autonomous Region, China
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Muss eine Ausstellung zur Kunst Tibets unbedingt ein Mißfallen gegen die Politik der chinesischen Regierung kundtun? Deutsche Tibet-Organisationen meinen: ja. Sie haben zur Ausstellung Tibet – Klöster öffnen ihre Schatzkammern” im Berliner Museum für Asiatische Kunst massiven Portest angekündigt. So forderten der Verein der Tibeter in Deutschland, die International Campaign for Tibet Deutschland und die Tibet Initiative Deutschland in einer gemeinsamen Erklärung Bundespräsident Horst Köhler als Schirmherr der Ausstellung dazu auf, “zu Religionsunterdrückung, politischer Verfolgung und systematischer Benachteiligung in Tibet Stellung zu beziehen”.
Die Ausstellung sei eine “unerträgliche Ausblendung historischer Wahrheit”, beschwerte sich die Organisationen. Es werde nicht darauf hingewiesen, dass ein Großteil der tibetischen Kunstschätze in den sechziger und siebziger Jahren von den chinesischen Invasoren zerstört worden seien. Die politische Geschichte Tibets sowie aktuelle Menschenrechtsverletzungen würden konsequent ausgeklammert.
Die Ausstellung, die seit 21. Februar läuft, zeigt 150 religiöse Kunstschätze aus Tibet, darunter aus bedeutenden Klöstern Zentraltibets, der Residenz des Dalai Lama und dem Tibet Museum in Lhasa. Viele Preziosen haben Tibet noch nie verlassen, weil sie bis heute als Kultgegenstände dienen. Zu den glanzvollen Skulpturen, farbenprächtigen Gemälden, kostbaren Manuskripten und reich verzierten Altargeräten gehört auch die goldene und mit Juwelen verzierte Skulptur des tausendarmigen Avalokiteshvara, der “Gottheit des unermesslichen Mitgefühls”, die sich im Dalai Lama reinkarniert. Fast unscheinbar ist dagegen die älteste Buddha-Skulptur aus dem Jahr 473 n. Chr.
Die Ausstellung ist eine Weltpremiere. Zum ersten Mal stellten einige der bedeutendsten Klöster Zentraltibets Schätze aus ihren reichen Sammlungen als Leihgaben zur Verfügung. Eine Bedingung für die Realisierung der Ausstellung war jedoch, “dass die Ausstellung nicht politisch ausgenutzt werden darf – von keiner Seite”, so die Kuratorin Jeong-Hee Lee-Kalisch.
Muss eine solche Ausstellung zwangsläufig gegen die chinesischen Besatzer agieren? Nein, muss sie nicht. Zum Einen hätte es sie wohl nicht gegeben, denn für die Chinesen war klar, dass man die Kulturschätze nur verleihen würde, wenn es keinerlei politische Bekundungen gäbe. Zum Anderen sind die Kunstschätze aus den Klöstern ein unschätzbarer Botschafter für die tibetanische Kultur und den Buddhismus.
Es handelt es sich um eine kunst- und kulturhistorische Ausstellung, nicht um ein politisches Ausrufungszeichen. Das darf Frau Merkel dann beim nächsten Besuch in China setzen, wenn es wieder um milliardenschwere Aufträge für die deutsche Wirtschaft geht. Ein Museum ist kein Ort für derartige Auseinandersetzungen. Es kann auf politische Mißstände aufmerksam machen, es muss aber nicht. Schon gar nicht, wenn uns sonst solche Schätze verborgen geblieben wären.