1. August 2008
Das Museum Sammlung Frieder Burda zeigt bis 26. Oktober in Baden-Baden die Ausstellung “Die Skulpturen der Maler. Malerei und Skulptur im Dialog”. Die Ausstellung beleuchtet den Umgang der Maler mit der Skulptur und den Stellenwert, den sie ihr einräumten.

Plakat zur Ausstellung
Eigentlich ist eine solche Ausstellung ja keine Neuigkeit mehr. Grafik, Zeichnung und Bildhauerei waren auch bei Picasso, Matisse und Kirchner beliebte Medien, die gerne und oft genutzt wurden. Und doch ist die Ausstellung sensationell und das liegt vor allem an zwei Umständen.
Zum Einen ist es der Dialog, den die Werke miteinander eingehen. Da steht Edgar Degas’ “Probe im Foyer de la danse” der wunderbar filigranen Skulptur “Kleine vierzehnjährige Tänzerin” gegenüber. Neben Picassos Ölgemälde “Jacqueline” steht der überdimensionierte bemalte Blechkopf der Angebeteten. Überhaupt sind Skulpturen und Bilder von Picasso überragend, vielleicht, weil Picasso nie einem Medium dem anderen den Vorzug gab. Insofern ist es vielleicht auch falsch, Picasso als Maler hinzustellen, der auch bildhauerisch tätig war. Auch Matisse wundervolle Gemälde werden den ebenso schönen Skulpturen gegenübergestellt und zeigen, wie wichtig auch Matisse das Arbeiten im Raum war. Ähnliches gilt für Kirchner, dessen Skulpturen den Bildern entsprungen zu sein scheinen, so ähnlich sind sie sich in ihren äußeren Formen.
Spannend ist die Ausstellung aber auch da, wo sie Künstler, die in der öffentlichen Wahrnehmung als Maler gesehen werden, als Bildhauer zeigt. Da sind zum Beispiel die skulpturalen Arbeiten von Joan Míro, der seine ganz eigene malerische Formensprache auf die Skulptur überträgt. Auch Dubuffets “Tour ballerine” von 1964 sieht ein wenig so aus, als ob sie einem Dubuffet-Bild entsprungen ist. Auf der unregelmäßigen udn zerklüfteten oberfläche eiens Monolithen prangen die üblichen Schraffuren in Schwarz, Rot und Blau, unterbrochen von Weiß. Und auch der Marc Chagall ist mit Skulpturen vertreten. Auch seine Skulpturen haben große Ähnlichkeit mit seiner Bildsprache.
140 Werke hat Kurator Jean-Louis Prat aus 40 Museen und Sammlungen zusammengetragen. Neben den bereits genannten sind auch Georg Baselitz, Max Beckmann, Georges Braque, Honoré, Daumier, Edgar Degas, Max Ernst, Paul Gauguin, Alberto Giacometti, Yves Klein, Willem de Kooning, Markus Lüpertz, Amedeo Modigliani, A.R. Penck, Antoni Tàpies und Cy Twombly vertreten.
Eine tolle Ausstellung, die manche Überraschung birgt. Unbedingt ansehen! Mehr unter: Museum Sammlung Frieder Burda. Zur Ausstellung ist ein Katalog
im Hatje Cantz Verlag erschienen.
11. September 2007
Für viele Kunstinteressierte betritt Amerika die Bühne der Kunst erst in den 30er und 40er Jahren des letzten Jahrhunderts, als sich die Kunstszene von Paris nach New York verlagerte. Und erst im Laufe jener Jahre entwickelte sich so etwas wie ein eigene amerikanische Kunstbewegung. Doch das ist falsch, wie uns jetzt die Staatsgalerie Stutgart zeigt, den langer vor der New Yorker Schule gab es die Hudson River School.
Kulturell wurde Amerika im 19. Jahrhundert geprägt von den europäischen Siedlern und deren Ursprungsländern. Künstlerisch orientierten sich die Maler jener Jahre am akademischen Klassizismus der europäischen Kunst. die Maler zogen umher und verkauften Porträts oder Bilder vom Alltagsleben der Siedler. Doch mit der Besiedlung des Kontinents kamen auch die Maler weit herum. Sie entdeckten die landschaftlichen Schönheiten des Landes. Kaum ein anderes Land verfügt über ein derart abwechslungsreiches Landschaftsbild wie die USA: Wüsten, Küsten, breite Flusstäler, endlose Ebenen, Gebirge und dichte Urwälder. Durch den Willen, die Schönheiten des Kontinents auf Leinwände zu bannen, entstand dann auch die erste amerikanische Kunstbewegung: die Hudson River School.
Allerdings waren die Maler der Hudson River School keine Künstlergemeinschaft oder Bewegung mit einheitlicher Malweise oder Intention. Viele der Maler kannten sich nicht einmal. Auch der Name irritiert: Zwar nahm die Bewegung am Hudson River ihren Anfang und die ersten Bilder entstanden in dem Flusstal nordwestlich von New York, doch viele Maler lebten in anderen Landesteilen und haben den Hudson River wahrscheinlich nie gesehen.
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20. März 2006

Für mich ist Justine Otto eine der Entdeckungen des letzten Jahres. Kein Wunder. Als bekennender Lucien Freud- und Jenny-Saville-Fan kann ich gewisse Ähnlichkeiten nicht zurückweisen, auch wenn sie diesen Vergleich wahrscheinlich schon nicht mehr hören kann. Wie Freud und Saville malt auch Otto seelische Landschaften auf Körper und Gesicht ihrer Modelle. Das Thema ihrer großformatigen, gegenständlichen Malerei ist vor allem die Kindheit und das Erwachsenwerden und alles was damit zusammenhängt: Angst, Unsicherheit, Sehnsucht und Fantasie. Besonders spannend finde ich die Serie “t-shirt project”. Otto bildet hier junge Mädchen im T-Shirt ab. Die Gesichter sind in grellen Farben gemalt, wirken grob, aber charismatisch und bilden einen merkwürdigen Kontrast zu den T-Shirts, auf denen abgeklärte Parolen gedruckt sind, die den Bildern auch ihre Namen gaben: “great minds think”, “alles wird gut” oder “whatever the fuck I want”.
Noch sind ihre Bilder bezahlbar, lange wird das aber nicht mehr so bleiben. Vertreten wird Otto von der Frankfurter Galerie Barbara von Stechow, die übrigens ein ausgezeichnetes Programm hat. Wer in Frankfurt weilt, sollte sich unbedingt zu einem Besuch entschließen. Es lohnt sich.